Einmal in einem Motorradfahrerleben muß man am Nordkap gewesen sein. Einmal in einem Motorradfahrerleben muss man die Nordschleife langgeschrubbelt sein. Einmal in einem Motorradfahrerleben muß man das Stilfser Joch rauf- und runtergefahren sein. Einmal in einem Motorradfahrerleben muß man die „Route des Grandes Alpes“ gefahren sein. Einmal in einem Motorradfahrerleben muß man blablabla…..
Die Liste könnte noch lang werden. Mir fehlen da noch ein paar Punkte. Mir sind solche Listen eigentlich egal. An der Nordschleife war ich schon oft, hatte aber nie das Gefühl, sie auch befahren zu müssen. Am Nordkap bin ich gewesen weil auf den Lofoten das Wetter Mist war. Das Stilfser Joch fehlt mir nach diversen anderen Jochs definitiv nicht und all‘ die anderen Pflichttouren die mir noch so einfallen würden haben mich eher wenig interessiert. Aber bei der „Route des Grandes Alpes“ ist das anders. Irgendwie hat schon der Name etwas besonderes. Er klingt wie der Inbegriff des „Gran Turismo“. Bilder von schneebedeckten Bergen und unglaublichen Pässen tauchen schon beim lesen dieses Namens vor meinem geistigen Auge auf. Alpenlandschaften aus dem Bilderbuch und Panoramen die jede Postkarte albern aussehen lassen. Kurz: Es ist die europäische Traumstraße schlechthin. Knapp 700 km vom Genfer See bis Menton am Mittelmeer führt die Straße über die Pässe mit den großen Namen: Col de Iseran, Col du Gabilier, Cold du Dieser und Col du Jener. Schon vor Jahren wollte ich diese Tour fahren. Aber irgendwie ist es nie dazu gekommen. Dieses Jahr sollte es soweit sein.

Klar: Das ist ein weiter Ritt. Schon die Anfahrt ist verdammt lang. Und anschließend muß man ja auch wieder zurück. Wie dem auch sei. Ich habe die Tour geplant und festgestellt, dass es in zwei Wochen möglich ist ohne dass man anschließend nie mehr aufs Moped steigen will. Meine Grobplanung (eine sanfte Untertreibung) sah vor, zunächst bis in die Eifel zu fahren, dann vom Saarland aus in den „Grand Est“ Frankreichs zu fahren. Durchs Elsass und die Vogesen sollen traumhafte Strecken führen und ich habe lediglich vor ein paar Jahren mal einen dreitägigen Abstecher vom Schearzwald aus dahin gemacht. Dieser Part soll drei bis vier Tage dauern. Dann wäre ich am Start der „Route des Grandes Alpes“ in Thounon les Baines am Genfer See. Die Route selbst will ich in ebenfalls drei bis vier Tagen fahren und ab dann improvisieren. Eventuell von Menton aus durch Ligurien (an Imperia vorbei!!) bis kurz vor Genua und dann durch Norditalien/Südtirol zurück. Oder wieder in die westlichen Alpen und das Aosta-Tal erfahren, oder, oder.
Egal. Der Plan steht. Ich mache das. So das Wetter mitspielt. Anfang September geht es los. Ich freue mich riesig darauf. Nach so vielen Jahren mache ich es jetzt einfach. Es ist wie mit allem: Man muss es nur tun. Und wie der große Vorsitzende (oder war es Konfuzius?) schon sagte: Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. In meinem Fall mit der esten Tankfüllung.
