Alles was mich interessiert

Autor: Martin (M) Seite 1 von 7

Die Idee

Einmal in einem Motorradfahrerleben muß man am Nordkap gewesen sein. Einmal in einem Motorradfahrerleben muss man die Nordschleife langgeschrubbelt sein. Einmal in einem Motorradfahrerleben muß man das Stilfser Joch rauf- und runtergefahren sein. Einmal in einem Motorradfahrerleben muß man die „Route des Grandes Alpes“ gefahren sein. Einmal in einem Motorradfahrerleben muß man blablabla…..
Die Liste könnte noch lang werden. Mir fehlen da noch ein paar Punkte. Mir sind solche Listen eigentlich egal. An der Nordschleife war ich schon oft, hatte aber nie das Gefühl, sie auch befahren zu müssen. Am Nordkap bin ich gewesen weil auf den Lofoten das Wetter Mist war. Das Stilfser Joch fehlt mir nach diversen anderen Jochs definitiv nicht und all‘ die anderen Pflichttouren die mir noch so einfallen würden haben mich eher wenig interessiert. Aber bei der „Route des Grandes Alpes“ ist das anders. Irgendwie hat schon der Name etwas besonderes. Er klingt wie der Inbegriff des „Gran Turismo“. Bilder von schneebedeckten Bergen und unglaublichen Pässen tauchen schon beim lesen dieses Namens vor meinem geistigen Auge auf. Alpenlandschaften aus dem Bilderbuch und Panoramen die jede Postkarte albern aussehen lassen. Kurz: Es ist die europäische Traumstraße schlechthin. Knapp 700 km vom Genfer See bis Menton am Mittelmeer führt die Straße über die Pässe mit den großen Namen: Col de Iseran, Col du Gabilier, Cold du Dieser und Col du Jener. Schon vor Jahren wollte ich diese Tour fahren. Aber irgendwie ist es nie dazu gekommen. Dieses Jahr sollte es soweit sein.

Die Route

Klar: Das ist ein weiter Ritt. Schon die Anfahrt ist verdammt lang. Und anschließend muß man ja auch wieder zurück. Wie dem auch sei. Ich habe die Tour geplant und festgestellt, dass es in zwei Wochen möglich ist ohne dass man anschließend nie mehr aufs Moped steigen will. Meine Grobplanung (eine sanfte Untertreibung) sah vor, zunächst bis in die Eifel zu fahren, dann vom Saarland aus in den „Grand Est“ Frankreichs zu fahren. Durchs Elsass und die Vogesen sollen traumhafte Strecken führen und ich habe lediglich vor ein paar Jahren mal einen dreitägigen Abstecher vom Schearzwald aus dahin gemacht. Dieser Part soll drei bis vier Tage dauern. Dann wäre ich am Start der „Route des Grandes Alpes“ in Thounon les Baines am Genfer See. Die Route selbst will ich in ebenfalls drei bis vier Tagen fahren und ab dann improvisieren. Eventuell von Menton aus durch Ligurien (an Imperia vorbei!!) bis kurz vor Genua und dann durch Norditalien/Südtirol zurück. Oder wieder in die westlichen Alpen und das Aosta-Tal erfahren, oder, oder.

Egal. Der Plan steht. Ich mache das. So das Wetter mitspielt. Anfang September geht es los. Ich freue mich riesig darauf. Nach so vielen Jahren mache ich es jetzt einfach. Es ist wie mit allem: Man muss es nur tun. Und wie der große Vorsitzende (oder war es Konfuzius?) schon sagte: Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. In meinem Fall mit der esten Tankfüllung.

Start: Ein Tag und zwei Stunden zu spät


Am Montagmorgen starte ich. Um 10 Uhr. Eigentlich wollte ich seit gestern morgen um acht unterwegs sein. Aber egal. Hauptsache es geht los. Wie immer wenn es Richtung Süden/Südwesten geht, will ich auch diesmal durch die Eifel fahren. Also die altbekannte Strecke bis Blankenheim und dann etwas durchs Ahrtal und und so weiter. Am Oberhausener Kreuz ist schon Schluss mit lustig. Stau wird gemeldet. 25 Minuten Verzögerung soll es geben auf der A3 Richtung Köln. Also fahre ich weiter bis zum Gaskessel, nehme bei einer Bäckerei einen Kaffee und schaue mir auf Google Maps an, wie es aussieht. Was für ein Mist. Ich hätte gestern starten sollen. Am Sonntagmorgen um diese Zeit hat man im allgemeinen überall freie Fahrt. Zu spät. Der Stau will sich nicht auflösen und ich beschließe, einfach neben der Autobahn den Stau zu umfahren und in Breitscheid wieder auf die drei zu fahren. So mache ich das auch. Was für ein selten blöder Gedanke. Ich bin wirklich ein Depp. Ist schon mal jemand von euch am Montagmorgen durch Oberhausen und Mülheim bis Breitscheid gefahren? Lasst es. Ich hätte besser eine Stunde im Cafè gesessen und wäre dann ganz normal über die Autobahn gefahren. So schleiche ich im Kriechtempo durch den Stadtverkehr, lasse mich von LKWs einnebeln und stehe in der prallen Sonne in endlos langen Schlangen vor endlos vielen Ampeln. Klar. Ich bin hier schon lang gefahren. Aber noch nie im vollen Berufsverkehr. Und das werde ich auch ganz sicher nie wieder machen. Was für ein Mist. Fängt ja schon gut an.
Aber irgendwann bin ich tatsächlich in Breitscheid, fahre auf die Autobahn und habe tatsächlich freie Fahrt. In Leverkusen geht es wie üblich über den Rhein und auf Richtung Köln-Nord. Die neue Rheinbrücke dort scheint bald fertig zu sein. Dann wird hier auch wieder das Chaos mit den LKWs ausbrechen. Zur Zeit dürfen sie noch nicht hier lang fahren, da die Strecke seit über 10 Jahren für alles > 3,5t gesperrt ist. Ja: Richtig gelesen. Seit über 10 Jahren. So lange benötigt man in Deutschland, um eine Brücke zu bauen. Und sie ist noch nicht fertig. Naja, ich gebe zu, dass man mit dem Bau der ersten Brücke „erst“ 2017 angefangen ist. Aber die ist immer noch nicht fertig. Das ganze Projekt an der A1 umfasst knapp 5Km Autobahnausbau und zwei Brücken. 2027 soll alles fertig sein. Wer’s glaubt… Wie dem auch sei: Am Rasthof Ville mache ich meinen Traditionsstop und trinke einen Kaffee aus der Thermoskanne. Nach einer Zigarette geht es dann weiter. Die nächste Pause gibt es irgendwo in der Eifel.
Die letzten paar Kilometer bis zum Ende der A1 bei Blankenheim sind schnell gefahren. Aber es wird auch hier wieder klar: Meine Moto Guzzi ist nicht für die Autobahn gebaut. Da tut sie sich wirklich schwer. Es macht keinen Spass, mit dem Teil schnell zu fahren. Das einzig positive ist der Tempomat. Den stelle ich auf gut 120 ein und es läuft.
Das Wetter ist herrlich und die Kilometer fliegen vorbei. In der Eifel fahre ich nicht durchs Ahrtal sondern halte mich mehr westlich. Ich will über Trier in Richtung Saarland. Denn es soll ja nach Frankreich gehen.
Entlang der Kyll fahre ich schöne Straßen und ich dann fange ich an, etwas zu mogeln. Eigentlich wollte ich ab Blankenheim keine Autobahn mehr fahren. Aber die Zeit drängt. Ein Tag zu spät gestartet und heute morgen viel Zeit durch den Verkehr verloren. Bei Wittlich fahre ich auf die Autobahn und es geht in Richtung Saarbrücken. Bei Schweich überquere ich östlich von Trier die Mosel und komme gut voran. Im Saarland angekommen verlasse ich die Autobahn und fahre eine schöne Strecke Richtung Saarlouis. In Siersburg finde ich einen ordentlichen Campingplatz an der Nied, einem kleinen Nebenfluss der Saar. Mark versorgt mich mit wichtigen Informationen zu diesem Flüsschen dass ich ihm gegenüber zunächst fehlerhaft als „die Nieder“ bezeichnet hatte.
An dem Platz wird automatisch eingecheckt. Hatte ich in Norwegen auch schon mal. Ich finde das nicht schlecht, da man nicht an Öffnungs/Rezeptionszeiten gebunden ist.
Ich baue mein Zelt im Schatten einer Baumreihe auf einer kleinen Wiese direkt am Fluss auf. Nach ein paar Minuten kommt ein Nachbar vorbei und schaut sich meine Guzzi an. Er ist auch Camper hier und bei seinem WoMo steht eine Royal Enfield Himalayan. Er habe auch noch zwei Oldtimer zuhause in seiner Garage erzählt er mir. Ein chinesisches Militärgespann aus den 70ern und deutsches Wehrmachtsgespann. Wenn man drauf steht… Jeder Jeck ist halt anders. Nach dem Aufbau fahre ich noch schnell zu einer Tanke mit einem Rewe Shop und besorge mir was fürs Frühstück. Und ein 0,25l Fläschchen Wein für heute Abend. Es wird mittlerweile früh dunkel. Aber ich sitze noch einige Zeit am Flußufer, schaue mir die Sterne an und trinke mir den Wein. Der ist ganz OK. Früh liege ich auf der Matratze, freue mich auf morgen und schlafe schnell ein.

Die Nied. Idyllisch
Idyllisches Plätzchen an der Nied

Luftmatratze? Isomatte? Himmelbett?

Schlaf ist wichtig. Sehr wichtig. Und viel zu wichtig um ausgerechnet dabei Kompromisse einzugehen. Und wie man sich bettet so liegt man ja auch schließlich…
Mir war sofort klar, dass für mich die superleichten und hauchdünnen Isomatten nicht in Frage kommen. Und nicht nur die selbstaufblasenden Varianten – die aber besonders – sind was für Teenager oder Fakire. Ich wollte eine komfortable Matte haben. Also eher eine Matratze.
Die folgenden drei Kriterien waren für mich bei der Auswahl der Matte/Matratze ausschlaggebend:

  • Komfort
  • Komfort
  • und Komfort

Diesen Kriterien hatten sich alle anderen unterzuordnen. Als da wären R-Wert, Gewicht, Packmaß. Wenn ich wegen des Gewichtes oder des Packmaßes auf einen guten Schlaf verzichten müsste, wäre das Thema „Zelten“ für mich sofort erledigt.
Falls hier irgendwelche Outdoor Profis mitlesen: Der R-Wert ist für mich von untergeordneter Bedeutung. Ich zelte nicht im Winter oder auf Permafrost-Boden. Ich brauche kein Expeditionsequipment. Klar: In einer kalten Nacht um den Gefrierpunkt sollte mich die Matte schon noch vor der Bodenkälte schützen können. Ein R-Wert von 2 bis 3 (+2°/-5°) reicht also.
Meine hat trotzdem einen R-Wert von 5,3. Heisst also sie kann bis -18°. Aber wie gesagt, das war kein Auswahlkriterium für mich. Das Ding wiegt 1480g und hat ein vergleichsweise großes Packmaß. Aber der Komfort ist es wert.
Ich habe bisher nicht den Namen des Produktes genannt. Ist eigentlich auch nicht mehr notwendig, da es dieses Modell nicht mehr gibt.
Es handelt sich um die „Exped Synmat 12 LXW“. Das LXW steht für Long eXtra Wide.

Die Exped Synmat 12 LXW. Schlafen wie in Morpheus‘ Armen

Die Daten zusammengefasst:

Länge: 196cm
Breite: 74cm
R-Wert: 5,3
Gewicht: 1480g
Preis: ca. 180€ im Jahr 2016

Die Matratze ist genial. Sie hatt zwei Ventile (Ein/Auslass) und ein Pumpsack wird mitgeliefert. Den Snozzlebag. Das Aufpumpen der Matratze klappt mit diesem Teil ganz hervorragend. Mit meinem Helsport Zelt gibt es aber leider ein kleines Problem: Ich muss die Matratze im Zelt aufpumpen, da das Riesending im aufgeblasenen Zustand nur sehr umständlich in das Zelt zu bugsieren ist. Und mit dem Pumpsack im Zelt die Matte aufzupumpen ist echt kein Spaß. Daher habe ich mir ein Gadget zugelegt, auf das ich nicht mehr verzichten möchte. Eine kleine Pumpe von Flextail.
Das ist ein massiver Komfortgewinn. Mit einer Akkuladung pumpe ich die Matte sechs mal auf. Bisher hatte die Matte einmal ein kleines Loch, dass sich aber problemlos flicken ließ. Mit dem beiligenden Reparaturset.
Und ich schlafe auf dieser Matte ganz hervorragend. Klar. Ein richtiges bett ersetzt sie nicht. Aber wie gesagt: Sie ist wirklich bequem. Da die Matte allmählich in die Jahre kommt, überlege ich im Augenblick welches Produkt sie ersetzen soll. Denn ich befürchte, dass mit zunehmenden Alter die Gefahr von Undichtigkeiten stark steigt. Und unterwegs ohne Schlafmatratze dazustehen ist keine schöne Vorstellung.

Die Pumpe. Flextailgear Tinypump 2x.
Nie mehr ohne!

In Frankreich

Früh habe ich meinen Kram gepackt. Und um kurz nach acht sitze ich wieder auf der Guzzi. Nach ein paar Kilometern bin ich in Frankreich. An der Grenze haben die hier tatsächlich ein Denkmal für all‘ die Zöllner errichtet, die über Generationen an diesem Grenzübergang ihren Dienst versehen haben. Irgendwie nett. Wer baut schon Denkmäler für Zöllner.

Eine Gedenktafel für die Zöllner
Da bin ich jetzt

Ich mogle zunächst wieder und nehme in Frankreich den einen oder anderen Autobahnkilometer. Das Mautsystem dort nervt. Es ist nicht wirklich teuer mit dem Motorrad. Aber nervig. Zumal ich auf einem Abschnitt noch das Problem hatte dass der Automat am Ende der Strecke mein Ticket nicht fressen wollte. Irgendwann habe ich dann den „Hilfe“ Schalter gedrückt und nach einer längeren automatischen Ansage auf französisch meldete sich über den Lautsprecher eine Dame die aber des englischen nicht mächtig war, Sie gab sich Mühe, aber sie konnte es nicht. Für mich vermutlich ein Vorteil. Offensichtlich genervt öffnete sie ohne jeden weiteren Kommentar per Fernauslösung die Schranke und ich fuhr ohne Zahlung durch. Ich glaube, es wären nicht mal drei Euro gewesen. Egal.
Bald bin ich im Elsass und hier wird es schön. Fantastische Strecken, schöne Dörfer und das alles bei wunderbarem Wetter. Allerdings wird es jetzt am Nachmittag schon unangenehm heiß. Gegen 16 Uhr habe ich 30 Grad. Zum Glück geht es immer wieder rauf in die Berge und durch schattige Wälder. Und ich mache ausgiebige Pausen.

Ein wunderbarer Rastplatz mitten im Wald. Ich mache dort eine lange Pause.

Diese Gegend allein ist eine eigene Tour wert. Beim Col de Bussang erreiche ich den Elsass und die Moselquelle. Hier war ich vor vielen Jahren schon mal. Kurz vor Bussang finde ich einen Campingplatz. Der war nicht meine erste Wahl, aber die Rezeption des Municipals den ich mir ausgeguckt hatte, ist bereits ab 17 Uhr nicht mehr besetzt. Und es war fast 17:10 Uhr. Eigentlich ein Unding. Aber so ist das mit öffentlichen Einrichtungen wohl überall.

Der Campingplatz. So sieht er noch nicht so unsympathisch aus…

Ich fahre einen großen Platz an. Es ist die Art von Campingplatz die ich wirklich hasse. Sunelia Domaine de Champé. Eine Urlaubsmaschine aus dem Horrormärchen. Riesig. Mit allen Einrichtungen die sich Camper heutzutage anscheinend wünschen. Eingebettet in einer wunderschönen Umgebung macht sich hier das Grauen breit. Der Platz ist groß, voll, hässlich und sauteuer. Die Dame am Counter ist freundlich professionell und erklärt mir wo mein Platz sei. Ich habe die Nummer 22. So etwas wie eine Zeltwiese haben die nicht. Hier ist alles ordentlich. Ordentlich parzelliert wie ein Friedhof. Nun denn. Sie habe mich neben einen weiteren Motorradfahrer gestellt, der eben eingetroffen sei erklärt sie. „Maybe you become friends“ sagt sie lachend. Nun denn: Bewaffnet mit einem kleinen Kärtchen auf dem der Lageplan des Campingplatzes abgebildet ist, mache ich mich auf die Suche nach Platz 22. Den finde ich nicht. Die Parzellen werden säuberlich bis 21 (eine mickrige Parzelle an einer Gabelung) hochgezählt, dann geht es nach dem nächsten Abzweig mit 50er Nummern weiter. Nach der zweiten vergeblichen Runde fahre ich wieder zur Rezeption. Aber ich bin noch nicht ganz da, als mir ein winkender Mann auf einem Fahrrad entgegen kommt. Ich solle ihm folgen. Man hat wohl meine erfolglosen Runden auf dem Platz beobachtet. Ich folge dem Mann, und am Ende eines Labyrinthes von kleinen Wegen mit durch Hecken unterteilte Parzellen weist er auf einen Platz direkt an einem Waschhaus. Den hätte ich nie gefunden. Es gibt dort zwei Parzellen. Die 22 und daneben die 37. Was für ein System. Ich bedanke mich bei dem Platzanweiser und beginne, meinen Kram abzuladen. Kurz drauf taucht der Einweiser wieder auf. Diesmal mit dem anderen Motorradfahrer im Schlepptau. Der irrte ebenfalls schon seit geraumer Zeit über den Platz ohne seine Parzelle – die 37 natürlich – zu finden.
Wer immer diese „Nummerierung“ ausgeheckt hat: Er oder sie möge sich bei mir melden. Wie man auf die schnelle System in so ein Chaos bringt könnte ich dieser Person schon beibringen. Wie dem auch sei: Der andere Mopedfahrer ist auch deutscher. Er kommt daher wo ich hin will und ist jetzt auf dem Heimweg. Ins schöne Frankenland. Peter heißt er und er fährt eine 650er Versys. Er hatte wie ich vergeblich versucht, an dem Municipal einen Platz zu bekommen. Und seine Meinung zu diesem Platz hier deckt sich mit der meinen. Ich baue auf und koche Kaffee für uns beide. Er kocht Nudeln. Zusammen essen wir was und trinken Kaffee. Er erzählt mir von seiner Tour und er gibt mir ein paar Tipps. Dann aber wird er politisch. Und ich bemerke, dass unsere Schnittmenge auf dem Gebiet gelinde gesagt klein ist. Etwas unwirsch fordere ich ihn auf, seine schlecht durchdachte rechte Polemik für sich zu behalten da wir uns ansonsten vermutlich heftig streiten würden. Erstaunt und fragend blickt er mich an. Und er sagt, dass er sich überhaupt nicht vorstellen könne, warum ein offensichtlich ganz vernünftiger Kerl wie ich einer wäre was gegen seine Äußerungen haben könnte. Ich solle mich doch nur mal umsehen in Deutschland um festzustellen, dass durch die ganzen Ausländer das Land den Bach runtergehe. Und dass wir jetzt noch der Ukraine helfen wäre doch der größte Blödsinn. Erstens ginge uns die Sache nichts an und zweitens habe die Nato dem Putin doch gar keine andere Wahl gelassen. Es sei ja wohl klar, dass die etablierten Parteien alles gegen die Wand gefahren haben und dass es Zeit wäre, dass sich die Dinge ändern würden. Ich frage ihn nicht was er damit meint. Ich breche das Gespräch ab und verabschiede ihn freundlich von meiner Parzelle. Schade. Eigentlich ist der Typ ein ganz netter Kerl. Bald darauf liege ich auf der Matte und schlafe schnell ein. Es war ein langer, anstrengender Tag. Davon sollten noch einige folgen.



Da muß man hin…

Um kurz vor 9 habe ich schon die ersten Traumkilometer hinter mir. Eine tolle Gegend. Früh war ich heute morgen aufgestanden. Ich wollte die kühlen Stunden des Tages nutzen. Nach einem schnellen Kaffee und einer Scheibe Brot mit ein paar Streifen von der Dauerwurst die ich dabei habe packe ich mein Zeug zusammen. Eigentlich hatte ich fest damit gerechnet, das Zelt sehr nass einpacken zu müssen. Aber es hatte sich erstaunlicherweise kein Tau niedergeschlagen. Das Zelt war trocken. Schnell war mein Zeug am Moped verzurrt und ich bin gestartet. Auf die erste Traumstrecke des Tages. Kurz nach Acht stehe ich an der nördlichen Auffahrt zum „Col du Ballon d’Alsace“. Mein Navi zeigt mir, dass eine tolle Strecke voraus liegt.

Wenn ein Tag so anfängt…

Ein einziger Genuss. Die Luft ist angenehm kühl, und auf dem Weg nach oben wir es etwas dunstig. Aber die Morgensonne scheint und lässt den Elsass sein Sonntagskleid anziehen. Dabei ist es Mittwoch. Auf der Passhöhe geniesse ich den Blick über das Land im Morgenlicht. Und ich bin allein. Den Motor habe ich abgestellt und ich laufe ein paar Schritte. Für solche Momente bin ich unterwegs. Ich bin allein. Die Gastronomie hier ist noch geschlossen und es stellt sich eine wunderbare Stille ein. Nach ein paar Minuten breche ich wieder auf und denke mir, dass dieser Tag schon jetzt ein wunderbarer ist. Und ich bin noch keine Stunde unterwegs.

Am Col du Ballon d’Alsace

Die Abfahrt ist so schön wie der Aufstieg, und weiter geht es auf traumhaften Strecken in Richtung französischer Jura. Eine Weile begleite ich den Doubs, der sich hier durch eine manchmal sehr idyllische Landschaft aber auch eine spektakuläre Schlucht windet.
Die Fahrt ist wunderschön und im allerbesten Sinne ereignislos. Das Wetter ist fantastisch – später etwas heiß – und am Nachmittag bin ich an der Schweizer Grenze. Diese werde ich nicht überschreiten. Bisher ist es mir immer wenn ich in den Alpen unterwegs war gelungen, die Schweiz zu umgehen. Und das nicht nur wegen der Vignette. Um es diplomatisch auszudrücken: Mir sind die Schweiz und die Schweizer ungefähr so sympathisch wie den Schweizern Deutschland und die Deutschen… OK. Das war hart. Irgendwann werde ich bestimmt auch mal die Schweiz mit dem Moped durchfahren. Aber nicht auf dieser Tour. Denn mein Ziel ist Thonon-les-Bains. Das liegt auf der französischen Seite des Genfer Sees und dort soll der Höhepunkt meine Tour beginnen: Die Route des Grandes Alpes. Aber so weit ist es noch nicht. Bis dorthin werde ich es heute nicht mehr schaffen. Denn wie immer habe ich meine Route abseits der großen Verkehrsadern geplant. Und das kostet Zeit. Aber die ist allerbestens investiert. Ich fahre und fahre und fahre. Und dann bin ich im Jura.

Eine idyllische Stelle am Doubs
Nicht weit von der Schweizer Grenze

Es wird später, und ich mache mich auf die Suche nach einem Campingplatz. Und heute habe ich Glück. Ich finde die Domaine Les Géorennes. Dort kann ich auf einer tollen Zeltwiese inmitten wunderbarer Natur mein Zelt aufbauen. Abends sitze ich noch mit einem Glas Wein an einem Holztisch und genieße den wirklich schönen Sternenhimmel. Und dann bin ich froh, als ich mich endlich auf der Matratze ausstecken kann. Die temepraturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind hier deutlich. Auch wenn es heute manchmal etwas heiss war: Jetzt wo die Sonne seit zwei Stunden weg ist, ist es doch recht frisch. Ich denke, ich werde sehr gut schlafen.

Wunderschöner Campingplatz. Hier ist wenig los. Sonst hätte ich mein Zelt nicht in der Nähe des Waschhauses aufgestellt.

Überwiegend schön…

Und wie ich geschlafen habe. Mein Zelt habe ich an einer guten Stelle aufgebaut. Ich habe gestern darauf geachtet, einen Platz zu wählen an dem ich keine Morgensonne zu bekomme. Hat geklappt. Ich bin ja so clever.
Wenn man das nicht beachtet, kann es passieren dass man früh aufstehen muss. Denn wie es TSHansen – einer meiner Lieblingsyoutuber – einmal sagte, verwandelt die Sonne dein Zelt „from heaven to hell within seconds“. So kann ich ausschlafen. Der Schlafsack ist angenehm. Ich habe nicht den wirklich warmen für Norwegen mitgenommen, sondern den für den „Übergang“. Der ist mit 5° Komforttemperatur angegeben. Und er passt wirklich super für diese Jahreszeit. Klar, den Temperaturangaben kann man nicht unbedingt vertrauen da das Kälteempfinden ja eine sehr individuelle Angelegenheit ist. Aber für mich passen die Angaben der Deuter Schlafsäcke. Nach den guten Erfahrungen mit diesem Schlafsack hatte ich mir für Norwegen einen mit -3 ° Komforttemperatur gekauft. Und der hat sich auch bewährt. Wie dem auch sei: Ich bleibe bis kurz vor 9 liegen. Nach der Morgentoilette ziehe ich die Heringe aus dem Boden und trage das Zelt in die Sonne die angenehm warm vom Himmel lacht. Den heute ist mein Zelt von aussen nass. Sogar ziemlich nass. Also lege ich auch noch den Footprint neben das Zelt in die Sonne und mache Frühstück. Nach dem Kaffee und einem Brötchen lese ich noch ein paar Nachrichten und höre ein Kapitel von einem Hörbuch. Dann checke ich das Equipment und es ist alles trocken. Schnell wie auch in den letzten Tagen habe ich das Zeug verpackt und kurz nach 10 Uhr starte ich. Auf geht es zum Genfer See.
Zunächst habe ich noch ein paar schöne Kilometer. Bald aber bemerke ich den Großraum Genf. Es wird immer städtischer und der Verkehr fängt an zu nerven. Gaillard, Annemasse, Ville-la-Grand. Die Region wirkt, als sei sie der Vorstadtgürtel von Genf. Es wird echt unangenehm. Ich mache Kaffeepause und überlege, ob ich durch diesen Verkehr so weiterfahren möchte. Ich schaue mir kurz die Karte an und beschließe, nach südwesten auszuweichen und dort dann auf die „Route des Grandes Alpes“ zu stoßen. Mir geht es um den hohen Teil dieser Straße, und der fängt dort noch nichtmal wirklich an.
Also biege ich von meiner geplanten Route ab und fahre Richtung Bonneville. Bei Marnaz stoße ich auf die Route.
Wenn es um Pässe geht, ist das egal. Ich verpasse nur den „Col des Gets“ und es wird noch Pässe genug geben auf der Strecke. Ich werde nicht alle nennen und beschreiben. Ich bin auch nicht alle gefahren. Aber dazu später mehr.
Wer es genau wissen möchte, kann sich den Wikipedia-Artikel zur „Route des Grandes Alpes“ durchlesen. Da sind die Pässe verzeichnet und verlinkt.
Wie dem auch sei: Ich bin froh als ich aus dem heftigen Verkehr ‚raus bin. Auf der Route selbst gibt es auch Verkehr. Mopeds und Fahrräder. Viele Fahrräder. Aber die Gegend ist toll. Um kurz nach 13 Uhr stehe ich auf der Passhöhe des „Col de la Columbiere“. Mein erster Pass auf der Route.

Mein „erster“ auf der Route des Grandes Alpes

Auf jeden Fall bin ich jetzt in den Alpen. Die Berge sind hoch und die Täler lieblich. Es ist wirklich schön hier. Aber ich denke, dass ihr bestimmt schon in den Alpen gewesen seid. Was soll ich euch dazu sagen. Und das Fahren macht wirklich Spass. Ich fahre noch ein paar weitere Pässe. Am Stausee „Lac de Roselend“ mache ich eine längere Pause. Vermutlich war sie etwas zu lang. Das sollte ich noch merken.

Am Stausee von Roselend

Muß ich nochmal betonen, dass die Landschaft großartig ist? Ich denke nicht. Die Fotos hier sind wie immer nur eine sehr jämmerlicher Versuch die Eindrücke zu beschreiben die dort auf mich einwirkten. Aber das ist immer so. Auch der schönste Bildband kann nicht das Gefühl einfangen das mich erfasst, wenn ich wirklich in solch einer Natur unterwegs bin. Eine Binsenweisheit.
Nach der wirklich ausgiebigen Kaffeepause starte ich wieder und drehe ein paar Ehrenrunden. Ich habe es mit zwei Vollsperrungen zu tun deren Umfahrung letzlich doch etwas tricky ist. Und die Ehrenrunden weden nicht die letzen heute sein. Es wird spät. Ich suche nach einem Campingplatz und ich finde einen in Bourg-Saint-Maurice. Camping Le Reclus. Der Platz liegt direkt an einer vielbefahrenen Straße. Es dämmert schon und ich fürchte, zu spät zu kommen. Aber Glück gehabt, die Rezeption ist besetzt. Die freundliche Dame am Counter spricht englisch und erklärt mir, dass ich mein Zelt aufbauen darf wo immer ich einen Platz finde. Das gefällt mir. Dann reicht sie mir einen Zettel auf dem ich meinen Namen und meine Adresse notieren soll. Das mache ich und schreibe meine Telefonnummer drunter. Auf den anderen Plätzen wollten die diese immer haben. Die durchaus attraktive Dame nimmt den Zettel von mir entgegen, wirft einen Blick darauf und und fragt lachend „You think i want to call you later?“ und ich bin für einen kurzen Moment irritiert. Dann lache ich auch und sage „Of course. Today is your lucky day!“. Sie winkt lachend ab und ich trolle mich…
Möglichst weit von der Straße entfernt finde ich einen schönen Platz im Wald. Schnell steht das Zelt. Aber ich habe genau nichts mehr zu essen. Weder für jetzt noch fürs Frühstück. Also setze ich mich aufs Moped und fahre noch die paar Kilometer in die Stadt. Ich suche nach einem Supermarkt. Die meisten schließen um 20 Uhr, und es ist kurz nach 20 Uhr. Aber ich finde einen „Intermarche“ der auf hat und kaufe ein paar Kleinigkeiten ein.
Dann zurück zum Campingplatz. Sind höchstens drei, vier Kilometer. Wenn man den Weg kennt. Ich biege aber im Kreisverkehr falsch ab. Und merke erst später, dass ich komplett falsch bin. Den Namen des Campingplatzes habe ich mir nicht gemerkt. Und dann fahre ich so manchen Kilometer durch die zunehmend dunkler werdenden Alpen…
Irgendwann führt mich Google Maps zumindest erstmal wieder an eine Stelle die ich erkenne. Und dann geht es irgendwie. Etwas später als geplant bin ich wieder am Zelt.

Ich bin ja so geschickt…

Ich trinke noch den Rest von dem Rotwein von gestern und krieche dann in den Schlafsack. Der Tag war anstrengend und teilweise heiß. In den Bergen hier war es angenehm. Der Campingplatz ist rappelvoll, aber erstaunlich ruhig. Und schnell schlafe ich ein.



Tourismus, Höhenangst, weitere Pläne

Wie üblich bin ich früh am Start. Da ich ja noch eine ausgiebige Abendtour zum Supermarkt gemacht hatte, gibt es jetzt ein ausgiebiges Frühstück. Und ich koche noch genügend Kaffee um die Thermoskanne zu füllen. Mein Zeltplatz befand sich in einem Waldstück am hinteren Ende des Platzes und das Zelt und der Footprint sind komplett trocken. Während des Frühstücks habe ich den Schlafsack noch auslüften lassen und dann packe ich mein Zeug zusammen. Der Tag verspricht wieder super zu werden. Die Sonne scheint und es ist kein Wölkchen zu sehen. Heute wird es spektakulär werden. Sehr spektakulär. Ich freue mich auf eine super Tour und starte gegen 9 Uhr. Zeitgleich machen sich viele andere Camper auf den Weg. Vans, Womos, Mopeds, Fahrräder. Und der ganz normale Berufsverkehr. So schön die Umgebung ist, so sehr nervt der Betrieb. Auch gestern schon. Am Columbiere und Roselend ging es zu wie auf dem Schützenfest. Wie immer, wenn ich in solche Touristenhorden hineinfahre frustriert mich das. Natürlich ärgere ich mich auch über mich selbst. Denn ich bin ja selber Tourist und Teil der Horde. Ich werde zu dem Thema noch mal einen eigenen Beitrag schreiben. Jetzt aber fahre ich erstmal mit der Karawane. Nach und nach wird der Verkehr etwas dünner. Bald sehe ich rechts von mir die Isère. Den Fluss der diesem Departement und dem bekannten Wintersportort Val-d’Isère seinen Namen gibt. Dieser Fluss wird mich jetzt eine ganze Weile begleiten. Auch in Form von zwei Stauseen die sich in die spektakuläre Alpenlandschaft ganz wunderbar einfügen. Natürlich weiß ich nicht, ob diese Täler nicht schöner waren bevor der Mensch sie so massiv verändert hat.
Als ich in Val-d’Isère ankomme, ist der Berufsverkehr weitgehend verschwunden. Es bleiben die Schwärme von Radfahrern, Motorradfahrern und Womos. Und der Ort selbst ist für mich ein ganz besonders übles Beispiel für die Art von Touristenhölle in der sich eine bestimmte Klientel vermutlich äußerst wohl fühlt. Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Jetzt hält sich der Betrieb in Grenzen. Die Fensterläden zahlloser Chalets und Hotels sind geschlossen. Es ist natürlich keine Saison. Ich mag mir nicht vorstellen, wie es hier auf dem Höhepunkt der Wintersportsaison zugehen mag. Seit längerer zeit geht es beständig bergauf und es wird kühler. Das ist sehr angenehm. Das Panorama ist der Hammer. Ich kann verstehen, warum es so viele Menschen hier her zieht.
An der „Brücke des heiligen Karl“ gibt es einen großen Parkplatz. Hier beginnt auch der letzte und spektakulärste Abschnitt des Aufstieges zum „Col de l’Iseran“, dem höchsten befahrbaren Alpenpass.


Nach der ausgiebigen Pause am Pont St. Charles mache ich mich an den Aufstieg. Ober besser: Ich sitze komfortabel auf dem Moped, dass hier wirklich ackern muss. Was soll ich sagen: Die Aussicht ist spektakulär und an manchen Stellen dieses Abschnittes zieht sich mein Magen zusammen und eine innere Stimme dringt beharrlich auf mich ein: „Lass es! Weg hier! Fahr ins Sauerland!“. Oder so ähnlich. Ich hatte mal geschrieben, dass ich tatsächlich sowas wie Höhenangst habe. Das war damals am Trollstigen. Das hier ist aber nochmal eine andere Nummer. Ogottogott. Was mache ich hier? Irgendwann bin ich oben. Aber die Fotos die ich gemacht habe täuschen. Ich musste lange Anstehen um das Foto vom gemauerten Makierungsstein der Passhöhe zu machen. In langen Schlangen standen die Rad- und Mopedfahrer an. Ein französischer Mopedfahrer bietet mir an, mich zu mit meiner Guzzi vor dem Schild zu fotografieren. Ich lehne dankend ab aber biete ihm meinerseits das gleiche an. Er nimmt dankend an und so bin ich dabei behilflich, dem Mann ein Paar Erinnerungen für den Rest seines Lebens zu verschaffen. Ich schaue mir das Treiben auf dem Pass noch etwas an. Manche der Radfahrer die oben ankommen sehen wirklich glücklich aus. Andere scheinen halbtot zu sein und fallen fast vom Rad. Ich respektiere diese Sportler sehr. Ich bin stundenlang mit dem Motorrad bergauf gefahren seit ich heute morgen am Campingplatz gestartet bin. Die Radfahrer die heute morgen mit mir zusammen losgefahren sind, werden wohl erst morgen Nachmittag hier sein. Und das nach aberwitzig langen Steigungen.
Was mir noch auffällt: Anders als ich es als in Südtirol oft beobachten konnte, fahren die Radfahrer hier den Pass nicht herunter. Ich habe wirklich keinen einzigen Radfahrer den Col de l’Iseran abwärts fahren sehen. Die haben alle oben auf der Passhöhe ihre Räder auf Autos und Anhängern verstaut. So sehr ich die Leistung respektiere solche Pässe mit dem Fahrrad zu bezwingen, so sehr nehme ich diese wahnsinnigen Abfahrten mit dem Fahrrad voller Unverständnis zur Kenntnis. Was ich da in den italienischen und österreichischen schon Alpen gesehen habe, lässt jedem vernunftbegabten Wesen die Haare zu Berge stehen. Sofern noch Haare vorhanden sind. Mit wahnwitzigem Tempo auf drittklassigen Straßen mit vergleichsweise schwachem Material solche Pässe bergab zu fahren: Ich halte das für Irrsinn. Ich glaube nicht daran, dass eine solche Abfahrt mit dem Rennrad wirklich kontrollierbar ist. Naja: Wie dem auch sei. Ich stehe jetzt da oben auf dem Pass. Mein Nervenkostüm hat sich beruhigt aber ich muss ja hier auch wieder runter. Keine schöne Vorstellung. Aber wat mutt dat mutt. Also starte ich wieder und glücklicherweise erweist sich die Südseite für mich als deutlich weniger nervenaufreibend als der Aufstieg über die nördliche Zufahrt.
Über tolle Straßen mit immer noch viel Touristenverkehr geht es weiter. Bei Bessans stosse ich auf die Arc, die mich jetzt mal links und mal rechts der Straße begleitet. Bei Maurienne überquere ich den Fluss ein letztes mal und nehme Kurs auf den Col du Galibier. Ein weiterer der sehr hohen Pässe. Den werde ich aber erst morgen fahren. Zunächst erreiche ich den „Col du Télégraphe“ der zwar wunderbar gelegen aber bei weitem nicht so spektakulär wie die letzten Pässe ist. Dahinter liegt mein Tagesziel: Der Ort Valloire. Auch dieser ist ein Wintersportzentrum. Es ist noch relativ früh und zunächst denke ich, dass ich den Galibier doch heute noch fahren werde. Aber dann beschließe ich, es heute mal krachen zu lassen. Die letzten Tage waren wirklich anstrengend und ich möchte mal wieder in einem richtigen Bett schlafen. Und was nettes Essen und trinken. Also suche ich mir mit Google Maps ein Hotel und ich finde auch eins. Im Hôtel Aiguille Noire werde ich freundlich empfangen und kann mein Motorrad in einer Garage parken. Das Zimmer ist sehr gut und vom Balkon habe ich eine tolle Aussicht. Ich freue mich sehr darauf, heute Nacht in einem richtigen Bett zu schlafen. Nach einem nicht weiter erwähnenswerten Abendessen in einer Pizzeria um die Ecke – es war weder gut noch schlecht – verbringe ich einen Teil des Abends noch mit zwei anderen Motorradfahrern aus Deutschland die auf der gleichen Route wie ich unterwegs sind, aber aus der Gegenrichtung kommen. Früh verabschiede ich mich und setze mich noch etwas auf den Balkon. Der Abend ist Kühl hier auf knapp 1.500m aber der Sternenhimmel ist fantastisch. Obwohl ich hier mitten im Ort bin.
Das Bett ist superbequem. Aber nach einigen Tagen auf der Matte – die eigentlich recht komfortabel ist – würde ich das von jedem Bett behaupten.
Ich denke darüber nach, ob ich die „Route des Grandes Alpes“ wirklich komplett befahren will. Ja. Es ist wirklich schön hier. Aber eben auch so sehr touristisch dass es mir nicht wirklich gefällt. Aber andererseits bin ich jetzt nun mal hier. Als Augen zu und durch? Ich werde das morgen entscheiden.

Ein gutes Zimmer und ein brauchbares Frühstück. Und eine Garage für die Guzzi. Alles bestens.

Mein neues „Navi“

Wie ich ja schon in einem anderen Beitrag schrieb, hat sich Anfang letzten Jahres die Firma TomTom dazu entschlossen, die Rider der 4er Serie (Rider 2013) zu Elektroschrott zu machen. Bereits seit ein paar Jahren vorher konnte man schon nicht mehr das gesamte aktuelle Kartenmaterial der Europa Version installieren sondern musste sich immer entscheiden, welchen Teil Europas man auf dem Gerät haben wollte. Wobei die Unterteilung schon echt beknackt war, da man zum Beispiel nicht Italien und Frankreich gleichzeitig installieren konnte. Das war damals schon ein klarer Hinweis seitens TomTom wohin die Reise geht. Egal. Schnee von gestern. Ist jetzt so. Allerdings hat diese Vorgehensweise von TomTom bei mir einen etwas faden Nachgeschmack hinterlassen so dass ich mich sehr viel intensiver nach Alternativen umgeschaut habe. Das Garmin XT und jetzt das XT2 kamen in die engere Auwahl. Vor allem auch wegen der Möglichkeit, neben dem Kartenmaterial auch OpenStreetMap.org nutzen zu können. Wenn man bei diesem Gedanken angekommen ist stellt sich die Frage: Wozu dann überhaupt noch ein Garmin Gerät. Die Teile sind anerkannt gut. Auf unserer Norwegen Tour hatte ich die Gelegenheit, mich etwas mit Martins Zümo XT zu beschäftigen und es gefiel mir gut. Aber die Dinger sind maßlos überteuert. Für ziemlich veraltete Hardware ruft Garmin Preise auf, die nicht angemessen sind. Das XT2 ist einfach nur noch unverschämt überteuert. Also habe ich mich entschlossen, auf die Navigation mit Smartphone und der App von kurviger.de zu setzen. Allerdings will ich dazu nicht mein „normales“ Smartphone nutzen, sondern ein Gerät beschaffen, dass nur zu diesem Zweck dient.

Nach längerer Suche fiel meine Entscheidung für das Blackview BV7100. Das ist ein Outdoor Handy der robusten Art mit einem riesigen Akku. Dieser kann zur not auch noch als Powerbank dienen. Mir geht es darum, dass ich das Gerät ohne Aktivhalterung mögliuchst lange betreiben kann. Und das klappt. Ich kann mit einer Akkuladung vier komplette Fahrtage navigieren. Mit voll aufgedrehtem Display. Dann bin ich bei 15% Ladung angekommen. Es ginge also auch noch etwas mehr. So hatte ich mir das vorgestellt. Natürlich sollte man bei der Navigation online sein, aber wer befürchtet, dass unterwegs mal kein Netz vorhanden ist kann sich das für eine Route benötigte Kartenmaterial auch für den Offline Betrieb herunterladen. Das habe ich jedoch keinmal gebraucht. Damit ich in das Teil keine SIM Karte stecken muss, habe ich über mein „normales“ Smartphone einfach das Tethering eingeschaltet. So hat das ganz hervorragend funktioniert. Klar. Es ist schon verrückt, dass man dann zwei Geräte benötigt… Aber das hat mich nicht gestört.
Das Gerät ist wie gesagt ein ziemlicher Klotz. Und ebenfalls auch nicht mit dem stärksten Prozesser gesegnet, von daher auch etwas lahm gemessen an morderner Smartphone Hardware. Aber die Bedienung klappt IMO deutlich flüssiger als die des Zümo XT oder die der TomTom 5x Reihe. Zum Zümo XT2 kann ich nichts sagen da ich das noch nie in der Hand hatte. Weiterhin ist das BV7100 für unter 200 € zu haben und es läuft eine aktuelle Android Version darauf. Also ist es ein vollwertiges Smartphone mit allen Möglichkeiten. So hat man also auch noch ein Reservetelefon dabei. Die Bluetooth Verbindung zu meinem Headset (N-COM, noch) funktioniert natürlich einwandfrei und ich kann das Teil auch nebenbei noch zum Abspielen von Musik verwenden (was ich bisher jedoch nicht genutzt habe).


Wegen der ordentlichen Größe und des recht hohen Gewichtes benötigt man natürlich einen ordentlichen Halter für das Teil. Ich habe mich für die Halterung von iMestou entschieden.

Diese Halterung ist günstig und hält auch dieses große und schwere Smartphone zuverlässig an seinem Platz. Allerdings ist die Halterung mit dem Blackview auch an seiner Grenze angelangt. Man kriegt das Phone rein und auch befestigt. Aber es mal eben ‚rausnehmen geht so nicht. Da es nur so knapp passt, habe ich die Schiene der oberen Halterung fixiert. Das Gerät löse ich über das Öffnen der RAM Mount Befestigung (hat eine 1″ Kugel, ist kein echtes RAM Mount, aber kompatibel) vom Motorrad. Das hat unterwegs sehr gut funktioniert.

Wie hat das nun alles geklappt? Für mich war es prima. Ich konnte die Routen die im am PC geplant hatte, jederzeit aus der Kurviger-Cloud laden und muss nichts importieren/exportieren. Ich habe auf der Tour von über 3.000 Km nur wenige Fehler feststellen können. Die Ansagen während der Navigation kommen rechtzeitig und präzise. Das OSM Kartenmaterial erwies sich als extrem aktuell.
Das Gerät ließ sich gut ablesen, lediglich bei wirklich direkter oder fast direkter Sonneneinstrahlung ließ sich das Display schlechter ablesen als das vom TomTom oder das des Garmins. Da ich aber tatsächlich sehr auf die Ansagen vertraue, schaue ich nicht so wahnsinnig oft nach dem Display.
Natürlich gibt es Situationen, die mit der Kurviger App und den OSM Karten nicht befriedigend bewältigt werden können. Wenn ich – aus welchen Gründen auch immer – Autobahnabschnitte zu fahren habe, nutze ich Google Maps. Wegen der Verkehrsinformationen. Die hat die Kurviger App nicht zu bieten. Das gilt auch für die Suche nach einem Campingplatz oder einem Hotel in der Nähe. Oder wenn der Zapfhahn ruft. Bei solchen Sachen ist Google nicht zu toppen. Leider. Aber was immer zuverlässig geklappt hat war die Wiederaufnahme der Route nach einer Abweichung, einer Übernachtung der Umfahrung einer Straßensperre. Letzteres sollte aber bei Kurviger nochmal überdacht werden. Da könnte man bessere Lösungen finden. Auch sind die Sprachanweisungen mitunter merkwürdig. Bei Kurviger wird nicht abgebogen, sondern immer links oder rechts gehalten. Wenn die App also sagt, „in einem Kilometer rechts halten“ meint sie das manchmal so, aber oft handelt es sich klar um abbiegen. Aber das ist nur eine Kleinigkeit.
Noch ein Nachteil: Das Smartphone ist nicht mit den Handschuhen zu bedienen. Für viele ist das ein K.O. Kriterium. Für mich nicht. Während der Fahrt am Navi ‚rumzufummeln ist verantwortungslos. Und wenn ich eh‘ stoppe, ist das Ausziehen des Handschuhs eine Angelegenheit von Sekunden. Ein wirklicher Härtetest bei Dreckswetter mit dem Smartphon am Lenker steht noch aus. Eine einzige Regenfahrt von knapp 10 Kilometern hat es klaglos überstanden. Morgendlicher Tau war kein Problem. Mal sehen, wie es sich zukünftig schlägt.

Wie man diesem Text entnehmen kann, bin ich bisher sehr zufrieden mit der Kombination aus Outdoor-Rugged-Smartphone mit Riesenakku und der Kurviger App. Mich freut es besonders, freies Kartenmaterial nutzen zu können und den Herstellern der Navis nicht mehr ausgeliefert zu sein.

BV7100 am Motorrad
So sieht das am Moped aus


Noch ein paar Pässe und Abbruch

Nach dem ordentlichen Frühstück im Hotel geht es los. Packen muss ich ja nicht. Bis auf die Innentasche für das Topcase hatte ich alles am Motorrad gelassen. Ich starte. Und irgendwas stimmt nicht. Was für ein Lärm in diesem Alpenort. Ich halte an und schaue mich um. Findet hier ein Motorradtreffen in der Nähe statt? Keine Ahnung. Aber die Anzahl der Mopeds hier könnte es vermuten lassen. Ich stoppe die Zeit und zähle. 28 Motorräder in 13 Minuten. Es ist ätzend. Ich beschließe, jetzt erstmal den Galibier zu fahren und dann weiter zu sehen. So mache ich es. Mit weiterem blaba über spektakuläre Aussichten, Schwärmen von Rad- und Motorradfahren verschone ich euch jetzt hier. Auf den Col du Galibier folgt noch der Col du Lautaret und ja: Es ist schön. Ich habe auch ein paar Fotos davon.
In Briançon fällt mein Entschluss: Ich breche die Route jetzt ab. Aus verschiedenen Gründen. Der wichtigste ist, dass es mir hier einfach zu touristisch ist. In Südtirol, am Gardasee und auf der Alpenstraße kamen bei mir die gleichen negativen Gefühle auf wie hier jetzt auch. Ich muss mir zukünftig andere Reiseziele auswählen. Mit den Alpen war es das für mich vorerst.
Ein weiterer Grund für den Abbruch ist der, dass ich einfach keine Lust habe, auch die nächsten zwei Tage noch dauernd Pässe zu fahren. Für manchen Mopedfahrer ist das ja das größte überhaupt, ich zähle nicht dazu. Ich esse auch gerne mal ein Stück Torte. Aber nicht tagelang hintereinander zum Frühstück, Mittag- und Abendessen.
Elsass und Vogesen haben mir viel besser gefallen. Die Strecken sind natürlich nicht so spektakulär, aber wesentlich weniger stark frequentiert. Es ist einfach in jeder Hinsicht angenehmer dort zu reisen.
Ich habe noch eine Woche Zeit und die möchte ich nicht als Teil einer Touristenherde mit serpentinengegurke verbringen. Möglicherweise hat der Betrieb damit zu tun, dass das Wetter in diesem September einfach wunderschön ist. Und möglicherweise hätte ich ein oder zwei Wochen später fahren sollen. Aber es ist wie es ist. Mir gefällt es einfach nicht. Zunächst will ich Richtung Grenoble, und dann Albertville. Letzteres verwerfe ich dann nach einem genaueren Blick auf die Karte. In jedem Fall will ich raus aus den Alpen. Und das schnell. Das klappt dann auch.
Und hier endet dann auch mein Tourbericht. Statt wie zwischendurch geplant wieder Vogesen/Elsass unter die Räder zu nehmen, beschließe zwei Tage nach dem Tourabbruch via Mulhouse in den Schwarzwald zu wechseln und mich dann auf mir teilweise bekannten Nebenstrecken in Richtung Heimat zu bewegen. So habe ich dass dann auch gemacht. Noch zwei mal Camping, zwei Hotelübernachtungen und ich bin beim Peter in Liesnich. Dort lege ich einen Pausentag ein. Zwei Tage später dann an einem späten Freitag Abend bin ich zuhause. Ich schreibe noch mal ein Fazit.

Es ist so weit. Wir sind unterwegs

Am Pfingstsonntag, den 28. Mai sind wir gestartet. Natürlich haben wir uns früh verabredet und ab 6:30 Uhr gemeinsam gefrühstückt. um 7:30 Uhr sollte es losgehen. Da wir schnell gefrühstückt haben und bestens gut vorbereitet waren sind wir dann auch schon um 8:15 Uhr gestartet. Die erste und einzige Pause auf dem langen Weg nach Cuxhaven haben wir in Rhede gemacht. Allerdings in Rhede/Ems. Drei Stunden vor der Abfahrt der Fähre waren wir am Hafen. Der Check-In lief unkompliziert und dann standen wir auf dem eingezäunten Parkplatz in der Wartelinie mit den anderen Mopeds.

Warten auf das Boarding, in Cuxhaven. Unser Schiff wartet schon.


Und Martin musste Pippi. Aber nach nur zweieinhalb Stunden waren wir dann auf der Fähre. Und er konnte sein Problem lösen. Unser Schiff war die MS Romantika der Holland Norway Lines. Dazu gibt es wenig zu berichten. Wir haben unsere Kabine bezogen die verglichen mit der Kabine auf der „Color Magic“ wirklich sehr spartanisch war. Aber die Kojen waren OK und so haben wir unseren Kram abgestellt, uns umgezogen und das Schiff erkundet.

Rappelvoll, das Sonnendeck


In der Bar haben wir uns einen Whiskey gegönnt und auf den erfolgreichen Start der Tour angestossen und pünktlich um 17:30 waren wir am „Grande Buffet“. Das war OK. Aber auch nicht mehr. Ich war ziemlich kaputt da mich das Reisefieber in der Nacht zuvor vom Schlafen abgehalten hatte und daher schon um 20:30 in der Falle.
Bis ca. 0:30 habe ich auch gepennt. Dann wurde es unruhig und wir hatten ordentlich Seegang. Es schaukelte wirklich sehr spürbar, das Bett. Ohne mein eigenes Zutun. Der Rest der Nacht war für mich unruhig, und ich habe die nur überlebt weil ich die Schokolade komlett aufgefressen habe die ich Nachmittags auf der Fähre gekauft hatte. Immerhin eine Kingsize…..
Am morgen dann mit Martins Bordkarte gefrühstückt weil ich es geschafft habe, meine Bordkarte in der 3,5qm Kabine zu verbummeln.
Etwas später dann aufs Raucherdeck – das ist da wo auch die Hunde pinkeln dürfen – und wir konnten die norwegische Küste schon deutlich sehen. Ich konnte sie sehen. martin nicht. Der lag am Boden und war dabei zu sterben. Jedenfalls wirkte das so auf mich. Aber das ist eine Geschichte die er euch selbst erzählen soll.
um 10:45 jedenfalls legte der Kahn an, gegen 11 Uhr konnten wir von Bord fahren und haben erstmal eine tankstelle angefahren. Der Sprit ist nicht teurer als bei uns. Aber das ist alles schon Tag zwei. Das schreibe ich morgen.

Da will grade jemand nicht mehr leben…

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