Alles was mich interessiert

Kategorie: Norwegen 2023 Seite 1 von 3

Martin und Martin
The Grand Tour
Steel Butt 2023
Cape To Cape

Es ist so weit. Wir sind unterwegs

Am Pfingstsonntag, den 28. Mai sind wir gestartet. Natürlich haben wir uns früh verabredet und ab 6:30 Uhr gemeinsam gefrühstückt. um 7:30 Uhr sollte es losgehen. Da wir schnell gefrühstückt haben und bestens gut vorbereitet waren sind wir dann auch schon um 8:15 Uhr gestartet. Die erste und einzige Pause auf dem langen Weg nach Cuxhaven haben wir in Rhede gemacht. Allerdings in Rhede/Ems. Drei Stunden vor der Abfahrt der Fähre waren wir am Hafen. Der Check-In lief unkompliziert und dann standen wir auf dem eingezäunten Parkplatz in der Wartelinie mit den anderen Mopeds.

Warten auf das Boarding, in Cuxhaven. Unser Schiff wartet schon.


Und Martin musste Pippi. Aber nach nur zweieinhalb Stunden waren wir dann auf der Fähre. Und er konnte sein Problem lösen. Unser Schiff war die MS Romantika der Holland Norway Lines. Dazu gibt es wenig zu berichten. Wir haben unsere Kabine bezogen die verglichen mit der Kabine auf der „Color Magic“ wirklich sehr spartanisch war. Aber die Kojen waren OK und so haben wir unseren Kram abgestellt, uns umgezogen und das Schiff erkundet.

Rappelvoll, das Sonnendeck


In der Bar haben wir uns einen Whiskey gegönnt und auf den erfolgreichen Start der Tour angestossen und pünktlich um 17:30 waren wir am „Grande Buffet“. Das war OK. Aber auch nicht mehr. Ich war ziemlich kaputt da mich das Reisefieber in der Nacht zuvor vom Schlafen abgehalten hatte und daher schon um 20:30 in der Falle.
Bis ca. 0:30 habe ich auch gepennt. Dann wurde es unruhig und wir hatten ordentlich Seegang. Es schaukelte wirklich sehr spürbar, das Bett. Ohne mein eigenes Zutun. Der Rest der Nacht war für mich unruhig, und ich habe die nur überlebt weil ich die Schokolade komlett aufgefressen habe die ich Nachmittags auf der Fähre gekauft hatte. Immerhin eine Kingsize…..
Am morgen dann mit Martins Bordkarte gefrühstückt weil ich es geschafft habe, meine Bordkarte in der 3,5qm Kabine zu verbummeln.
Etwas später dann aufs Raucherdeck – das ist da wo auch die Hunde pinkeln dürfen – und wir konnten die norwegische Küste schon deutlich sehen. Ich konnte sie sehen. martin nicht. Der lag am Boden und war dabei zu sterben. Jedenfalls wirkte das so auf mich. Aber das ist eine Geschichte die er euch selbst erzählen soll.
um 10:45 jedenfalls legte der Kahn an, gegen 11 Uhr konnten wir von Bord fahren und haben erstmal eine tankstelle angefahren. Der Sprit ist nicht teurer als bei uns. Aber das ist alles schon Tag zwei. Das schreibe ich morgen.

Da will grade jemand nicht mehr leben…

Montag, 29. Mai.

Nach einer schaukeligen Nacht stehe ich um 7:30 auf und möchte zum Frühstücksbuffet. Dafür brauche ich meine Bordkarte. Wie ich feststelle, habe ich es geschafft in der 3qm Kabine eben diese zu verlieren. Sie muss in der Kabine sein, den ich habe die Tür damit geöffnet. dafür ist die Karte zwingend notwendig. Ich bin so ein Held… Martin ist schon länger auf und hat das Frühstück hinter sich. Er gibt mir seine Karte. Die ist zwar schon entwertet, aber man kann es ja mal versuchen. Ich gehe am Counter des Buffets vorbei und die Dame dort möchte meine Karte sehen. Ich zeige Ihr Martins Karte und sie moniert, dass diese bereits benutzt wurde. Ich sage, ich sei nur kurz auf der Toilette gewesen und sie winkt mich durch. Frechheit siegt. Aber ich muss kein schlechtes Gewissen haben. Denn ich habe die Leistung ja schließlich bezahlt. Nach dem ganz ordentlichen Frühstück treffe ich Martin in der Kabine. Wir ziehen unsere Mopedklamotten an, packen unsere Sachen  und gehen aufs Raucherdeck.

Ankunft im Hafen von Kristiansand. Kalt, aber sonnig.


Um 9:30 soll die Kabine geräumt sein und 10:45 soll der Kahn anlegen.  Martin geht es nicht wirklich gut, und wir überlegen uns schon, in Kristiansand vom Hafen direkt zum Krankenhaus zu fahren. Aber sein Zustand bessert sich, als wir unten bei den Fahrzeugen sind und so starten wir nach dem Anlegen und ausschiffen direkt zum Südkap. Über die E39 nach Mandal und dann nach Lindesnes und Spangereid zum Lindesnes Fyr.

Am Südkap. Lindesnes Fyr

Das erste Kap der „Cape to Cape“ Tour abgehakt. Jetzt geht es rauf in den Norden.

Immer entlang der Otra fahren wir eine wunderbare Strecke. An den Stromschnellen machen wir eine längere Pause.

Die Stromschnellen an der Otra

Etwas später finden wir einen Campingplatz für die Nacht. Flateland Camping an der E9. Es hängt ein Schrieb an der Tür (siehe Foto) und wir nehmen die Hütte Nr. 4. Das Zelten lohnt sich nicht.

Norwegen ist herrlich unkompliziert

Hier gibt es einfache Hütten für 450 NOK (+ 50 NOK für Strom). Dafür bauen wir keine Zelte auf. Die Hütte ist OK, aber die sanitären Anlagen sind in die Jahre gekommen und könnten auch sauberer sein. Ich wollte nicht duschen und Martin berichtet, dass das Wasser der Dusche nichtmal lauwarm wird. Und dafür nehmen die 20 NOK. Ansonsten ist alles OK. Der Manager kommt irgendwann vorbei und kassiert, wir sitzen noch eine Weile vor der Tür und liegen dann früh im Bett. Martin schläft wie ein Baby, nur lauter. Ich schlafe ebenfalls wie ein Baby, aber leise. Glaube ich jedenfalls. Singles schnarchen nicht. Martin schon. Obwohl der Single ist. Für morgen ist tolles Wetter angesagt. Ich bin gespannt.

Montag Abend, 29. Mai, Dienstag, 30. Mai

Die Nacht war gut. Wir haben eine ordentliche Hütte zu einem guten Preis bekommen. Zelten hätte keinen Sinn gemacht. Wir haben einen wunderbaren Ausblick auf die umgebenden Felsformationen und einem Wasserfall. Am Abend sitzen wir auf der kleinen Terasse vor der Hütte, quatschen und hören etwas Musik. Es sind nur wenige Gäöste auf dem Platz. Ein paar verstreute Wohnmobile , eine junge Familie mit einem sehr drolligen kleinen Kind in einer etwas entfernteren Hütte. Und ein deutsches Rentnerehepaar in der Hütte nebenan. Den Rentner können wir am nächsten Morgen bei der deutschesten aller Tätigkeiten beobachten: Er wäscht sein Auto. Der Manager des Campingplatzes kommt noch vorbei und kassiert. Da ich rauchend dort sitze und bereits zwei meiner Kippen auf dem Boden liegen schaut er mich scharf an. Ich versichere ihm, dass wir natürlich keinerlei Müll zurücklassen und natürlich auch keine Kippen. Er grinst und droht, dass er uns in der Nacht die Reifen zerstechen würde wenn er noch Müll von uns fände…

Unsere Hütte in Flateland, an der Otra. (Martin mit riesiger Zuckerwatte)


Am Morgen wird kurz aufgeräumt und gefühstückt. Wir sitzen mit dem Kaffee auf der Terasse und der Manager kommt vorbei. Demonstrativ sucht er – wieder mit einem breiten Grinsen im Gesicht – den Rasen vor der Hütte nach Kippen ab. Ich sage mit ordentlichem Nachdruck in der Stimme: „You will find not a single one.“ Es sagt lachend „Well done“ und wünscht uns eine gute Fahrt. Wir starten. Der Himmel ist blau, aber es ist frisch. Wir fahren in Richtung Haukeli. Ich hätte eine ander Strecke präferiert, aber Martin muss erst noch etwas Routine gewinnen. Also nehmen wir die einfache Strecke. Das ist kein Opfer. Je näher wir Haukeli kommen, desto höher geht es. Hier ist Skigebiet. Wir sehen halb zugefrorene und komplett zugefrorene Seen, die Schneefelder reichen bis an die Straße.

Auf dem Haukelifjell

Heute führt Martin uns an. Die Fahrt verläuft gut und bald biegen wir in Haukeli nach Westen ab. Auf dem Haukelifjell ist es kalt. Lange kalte Tunnel und jede Menge Schnee. Die Aussichten sind atemberaubend. Dann unser erster „Foelg Meg“ an einer Tunnelbaustelle. Durch den Tunnel dürfen nur LKWs, PKWs und Mopeds müssen dem „Foelg Meg“ über die alte Pass-Straße Folgen. Etwas eng, etwas steil, und Martin jammert. Aber er meistert das problemlos und nach wenigen Kilometern sind wir wieder auf der Hauptstrecke. Jetzt gibt es nochmal viel Schnee und viel Panorama. Dann geht es abwärts. Vorbei an wunderbaren Seen und grüner Landschaft. Die Sonne scheint und es wird wärmer. Bei einem Tankstopp genehmigen wir uns eine längere Pause und setzen uns mit einem Kaffee in die Sonne. Herrlich. Bald danach stoßen wir auf die Straße nach Odda und machen einen Halt am Latefossen. Ein gewaltiger Wasserfall direkt an der Straße. Wir machen ein paar Fotos und weiter geht es.

Am Latefossen

Dann geht es runter zum Hardangerfjord. Weiter entlang des Fjordes. Bei tollem Wetter. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir falsch fahren. Meine geplante Route verläuft anders als das Routing von Martins Navi es vorgibt. Ich wäre die Ostseite des Fjordes entlang gefahren und hätte den Fjord über die „Hardangerbrua“ überquert. Das Navi lotst uns entlang der Westseite zu einer Fähre. Nun gut.

Und jetzt wir es komisch: „Ferrypay“ oder die modernen Zeiten sind doof.
Um Gebühren zu sparen, haben wir bei „Ferrypay“ jeder ein Konto angelegt. Mit unserer Kreditkarte und unserem Kennzeichen. Denn angeblich kann man auf Fähren nicht mehr direkt bezahlen und ohne „Ferrypay“ bekommt man für jede Überfahrt eine Abrechnung mit Gebühren, die den Fährpreis teilweise deutlich übersteigen. So werden nur die Kennzeichen gescannt und die Transaktion läuft automatisch. Angeblich. An der ersten Fähre meckert der Scanner über Martins Motorrad und meines wird akzeptiert. Martin zahlt mit Kreditkarte was angeblich nicht geht… 40 NOK kostet die Fahrt auf die Nordseite des Hardangerfjordes. An den nächsten Fähren war es umgekehrt. Martins Moped wurde erkannt, meines nicht und ich zahlte mit Kreditkarte.
Was sich noch mit den Fähren geändert hat seit meiner letzten Tour: Bis auf eine Fähre waren alle die wir bisher genommen haben elektrifiziert. Kein Motorendröhnen mehr und keine schwarze Rauchfahne über den Fähren. Und an den Anlegern riesige Ladestationen mit der Aufschrift „Ferry Charge“. Auf der Fähre halten wir einen Schwatz mit einem älteren Womo Paar. Sie erzählte uns, dass im Womo hinter ihnen ihre Freundin säße. Die würde sich nicht gut fühlen. Sie hätte nämlich in Tunneln und auf Fähren furchtbare angst. Ich bemerke, dass sie dann ja goldrichtig wäre hier in Fjordnorwegen. Lauter Fähren und Tunnel… Wir lachen beide.
Nach der Fjordüberquerung zieht sich die Straße wieder hinauf auf ein Fjell. Steile Serpentinen aber eine gute und breite Straße. Martin jammert. Aber er macht das prima und so nach und nach findet er sogar Gefallen an der Kurverei. Das soll ich aber keinem verraten, sagt er. Er hätte einen Ruf zu verlieren, sagt er. Also erzählt es nicht weiter. Ich behalte es auch für mich.

Und wieder im Gebirge


Wir fahren wir kilometerweit durch den Schnee. Es ist kalt. Klar. Bald geht es wieder abwärts und wir haben eine gigantische Aussicht auf den Sognefjord. Kurz vor dem Fjord machen wir einen Stop an der Stabkirche von Hopperstad. Die Besichtigung schenken wir uns und wir schauen uns die (nicht komplett originale) Stabkirche nur von aussen an. Jetzt machen wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz. In Djuvik, kurz vor der nächsten Fähre finden wir einen Platz mit günstigen Hütten. Für diesen Preisunterschied müssen wir auch hier nicht Zelten. Die Hütte ist gut. Die sanitären Anlagen sind gut und es gibt einen Herd, einen Wasserkocher und eine Kaffeemaschine. Die 450 NOK sind dafür sehr angemessen. Nach einem einfachen Abendessen sitzen wir noch etwas vor der Hütte mit Blick auf den Fjord und schauen bei durchwachsenem Wetter ein paar Schiffen hinterher. Und wir planen die Strecke für den nächsten Tag. Martin möchte zum Westkap. Da bin ich vor fast genau 40 Jahren schon einmal gewesen. Ich gebe die Route ins Handy ein und verschwinden wir ins Bett. Vollgepumpt mit tollen Eindrücken aber müde von der Fahrt sind wir beide ruckzuck eingeschlafen.

Unsere Hütte am Sognefjord

Mittwoch, 31. Mai

Nach einem schnellen Frühstück starten wir. Nach wenigen Kilometern stehen wir an der ersten Fähre des Tages. Nach kurzer Wartezeit geht es über den Sognefjord und dann weiter ins Gebirge. Nach einer tollen fahrt erreichen wir den Gletscher Boyabreen. Die Strecke vom Fjord bis hierher bin ich vor sieben Jahren auch gefahren. Wir machen einen Fotostop und weiter geht es.

Am Gletscher. Dort ist es so kalt wie es aussieht

Das Wetter ist durchwachsen und dann und wann bekommen wir etwas Regen ab. An einem Geldautomaten unterwegs besorge ich mir erstmal ein paar NOKs. Ich hatte kein norwegisches Bargeld dabei. Etwas Später biegen wir nach Westen ab. Wir fahren nicht zum Geiranger sondern zum Westkap. Wie ich schon schrieb, war ich dort bei meiner ersten Norwegenreise 1983 schon einmal. Aber zugegebenermaßen sind meine Erinnerungen daran schon sehr verblasst. Auf dem Weg zur Fähre über den Storfjord bei Stranda überlegen wir, ob wir den Trollstigen fahren sollen, denn der Umweg wäre nicht besonders groß. Aber die Wetterapp sagt uns Temperaturen um den Gefrierpunkt dort an. Also verwerfen wir diese Idee. Wir setzen über (mit den gleichen Ferrypay Problemen) und biegen nach der Fähre links ab. Wir fahren nach Nordfjordereid und wollen dann weiter auf die Halbinsel Selje. Dort liegen der gleichnamige Ort und auch das Westkap. Wir sind beide knapp mit dem benzin und fahren zunächst über die Berge zum Ort Selje. Halbinselüberquerung, die Erste. Im Ort tanken wir und gehen in den Supermarkt. Martin kauft ein Frühstücksbrettchen für sein Moped. Als Unterlage für den Seitenständer auf weichem Boden. Die Unterlage die er dabei hatte erwies sich als völlig untauglich (hallo Matthes?!). Ausserdem kaufen wir noch ein Brot, ein Paket Tee und Schokolade. Ich muss vorsichtig werden. Ich will nicht anfangen, jeden Tag eine Schokolade zu essen… Aber die schmeckte schon gut.
Nachdem wir auf dem Parkplatz noch eine kurze Pause gemacht haben, machen wir uns auf den Weg zum Westkap. Wieder auf die andere Seite der Halbinsel. Halbinselüberquerung, die Zweite. Bald sind wir am Kap.

Am Westkap. Spektakulär!

Eine sehr schmale Straße schlängelt sich in atemberaubender Höhe weg von der Hauptstraße hin zum Kap. Das Wetter ist gut und wir blicken aus großer Höhe auf die wilde Küstenlandschaft. Rechts und links der Straße weiden Schafe mit ihren Lämmern. Manche schauen uns nur desinteressiert an, andere müssen wir mit der Hupe von der Straße verscheuchen und wieder andere fliehen in panisch vor unseren Motorrädern. Dann sind wir auf dem Gipfel. Dort gibr es ein Restaurant das aber geschlossen ist, eine Radarstation die geschlossen ist und Toilettenhäuschen die ebenfalls geschlossen sind. Und einen Parkplatz der nicht geschlossen ist. Und natürlich gibt es eine spektakuläre Szenerie. Wirklich der Hammer. Und der Wind bläst uns um die Ohren. Martin ruft bei Andreas an um ihm mitzuteilen, dass er jetzt vor der Webcam des Kaps posieren will. Und mit einer Verzögerung von einer Minute ist er dann auch auf der Cam zu sehen. Wir leben in spannenden Zeiten. Bald machen wir uns auf die Rückfahrt. Der erste Abschnitt geht natülich komplett ohne Motorleistung und wir lassen uns einfach den Berg hinunter rollen. Wir wollen wieder nach Selje. Dazu müssen wir wieder über die Berge auf die ander Seite. Halbinselüberquerung, die Dritte. Mittlerweile kennen wir den Weg. In Selje gibt es einen Campingplatz. Diesmal ohne Hütten. Also wird heute Nacht im Zelt geschlafen. Wir kommen an, der Betreiber ist zufällig da und wir checken ein. Auf der Zeltwiese finden wir ein halbwegs trockenes Stückchen Gras um die Zelte aufzubauen. Ausser uns haben noch ein paar einheimische Mopedfharer ihre Popup-Zelte (Regenschirm-System, 4Bikers outdoors) aufgestellt. Nach dem wir unser Lager aufgebaut haben kochen wir uns ein paar Nudeln, quatschen noch ein Stündchen und liegen um 22 Uhr im warmen Schlafsack. Ich setze meine mitgebrachte Schlafmaske auf. Denn hier wird es auch schon nicht mehr wirklich dunkel und mein Zelt hat keine Vorhänge. Das mit der Maske funktioniert super. Schnell bin ich eingeschlafen. Ob das bei Martin auch so war, weiss ich nicht. Aber ich nehme es an.
Am nächsten morgen wollen wir weiter. Richtung Nordwesten, zur E39 und dann weitersehen. Ohne Frühstück. Das wollen wir unterwegs erledigen. Mal schauen…

Unser Camp in Selje

Donnerstag, 1. Juni Leiden oder die Martins teilen alles

Wir sind um sechs Uhr früh auf. Es wird Kaffee gekocht was ewig dauert. Das packen dauer auch ewig und ich brauche besonders lange. Dauernd habe ich irgendwelchen Kleinkram verlegt, alles nehme ich dreimal in die Hand, kurz: Es läuft nicht. Was aber läuft ist der Abbau meines Zeltes. ich fange zeitgleich mit unseren Nachbarn an. Die bauen zu zweit ein sogenanntes Sekunden- oder Popupzelt ab. Und ohne mich sonderlich zu sputen bin ich mit meinem Helsport fertig als die noch dabei sind, ihr ach so praktisches Teil in den riesigen Packsack zu murksen. Mein Zelt hat bei gleicher Größe – na gut, es ist niedriger – maximal ein Drittel des Packmaßes. Ich gebe ja zu, dass ich etwas in mich reingegrinst habe. Aber ich gebe auch zu, das die mit ihrem Ungetüm beim Aufbauen wohl um einiges schneller sind als ich. Wie dem auch sei: Martin wartet schon lange auf mich und um 9:30 geht es endlich los. Die Fahrt führt uns zunächst um die 60Km auf dem Weg zurück den wir gekommen sind. Dann biegen wir ab nach Norden Richtung Molde. Die E39 entlang. Das Tagesziel ist ja, dem beginn des FV17 so nahe wie möglich zu kommen. Und das ohne die berüchtigte E6 zu fahren. Die Strecke ist toll, so wie alle Strecken im Süden und Westen von Norwegen toll sind. Hier kann man abbiegen wo man will: Man landet immer auf einer Traumstraße. Da wir nicht gefrühstückt hatten, gönnen wir uns an bei einem Tankstop unsere erste norwegische Pölser. So ähnlich wie ein Hotdog. Mit verschiedenen Saucen die man auswählen kann. Dazu hole ich mir noch ein Rosinenbrlötchen und eine Zimtschnecke während Martin sich für irgendwas mit Vanillepudding entscheidet. Weiter geht es bis zur Fähre. Das sind aber noch zwei Stunden. Diese Fähstrecke bin ich Anfang der 90er schonmal gefahren. Damals hatten ich mit einer größeren Truppe in der Nähe ein Anglerhaus bei Fiksdal für eine Angeltour gemietet. Auf der Fähre dann (die gleichen Ferrypay Probleme wie vorher) nehmen wir ein Getränk, das von der Farbe her an Kaffee erinnert und uns als solcher vekauft wird. Schmecken tut das Gebräu aber nach etwas, was ich noch nie vorher geschmeckt habe. Und es schmeckt nicht gut. Wir entsorgen beide die Hälfte von dem Gebräu. In Molde angekommen, wollen wir was essen. Wir entscheiden uns für einen Laden namens „Big Bite“. Das ist so ein SubWay Verschnitt. Wir nehmen beide ein großes Roastbeef Sandwich da das Pastrami dass ich eigentlich haben wollte ausgegangen war. Dazu eine Cola. Hat alles gut geschmeckt und satt und aufgewärmt geht es weiter. Die E39 entlang.

Pause an der E39

Die Atlantikstraße und Kristiansund lassen wir aus. Wir fahren Richtung Trondheim. Mein N-COM macht Probleme. Drecksteil. Gestern hat Martin mich teilweise nur sehr leise gehört, jetzt hört er mich überhaupt nicht mehr. Und ich habe oft nur auf dem rechten Lautsprecher einen Ton. Mein erstes N-COM hat sieben Jahre gehalten, mein Zweites noch zweieinhalb, das Dritte jetzt nichtmal eineinhalb Jahre. Zum kot**en. Wir können uns nicht mehr unterhalten. Auf so einer langen Tour ist das Mist. Aber im Augenblick können wir nichts tun. Das Wetter wir immer schlechter. Und nach einiger Zeit ist es schlechter als schlecht.Vier Grad und Regen. Und noch mehr Regen. Kalt. Nass. Schei***. Wir leiden. Auf diesem Streckenabschnitt gibt es kaum Campingplätze. Genaugenommen keine. Oder ganz genau gesagt: Einen. Ein übler Flecken. Ein Hotel/Motel/Restaurant mit Campingwiese. Wir sind nass, durchgefroren und fix und fertig. Wir haben keine Wahl. Wir müssen da übernachten. Denn danach kommt die nächsten ein bis eieinhalb Stunden nichts mehr. Also stiefeln wir in die Rezeption. Ein freundlicher junger Mann bietet uns ein unverschämt teures Motelzimmer an. Wir fragen, ob wir eine Übenachtungsmöglichkeit buchen können ohne den Laden zu kaufen und er findet was. Wäre „small and one bed only“ Und wir nehmen das Ding. Auch teuer, aber noch erschwinglich. Er erklärt uns, wo das Hüttchen zu finden ist und wir machen uns auf den Weg. Schnell haben wir das Ding gefunden, stellen die Mopeds ab und dann erstmal rein in die gute Stube. Aber das ist keine gute Stube. Das ist eine Hundehütte mit Doppelbett drin. In der Ecke ist ein Fernseher angeschraubt an dem man sich dauernd den Kopf stösst und es stehen ein Tischchen und zwei Stühlchen vor dem Bett. Die wurden vermutlich im nächstgelegenen Kindergarten aus einem Puppenhaus entwendet. Sie sind winzig. Aber die Hundehütte ist geheizt und trocken. Die Heizung steht auf 18 Grad. Die setzen wir erstmal auf das Maximum von 25 Grad. So wird mit der Zeit eine Temperatur in dem Bauwerk erreicht, die auch Nicht-Polarbären das Überleben ermöglicht.
Jetzt halten wir Kriegsrat. Die letzten Stunden haben uns an unsere Grenzen gebracht. Natürlich nicht an echte physische Grenzen, aber an die Grenze dessen, was wir bereit sind im Urlaub auszuhalten. Denn das ganze Unternehmen soll ja auch noch Freude machen. Aber so kommt keine Freude auf. Wer sich an meinen Blog von der 2016er Tour erinnern kann, weiss sicher noch wie ich damals über die Kälte geneckert habe. Diese Tour ist kälter. Es ist immer kalt. Richtig kalt. Und jetzt ist es auch noch nass. Richtig nass. Wir checken die Wetterkarten. Mehrere Dienste melden für die nächsten tage Dreckswetter am Fv17, unserer Wunschroute. Wir beschließen, hier abzubrechen und wieder in den Süden zu fahren. Dort gibt es etwas angenehmere Temeraturen und die Sonne scheint dort. Das wäre also geklärt. Das „Cape To Cape“ im Tour-Motto haben wir ja strenggenommen schon geschafft. Vom Südkap zum Westkap. Niemand hat behauptet wir hätten eigentlich das Nordkap damit gemeint. Haben wir auch ganz sicher nicht. Nordkap, pah! Fv17? Pah. Morgen geht es in den sonnigen Süden. Latürnich!!!!
Mit diesem Wissen legen wir uns ins gemeinsame Bett, versprechen uns gegenseitig uns anständig zu benehmen, drehen uns den Rücken zu und schlafen bald ein. Wir tragen beide Ohrenstölpsel. Dabei bin ich doch ein schnarchfreier Single und nur Martin schnarcht. Da bin ich mir ganz sicher.

Ist damit der Norden für uns erledigt? Wir werden sehen.

Freitag, 2. Juni. Wir geben noch nicht auf.

Nach einer verblüffend guten Nacht die wir in einem Bett verbracht haben, stehen wir früh auf und die Sonne lacht vom Himmel. Zwar nur 3 Grad, aber Sonnenschein. Da kannd der Tag ja nur besser werden. Wir beschließen, die Reise in den Norden doch noch nicht aufzugeben und starten in den Tag. Soviel zu unserer Konsequenz. Weiter die R39 Richtung Trondheim. Wir wwollen heute den Start des Fv17 erreichen. Wir fahren bei ganz ordentlichem Wetter. Aber es ist kalt. Immer kalt. Sehr kalt. In Orkanger haben wir etwas Sonnenschein und Essen. Martin meint, wir sollten mat versuchen nachzusehen was mit meinem N-COM ist. Na gut. Ich glaube nicht daran, dass wir was finden aber egal. Ich bin ziemlich sauer und genervt, dass dieses N-COM auch schon wieder kaputt ist. Ich rupfe den Helm auseinander und finde einen“halben“ Kabelbruch, der vermutlich dafür verantwortlich ist dass der linke Lautsprecher im Helm öfter mal nicht funktioniert. Am Mikro finden wir keinen Schaden. Scheint alles gut zu sein. Martin googelt und findet einen Händler in Trondheim der N-COMs anbietet. Er ruft da an. Martin ist hartnäckig. Die Dame am telefon sagt ihm aber, dass sie wohl kein passendes Mikro da hätten. Damit sollte die Sache erstmal erledigt sein. Mir lässt das keine Ruhe. Nach der Phase des „Kackteil, ist bestimmt nicht das Mikro, das ganze Ding ist Mist“-Phase beginne ich auch, problemorientiert zu denken und schaue nach, wo der Händler in Trondheim zu finden ist. Wir beschließen, da vorbei zu fahren. Dort angekommen, landen wir zunächst im falschen Mopedladen. Der ist an der praktisch gleichen Adresse. Aber der freundliche Herr dort schickt uns zum richtigen Laden. Der Chef dort schaut sich die Sache an. Er holt ein N-COM 601 Set raus und siehe da: Gleiches Mikro. Wir testen es und es funktioniert. Super! Mit dem nun wieder funktionierenden Kommunikationssystem reisen wir weiter. Tja Martin: Ob das klug war? Jetzt darfst Du wieder die ganze Fahrt über meinem Blödsinn lauschen….
Das Wetter wird wieder schlechter. Ab und zu ein Schauer und schweinekalt. Wir beschließen, zur Oldernesgard zu fahren. Die liegt am Snosa See und die Webseite von denen ist sympathisch. Irgendwie so als würde der Platz von und für Alt-Hippies betrieben. Wir kommen dort an.

Auf der Zeltwiese. Kalt und nass.


Ein paar Minuten später steht das Zelt
Mein Helsport. Was für ein Zelt. Zehn Stunden
Dauerregen und kalt und neblig draussen.
Kein Tropfen Wasser drin. Alles absolut trocken.
Weder von aussen was eingedrungen noch Kondenswasser.

Durchgefrohren und wirklich kaputt. 282 Km sind wir heute gefahren. Wir wollen eine Hütte. Der Betreiber dort sagt, er habe keine frei. Die seien alle reserviert. Komisch. Wir sind die einzigen Gäste. Aber wir können auf der Zeltwiese campen. Na gut. In der Kälte schlagen wir unsere Zelt auf. Aber es gibt eine Feuerstelle. Und Brennholz. Und nasses Papier zum anzünden von nassem Holz. Das klappt nicht. Kurz nachgedacht und mir fällt ein, dass ich einen kleinen Vorrat Motoröl dabei habe. Mit einem Stück Holz, etwas von dem nassen Papier und einem Schuss 10w60 baue ich eine Fackel. Das klappt. Bald haben wir ein wärmendes Lagerfeuer.

Lagerfeuer. Das tut gut.

Als das runtergebrannt ist, gehen wir ins Bett. Um sechs Uhr wollen wir aufstehen. Martin wird mich wecken. Dann fahren wir den Fv17. Das könnte noch was werden…

Samstag, 3. Juni – Was für ein Tag….

Kaum lagen wir gestern auf der Matte, fing es richtig an zu regnen. Es regnete die ganze Nacht. Und es war kalt. Mehrmals wurde ich wach (trotz meiner Schlafmaske) und es regnete… Bei diesem Wetter raus zum pi****, das ist kein Spass. Ich werde vor sechs Uhr wieder wach. Es regnet immer noch. Auch um Punkt sechs regnet es. Dahre wundert es mich nicht, dass ich nichts von Martin höre. Gegen halb acht hört der Regen auf. ich warte noch etwas ab und um acht stehe ich an Martins Zelt. Martin ist wach. Aber es geht ihm nicht gut. Er kann nicht fahren. Wir müssen einen Tag verlängern. Ich gehe zur Rezeption. Diesmal ist eine nicht mehr ganz junge Dame da. Das verlängern geht problemlos. Aber es ist kalt und nass. Eine Hütte wäre Gold wert. Nun denn. Ich koche Tee für Martin und lasse ihn in Ruhe. Er bleibt bis Mittags im Zelt. Dann geht es ihm etwas besser. In einem Schuppen der wenigstens trocken ist – aber trotzdem schweinekalt – kochen wir uns ein einfaches Essen. Nudeln mit einer Gulaschkonserve die ich noch hatte.

Der Schuppen. Wenigstens trocken und winddicht.
Aber schweinekalt. Ich koche Tee für Martin auf dem Trangia.

Der Regen, die Kälte und Martins Gesundheitszustand drücken auf die Stimmung. Die Wettervorhersage macht uns keine Hoffnung auf Änderung in den nächsten Tagen. Im Norden wird es tendenziell noch schlechter sagt WetterOnline.
Wir beschließen, abzubrechen. Diesmal wirklich. Im Süden und Südwesten soll tolles Wetter sein und wir wollen raus aus der Kälte. Wir möchten unseren Urlaub zumindest noch ein bischen geniessen. Also steht der Entschluss. Morgen schrubbeln wir die berüchtigte E6 Richtung Süden runter so weit wir kommen. Hauptsache raus aus der nassen Kälte.
Wir vertrödeln den Rest des Tages und sind früh im Bett. Martin schon am Nachmittag. Der Entschluss, in den Süden zu fahren und in den nächsten Tagen etwas akzeptablere Bedingungen zu bekommen hat unserer Stimmung Auftrieb gegeben. Irgendwie freuen wir uns auf Morgen.

Sonntag, 4. Juni – Schön, schöner

Früh sind wir auf. Ich koche Kaffee und danach bauen wir ab. Martin ist wie immer schneller als ich. Deutlich schneller. Gegen 10 Uhr starten wir. Zurück nach Steinkjer, auf die E6. Dann Trondheim. Wir wollen bis Dombas und dann auf die E136 abbiegen. Nach Andalsnes. Wir haben beschlossen, dass wir ein oder zwei Tage in Bergen sightseeing machen wollen. Bergen, eigentlich die Regenhauptstadt Europas, wird für die ganze nächste Woche gutes Wetter haben.
Mir graut es vor der Fahrt. E6! Das ist für erfahrene Norwegenfahrer sowas wie die Vorhölle. Ich bin diese „Road to Hell“ von Orkanger bzw. Oslo aus schon mehrfach gefahren. Allerdings das letzte Mal 2002. Zunächst wird diese Miststrecke auch heute ihrem Ruf gerecht. Nicht schön und viel Verkehr. Vor allem Wohnmobile. Aus Sicht des Mopedfahrers ist so ein WoMo eine Immobilie die auf der Straße rumsteht und eine Seniorenherberge ist. Und wenn diese „Fahrzeuge“ in Scharen auftreten – und das tun sie hier in Norwegen mittlerweile – wirkt das wie eine in Reihe geschaltete Rentnerkolonie. Oder nein: Pensionärskolonie. Die meisten dieser Teile können sich nur fürstlich alimentierte Ex-Beamte leisten. Vermutlich alles pensionierte Lehrer-Ehepaare. Es ist schlimm… Die beige Pest. Dauernd fährt man irgendwelchen schleichenden Schrankwänden hinterher. Und es sind so viele.
Aber halt. So schlimm ist es heute überhaupt nicht. Irgendwann kündigt ein Schild den Aufstieg auf das Dovrefell an – im übrigen fahren wir schon lange im Sonnenschein – und die Fahrt wird zum Erlebnis.
Bei so einem wahnsinns Wetter habe ich das Dovrefjell noch nie gequert. Die Aussicht ist atemberaubend. Das wir hin und wieder von pensionierten Lehrern und holländischen Wohnwagengespannen ausgebremst werden stört uns nicht mehr. Zu gut das Wetter, zu schön das Panorama.

Pause an der E6. Hier stellen wir fest, das Martins Moped unter akutem Ölmangel leidet.

Was stört ist folgendes: An einem Rastplatz checken wir den Ölstand von Martins Maschine. Es ist kein Ölstand messbar. Wir fragen uns, was wir falsch machen. Aber wir googlen und finden keinen Fehler. Martin hat Motoröl dabei. Er giesst nach. Immer noch nichts messbar. Er giesst wieder nach. Wieder nichts. Das geht so, bis ein ganzer Liter in seinem Motor verschwunden ist. Guter Rat ist teuer. Als technischer Laie und Klugscheisser ohne Verantwortungsbereitschaft überlasse ich die Entscheidung was zu tun ist Martin.
Er beschließt. bis Andalsnes weiterzufahren und dann mal schauen….
Na denn. so machen wir es.
Irgendwann kommst der Abstieg vom Fjell ind wir sind in Dombas. Hier sieht alles so aus, wie ich es in Erinnerung hatte. Am – für norwegische Verhältnisse – großen Autohof und Einkaufszentrum setzen wir uns auf die Sonnenterasse. Mit Kaffee und Kuchen lassen wir es uns gut gehen. War das eine Fahrt. Und die E6 hat jetzt wirklich was gut bei mir…
Nach dem Kaffe biegen wir in Richtung Westen von der E6 ab. Wir wollen nach Andalsnes. Was wir nun erleben ist der Hammer. Bei allerbestem Wetter fahren wir entlang einer Traumstraße. Wir erleben auf den nächsten hundetr Kilometern eine Mischung aus Auenland – so taufen wir den ersten Abschnitt -, Mittelerde, Allgäu und Zugspizenmassiv. Grüne Wiesen wechseln sich mit schroffen Felswänden und Wasserfällen ab. Und das bei 17 Grad am Abend.

Slettafossen an der E136

Wir sind bester Laune. Was für eine Fahrt. Wir sind fast traurig als wir unser Ziel erreichen. Und das, obwohl wir uns heute den „Steel Butt“ Titel echt verdient haben. 461 Km lang haben wir uns den Popo platt gesessen. Wir kommen am ausgewählten Campingplatz an. Der ist schön. Die Hütte ist super und der Chef verrät uns, an welcher Tanke im Ort es die besten Burger gibt. Wir packen unseren Kram in die Hütte und ab geht es zur Esso-Station in Andalsnes. Dort futtern wir einen wirklich leckeren Burger mit Pommes.
Natürlich schauem wir in der Tanke auch nach Motoröl. Martins Karre braucht 10w40. Eine Allerweltssorte. Das haben die da, aber nur als „semi-synthetic“. Ich habe keine Ahnung ob Martins Triumph vollsyntetisches braucht oder ob das egal ist. Martin weiss das auch nicht. Martin entscheidet, dass wir uns morgen darum kümmern.

Mjelva Camping bei Andalsnes. Wunderbar.


Zurück am Platz beschließen wir, einen Kinoabend zu machen. Auf einem Tablet schauen wir William Whylers grandiosen Western „Weites Land“. Mit Gregory Peck und Charlton Heston. Die letzten 10 Minuten kriege ich nicht mehr mit. Ich bin eingeschlafen. Macht nix, Ich kenne den Film. Morgen wollen wir nicht vor acht Uhr aufstehen.

Kinoabend auf der Hütte

Mit dem Rauschen der Wasserfälle die uns umgeben im Ohr schlafen wir ein. Ich muss nachts noch raus und sehe die Lichter von Andalsnes. Ein schönes Bild. Ansonsten schlafen wir beide sehr gut und die Stimmung ist jetzt nach dem Tief der letzten Tage auf bestem Niveau.

Die Lichter von Andalsnes. Nachts um drei.


Ich kann nicht genug betonen, was für ein angenehmer Reisebegleiter Martin ist. Immer humorvoll, immer mit einer guten Idee dabei und wie ich voller Begeisterung für das wundeschöne Land das wir durchfahren.

Montag, 5. Juni . I don´t like Mondays

Wir schlafen bis um acht. Ich gehe noch duschen, dann packen wir. Martin ist vor mir fertig. Soll mich das wundern?
Wir wollen nach Andalsnes zur Esso-Tanke. Frühstücken. Als wir starten, fällt mir auf, dass Martins Karre eine ordentliche Abgasfahne hinter sich herzieht. Eine ganze Weile lang. In den letzten Tagen war mir bereits aufgefallen, dass sein Moped beim herunterschalten unter Last einen ordentlichen dunklen Schwall ausstößt. Beim Frühstück entscheiden wir, sowas wie eine Werkstatt zu suchen. Wir hatten gestern schon geschaut: Die nächsten Triumph Vertragshändler sind in Bergen oder Oslo. Beides gleich weit entfernt. Also wollen wir mal sehen, ob es hier eine Schrauberbude gibt wo die Locals ihre Mopeds warten lassen. Nach dem Frühstück fangen wir damit an.
Ich schlage Martin vor, den ADAC zu kontaktieren. Schließlich hat er wie ich auch einen Schutzbrief von dem Laden. Und sowas sollte damit abgedeckt sein. Ich fahre derweil eine Runde durch den Ort um nach einer Werkstatt Ausschau zu haten. Ich frage mich durch, erhalte aber nur untaugliche Hinweise. Dann, als ich eben aus einer Ford-Autowerkstatt komme, sehe ich gegenüber vor einem Supermarkt ein Motorrad. Daneben zwei Typen. Ich denke, das sind Locals. Die wissen wo man hier mit ’nem Moped hingehen kann. Ich fahre rüber. Das Moped ist eine alte Guzzi. Sehr alt. Eine Le Mans I. In einem beklagenswerten Zustand. Wirklich abgeranzt, das Teil. Die beiden Typen die eben Ihre Einkäufe in einem Sack auf dem Gepäckträger verstauen sehen nicht besser aus. Nun ja. irgendwie stimmt mich der Anblick der beiden aber auch optimistisch. Die scheinen weit in weit ihren siebzigern zu sein und fahren mit ’ner Guzzi rum. Das lässt hoffen… Aussehen tun sie aber wie eine Mischung aus Trolls und Orks.

Gerade stehen können sie anscheinend nicht. Egal. ich Quatsche sie an. Auf englisch. Sie sagen: „Du kannst ruhig deutsch mit uns reden“. Au wei. Ich schaue auf das Nummernschild der Guzzi. Deutsch, TS, Traunstein. Das sind Bayern. Die machen seit zwei Wochen Urlaub hier und sind tatsächlich zu zweit auf diesem Moped hierher gefahren. Unglaublich. Wie dem auch sei, wir haben nett geschwatzt, aber helfen konnten die auch nicht.
Ich fahre zurück zu Martin. Der hat den mittlereweile den ADAC kontaktiert und dieser den Vertragspartner vom norwegischen Autoclub . Deren nächster Werkstattpartner residiert in der Tanke an der wir stehen. Schräg.

Der Mann vom norwegischen Automobilclub ist da.

Der Mann von der Werkstatt wirkt kompetent und hilfsbereit. Aber auch er kann zunächst nichts anderes machen, als Öl nachzugiessen. Und zu messen. Nachdem Martin gestern einen ganzen Liter in der Triumph versenkt hat, macht unser Helfer das gleiche: Giessen, messen, giessen, messen. Ein weiterer Liter verschwindet in den unermesslichen Weiten des Triumph’schen Motors. Dann überprüft der Mann noch Martins Auspuff: Eine fette Ölschicht. Das nix gut. Er sagt uns, mehr könne er nicht tun. Und er rät Martin, mit der Karre die Tour nicht fortzusetzen. Er vermutet einen gravierenden Motorschaden. Wat nu.

Und ein weiteres Fass Öl verschwindet in Martins Triumph

Martin und ich halten Kriegsrat. Verantwortungsscheu wie ich bin, helfe ich ihm nicht. Ich wiederhole den Rat des Technikers: Mach was Du für richtig hälst, aber ich würde mit der Karre nicht weiter auf Tour gehen. Martin sieht das genauso. Wir überlegen hin und her. Dann entschließt sich Martin, die Tour abzubrechen. Er will irgendiwe bis Oslo und dann nach Deutschland zu kommen und dann mal weitersehen.
Das ist bitter. Denn das heisst, das unsere gemeinsame Tour nach einer Woche zu Ende ist. Was für eine Schei***. Mein erster Impuls ist, ebenfalls abzubrechen. Aber was würde es Martin helfen? Kann ich Ihm bei technischen Problemen zur Seite stehen? Kann ich mehr als „moralische Unterstützung“ leisten? Nein. Martin ist genervt und fertig. Ich bin es auch. Wir trinken unseren Kaffee, überlegen und reden und kommen zu folgendem Entschluss: Ich begleite Martin heute Nachmittag noch in Richtung Oslo. Wir fahren die E136 zurück nach Dombas, dann nach Süden Richtung Oslo. Bis Otta will ich bei ihm bleiben.
So machen wir es. Wir fahren wieder die E136 Diesmal in die andere Richtung. Sie ist immer noch wunderschön, aber wir haben heute keinen Blick dafür. In Dombas nehmen wir auf der gleichen Terasse wie gestern einen Kaffee. Dann fahren wir bis Otta.

An der E6 in Otta. Abschied von Martin. Was für ein Mist.

Hier werde ich nach Westen abbiegen und Martin seinem Schicksal überlassen. Ich Monster. An einer Tanke verabschieden wir uns. Martin will heute noch so weit es geht in Richtug Oslo kommen. Ich will, dass das alles nicht wahr ist. Wie dem auch sei. Nach einer Umarmung und den besten Wünschen trenne ich mich von Martin. Er fährt jetzt seine Tour. Ich die meine.
Ich könnte kot***.
Ich habe keinen Bock, jetzt zu erzählen wie toll der Weg nach Lom war, was für einen hübschen Campingplaatz ich gefunden habe und blablabla.
Ich muss die Sache verarbeiten. Und überschlafen.

Dienstag, 6. Juni – Horrortour Norwegen. Es bleibt scheisse. Richtig scheisse. Aber auch schön. Wunderschön.

Ich habe gestern einen netten Platz gefunden. Westlich von Lom. Schnell ist dort mein Zelt aufgebaut und früh liege ich im Bett. Meine Gedanken kreisen um Martin, seinen Weg zur Fähre und warum das alles so sein muss.
Heute morgen um 10 bin ich abfahrbereit. Noch einen Kaffee, noch eine Zigarette, noch einen kurzen Schwatz mit dem Landlord und um 10;30 geht es los. Es ist großartig. Ich fahre heute das Sognefjell. Eine Strecke die ich mit Rücksicht auf Eva und Nartin aus meinen Planungen rausgelassen hatte. Jetzt bin ich allein. Jetzt fahre ich wohin ich will. Aber bevor hier falsche Gedanken aufkommen: Martin fehlt. Und ich würde diese Dreckstrecke sofort im Austausch für seine Gegenwart sausen lassen. Nun ist es, wie es ist. Ich versuche aus der Situation das Beste zu machen.
Ich fahre auf das Sognefjell. Skandinaviens höchsten befahrbaren Pass. Über 1.400m hoch. In Lom ist der Abzweig auf den Fv55. Oder auch „Schneestraße“ wie dieser Teil der Straße auch genannt wird. Erst seit einer Woche ist die Wintersperre für den westlichen Teil der Passtraße aufgehoben. Der östliche Teil ist ganzjährig befahrbar. Da oben ist ein Skigebiet. Da gibt es Skihütten und ein paar Hotels. Bei angenehmen Temperaturen steige ich auf die Fjellstraße ein.

Aufstieg zum Sognefjell. Vom Osten her

Ich habe etwas Angst. Oder besser ich habe die Befürchtung, dass es kalt wird. Ziemlich kalt. Und schneereich. Noch fahre ich zwiscchen grünen Wäldern und Wiesen, aber in der Ferne sehe ich die majestätischen Berge des Fjells. Groß und leuchtend weiß. Was mich etwas beruhigt sind die Mopedfahrer die mir entgegen kommen. Die haben das Fjell hinter sich. Also bin ich nicht der einzige bekloppte der mit dem Moped so früh im Jahr da rüberfährt.
Die Straße zieht sich immer weiter in die Höhe. Bald habe ich die Baumgrenze hinter mir und die ersten Schneefelder tauchen auf meiner Höhe auf. 8 Grad noch. Bei 17 Grad bin ich in Lom gestartet. Ich habe mich warm angezogen. Und ich weiss, dass die gesamte Straße mit Auf- und Abstieg nur gut 70 Kilometer hat. Also wird es auszuhalten sein. Und das ist es. Die Schneefelder werden zu Schneewänden rechts und links der Straße. Aber wesentlich niedriger als ich vermutet hätte. Und die Sonne scheint. Nach einer großartigen fahrt stehe ich an der Passhöhe. 1.408m. Hört sich wenig an. Und verglichen mit der Höhe der Passtraßen in den Alpen ist das wenig. Da bin ich deutlich höhere gefahren. Allerdings darf man nicht vergessen, dass hier die Startpunkte der Passtraßen nahe bei normal null liegen. In den Alpen startet man schon deutlich höher. So sind die zu überwindenden Höhenmeter nicht weniger als die von so manchen Pass in den Dolomiten. Kurz nach der Passhöhe mache ich Kaffepause. Bei 2 Grad.

Ganz oben auf dem Sognefjell.

Und stahlendem Sonnenschein. Hier stehen ein paar Schneeraupen rum und ein Motorschlitten. Der Schnee leuchtet weiss, aber es taut. Nach einer Tasse Kaffee aus der Thermoskanne geht es weiter. Noch eine ganze Zeit lang auf dem Fjell, dann beginnt der Abstieg.

Noch herrscht hier der Winter…

Die Straße ist mit Steilkurven und Serpentinen gespickt. Was für ein Spass. Und dann das: Mir kommt eine Horde Harleys entgegen. Nun gut, jeder Jeck ist anders. Und es gibt eben auch Mopedfahrer die sich als „Biker“ bezeichnen und Ihre Mopeds „Bikes“ nennen. Und die Fahrer von amerikanischem Schwermetall gehören dazu. Zwei aus der Gruppe erfüllen jedes Klischee: Zuerst sehe ich nur einen Vorderreifen und Füsse. Die haben Fussrastenanlagen die extrem weit nach vorn und nach oben gelegt sind. Und ihren Führerschein haben die beiden wohl an der gleichen Schießbude geschossen, von der sie auch die Deko für ihre gepimpten Kirmeskarren her haben. Sie fahen auf meiner Straßenseite! Und sie und kriegen einen Schrecken als sie mich wahrnehmen. Penner. Ich muss eine Vollbremsung hinlegen und auf den fast nicht vorhandenen Seitenstreifen ausweichen. Beinahe hätte ich mich hingelegt. Und ich war nicht schnell. Der hintere der beiden Idioten hupt auch noch. Deppenpack. Kauft euch ein Dreirad, ihr Dilettanten. Vom Schreck erholt, geht es weiter und dann so richtig abwärts. Bald bin ich in einem wunderschönen grünen Tal und erreiche Skolden am Lustafjord, einem Ausläufer des Sognefjordes.

Westseite des Sognefjells, der Abstieg.

Noch ein paar Kilometer und ich will tanken.
An einer Tanke halte ich an. Und was soll ich sagen: meine Visa Karte ist weg. Unauffindbar. Schei***. Wie konnte das passieren? Ich bin damit immer sehr vorsichtig. Ich habe sie zuketzt gestern abend auf dem Campingplatz benutzt. jetzt ist sie weg. ich durchsuche meine Sachen. Und nochmal durchsuche ich meine Sachen. Sie bleibt verschwunden. Und jetzt die immerhin etwas gute Nachricht: Der tankautomat akzeptiert meine EC Karte. Bei meiner Tout vor sieben Jahren ging das nirgendwo. Immerhin. ich hole mir einen Kaffee an der Tanke. Dann nehme ich mein Smartphone zur Hand und versuche rauszukriegen, was ich tun muss um die Karte zu sperren. Es gibt von Visa ein Verzeichnis mit Nummern für fast alle Länder der Welt in denen Visas akzeptiert werden. Ich rufe die die Nummer für Norwegen an. nach der üblichen durchtipperei durch ein Sprachmenü lande ich in einem Callcanter und habe eine nette Dame am Ohr. Die ist nett, spricht aber einen mir unbekannten englischen Dialekt. Ich verstehe fast nichts. Immerhin: Visa hat für soclhe Fälle einen Dolmetscheservice. Nach ein paar Minuten klinkt sich ein Dolmetscher in unsere Leitung ein und übersetzt simultan. Jetzt läuft es. Nach ein paar Minuten ist alles erledigt. Die Karte ist gesperrt. Aber trotzdem: Allmählich reicht es mir mit den Problemen auf dieser Tour.
Es geht weiter. An einem schönen Aussichtspunkt am Lustafjord halte ich an. Ich mache ein paar Fotos, gehe zum Moped zurück und rutsche auf dem Schotterweg aus. Ungefähr eineinhalb Meter tiefer finde ich mich auf dem Bauch liegend in einem Busch. Es wird immer besser. Irgendwie hat sich beim Sturz mein Unterschenkel verdreht Und mein Knie schmerzt. Was für ein Mist. Das fehlte noch. Aber noch denke ich mir nicht viel dabei.
In Hella nehme ich die Fähre. Es ist ein wundervoller Abend und die Sonne lässt den Sognefjord leuchten.

Diese Fähre bringt mich nach Vangsnes
Abends auf der Fähre
Sonne über dem Sognefjord. Unbeschreiblich.

Auf der Fähre nach Vangsnes treffe ich einen Wanderer der mir erzählt, dass es auf einem Hügel un der Nähe des Fähranlegers eine Statue gibt, die Kaiser Wilhelm II den Norwegern geschenkt hat. Die wurde 1913 hier im Nirgendwo aufgestellt. Von der Fähre aus kann man die tatsächlich erkennen. Runter von der Fähre fahre ich hin und schaue mit das Ding an. Es handelt sich um die Dasrstellung einer norwegischen Sagengestalt namens „Fritjolv“. Das Ding ist riesig und hässlich. Ganz im Stil der wilhelminischen Zeit. Aber der Ausblick von hier oben über den Fjord macht das wieder wett. Gegen diese Landschaft hat dieses hässliche Monstrum zum Glück keine Chance.

Der „Fridjolv“ in Vangesnes. Der Sockel ist 10m hoch, die Statue 12m. Eine Monströsität.

Seit einiger Zeit macht sich mein Knie schmerzhaft bemerkbar. Der Sturz war war wohl nicht so folgenlos, wie ich dachte. Schaun‘ mer mal.
Ich fahre bis zum gewählten Campingplatz (den Martin und ich von der Hinreise kennen) und nehme eine Hütte für heute Nacht.
Dann buche ich für morgen eine Hütte in der Nähe von Bergen. Denn da will ich morgen hin um mir die Stadt nach so vielen Jahren nochmal anzuschauen.
Pustekuchen. Im Laufe des Abend schwillt mein Oberschenkel an und in meiner Kniekehle schmerzt es. So ein Mist. Am späten Abend und in der Nacht wird es schlimmer. Ich werde morgen nicht fahren können. Ich kann kaum laufen. Was kommt als nächstes? Ich storniere die Buchung für morgen. Ich beschließe, hier einen Tage zu bleiben. Ist wunderschön hier und ich hoffe dass es dann wieder geht. Wenn bis morgen Abend keine Besserung eingetreten ist oder gar eine Verschlechterung vorliegt, muss ich meine Krankenversicherung anrufen und die wird sich um einen Arzt hier kümmern müssen. Ich denke, das Bein kann man schmerzfrei Spritzen, zumindest so weit, dass ich nach Hause fahren kann.
Jetzt ist erstmal Bettruhe angesagt. mehr zu alledem morgen.
In dieser Tour steck der Wurm drin….

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