Und wie ich geschlafen habe. Mein Zelt habe ich an einer guten Stelle aufgebaut. Ich habe gestern darauf geachtet, einen Platz zu wählen an dem ich keine Morgensonne zu bekomme. Hat geklappt. Ich bin ja so clever.
Wenn man das nicht beachtet, kann es passieren dass man früh aufstehen muss. Denn wie es TSHansen – einer meiner Lieblingsyoutuber – einmal sagte, verwandelt die Sonne dein Zelt „from heaven to hell within seconds“. So kann ich ausschlafen. Der Schlafsack ist angenehm. Ich habe nicht den wirklich warmen für Norwegen mitgenommen, sondern den für den „Übergang“. Der ist mit 5° Komforttemperatur angegeben. Und er passt wirklich super für diese Jahreszeit. Klar, den Temperaturangaben kann man nicht unbedingt vertrauen da das Kälteempfinden ja eine sehr individuelle Angelegenheit ist. Aber für mich passen die Angaben der Deuter Schlafsäcke. Nach den guten Erfahrungen mit diesem Schlafsack hatte ich mir für Norwegen einen mit -3 ° Komforttemperatur gekauft. Und der hat sich auch bewährt. Wie dem auch sei: Ich bleibe bis kurz vor 9 liegen. Nach der Morgentoilette ziehe ich die Heringe aus dem Boden und trage das Zelt in die Sonne die angenehm warm vom Himmel lacht. Den heute ist mein Zelt von aussen nass. Sogar ziemlich nass. Also lege ich auch noch den Footprint neben das Zelt in die Sonne und mache Frühstück. Nach dem Kaffee und einem Brötchen lese ich noch ein paar Nachrichten und höre ein Kapitel von einem Hörbuch. Dann checke ich das Equipment und es ist alles trocken. Schnell wie auch in den letzten Tagen habe ich das Zeug verpackt und kurz nach 10 Uhr starte ich. Auf geht es zum Genfer See.
Zunächst habe ich noch ein paar schöne Kilometer. Bald aber bemerke ich den Großraum Genf. Es wird immer städtischer und der Verkehr fängt an zu nerven. Gaillard, Annemasse, Ville-la-Grand. Die Region wirkt, als sei sie der Vorstadtgürtel von Genf. Es wird echt unangenehm. Ich mache Kaffeepause und überlege, ob ich durch diesen Verkehr so weiterfahren möchte. Ich schaue mir kurz die Karte an und beschließe, nach südwesten auszuweichen und dort dann auf die „Route des Grandes Alpes“ zu stoßen. Mir geht es um den hohen Teil dieser Straße, und der fängt dort noch nichtmal wirklich an.
Also biege ich von meiner geplanten Route ab und fahre Richtung Bonneville. Bei Marnaz stoße ich auf die Route.
Wenn es um Pässe geht, ist das egal. Ich verpasse nur den „Col des Gets“ und es wird noch Pässe genug geben auf der Strecke. Ich werde nicht alle nennen und beschreiben. Ich bin auch nicht alle gefahren. Aber dazu später mehr.
Wer es genau wissen möchte, kann sich den Wikipedia-Artikel zur „Route des Grandes Alpes“ durchlesen. Da sind die Pässe verzeichnet und verlinkt.
Wie dem auch sei: Ich bin froh als ich aus dem heftigen Verkehr ‚raus bin. Auf der Route selbst gibt es auch Verkehr. Mopeds und Fahrräder. Viele Fahrräder. Aber die Gegend ist toll. Um kurz nach 13 Uhr stehe ich auf der Passhöhe des „Col de la Columbiere“. Mein erster Pass auf der Route.

Mein „erster“ auf der Route des Grandes Alpes

Auf jeden Fall bin ich jetzt in den Alpen. Die Berge sind hoch und die Täler lieblich. Es ist wirklich schön hier. Aber ich denke, dass ihr bestimmt schon in den Alpen gewesen seid. Was soll ich euch dazu sagen. Und das Fahren macht wirklich Spass. Ich fahre noch ein paar weitere Pässe. Am Stausee „Lac de Roselend“ mache ich eine längere Pause. Vermutlich war sie etwas zu lang. Das sollte ich noch merken.

Am Stausee von Roselend

Muß ich nochmal betonen, dass die Landschaft großartig ist? Ich denke nicht. Die Fotos hier sind wie immer nur eine sehr jämmerlicher Versuch die Eindrücke zu beschreiben die dort auf mich einwirkten. Aber das ist immer so. Auch der schönste Bildband kann nicht das Gefühl einfangen das mich erfasst, wenn ich wirklich in solch einer Natur unterwegs bin. Eine Binsenweisheit.
Nach der wirklich ausgiebigen Kaffeepause starte ich wieder und drehe ein paar Ehrenrunden. Ich habe es mit zwei Vollsperrungen zu tun deren Umfahrung letzlich doch etwas tricky ist. Und die Ehrenrunden weden nicht die letzen heute sein. Es wird spät. Ich suche nach einem Campingplatz und ich finde einen in Bourg-Saint-Maurice. Camping Le Reclus. Der Platz liegt direkt an einer vielbefahrenen Straße. Es dämmert schon und ich fürchte, zu spät zu kommen. Aber Glück gehabt, die Rezeption ist besetzt. Die freundliche Dame am Counter spricht englisch und erklärt mir, dass ich mein Zelt aufbauen darf wo immer ich einen Platz finde. Das gefällt mir. Dann reicht sie mir einen Zettel auf dem ich meinen Namen und meine Adresse notieren soll. Das mache ich und schreibe meine Telefonnummer drunter. Auf den anderen Plätzen wollten die diese immer haben. Die durchaus attraktive Dame nimmt den Zettel von mir entgegen, wirft einen Blick darauf und und fragt lachend „You think i want to call you later?“ und ich bin für einen kurzen Moment irritiert. Dann lache ich auch und sage „Of course. Today is your lucky day!“. Sie winkt lachend ab und ich trolle mich…
Möglichst weit von der Straße entfernt finde ich einen schönen Platz im Wald. Schnell steht das Zelt. Aber ich habe genau nichts mehr zu essen. Weder für jetzt noch fürs Frühstück. Also setze ich mich aufs Moped und fahre noch die paar Kilometer in die Stadt. Ich suche nach einem Supermarkt. Die meisten schließen um 20 Uhr, und es ist kurz nach 20 Uhr. Aber ich finde einen „Intermarche“ der auf hat und kaufe ein paar Kleinigkeiten ein.
Dann zurück zum Campingplatz. Sind höchstens drei, vier Kilometer. Wenn man den Weg kennt. Ich biege aber im Kreisverkehr falsch ab. Und merke erst später, dass ich komplett falsch bin. Den Namen des Campingplatzes habe ich mir nicht gemerkt. Und dann fahre ich so manchen Kilometer durch die zunehmend dunkler werdenden Alpen…
Irgendwann führt mich Google Maps zumindest erstmal wieder an eine Stelle die ich erkenne. Und dann geht es irgendwie. Etwas später als geplant bin ich wieder am Zelt.

Ich bin ja so geschickt…

Ich trinke noch den Rest von dem Rotwein von gestern und krieche dann in den Schlafsack. Der Tag war anstrengend und teilweise heiß. In den Bergen hier war es angenehm. Der Campingplatz ist rappelvoll, aber erstaunlich ruhig. Und schnell schlafe ich ein.