Am Pfingstsonntag, den 28. Mai sind wir gestartet. Natürlich haben wir uns früh verabredet und ab 6:30 Uhr gemeinsam gefrühstückt. um 7:30 Uhr sollte es losgehen. Da wir schnell gefrühstückt haben und bestens gut vorbereitet waren sind wir dann auch schon um 8:15 Uhr gestartet. Die erste und einzige Pause auf dem langen Weg nach Cuxhaven haben wir in Rhede gemacht. Allerdings in Rhede/Ems. Drei Stunden vor der Abfahrt der Fähre waren wir am Hafen. Der Check-In lief unkompliziert und dann standen wir auf dem eingezäunten Parkplatz in der Wartelinie mit den anderen Mopeds.
Warten auf das Boarding, in Cuxhaven. Unser Schiff wartet schon.
Und Martin musste Pippi. Aber nach nur zweieinhalb Stunden waren wir dann auf der Fähre. Und er konnte sein Problem lösen. Unser Schiff war die MS Romantika der Holland Norway Lines. Dazu gibt es wenig zu berichten. Wir haben unsere Kabine bezogen die verglichen mit der Kabine auf der „Color Magic“ wirklich sehr spartanisch war. Aber die Kojen waren OK und so haben wir unseren Kram abgestellt, uns umgezogen und das Schiff erkundet.
Rappelvoll, das Sonnendeck
In der Bar haben wir uns einen Whiskey gegönnt und auf den erfolgreichen Start der Tour angestossen und pünktlich um 17:30 waren wir am „Grande Buffet“. Das war OK. Aber auch nicht mehr. Ich war ziemlich kaputt da mich das Reisefieber in der Nacht zuvor vom Schlafen abgehalten hatte und daher schon um 20:30 in der Falle. Bis ca. 0:30 habe ich auch gepennt. Dann wurde es unruhig und wir hatten ordentlich Seegang. Es schaukelte wirklich sehr spürbar, das Bett. Ohne mein eigenes Zutun. Der Rest der Nacht war für mich unruhig, und ich habe die nur überlebt weil ich die Schokolade komlett aufgefressen habe die ich Nachmittags auf der Fähre gekauft hatte. Immerhin eine Kingsize….. Am morgen dann mit Martins Bordkarte gefrühstückt weil ich es geschafft habe, meine Bordkarte in der 3,5qm Kabine zu verbummeln. Etwas später dann aufs Raucherdeck – das ist da wo auch die Hunde pinkeln dürfen – und wir konnten die norwegische Küste schon deutlich sehen. Ich konnte sie sehen. martin nicht. Der lag am Boden und war dabei zu sterben. Jedenfalls wirkte das so auf mich. Aber das ist eine Geschichte die er euch selbst erzählen soll. um 10:45 jedenfalls legte der Kahn an, gegen 11 Uhr konnten wir von Bord fahren und haben erstmal eine tankstelle angefahren. Der Sprit ist nicht teurer als bei uns. Aber das ist alles schon Tag zwei. Das schreibe ich morgen.
Nach einer schaukeligen Nacht stehe ich um 7:30 auf und möchte zum Frühstücksbuffet. Dafür brauche ich meine Bordkarte. Wie ich feststelle, habe ich es geschafft in der 3qm Kabine eben diese zu verlieren. Sie muss in der Kabine sein, den ich habe die Tür damit geöffnet. dafür ist die Karte zwingend notwendig. Ich bin so ein Held… Martin ist schon länger auf und hat das Frühstück hinter sich. Er gibt mir seine Karte. Die ist zwar schon entwertet, aber man kann es ja mal versuchen. Ich gehe am Counter des Buffets vorbei und die Dame dort möchte meine Karte sehen. Ich zeige Ihr Martins Karte und sie moniert, dass diese bereits benutzt wurde. Ich sage, ich sei nur kurz auf der Toilette gewesen und sie winkt mich durch. Frechheit siegt. Aber ich muss kein schlechtes Gewissen haben. Denn ich habe die Leistung ja schließlich bezahlt. Nach dem ganz ordentlichen Frühstück treffe ich Martin in der Kabine. Wir ziehen unsere Mopedklamotten an, packen unsere Sachen und gehen aufs Raucherdeck.
Ankunft im Hafen von Kristiansand. Kalt, aber sonnig.
Um 9:30 soll die Kabine geräumt sein und 10:45 soll der Kahn anlegen. Martin geht es nicht wirklich gut, und wir überlegen uns schon, in Kristiansand vom Hafen direkt zum Krankenhaus zu fahren. Aber sein Zustand bessert sich, als wir unten bei den Fahrzeugen sind und so starten wir nach dem Anlegen und ausschiffen direkt zum Südkap. Über die E39 nach Mandal und dann nach Lindesnes und Spangereid zum Lindesnes Fyr.
Am Südkap. Lindesnes Fyr
Das erste Kap der „Cape to Cape“ Tour abgehakt. Jetzt geht es rauf in den Norden.
Immer entlang der Otra fahren wir eine wunderbare Strecke. An den Stromschnellen machen wir eine längere Pause.
Die Stromschnellen an der Otra
Etwas später finden wir einen Campingplatz für die Nacht. Flateland Camping an der E9. Es hängt ein Schrieb an der Tür (siehe Foto) und wir nehmen die Hütte Nr. 4. Das Zelten lohnt sich nicht.
Norwegen ist herrlich unkompliziert
Hier gibt es einfache Hütten für 450 NOK (+ 50 NOK für Strom). Dafür bauen wir keine Zelte auf. Die Hütte ist OK, aber die sanitären Anlagen sind in die Jahre gekommen und könnten auch sauberer sein. Ich wollte nicht duschen und Martin berichtet, dass das Wasser der Dusche nichtmal lauwarm wird. Und dafür nehmen die 20 NOK. Ansonsten ist alles OK. Der Manager kommt irgendwann vorbei und kassiert, wir sitzen noch eine Weile vor der Tür und liegen dann früh im Bett. Martin schläft wie ein Baby, nur lauter. Ich schlafe ebenfalls wie ein Baby, aber leise. Glaube ich jedenfalls. Singles schnarchen nicht. Martin schon. Obwohl der Single ist. Für morgen ist tolles Wetter angesagt. Ich bin gespannt.
Die Nacht war gut. Wir haben eine ordentliche Hütte zu einem guten Preis bekommen. Zelten hätte keinen Sinn gemacht. Wir haben einen wunderbaren Ausblick auf die umgebenden Felsformationen und einem Wasserfall. Am Abend sitzen wir auf der kleinen Terasse vor der Hütte, quatschen und hören etwas Musik. Es sind nur wenige Gäöste auf dem Platz. Ein paar verstreute Wohnmobile , eine junge Familie mit einem sehr drolligen kleinen Kind in einer etwas entfernteren Hütte. Und ein deutsches Rentnerehepaar in der Hütte nebenan. Den Rentner können wir am nächsten Morgen bei der deutschesten aller Tätigkeiten beobachten: Er wäscht sein Auto. Der Manager des Campingplatzes kommt noch vorbei und kassiert. Da ich rauchend dort sitze und bereits zwei meiner Kippen auf dem Boden liegen schaut er mich scharf an. Ich versichere ihm, dass wir natürlich keinerlei Müll zurücklassen und natürlich auch keine Kippen. Er grinst und droht, dass er uns in der Nacht die Reifen zerstechen würde wenn er noch Müll von uns fände…
Unsere Hütte in Flateland, an der Otra. (Martin mit riesiger Zuckerwatte)
Am Morgen wird kurz aufgeräumt und gefühstückt. Wir sitzen mit dem Kaffee auf der Terasse und der Manager kommt vorbei. Demonstrativ sucht er – wieder mit einem breiten Grinsen im Gesicht – den Rasen vor der Hütte nach Kippen ab. Ich sage mit ordentlichem Nachdruck in der Stimme: „You will find not a single one.“ Es sagt lachend „Well done“ und wünscht uns eine gute Fahrt. Wir starten. Der Himmel ist blau, aber es ist frisch. Wir fahren in Richtung Haukeli. Ich hätte eine ander Strecke präferiert, aber Martin muss erst noch etwas Routine gewinnen. Also nehmen wir die einfache Strecke. Das ist kein Opfer. Je näher wir Haukeli kommen, desto höher geht es. Hier ist Skigebiet. Wir sehen halb zugefrorene und komplett zugefrorene Seen, die Schneefelder reichen bis an die Straße.
Auf dem Haukelifjell
Heute führt Martin uns an. Die Fahrt verläuft gut und bald biegen wir in Haukeli nach Westen ab. Auf dem Haukelifjell ist es kalt. Lange kalte Tunnel und jede Menge Schnee. Die Aussichten sind atemberaubend. Dann unser erster „Foelg Meg“ an einer Tunnelbaustelle. Durch den Tunnel dürfen nur LKWs, PKWs und Mopeds müssen dem „Foelg Meg“ über die alte Pass-Straße Folgen. Etwas eng, etwas steil, und Martin jammert. Aber er meistert das problemlos und nach wenigen Kilometern sind wir wieder auf der Hauptstrecke. Jetzt gibt es nochmal viel Schnee und viel Panorama. Dann geht es abwärts. Vorbei an wunderbaren Seen und grüner Landschaft. Die Sonne scheint und es wird wärmer. Bei einem Tankstopp genehmigen wir uns eine längere Pause und setzen uns mit einem Kaffee in die Sonne. Herrlich. Bald danach stoßen wir auf die Straße nach Odda und machen einen Halt am Latefossen. Ein gewaltiger Wasserfall direkt an der Straße. Wir machen ein paar Fotos und weiter geht es.
Am Latefossen
Dann geht es runter zum Hardangerfjord. Weiter entlang des Fjordes. Bei tollem Wetter. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir falsch fahren. Meine geplante Route verläuft anders als das Routing von Martins Navi es vorgibt. Ich wäre die Ostseite des Fjordes entlang gefahren und hätte den Fjord über die „Hardangerbrua“ überquert. Das Navi lotst uns entlang der Westseite zu einer Fähre. Nun gut.
Und jetzt wir es komisch: „Ferrypay“ oder die modernen Zeiten sind doof. Um Gebühren zu sparen, haben wir bei „Ferrypay“ jeder ein Konto angelegt. Mit unserer Kreditkarte und unserem Kennzeichen. Denn angeblich kann man auf Fähren nicht mehr direkt bezahlen und ohne „Ferrypay“ bekommt man für jede Überfahrt eine Abrechnung mit Gebühren, die den Fährpreis teilweise deutlich übersteigen. So werden nur die Kennzeichen gescannt und die Transaktion läuft automatisch. Angeblich. An der ersten Fähre meckert der Scanner über Martins Motorrad und meines wird akzeptiert. Martin zahlt mit Kreditkarte was angeblich nicht geht… 40 NOK kostet die Fahrt auf die Nordseite des Hardangerfjordes. An den nächsten Fähren war es umgekehrt. Martins Moped wurde erkannt, meines nicht und ich zahlte mit Kreditkarte. Was sich noch mit den Fähren geändert hat seit meiner letzten Tour: Bis auf eine Fähre waren alle die wir bisher genommen haben elektrifiziert. Kein Motorendröhnen mehr und keine schwarze Rauchfahne über den Fähren. Und an den Anlegern riesige Ladestationen mit der Aufschrift „Ferry Charge“. Auf der Fähre halten wir einen Schwatz mit einem älteren Womo Paar. Sie erzählte uns, dass im Womo hinter ihnen ihre Freundin säße. Die würde sich nicht gut fühlen. Sie hätte nämlich in Tunneln und auf Fähren furchtbare angst. Ich bemerke, dass sie dann ja goldrichtig wäre hier in Fjordnorwegen. Lauter Fähren und Tunnel… Wir lachen beide. Nach der Fjordüberquerung zieht sich die Straße wieder hinauf auf ein Fjell. Steile Serpentinen aber eine gute und breite Straße. Martin jammert. Aber er macht das prima und so nach und nach findet er sogar Gefallen an der Kurverei. Das soll ich aber keinem verraten, sagt er. Er hätte einen Ruf zu verlieren, sagt er. Also erzählt es nicht weiter. Ich behalte es auch für mich.
Und wieder im Gebirge
Wir fahren wir kilometerweit durch den Schnee. Es ist kalt. Klar. Bald geht es wieder abwärts und wir haben eine gigantische Aussicht auf den Sognefjord. Kurz vor dem Fjord machen wir einen Stop an der Stabkirche von Hopperstad. Die Besichtigung schenken wir uns und wir schauen uns die (nicht komplett originale) Stabkirche nur von aussen an. Jetzt machen wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz. In Djuvik, kurz vor der nächsten Fähre finden wir einen Platz mit günstigen Hütten. Für diesen Preisunterschied müssen wir auch hier nicht Zelten. Die Hütte ist gut. Die sanitären Anlagen sind gut und es gibt einen Herd, einen Wasserkocher und eine Kaffeemaschine. Die 450 NOK sind dafür sehr angemessen. Nach einem einfachen Abendessen sitzen wir noch etwas vor der Hütte mit Blick auf den Fjord und schauen bei durchwachsenem Wetter ein paar Schiffen hinterher. Und wir planen die Strecke für den nächsten Tag. Martin möchte zum Westkap. Da bin ich vor fast genau 40 Jahren schon einmal gewesen. Ich gebe die Route ins Handy ein und verschwinden wir ins Bett. Vollgepumpt mit tollen Eindrücken aber müde von der Fahrt sind wir beide ruckzuck eingeschlafen.
Als wir die Norwegen-Tour geplant haben, stellte sich natürlich die Frage wie wir dahin kommen. So wahnsinnig kompliziert ist das nicht, aber beim Reisen mit dem Motorrad sind die verschiedenen Möglichkeiten genau abzuwägen. Es gab für mich eigentlich immer nur vier Möglichkeiten:
Die erste Möglichkeit bin ich des öfteren gefahren. Allerdings ist es bis Hirtshals echt weit. Der Vorteil sind die relativ geringen Fährkosten. Die Vogelfluglinie ist wirklich ein langer Weg. Auch die bin ich schon öfter gefahren. Wenn ich mit meheren Personen einen PKW zu fahren habe und man kann sich des öfteren abwechseln, ist das OK. Aber mit dem Moped fährt man jeden Kilometer selbst. Also sind die beiden Möglichkeiten raus.
Travemünde-Helsinki ist eine gute Möglichkeit, wenn das unbedingte Ziel der Norden von Norwegen – an erster Stelle natürlich das Nordkap – ein wichtiges Ziel der Reise ist und man gegen den Uhrzeigersinn fahren möchte. Das Nordkap ist relativ schnell erreicht und die Fahrt durch Finnland ist unkompliziert. Allerdings gibt es einen gravierenden Nachteil: Wenn Norwegen das Ziel ist, so gibt es – einmal in Helsinki angekommen – wenig bis keine Optionen die Tour zu variieren. Ein großer Nachteil. Also wäre Kiel-Oslo die Fährroute der Wahl. Aber dann bin ich durch einen Zufall darauf gestoßen, dass es seit dem Frühsommer 2022 eine weitere Möglichkeit gibt.
Eemshaven-Kristiansand.
Für uns eigentlich eine gute Möglichkeit. Die Anfahrt nur halb so weit als wenn wir von Kiel aus starten würden. Klar, wir beginnen mit unserer Tour dann deutlich weiter südlich, aber der Süden Norwegens ist schön. Und es bieten sich viele Optionen wie wir von dort aus in den Norden fahren können.
Also haben wir gebucht. Am Pfingstsonntag, den 28. Mai starten wir ab Eemshaven. Mit der MS Romantika über Nacht nach Kristiansand. Dachten wir. In der letzten Woche habe ich eine Nachricht er Fährgesellschaft erhalten: Eemshaven ist nicht mehr der Abfahrtshafen. Sondern in Zukunft wird die Strecke von Emden aus bedient. Aber erst ab dem 1. Juli. Bis dahin findet die Abfahrt in Cuxhaven statt. Das ist nicht schön. Da hätten wir gleich Kiel-Oslo buchen können. Aber wie dem auch sei. Jetzt ist es so und wir starten in Cuxhaven.