Alles was mich interessiert

Monat: Juni 2023

Mittwoch, 7. Juni. Sognefjord bei Vangsnes. Im Lazarett.

Ich habe meinen Aufenthalt hier für einen Tag verlängert. Die Hütte konnte ich problemlos für die weitere nacht mieten. Mein Bein schmerzt. Zum Glück habe ich IBUs dabei. Die wirken wirklich. Relativ schmerzfrei kann ich den Tag vor und in der Hütte verbringen. Zum Frühstück habe ich noch zwei Scheiben Körnerbrot und etwas Salami und Marmelade. Und natürlich Kaffee. Ich koche eine große Kanne voll. Dann schreibe ich etwas und Nachmittags schaue ich einen Film auf Netflix. Die meiste Zeit verbringe ich jedoch bei Traumwetter auf der kleinen Terasse der Hütte und schaue auf dem Fjord den Schiffen nach.

Kreuzfahrer auf dem Sognefjord.
Von meiner Hütte aus gesehen


Angesichts der Probleme mit dem Bein beschließe ich, die Tour ebenfalls abzubrechen. Ich bin wirklich genervt. Das ist alles so bitter. Ich bin hier im schönsten Teil Norwegens und das bei einer Wetterlage, die ich hier bisher noch nicht erlebt habe. Am ansonsten stahlblauen Himmel lassen sich nur ein paar kleine Schäfchenwolken sehen. Und das Hoch, dass sich seit mehr als einer Woche hier festgekrallt hat soll noch halten. Das sind beste Voraussetzungen um noch die ein oder andere der vielen Traumstrecken hier zu fahren. Aber das geht nicht. Ich hoffe, überhaupt aufs Motorrad steigen zu können und bis Kristiansand zu kommen. Das wird aber schon irgendwie gehen.
Ich buche die nächste für mich erreichbare Passage von Kristiansand nach Emden. Am Samstag um 17 Uhr wird die MS Romantika, mit der wir auch schon auf der Hinreise gefahren sind, in Kristiansand ablegen. Am Sonntag morgen um 10 Uhr wird das Schiff in Emden sein. Von da ist es nicht mehr weit nach Hause. Ich bekomme noch eine der letzten beiden Kabinen und buche wie auf der Hinfahrt Abendbuffet und Frühstück dazu. So ist es also beschlossen. Morgen fahre ich Richtung Süden. Samstag will ich gegen Mittag in Kristiansand sein um einzuchecken.
Nachmittags zieht in der Hütte nebenan ein Mann mitteren Alters ein. Ein Däne aus Velje. Er ist unterwegs zu den Lofoten um dort seine Tochter abzuholen, die im Rahmen ihrers Studiums ein Auslandssemester in Tromsö verbracht hat und nun ein paar Wochen Urlaub auf den Lofoten macht. Der Mann ist zum ersten Mal in Norwegen und von der Landschaft begeistert. Nach einem längeren Schwatz ist es schon fast Abend und ich habe Hunger. Ich habe noch ein Päckchen Instantnudeln – Geschmaschmacksrichtung „Curry“ – im Gepäck und mache mir ein kleines Essen. Jetzt habe ich ausser einer kleinen Tüte Paranüsse und einen Rest Kaffee keine weiteren Vorräte mehr. Morgen werde ich unterwegs frühstücken. Ordentlichen Kaffee gibt es hier an jeder Tanke, aber sowas wie eine „Brötchenkultur“ haben die hier nicht. Es gibt nur Pölser, Hamburger und riesige, eingeschweisste Baguettes mit pizza-ähnlichen Belägen. Aber das wird schon gehen. Im Laufe des Tages ist es mit meinem Bein besser geworden. Ich habe keine weiteren IBUs geschluckt und bin weitgehend schmerzfrei. Belasten kann ich es aber nicht. Aber es ist gut, dass das rechte Bein betroffen ist und nicht das linke. So kann ich recht problemlos auf das Motorrad steigen. Alles andere wäre wirklich übel gewesen. Von der „falschen“ Seite auf ein Motorrad zu steigen ist nicht witzig. Glaube ich jedenfalls. Probiert habe ich das noch nie.
Abends packe ich meine Sachen so weit wie möglich zusammen, damit ich morgen früh schnell alles klar für die Abreise habe.
Früh liege ich im Bett und schlafe gut.

Update: Vermutlich war der Abbruch der Tour ein Fehler. Ich hätte einen weiteren Tag hier verbringen und dann die Tour fortsetzen sollen. Der Abbruch war im Nachhinein gesehen wohl er dem Frust geschuldet als dass er tatsächlich notwendig war.
Zur Erklärung aber hier mal eine Liste der Probleme und Ärgernisse:

  • Martin ist bei der Ankunft in Kristiansand krank. Zum Glück gibt sich das schnell.
  • Kälte und Nässe im Norden. Daher alle Pläne für den Norden verworfen und wieder in den Süden gefahren.
  • N-COM defekt. Linker Lautsprecher funktioniert meistens nicht, zwischen Halsa und Trondheim geht dann noch das Mikro kaputt.
  • Am Snåsavatnet bekommen wir trotz des Mistwetters keine Hütte. Wir Zelten im Dauerregen. Am nächsten Tag fällt Martin wegen Krankheit einen Tag aus. Wir müssen in der Kälte einen weiteren Tag an diesem ungastlichen Ort verbringen
  • Mein Smartphone für die Navigation hat den Geist aufgegeben. Der Touchscreen funktioniert nicht mehr. Wir fahren jetzt nach Martins Navi.
  • Rückfahrt nach Süden. Mir fällt auf, dass Martins Motorrad zwei mal eine Ölwolke ausstößt. Bei einer Ölkontrolle stellen wir fest, das kein messbarer Ölpegel vorhanden ist
  • In Andalsnes fällt Martin nach dem Rat des Technikers den Entschluss, die Tour hier abzubrechen. Ich begleite ihn noch ein Stück Richtung Süden. Ich bin jetzt allein unterwegs.
  • Zwei Tage später lege ich beim Fotografieren auf die Nase und verstauche oder zerre mir was im Knie/Oberschenkel des rechten Beines. Ich habe Schmerzen und kann nicht richtig fahren.
  • Am gleichen Tag stelle ich fest, das meine VISA Karte verschwunden ist. (Ist wieder aufgetaucht).

Diese kleinen und großen Probleme haben wohl dafür gesorgt, dass meine Frustrationsakzeptanzgrenze überschritte wurde. Ich sollte besonnener werden und mich nicht so schnell nerven lassen. Das nehme ich mir für die Zukunft vor.

Donnerstag, 8. Juni – Déjà-vu

Ich bin zeitig wach und habe nicht schlecht geschlafen. Aber ich mache mir Sorgen. Werde ich problemlos fahren können? Wird es schwierig werden? Komme ich aufs Moped und wieder ‚runter? Ich werde es sehen. Und ich habe keine Wahl. Ich habe Abends schon das meiste gepackt. Ich packe den restlichen Kram aufs Moped und mache die Hütte klar. Diesmal gehe ich sogar kurz mit einem nassen Feudel durch die Bude. Ich hatte doch etwas Dreck reingetragen seit ich vorgestern hier ankam. Den Schlüssel werfe ich in die Box an der Rezeption und dann starte ich. Der gleiche Weg zurück den Martin und ich auch auf der Hinfahrt genommen haben. Mit einer leichten Änderung. Kurz nach dem Start bin ich in Hopperstad, wo die alte Stabkirche steht. Und schon beginnt der Aufstieg auf das erste Fjell. Das Vikafjell. Nach ein paar Kilometern habe ich einen Aussichtspunkt erreicht, von dem man eine fantastische Aussicht über Hopperstad und eine Bucht am Sognefjord hat. Das ist mein Abschied von diesem gigantischen Fjord. Ich hoffe, ich komme nochmal hierher. Und es geht weiter hinauf. Auf dem Pass stehe ich vor einem Tunnel auf dem Parkplatz und trinke einen Kaffe.

Weites Land


Ein junges Paar so Anfang 20 hält mit einem Kleinwagen an, um die Aussicht zu geniessen. Dachte ich. Die wollen aber wohl eher Fotos für Instagram machen. Die Dame ist leicht bekleidet. Damit meine ich nicht etwa halbnackt, sondern extrem sommerlich. So wie man es an einem sonnigen Nachmittag in einer mediterranen Stadt erwarten würde. Und sie posiert für ihren Freund in den Schneefeldern die an den Parkplatz heranreichen. Sie muss fürchterlich frieren. Es hat nur vier Grad und ich bin froh, dass ich meine Mopedklamotten anhabe und einen heissen Kaffee trinken kann. Aber vielleicht bin ich ja auch einfach nur alt… Zwischen den Fotos können die beiden die Finger nicht voneinander lassen und benehmen sich so, als ob sie mich nicht gesehen hätten. Möglicherweise haben sie das auch nicht. Ich fahre weiter. und bald geht es wieder abwärts. Wie schon gesagt, ist es die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg. Aber die alte Mopedfahrerweisheit trifft zu: Fährst Du eine Strecke anders herum, ist es eine andere Strecke. So ist es jetzt auch. Und natürlich ist das Wetter anders. Klar, oben auf dem Fjell ist es beissend kalt. Aber bei dem Licht sieht das hier schon toll aus. Ich kann weit entfernte Bergketten erkennen. Die Sicht ist frei von Horizont zu Horizont und die Luft ist kristallklar. Der Abstieg erfolgt wieder über die Serpentinenstrecke die ich von der Anfahrt kannte. Martin war die noch etwas ängstlich aber dann doch problemlos raufgefahren. Ich halte kurz an einem spektakulären Wasserfall an und mache ein paar Fotos und ein kurzes Video.

Wasserfall an der Südflanke des Vikafjelles.


War es oben noch kalt, sind es wieder unten angekommen schon 18 Grad. Und gefühlt 25. Ich fahre durch das wunderschöne Myrkdal, einem Skiresort. Dann vorbei am Myrksdalvatnet und runter bis nach Vinje. Was für eine schöne Gegend. Im See spiegeln sich die Berge und Wälder. Mir kommt der alte Film „Und ewig singen die Wälder“ aus den 50ern in den Sinn. Der hätte hier gedreht werden können. Wurde er aber nicht. Sondern in der Gegend um Lillehammer. Wie dem auch sei: Die Landschaft ist das, was man als „wildromantisch“ bezeichnen würde. Zu schön um echt zu sein. Aber hier sieht es überall so aus.

Ein See, bei Myrkdalen

Und es ist erstaunlich, wieviel Unterschied hier zehn Tage warmes Wetter machen. Das Leben hier ist förmlich explodiert. Die Wälder und Wiesen stehen in so sattem Grün da, als seien die kalten Wochen schon lange vorbei. An einer Tanke mache ich halt. Ein Frühstück hatte ich ja nicht, also gibt es eine Pölser. Meine Leibspeise könnten die nicht werden. Ein mit Salami belegtes Brötchen zum Kaffee wäre mir lieber gewesen. Ich widerstehe der Versuchung mir noch eine Zimtschnecke mitzunehmen. Die sind wirklich lecker hier. Aber ich habe hier schon zuviel Schokolade und Kuchen gegessen.Ich trinke Kaffee, esse die Pölser und Eva ruft an. Sie bietet mir an, für mich einkaufen zu gehen . Das ist nett. Aber nicht notwendig. Sonntag Abend werde ich was essen gehen, und Montag kann ich ja selber einkaufen. Aber trotzden: Danke Eva! Das war wirklich nett.
Nach dem Telefonat mache ich mich wieder auf den Weg und bin bald am Hardangerfjord. Hier gibt es eine Abweichung von der Strecke die wir auf dem Hinweg genommen haben. ich will die Ostseite fahren. Nicht die westliche wie auf der Hinfahrt. Da muss ich keine Fähre nehmen sondern nutze die „Hardangerbrua“, die große Brücke über den Hardangerfjord. Diese führt in beide Richtungen direkt in Tunnels. In denen sind die bekannten, in blauem Licht ausgeleuchteten unterirdischen Kreisverkehre. Sehr ungewöhnlich.

Kreisverkehr im Tunnel. Stylisch ausgeleuchtet (Foto: Wikipedia, Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Nach ein paar Kilometern weiss ich, warum auf der Hinfahrt Martins Navi uns über die andere Route geschickt hat. Die Straße auf dieser Seite ist schmal. Sehr schmal. Jedenfalls größtenteils. Und es gibt Baustellen. Und „Fölg Megs“. Die wollen die Straße dort wohl verbreitern. Das wird ein Projekt für viele Jahre sein. Dauernd stehe ich in Autoschlangen. Zu guter letzt hänge ich dann noch für viele Kilometer hinter einem Tieflader mit einer Raupe drauf. Der ist an vielen Stellen so breit wie die Straße. An Überholen ist nicht zu denken. Der Gegenverkehr muss sehr oft zurücksetzen, sich haarschaf an die Felswände neben der Straße schmiegen und der Fahrer des Tiefladers muss all‘ seine Fahrkünste aufwenden um hier durchzukommen ohne anderen Verkehrsteilnehmern Schaden zuzufügen. Wer das hier beruflich macht, muss schon echt abgebrüht sein und Nerven wie Stahlseile haben. Und fahren können. Und Zeit haben. Den das Tempo hat was von Krötenwanderung. Es geht nur elendig langsam voran. Endlich, nach quälend langer Zeit ergibt sich eine kleine Lücke an einer Baustelle die ich nutzen kann. Schwupps. Und ich bin vorbei. Für Autos gibt es hier keine Chance, das Teil zu überholen. Auf dem weiteren Weg kommen mir einige dieser Pensionärsruhesitze mit teilweise absurden Ausmaßen entgegen. Die ahnen nicht, was sie erwartet… Am Ende des Hardanges mache ich Pause. Auf dem Parkplatz steht doch tatsächlich eine v85tt. So eine wie meine. Aber anders lackiert. Die trifft man nicht oft. Für Fahrer(Innen) von BMW GSen ist es völlig normal, dass sie auf einem Parkplatz mit dutzenden anderen GSen stehen. Die GS ist halt das Einheitsmoped und ungefähr so originell wie ein VW Passat. Aber für mich ist es das erste zusammentreffen mit dem gleichen Modell das ich fahre auf dieser Reise.

v85tt vor Rentnerfestung

Hier nehme ich auch Abschied vom Hardangerfjord. Was war das für eine schöne, aber auch nervige Strecke. Ab jetzt läuft der Verkehr besser.

Abschied vom Hardangerfjord

Bald darauf geht es auf das Røldalsfjellet. Vor dem Tunnel kommt der Abzweig der über die alte Straße durch die berge führt. Ich biege dort ab. Allein kann ich das ja machen. Doch nach ein paar Metern stehe ich vor einer Schranke. Wintersperre. Ich muß umdrehen und doch den Røldalstunnel nehmen. Schade.
bald liegt der Ort Røldal hinter mir, und das nächste Fjell naht. Das Haukelifjell. Was haben wir auf der Hinfahrt da gefroren. Zugefrorene und halb aufgetaute Seen und Schneefelder soweit das Auge reichte. Aber auch hier hat das warme Wetter seine Spuren hinterlassen. Vom Eis ist wenig übriggeblieben, die Schneefelder sind stark auf dem Rückzug und auf einem Parkplatz hat sogar ein Souvenierhändler seinen Stand aufgebaut. Der Tunnel, den wir auf der Hinfahrt noch über die alte Paßstraße umfahren mussten, ist jetzt passsierbar. Aber mit „Fölg Meg“. Ich stehe als erster in der Schlange. Eine Dame stoppt die weiteren Fahrzeuge mit Ihrer Kelle. Sie sagt mir, dass es ca. 10 Minuten dauern würde bis es weitergeht. Wir kommen ins Gespräch. Wie üblich beim Smalltalk reden wir über das Wetter. Sie sagt, der Winter hier sei sehr kalt gewesen und habe ungewöhnlich lange gedauert. Und auch der Frühling sei bisher eindeutig zu kalt. Das Wetter jetzt sei eine wahre Erholung. Ich kann das verstehen. So schön ich es an vielen Stellen hier finde: Leben möchte ich hier nicht. Es ist alles schon sehr abgelegen und die Sommer hier sind kurz. Das Haukelifjell ist eine Winterportgegend. Aber Haukeli selbst ist ein kleiner Ort mit wenigen Einwohnern. Ein kleiner Coop, eine Tanke und das wars. Hier treffen die E9 und die E134 (die ich seit geraumer Zeit fahre) aufeinander. Daher ist das Dorf wohl auf jeder Karte verzeichnet. Bald kommt der „Fölg Meg“ und es geht weiter. Die weitere Fahrt ist ereignislos aber schön. Kurz nach 18 Uhr bin ich auf dem Campingplatz Flateland bei Valle den ich schon von der Hinfahrt kenne. Hier will ich morgen einen Ruhetag einlegen und am Samstag dann nach Kristiansand weiterfahren wo die Fähre hoffentlich auf mich wartet. Anders als beim ersten Besuch sind fast alle Hütten belegt. Auf der Wiese stehen Zelte und ein paar Rentnerburgen. Ich bekomme die Hütte Nr. 6. Für zwei Nächte. Meine Nachbarn sind Niederländer. Nette Leute. Die machen hier eine Rundreise mit dem PKW. Wir quatschen etwas und dann fahre ich noch kurz zum Supermarkt. Laut Google Maps ist der nur vier Kilometer entfernt und in wenigen Minuten zu erreichen. Wenn es keine „Fölg Megs“ gäbe würde das auch wohl stimmen. Aber ich komme um die erste Kurve und sehe die rote Kelle. Eine Baustelle. Ich stehe da allein. Der Streckenposten interessiert sich für meine Guzzi und wir reden kurz. Er sagt mir, dass die Unterbrechung hier jetzt länger als normal dauern würde. An der anderen Seite der Baustelle würde schweres Gerät abgeladen. Und bevor das nicht erledigt sei, käme auch kein Fölg Meg. Er hatte recht. 20 Minuten lungere ich da rum. Dann endlich geht es weiter und ich bin zwei Minuten später am Supermarkt. Ich besorge was zum Frühstück und fahre zurück. Diesmal habe ich Glück an der Baustelle. Mt lediglich zwei PKWs im Schelpptau startet eben der Fölg Meg und ich kann mich noch dranhängen. Schnell bin ich zurück am Campingplatz. Ich sitze abends noch vor der Hütte, lausche einem Hörbuch und liege um 22 Uhr im warmen Schlafsack. War eine schöne Tour heute und alles hat besser funktioniert als ich dachte. Aber mein Bein schmerzt immer noch bei Belastung und ich kann kaum von einem Stuhl aufstehen ohne mich abzustützen. Hoffentlich ist das bald besser. Aber morgen mache ich ja Pause. Mal sehen ob das was nützt.

Freitag, 9. Juni – Pause in Flateland

Es gibt schlimmere Orte, einen Ruhetag zu verbringen. Der Platz liegt zwischen der E9 und dem Fluß Otra. Von der Straße hört man wenig, und vom Fluss nur ein entferntes, leises rauschen. Ich liege bis um 9 Uhr in der Falle. Einen Grund früh aufzustehen habe ich heute nicht. Ich mache mir ein wirklich gutes und ausgiebiges Frühstück mit dem Lachs und den Brötchen die ich gestern Abend noch geholt hatte. Mit dem Trangia habe ich sogar die Brötchen etwas aufbacken können. Die schmecken fast wie frisch.
Das wird meine letzte Mahlzeit vor dem Buffet auf der Fähre sein.
Mein Bein behindert mich immer noch. Wenn ich es belaste. Ansonsten habe ich keine Schmerzen. Laufen ist aber kein Problem. Nach dem Frühstück mache ich einen ausgiebigen Spaziergang entlang der Otra.

Spaziergang an der Otra


Hier führt ein Wanderweg entlang und mir begegnen und mich überholen so einige Wanderer. Es stehen einige Angler im Fluss. Zwei junge Friesen aus der Gegend von Leuwaarden angeln auch. Ich quatsche etwas mit denen. Wirklich nette und witzige Typen. Vom Alter her sind die so Mitte 20 und sind zusammen auf einer Honda Varadero hierher gefahren. Zum Forellenangeln. Sie berichten von einigen schönen Forellen die sie schon gefangen haben. Aber sie mögen beide keinen Fisch. Was für eine Verschwendung. Wir stellen fest, dass wir morgen die gleiche Fähre in Kristiansand nehmen und verabreden uns, morgen Vormittag zusammen die letzte Tour in Norwegen zu fahren. Nachmittags sitze ich in der Sonne und lausche einem Hörbuch. Dem dritten Teil einer Reihe die mir bisher gut gefiel. Auch dieser Band ist sehr unterhaltsam.
Ich packe alles zusammen, optimiere die Beladung des Mopeds so dass ich morgen möglichst wenig Gepäck mit in die Kabine nehmen muss.
Das Wetter ist heute wieder fantastisch. Zwischendurch beobachte ich ein junges Paar, die hier offensichtlich „besondere“ Fotos machen wollen. So wie gestern das Paar im Gebirge. Der junge Mann stapelt zwei Stühle aufeinander, klettert darauf und die Dame legt sich ins Gras. Dann wird hin- und her fotografiert. Ich gebe zu, dass ich nur darauf gewartet habe, dass er mit den Stühlen umkippt. Aber es passiert nichts. Schade. Ich bin schon ein missgünstiger Greis…

Was tut man nicht alles…
…für ein Insta-Foto

Später kommen die beiden Friesen noch vorbei. Rex und Ilke. Wir quatschen noch etwas, dann verabreden wir uns für den nächsten Morgen. So gegen 10:30 wollen wir starten. Es sind nur knapp 180 km bis zur Fähre in Kristiansand.
Etwas sitze ich noch draussen, dann wird es irgendwann frisch und ich gehe ins Bett. Mein letzter Abend hier in Norwegen ist vorbei. Wie schade. Ich hoffe, dass ich bald wiederkomme.

Samstag, 10. Juni – Abschied von Norwegen und Fähre

Es gibt kein Frühstück. Nur zwei Tassen Kaffee. Ich packe die restlichen Sachen und mache die Hütte sauber. Noch den Müll weg bringen und den Schlüssel abgeben. Dann warte ich auf die Jungs. Pünktlich sind sie da und wir starten unsere Fahrt nach Kristiansand.

Start in Richtung Kristiansand.

Das Wetter ist toll und nach ein paar kurzen Pausen sind wir in Kristiansand angekommen. Wir lassen uns Zeit und nehmen an einer Tankstelle noch zwei Kaffee. Die Fähgre geht um 17 Uhr und wir wollen nicht vor 15 Uhr beim Check-In sein. Wir möchten nicht so lange in der Linie vor der Fähre herumstehen. Kurz nach 15 Uhr stehen wir an am Counter, bekommen unsere Bordkarten und rollen in die Linie 14 vor die Fähre. Als letzte Motorradfahrer.

Warten…

Um 15:30 beginnt das Boarding, aber wir fahren erst gegen 16:45 als letzte auf die Fähre. Wir sind noch nicht ganz an Bord, da sind die Mopeds schon verzurrt und der Kahn legt ab. Ich begebe mich zu meiner Kabine und ziehe mich um. Dann gehe ich noch kurz auf das Raucherdeck, nehme danach einen Kaffee und eine Zimtschnecke an der Coffe Lounge und setze mich damit in die Sonne. Wir fahren vorbei am Leuchtturm von Kristiansand und bald verschwindet die Küste hinter uns. Es sind angenehme 18 Grad und der Himmel ist blau. Es verspricht, eine ruhige Überfahrt zu werden. Ich werde etwas wehmütig. Ich bin eine Woche zu früh auf der Fähre. Eigentlich auch auf der falschen Fähre. Und vor allem bin ich nicht mit Martin auf der Fähre. Auf dieser Tour ist so manches anders gelaufen, als ich mir das vorgestellt habe. Natürlich war es trotzdem schön. Aber es bleibt ein etwas bitterer Nachgeschmack. Ich nehme mir fest vor, bald wieder zu kommen. Die Jahre vergehen schnell und ich weiss nicht, wie oft ich solche Touren noch machen kann. Wie fragil mit dem Alter alles wird, habe ich jetzt an der Geschichte mit dem Bein gemerkt. In jüngeren Jahren wäre das ganze Ereignis wohl keiner Erwähnung wert gewesen. Aber ich bin ein oberflächlicher Mensch. Daher vertreibt der Gedanke an das Abendessen schnell die trübe Stimmung.
Gegen 19 Uhr gehe ich zum Buffet. Ist das gleiche wie auf der Hinfahrt. Natürlich nicht das selbe… Hoffe ich…
Die beiden Jungs haben auch das Buffet gebucht. Aber nicht wegen des Essens. Sie mögen wie gesagt keinen Fisch. Und davon gibt es dort reichlich. Sie haben es auf den Alkohol abgesehen, der hier im Bufftepreis mit drin ist. Wein und Bier so viel man will. Mir steht danach nicht der Sinn. Ich trinke zwei kleine Gläschen Weißwein dubioser Qualität während die beiden Jungs sich ein Bier nach dem anderen zapfen.
Leicht angeduselt wollen sie dann ins Casino und spielen. Ich dagegen will früh ins Bett. Etwas sitze ich nach dem Essen noch draussen, dann geht es in die Kabine. Die Nacht ist ruhig und es schaukelt nichts. Ich schlafe sehr gut.

Meine Kabine. Diesmal ganz für mich allein.

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