Ich habe meinen Aufenthalt hier für einen Tag verlängert. Die Hütte konnte ich problemlos für die weitere nacht mieten. Mein Bein schmerzt. Zum Glück habe ich IBUs dabei. Die wirken wirklich. Relativ schmerzfrei kann ich den Tag vor und in der Hütte verbringen. Zum Frühstück habe ich noch zwei Scheiben Körnerbrot und etwas Salami und Marmelade. Und natürlich Kaffee. Ich koche eine große Kanne voll. Dann schreibe ich etwas und Nachmittags schaue ich einen Film auf Netflix. Die meiste Zeit verbringe ich jedoch bei Traumwetter auf der kleinen Terasse der Hütte und schaue auf dem Fjord den Schiffen nach.

Von meiner Hütte aus gesehen
Angesichts der Probleme mit dem Bein beschließe ich, die Tour ebenfalls abzubrechen. Ich bin wirklich genervt. Das ist alles so bitter. Ich bin hier im schönsten Teil Norwegens und das bei einer Wetterlage, die ich hier bisher noch nicht erlebt habe. Am ansonsten stahlblauen Himmel lassen sich nur ein paar kleine Schäfchenwolken sehen. Und das Hoch, dass sich seit mehr als einer Woche hier festgekrallt hat soll noch halten. Das sind beste Voraussetzungen um noch die ein oder andere der vielen Traumstrecken hier zu fahren. Aber das geht nicht. Ich hoffe, überhaupt aufs Motorrad steigen zu können und bis Kristiansand zu kommen. Das wird aber schon irgendwie gehen.
Ich buche die nächste für mich erreichbare Passage von Kristiansand nach Emden. Am Samstag um 17 Uhr wird die MS Romantika, mit der wir auch schon auf der Hinreise gefahren sind, in Kristiansand ablegen. Am Sonntag morgen um 10 Uhr wird das Schiff in Emden sein. Von da ist es nicht mehr weit nach Hause. Ich bekomme noch eine der letzten beiden Kabinen und buche wie auf der Hinfahrt Abendbuffet und Frühstück dazu. So ist es also beschlossen. Morgen fahre ich Richtung Süden. Samstag will ich gegen Mittag in Kristiansand sein um einzuchecken.
Nachmittags zieht in der Hütte nebenan ein Mann mitteren Alters ein. Ein Däne aus Velje. Er ist unterwegs zu den Lofoten um dort seine Tochter abzuholen, die im Rahmen ihrers Studiums ein Auslandssemester in Tromsö verbracht hat und nun ein paar Wochen Urlaub auf den Lofoten macht. Der Mann ist zum ersten Mal in Norwegen und von der Landschaft begeistert. Nach einem längeren Schwatz ist es schon fast Abend und ich habe Hunger. Ich habe noch ein Päckchen Instantnudeln – Geschmaschmacksrichtung „Curry“ – im Gepäck und mache mir ein kleines Essen. Jetzt habe ich ausser einer kleinen Tüte Paranüsse und einen Rest Kaffee keine weiteren Vorräte mehr. Morgen werde ich unterwegs frühstücken. Ordentlichen Kaffee gibt es hier an jeder Tanke, aber sowas wie eine „Brötchenkultur“ haben die hier nicht. Es gibt nur Pölser, Hamburger und riesige, eingeschweisste Baguettes mit pizza-ähnlichen Belägen. Aber das wird schon gehen. Im Laufe des Tages ist es mit meinem Bein besser geworden. Ich habe keine weiteren IBUs geschluckt und bin weitgehend schmerzfrei. Belasten kann ich es aber nicht. Aber es ist gut, dass das rechte Bein betroffen ist und nicht das linke. So kann ich recht problemlos auf das Motorrad steigen. Alles andere wäre wirklich übel gewesen. Von der „falschen“ Seite auf ein Motorrad zu steigen ist nicht witzig. Glaube ich jedenfalls. Probiert habe ich das noch nie.
Abends packe ich meine Sachen so weit wie möglich zusammen, damit ich morgen früh schnell alles klar für die Abreise habe.
Früh liege ich im Bett und schlafe gut.
Update: Vermutlich war der Abbruch der Tour ein Fehler. Ich hätte einen weiteren Tag hier verbringen und dann die Tour fortsetzen sollen. Der Abbruch war im Nachhinein gesehen wohl er dem Frust geschuldet als dass er tatsächlich notwendig war.
Zur Erklärung aber hier mal eine Liste der Probleme und Ärgernisse:
- Martin ist bei der Ankunft in Kristiansand krank. Zum Glück gibt sich das schnell.
- Kälte und Nässe im Norden. Daher alle Pläne für den Norden verworfen und wieder in den Süden gefahren.
- N-COM defekt. Linker Lautsprecher funktioniert meistens nicht, zwischen Halsa und Trondheim geht dann noch das Mikro kaputt.
- Am Snåsavatnet bekommen wir trotz des Mistwetters keine Hütte. Wir Zelten im Dauerregen. Am nächsten Tag fällt Martin wegen Krankheit einen Tag aus. Wir müssen in der Kälte einen weiteren Tag an diesem ungastlichen Ort verbringen
- Mein Smartphone für die Navigation hat den Geist aufgegeben. Der Touchscreen funktioniert nicht mehr. Wir fahren jetzt nach Martins Navi.
- Rückfahrt nach Süden. Mir fällt auf, dass Martins Motorrad zwei mal eine Ölwolke ausstößt. Bei einer Ölkontrolle stellen wir fest, das kein messbarer Ölpegel vorhanden ist
- In Andalsnes fällt Martin nach dem Rat des Technikers den Entschluss, die Tour hier abzubrechen. Ich begleite ihn noch ein Stück Richtung Süden. Ich bin jetzt allein unterwegs.
- Zwei Tage später lege ich beim Fotografieren auf die Nase und verstauche oder zerre mir was im Knie/Oberschenkel des rechten Beines. Ich habe Schmerzen und kann nicht richtig fahren.
- Am gleichen Tag stelle ich fest, das meine VISA Karte verschwunden ist. (Ist wieder aufgetaucht).
Diese kleinen und großen Probleme haben wohl dafür gesorgt, dass meine Frustrationsakzeptanzgrenze überschritte wurde. Ich sollte besonnener werden und mich nicht so schnell nerven lassen. Das nehme ich mir für die Zukunft vor.











