Montag, 6. Juni

Um sieben Uhr bin ich auf. Ich habe mich gestern abend entschlossen, auf jeden Fall zu den Lofoten überzusetzen. Ob das klug ist muss sich zeigen. Eigentlich ist es ja nicht besonders clever sehenden Auges von gutem Wetter in Dreckswetter hineinzufahren. Ich buche mein Ticket online. Die „Torghattan Nord“ Reederei unterhält dazu ein Buchungsportal. Danach schaue ich, wo auf den Lofoten ich unterkommen werde. Die Unterkunft darf nicht zu weit von Moskenes, dem Ziel der Fähre entfernt sein, denn die legt erst nach 20 Uhr dort an. Der Plan ist, morgen einen Pausentag einzulegen um das schlimmste Wetter auszusitzen. Ich entscheide mich für Ramberg. Ich rufe da an und die nette Dame kann mir nur „High Standard“ zu sagenhaften 1050 NOK die Nacht anbieten. Da ich zwei Nächte bleibe und das Wetter saumäßig wird buche ich trotzdem. Wenn schon festsitzen dann komfortabel. In dem Preis ist allerdings Bettwäsche und Frühstück inklusive. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Jetzt muss ich noch in die Stadt. Seit gestern Nachmittag habe ich kein mobiles Internet mehr. Jeder Versuch eines Internetzugriffes wird mit der Umleitung auf eine Webseite quittiert die mir mitteilt, mein Volumen sei erschöpft. Das kann nicht sein. Ich habe ca. 400Mb verbraucht bisher. Die Karte beinhaltet 12 Gb. Nützt aber nichts. Ich teile meiner Firma das kurz mit und die wollen sich beim Anbieter beschweren. Da ich unbedingt unterwegs die Möglichkeit des Zugriffs auf unser Firmennetz benötige frage ich mich heute in Bodö durch, wo eine Pepaid-SIM zu kaufen ist. Ich lande in einem Laden von Telenor. Dort kaufe ich eine Karte mit 500NOK Guthabenvund 100NOK für die SIM. Mist. Draussen probiere ich die Karte aus. Sie funktioniert problemlos. Dieses Problem wäre also gelöst.

Das nächste Problem ist die Gammelei. Die Fähre heute geht erst um 16:30. Eine dreiviertel Stunde vorher muss man da sein. Bis dahin sind es noch ettliche Stunden. Und das Wetter verschlechtert sich zunehmend. Ich fahre zu einer Tanke und hole mir einen Kaffee und ein Hühnchensandwich. Das ist mir Salat und gegrillter Hühnchenbrust belegt. Schmeckt nicht so gut wie es sich anhört. Der Kaffee ist OK.

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Warten…Warten…Warten

Zum „Fergekai“ ist es nur ein kurzer Weg. Da stehen bereits ein paar Fahrzeuge. Zwei davon kenne ich. Die habe ich auch immer mal wieder auf dem FV17an den Fähren getroffen. Ich nehme die „reserved lane“ ganz rechts. Die ist für die Wartenden gedacht, die schon ein Ticket haben. Ich kann bis vorne durchfahren. Von der Straße aus hatte ich schon gesehen, dass es hier einen Warteraum mit Catering und WC gibt. Dorthin begebe ich mich. Es sitzen einige Backpacker und Radfahrer da rum. Ich bin der einzige Motorradfahrer. Etwas hektisch wird es in dem Raum als die „Finnmarken“ – ein Schif der berühmten Hurtigrouten – anlegt. Da wird die kleine Theke im Warteraum plötzlich gestürmt. Doch der Sturm geht schnell vorüber. Die meisten Passagiere der „Finmarken“ die das Schiff verlassen zieht es wohl in die Stadt. Dann kommt ein Pärchen herein. Er Norweger, so Ende 40, sie Deutsche, so Anfang 30. Sie kommen mit einer Menge Tolleys und einer riesigen Unterwasserkamera mit Scheinwerfern dran. Auch auf einem Trolley. Ich vermute mal ein Filmteam. Aber ich liege falsch. Es sind Meeresbiologen. In den nächsten Stunden erfahre ich viel über die weltweite Verbreitung einer bestimmten Seeigel-Spezies welcher der Mann schon seit Jahren auf der Spur ist. Weltweit. Ich erfahre das, weil er seiner hübschen blonden Begleiterin die ganze Wartezeit über darüber einen Vortarg hält. Sie scheint sich auch wirklich dafür zu interessieren. Sie fragt dauernd nach und will weitere Details die der Gute dann auch zum Besten gibt. Es gibt eben für alles Spezialisten.

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Kurz nach vier beginnt das Boarding. Es sind mittlerweile doch noch einige Motorradfahrer eingetroffen. Darunter eine Abteilung der „Gospel Riders“. So eine Art evangelikaler Mopedclub mit Missionsauftrag aus Finland. Mit merkwürdigen Kreuzsymbolen auf Kutte und Moped. Jeder wie er‘s mag.Ich fahre als erter auf die Fähre und muss mein Motorrad rückwärts auf den ersten der ausgezeichneten Mopedstellplätze rangieren und dann verzurren. Das geht problemslos.

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Jetzt hoch in die „Passengers Lounge“. Ich suche mir einen bequemen Platz und die Gammelei geht weiter. Für die nächsten vier Stunden. Ich komme mit einem Norweger ins Gespräch. Der wohnt auf den Lofoten und war mit seiner Frau – die so wie er auch Motorrad fährt – auf dem Festland für die Inspektion und einen neuen Satz Reifen für seine BMW 1200 (nein, nicht GS sondern endlich mal RT). Seine Frau hat auch eine. Er erzählt mir von den schönheiten der Lofoten und meint mit dem Wetter käme er schon klar. Er kenne es nicht anders. In den vergangenen zwei Wochen haben sie hier wohl Traumwetter gehabt. Ich bin zu spät. Nach dem Auslaufen eröffnet die Futtertheke.

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Passengers Lounge

 

Ich stelle mich an und ordere einen Hamburger mit Pommes und nehme noch einen Kaffee und ein Glas Wasser mit. Das Wasser ist kostenlos. Das habe ich hier schon an mehreren Stellen erlebt. Statt des Essens bekomme ich ein rundes schwarzes Ding. „What is this for?“ frgae ich, und die nette Serviererin antwortet „Oh, it blinks and makes noise when your meal is ready. Then you can come and get it“. Sowas habe ich noch nie gesehen. Aber es funktioniert. Irgendwann blinkt und piept das Teil, ich gehe zur Theke und tausche Piepser gegen Teller.

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Der Piepser

 

Die restliche Zeit verbringe ich mit lesen. Irgendwann tauchen im Nebel verschwommen die ersten Berge der Lofoten auf. Ich mache ein paar Fotos. Aber man sieht nur Grau. Bald kommt die Durchsage und es geht ab aufs Autodeck. Ich bin der letzte der seine Kiste los bindet und auch der letzte der von Bord fährt. Mir egal. Runter von der Fähre geht es in den leichten Nieselregen. Die Berge der Lofoten hängen in dichten Wolken. Ich muss ungefähr 30Km bis zu meiner Unterkundt fahren. Eigentlich eine schöne Strecke. Aber das Wetter…

Um 21:15 bei Kilometerstand 82225 stehe ich an der Rezeption der Ramberg Gjaestegard und checke ein. Ich bekomme die Hütte Nr. 8. Eine Niummer zu groß aber eine andere gibt es nicht mehr. Sie überlässt mir die Hütte aber zum vereinabarten Preis. Von dem zusätzlichen Schlafzimmer profitiere ich auch in keinster Weise. Die Hütte ist gut. Sie hat leider keinen großen Esstisch sondern nur eine Sitzgruppe mit Couch und Sessel und einen relativ niedrigen Wohnzimmertisch. Das Schlafzimmer ist sehr gut und Dusche/WC ebenfalls. Aus dem Fenster schaue ich auf den weissen Sandstrand der Ramberg Bucht. Es ist sehr schön hier. Ich packe aus was ich brauche. Dann schaue ich aus der Mediathek noch einen Tatort. Gelesen habe ich heute genug. Und schreiben will ich morgen.

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Hütte in Ramberg. Sehr OK

 

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Der Ausblick aus dem Fenster.

 

Kurz nach Mitternacht liege ich in dem sehr bequemen und angenehm duftenden Bett. Und schlafe schnell ein. Allerdings habe ich die Vorhänge zugezogen. Es war immer noch taghell. Hier ist seit Ende Mai Tag. Die Sonne geht nicht mehr unter. Aber sehen kann man sie heute auch nicht…