13 Juni Montag, 14. Juni Dienstag

Gestern und heute bin ich die E75 südwärts gefahren. Mein Ziel ist Helsinki. Von dort nehme ich die Fähre nach Travemünde. Über die beiden Tage gibt es wenig zu berichten. Am 13. Juni gegen 16 Uhr überquere ich den Polarkreis in südlicher Richtung. Die haben hier ein „Santa-Village“ aufgebaut. Hier wohnt der Weihnachtsmann und man kann ihn hier ganzjährig besuchen. Unfug. Die Fahrt ist extrem anstrengend. Mental. Es ist die pure Langeweile Ich habe nun fast 1.000 Km auf der E75 zurückgelegt. Fast immer rechts und links Wald, fast immer geht es stur geradeaus. Das ist wirklich nervtötend. Die Straße ist durchweg gut bis sehr gut, und der Verkehr abgesehen von der Umgebung größerer Städte sehr dünn. Fast überall sind 100 km/h erlaubt, und ich gleite so mit 100-110 dahin, so wie es auch die Finnen tun. Die Kilometer fliegen vorbei, aber es sind so viele….

Ab und zu schimmert einer der über 16.000 finnischen Seen zwischen den Bäumen durch, oder der Wald weicht mal zurück und erlaubt so einen flüchtigen Blick auf die Weite des Landes. Aber meistens fährt man ohne jede Stimulation zwischen zwei grünen Wänden. Stunde um Stunde. Kilometer um Kilometer. Hier braucht man wirklich schnellstens autonome Fahrzeuge.

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So sah es in den letzten beiden Tagen im wesentlichen aus.

 

Die Infrastruktur ist gut: Tankstellen gibt es genügend und auch Autohöfe um zu essen oder einzukaufen. Die Preise sind hier natürlich deutlich ziviler als in Norwegen. Im Großen und Ganzen ähnlich wie bei uns.
Es ist schwierig, konzentriert zu bleiben. Die Monotonie ermüdet sehr. Ich mache häufig Pausen. Und was sonst nicht meine Art ist: Ich gehe in den Pausen spazieren. In Norwegen waren die Strecken fordernd. Es war meistens ein ziemlich aktives Fahren. Hier hockte ich wie ein Sack auf dem Motorrad und habe nichts zu tun. Das muss ich irgendwie kompensieren.

Sowohl gestern als auch heute bin ich mit Regen gestartet, und dann wurde es besser. Gestern hatte ich von Zeit zu Zeit noch einen Schauer, aber sonst war es OK. Und auch die Temperatur war gut: Immer zweistellig. Heute hatte ich nach einem nassen Start absolutes Traumwetter. Blauer Himmel und bis zu 20 Grad. Nie unter 15 Grad. Gegen 11 Uhr reduziere ich die Bekleidung um eine Schicht. Denn ich werde bei afrikanischen Temperaturen von 17-22 Grad förmlich gegrillt. Jedenfalls im Vergleich zu Norwegen.

Hinweisschilder sind weitgehend nutzlos für mich. Mein finnisch hat große Lücken. Es ist eine für uns Mitteleuropäer total unverständliche Sprache. Die Ortsnamen sind lang und unaussprechlich. Gestern habe ich in einem „Motell“ übernachtet, für heute Nacht habe ich ein „Gasthaus“ . Das Wort haben die Finnen vermutlich aus dem Deutschen übernommen. Es ist mir hier schon einige Male untergekommen. Ich bin jetzt ca. 160 Km nördlich von Helsinki. Den Rest fahre ich morgen. Ich muss muss mir noch ein Ticket besorgen.
Ich sitze noch einige Zeit auf der Terasse und trinke mir zwei Bier. Ja. Hier gibt es Bier vom Fass. 5 Euro für 0,4 l. Ein lokaler Gitarrenopa gibt schwermütige finnische und russische Weisen zum besten. Und den Kanon der Pop und Folk Schnulzen der letzten 40 Jahre. Er hat eine leidlich gute Stimme und wenn er will kann er was auf der Gitarre. Aber er spielt halt nur Schnulzen. Manchmal mag ich das. Aber es ist zuviel. Und er macht auch vor „Hallelujah“,„My Way“, „Yesterday“ und sogar „Feelings“ nicht halt. Alles auf finnisch. Ich fühle mich an die „Fabelhaften Baker Boys“ erinnert. Nur dass sich hier nicht Michelle Pfeiffer auf dem Piano räkelt sondern eine ältere finnische Dame in der Hollywoodschaukel leise mitsummt.

Irgendwann hört der Gute auf. Ich bin nicht traurig drum. Bald liege ich im Bett. Eigentlich eine Stunde zu spät. Aber das ist eine Geschichte für morgen.