15. Juni Mittwoch, 16. Juni Donnerstag

Ich habe den Wecker auf 7:30 Uhr gestellt. Kurze Morgentoilette und um kurz vor acht bin ich im Frühstücksraum. Niemand da und das Buffet weitgehend geplündert. Merkwürdig. Gestern morgen im Motel war das auch schon so. Die Finnen sind offenbar Frühaufsteher. Der Wirt des Gasthauses begrüßt mich freundlich und ich bediene mich an den Resten des Buffets. Mein Blick fällt auf den Fernseher an der Wand gegenüber. Da läuft irgendeine Sportsendung die mit der EM zu tun hat. Die laufende Uhrzeit die unten rechts eingeblendet wird sagt es ist 9:05. Hä? Ich checke das.mein Handy sagt 8:05. Mein Tablet auch. Kurz ins Internet geschaut und tatsächlich. Finnland ist der MESZ eine Stunde voraus. Ich habe das nicht gewusst. Also fahre ich seit vorgestern der Zeit um eine Stunde hinterher. Eigentlich kein Problem. Aber das mit dem Frühstück an den letzten beiden Tagen ist damit geklärt. Und heute habe ich einen Zeitplan einzuhalten: Nach Helsinki fahren, bei Finnlines ein Ticket besorgen und zwei Stunden vor Abfahrt am Kai sein. Da könnte eine fehlende Stunde schon fatale Auswirkungen haben. Gut dass ich das zufällig noch bemerkt habe.

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Mein letztes Gasthaus in Finnland, 150 Km nörlich von Helsinki

Andererseits: Es sollte sich zeigen dass mein Zeitpolster mehr als ausreichend ist. Gestern bin ich doch weiter gekommen als gedacht. Ich starte also gegen 9:45 Ortszeit, eine Stunde später als geplant. Die Strecke ist immer noch öde, aber der Verkehr wird dichter. Vor Lathi wird die E75 zu einer Autobahn auf der 120 km/h erlaubt sind. Mit gut 130 schwimme ich auf der linken Spur mit. Die Kilometer fliegen so dahin und bald schon sehe ich das Schild „Helsinki 99 Km“. Ich überlege mir, Online nach einem Ticket für die Fähre zu suchen und halte an einem „Abc“ Rasthof an. Die Buchung ist auch kein Problem. Bei „Finnlines“ ordere ich eine Passage nach Travemünde. Abfahrt heute 17 Uhr, bis 15 Uhr Check In. Das ist zeitlich kein Problem.Die Fahrt kostet 185 Euro. Will ich eine Kabine dazu haben explodiert der Preis auf 443 Euro. Das ist heftig. Ich beschließe, dass ich die 260 Euro einspare. Dafür werde ich mir den Luxus leisten heute das „Dinner Buffet“ und morgen das „Brunch Buffet“ zu nutzen. Die Fähre läuft 30 Stunden und legt morgen Abend gegen 22 Uhr in Travemünde an. Also werde ich dort auch noch eine Unterkunft brauchen. Denn ich werde nicht bei Nacht und Regen von Travemünde nach Hause fahren. Die Buchung eines passenden Hotels ist auch schnell erledigt. Es muss eins sein, in dem man auch spät noch einchecken kann. Ich entscheide mich für das Hotel „Jensen“ mitten in der Lübecker Innenstadt. Es ist nicht zu weit vom Anleger weg und die Rezeption bis 24 Stunden besetzt. Ich werde dann am Freitag den Heimweg antreten. Mittags bin ich am Terminal in Helsinki. Ich gehe zum Counter der Finnlines und lasse mir dort erklären, dass das Boarding schon so gegen 14:30 startet und Motorräder gemeinhin als erste an Bord gehen. Das heißt ich habe jetzt zweieinhalb Stunden Pause. Ich fahre zu einer Tanke mit Bistro und nehme einen Kaffee und ein Sandwich. Dann überlege ich mir, wie ich mit möglichst minimalem Gepäck auf der Fähre klarkomme. Die Motorradklamotten sollten möglichst am Motorrad bleiben, und ich suche ein diskretes Plätzchen hinter der Tanke um mich umzuziehen. In die Tasche, die sonst im Topcase liegt, packe ich alle benötigten Sachen und stopfe dafür die Motorradsachen ins Case. Das passt nur sehr knapp. Aber es geht. Den Helm werde ich ebenfalls am Moped lassen. Dann setze ich mich noch in die Sonne und lese.

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Warten in der Schlange. Finnlines Terminal in Helsinki

 

Kurz vor 14:30 fahre ich zum Terminal, werde rasch abgefertigt und warte in „Line 1“ zusammen mit diversen anderen Motorrad- und Radfahrern . Kein deutsches Motorrad dabei. Die drei Radfahrer kommen aus Deutschland. Genauer aus Niederbayern. Die haben mehr als tausend Kilometer in Finnland gemacht. Respekt. Um 15 Uhr beginnt das Boarding. Also später als die Dame am Counter gesagt hat. Und genau zu dem Zeitpunkt der im Internet angegeben ist. Ein „Follow Me“ der Finnlines holt uns Zweiradfahrer ab und führt uns vorbei an diversen Kais auf die Fähre bis auf das richtige Deck. Dort wird nun eingeparkt und gezurrt. Kein Problem.

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Noch im Hafen

 

Jetzt bin ich auf der „Finnmaid“. Kurze Zeit nach dem Verzurren sitze ich bereits auf dem Sonnendeck und geniesse eine kaltes Mineralwasser. Die Sonne scheint. Es ist wunderbares Wetter. In Travemünde soll es bei der Ankunft regnen. So der Wetterdienst. Und am Freitag muss ich mit einer regnerischen Heimfahrt rechnen. Mist. Aber abwarten. Vielleicht ändert sich ja noch was in den nächsten 48 Stunden. Pünktlich legt die Fähre ab. Jetzt geht es bis morgen Abend vorbei am Baltikum, Polen, Schweden, Dänemark.

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Selfie: Der Autor an Bord

 

Wie die meisten Passagiere genieße ich den Rest des schönen Nachmittags noch auf dem Deck. Um 19 Uhr bin ich am Buffet. Das ist OK. Besser als das auf der „Color Magic“. Scheint mir jedenfalls. Im Restaurant hat man einen tollen Blick aufs Meer in Fahrtrichtung der Fähre. Kurz vor 20 Uhr sitze ich wieder auf dem Sonnendeck. Ich werde heute einen einzigartigen Sonnenuntergang erleben. Wenn hier auch kein Polartag herrscht: Wirklich dunkel wird es hier nicht. Die Finnen und die Russen nennen das die „Weißen Nächte“. Der Sonnenuntergang ist wirklich ein Spektakel. Die wenigen Wolken die sich ab und zu vor die Sonne schieben erstrahlen mal Rot, mal Gelb und mal Schneeweiß.

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Sunset mit Tequila Sunrise

 

Ein tolles Schauspiel. Ich gönne mir eine Flasche Riesling und genieße den letzten Abend in Skandinavien. Oder genauer in skandinavischen Gewässern. Es wird kühl und ich ziehe mir die Jacke über. Erstaunlicherweise bin ich der einzige Gast auf dem Sonnendeck. Nur ab und zu kommt jemand zum Rauchen heraus. Die Fähre ist wesentlich kleiner als die „Color Magic“. Und entsprechend weniger Fahrgäste sind an Bord. Die Ausstattung ist deutlich bescheidener und es gibt hier keine Gästebespaßung. Die Bar hat bis null Uhr auf und danach herrscht Ruhe auf dem Schiff. Ganz anders als auf der Kiel-Oslo Linie.

 

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Sunset mit Riesling

 

Der Sonnenuntergang zieht sich bis nach 23 Uhr (MESZ) hin. Dann verschwindet sie in Nord-Nord-Ost hinter den Horizont. Aber es bleibt ein breiter roter Streifen, der auch tief in der Nacht noch zu sehen ist. Nach zwei „Tequila Sunrise“ und der Flasche Riesling habe ich auch die notwendige Bettschwere. Nur kein Bett dazu. Also mache es ich mir auf einem „Airseat“ bequem. Schnell schlafe ich ein. Aber ich werde oft wach. In so einem Sessel zu schlafen ist nicht so mein Ding. Aber für eine Nacht geht das schon. Und auch diese Nacht vergeht. Um 8:30 mache ich eine flüchtige Morgentoilette und besorge mir danach sofort einen Kaffee. Um 9:30 öffnet das Brunch Buffet. Ich gehe um 10 Uhr hin. Es ist OK. nicht der Hit, aber OK. Das Wetter ist heute komplett anders als gestern. Vergangene Nacht setzte schon leichter Nieselregen ein. Jetzt Regnet es richtig und nur ab und zu kommt die Sonne durch. Und es ist windig.

Den Tag verbringe ich mit lesen. Fähre fahren ist so langweilig…

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Travemünde

 

Um 21:30 legen wir an. Bei gutem Wetter. Um 22 Uhr fahre ich von der Fähre zum Hotel.

 

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Die Mopeds werden befreit

 

Lübeck ist wie ausgestorben. Deutschland-Polen EM. Nur ein paar Polizeiwagen stehen in der Innenstadt herum. Am Hotel angekommen checke ein und gehe sofort ins Bett. Morgen ist der letzte Tag meiner Reise.

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Mein Hotel in Lübeck