Na ja: Originell ist die Idee mit dem Motorrad nach Norwegen zu fahren nicht wirklich. Im Netz wimmelt es von Reiseberichten wetterfester Mopedfahrer die sich von der Angst vor dem norwegischen Dreckswetter nicht abschrecken ließen das Land im Norden Europas auf zwei Rädern zu erkunden.
Manche sogar mit zwei Rädern, aber ohne Motor. Selbst von einem Einradfahrer auf dem Weg zum Norkapp habe ich gelesen…. Wieder andere machen sich zu Fuß auf den einsamen Olavsweg um den „Ich bin dann mal weg“ Lesern und den Selbstsuchern- und Findern auf dem Jakobsweg zu entgehen.
Horden von Lehrern und Pensionären treiben Ihre Wohnmobile jedes Jahr den Trollstiegen „rauf und runter“ und Karawanen von Reisebussen karren Rentner und Fusskranke zum Geiranger und weiter. Dazu kommen noch die gemeinen Kreuzfahrer und die elitären Hurtigrouten Passagiere. Basejumper und Gleitschirmflieger belagern den Kjaerag und Armadas von Anglerbooten kreuzen auf den Fjorden auf der Jagd nach Dorsch und Butt. Ein Geheimtipp ist Norwegen also nicht.
Mich hat Norwegen begeistert, seit ich Anfang der 80er zum ersten mal dort war. Seit dem war schon einige Male in Norge, immer an der Küste und immer zwischen Lindesnes Fyr im Süden und der Insel Hitra kurz vor Trondheim. Nördlicher habe ich es noch nicht geschafft. Immer zum Angeln und immer mit dem Auto. Und das letzte mal ist nun auch schon ziemlich lange her: Es war der Juni 2002. Die Idee mit dem Moped da hinzufahren kam mir aber schon bei meinem ersten Aufenthalt in Norwegen: Wir fuhren bei mäßigem Wetter – leichter Nieselregen, ca. 10 Grad – mit dem Auto den Trollstiegen hinunter. Entgegen kamen uns mehrere Mopedfahrer die von der Gischt des Wasserfalls und dem Nieselregen ordentlich Wasser abbekommen hatten. Ich war trotzdem neidisch: In dieser phantastischen Umgebung auf dem Motorrad unterwegs zu sein wäre doch ein Traum, dachte ich mir. Realisiert habe ich diesen nie. Aber er ist mir auch nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Als ich nach langer Abstinenz vor vier Jahren das Mopedfahren wieder entdeckt hatte war klar: Jetzt oder nie. Aus dem Alter sowas aufzuschieben bin ich ‚raus. Also soll es dieses Jahr was werden. Nach über 30 Jahren.

Geiranger, 1983

Geiranger, 1983

Dankenswerter Weise ermöglicht es mir mein Arbeitgeber, ausnahmsweise vier Wochen Urlaub am Stück zu nehmen. So sollte es gehen.

Ich werde allein fahren, denn meine Motorradfreunde sind Weicheier: Entweder haben sie das Fahren aufgegeben oder sie entfernen sich mit dem Moped nicht weiter als eine Tagestour von Zuhause. Und wenn doch, dann irgendwohin wo es eine Gutwettergarantie gibt und auch das nur mit Trailer und vorab gebuchtem Komfortpaket. Und ja: Erwischt. Genau so habe ich es in den letzten Jahren auch gehalten. Ich habe lange überlegt, ob ich die Komfortzone verlassen will.

Gut drei Wochen unterwegs, auf Campingplätzen nächtigen und mich von Dosenfutter, Walfleisch und den berüchtigten Norwegischen Pølser ernähren. Dazu den kalten Nordatlantikregen geniessen und mich von 7-8 Windstärken bei Kühlschranktemperaturen über den Atlanterhavsvegen oder den FV17 blasen lassen um dann die Lofoten im feuchtkalten Nebel zu erleben. Bin ich eigentlich total doof? Vermutlich. Statt dessen könnte ich auch zwei Wochen in einem Luxusresort auf den Malediven verbringen. Oder den Seychellen. Zum gleichen Preis. Damit wäre das geklärt: Ich bin total doof.
Mehr zur Planung im nächsten Eintrag.