Alles was mich interessiert

Dreizehnter Tag – Ein Tag, zwei Ziele.

 

Samstag, 11. Juni

Tagesziel für heute: Dem Nordkap möglichst nahe kommen. Aber vorher habe ich noch was in Hammerfest zu erledigen. Um 9:15 geht es los. Zunächst bei Nieselregen, später bei Sonne und Regen, noch später bei Sonne. Aber es ist was? Richtig geraten: Kalt ist es. Fünf Grad. Nun denn. Was erwarte ich auch wenn ich mich auf den Weg in die nördlichste Stadt der Welt mache So bezeichnet sich Hammerfest selbst. Aber das ist glatt gelogen. Egal. Ich will da hin. Ich folge der E6 bis Skaidi. Dort biege ich auf die E94 nach Hammerfest ab. Eine Stichstraße. Ich muss den gleichen Weg zurück nach Skaidi den ich jetzt nach Hammerfest fahre. Das Wetter ist gut und ich komme gut voran. Auf der E94 gibt es ein paar nervige Baustellen die mich und die Pan ordentlich durchrütteln.

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Rentiere

 

Gegen 13 Uhr bin ich in Hammerfest. Ein sympathisches Städtchen. Und auch nicht sooo häßlich. Was auffällt sind die Fußgänger: Die haben hier immer freie Bahn. Hier achtet keiner auf Autos oder Mopeds. Keine Ahnung ob das immer so ist, aber heute auf jeden Fall.

Ich tanke und fahre dann zum eigentlichen Ziel in Hammerfest: Dem Eisbärenclub. Mit Vereinen halte ich es eigentlich wie Groucho Marx, der einmal sagte er würde keinem Verein beitreten der Ihn als Mitglied akzeptiert. Aber heute werde ich einem Verein beitreten: Dem „Isbjørnklubben“, zu deutsch „Eisbärenclub“. Oder wie er sich vornehmer nennt: „The Royal and Ancient Polar Bear Society“. Auch als nördlichste Touristenfalle der Welt bekannt. Für 200 NOK bekommt man einen Aufkleber, einen Anstecker, eine Urkunde und einen lebenslang gültigen Mitgliedsausweis. Dieser berechtigt zum Besuch der jährlichen Hauptversammlung des Clubs. Jedes Jahr am dritten Samstag im Januar. Im Rathaus von Hammerfest. Zu diesem Termin ist Hammerfest vom Land her schwer erreichbar…

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Die einzige Voraussetzung für die Aufnahme in den Club ist das persönliche Erscheinen in den Clubräumen in Hammerfest. Und natürlich die Kohle. Ich grinse den jungen Mann am Counter im Club an: „I have to become a member of this club“ worauf er ebenfalls grinsend antwortet: „No Problem. Wir können aber deutsch miteinander reden“. Er ist deutscher und wegen der schönen Landschaft und aus Abenteuerlust hier gelandet. „Gehen sie an einen der beiden Computer und geben Ihre Daten ein. Den Rest mache ich hier klar.“ Gesagt getan und zurück am Counter erhalte ich gegen die besagten 200 NOK meine Mitgliedsutensilien. Ich bin Mitglied Nr. 255073. Wirklich exklusiv ist die ganze Sache also nicht. Nun: Immerhin bin ich jetzt der Clubkamerad von König Harald, dem fünften seines Namens.Mit großem Stolz trage ich meinen Umschlag mit der Urkunde und dem anderen Tand zum Moped. Erst jetzt weiß ich, was mir in meinem Leben gefehlt hat. Denn jetzt bin ich ein „Polar Bear“. Und plötzlich ergibt alles einen Sinn.

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Noch einen Kaffee in der Stadt und ich fahre zurück nach Skaidi. Ich bin schon für noch beklopptere Sachen 120 Km gefahren. Ziel eins für heute erreicht.
Jetzt gilt es das gute Wetter zu nutzen. Es soll nicht
über die Nacht halten. Meinen ursprünglichen Plan mir eine Unterkunft in Olderfjord zu suchen und morgen zum Kap zu fahren verwerfe ich deshalb. Ich fahre immer weiter. Ich werde versuchen dem kap heute so nahe wie möglich zu kommen. Ich hoffe, in Honningsvag eine Unterkunft zu kriegen. Endlos zieht sich die Straße am Porsangerfjord entlang.

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Ein Fest bei dem Wetter. Viel blauer Himmel und acht Grad. Das geht. Und dunkel wird es hier ja nicht. Eine schöne Fahrt. Und wenn mir noch einer sagt, die Fahrt zum Kap sei öde, dem werde ich entgegenschleudern „Lüge!“.

In Honningsvag versuche ich es am „Nordkapp Camping“. Eine Hütte kriege ich nicht mehr, aber ein Zimmer im „Hotel“. Aber mit eigener Nasszelle für 790 NOK. Soll mir recht sein.

Are you going to the north cape?“ fragt mich die nette junge Frau an der Rezeption. Im ersten Augenblick verwundert mich die Frage etwas. Was soll man hier am Ende der Welt ungefähr 25 Km vor dem Nordkap wohl sonst wollen? Eine Weinprobe machen? Oder die Orangenplantagen besichtigen? Aber schnell fällt mir ein: Die beste kann ja nicht wissen dass ich noch nicht dort war. Ich könnte ja auch auf dem Rückweg sein. Also ist nicht ihre Frage blöd sondern mein erstaunen darüber. Wie dem auch sei: „Yes, i want to go there“ antworte ich. Sie ermahnt mich: „Go as soon as possible. The weather forecast has announced cloudy and rainy conditions within the next few hours“. „Oh, i will go now, so I will see the cape in the sunshine“. Gebe ich zurück. Sie lächelt und sagt „That‘s a good idea. You will enjoy it“. Ich lade kurz die Gepäckrolle vom Moped ab und leere das Topcase. Dann will ich los. Auf dem Parkplatz stehen Klaus und Gerhard aus Lörrach. Die wollen auch hochfahren und bieten mir an mich anzuschließen was ich gerne annehme. Als wir vom Parkplatz auf die E69 zum Kap einbiegen kommt noch Ricardo dazu. Ein Schweizer den die beiden unterwegs kennengelernt hatten. Seine Muttersprache ist italienisch, aber ein Mix aus Englisch und Deutsch geht auch ganz gut mit ihm. Also fahren wir in einer Vierergruppe zum Kap. Es ist ungefähr 19:30. Bis zum Kap sind es von hier weniger als 30 Km. Schnell sind wir da und löhnen unseren Eintritt. Ich nehme das billigste Ticket für immerhin 170 NOK, die beiden aus Lörrach auch. Ricardo bucht das ganze Programm. Mit Multimediashow und allem drum und dran. Das Kap ist komplett „durchkommerzialisiert. Aber was soll‘s. Ich will nur ein paar Fotos und dann wieder weg. Nicht das die Gegend hier nicht reizvoll wäre: Die Berge und schroffen Felsen hier haben einen spröden Charme. Hier auf der Ebene wachsen keine Bäume.

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Wie schon seit vielen Kilometern vorher. Es ist so etwas wie Tundra glaube ich. Wie dem auch sei: Motorrad auf dem Parkplatz abgestellt, durch die Eingangshalle und ab nach draußen zur Kugel. Endlich da. Wie haben einen günstigen Moment erwischt und Sockel samt Kugel für uns.

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Und die Sonne scheint. Wir machen gegenseitig Fotos von einander. Ricardo freut sich wie ein Kind: „Makk nicht one oder two Foto, makke twenty von mich!“ ruft er Klaus zu, dem er sein Handy gegeben hat damit der Ihn damit filmt und fotografiert. Der gute Mann ist völlig aus dem Häuschen. Auch ich lasse mich natürlich fotografieren und knipse meinerseits noch ein paar Bilder von den anderen. Und ich fühle mich ein ein klein wenig stolz. Es war ein weiter Weg hierher. Zwei Wochen. Und nicht immer einfach. Aber es ist wie es ist: Es ist einfach nur ein Punkt auf der Karte. Nichtmal der nördlichste Europas wie der Prospekt den ich mit der Eintrittskarte bekommen habe frech lügt. Es ist der Nördlichste der mit einem Landfahrzeug erreicht werden kann. Aber egal: Das Nordkap ist ein Mythos. Und ich war da. Ich gehe mit Gerhard in die „Nordkapphallen“ und trinke mit ihm noch einen Kaffee. Ricardo wird wohl noch die halbe Nacht hierbleiben und auch die beiden Lörracher zieht es noch nicht zum Camp. Ich will aufbrechen und verabschiede mich von den beiden. Ich möchte unterwegs noch etwas knipsen. Mir kommen etliche Reisebusse entgegen. Die karren die Touristen erst spät hier her in der Hoffnung, dass sie am Nordkap die Mitternachtssonne erleben. Heute könnte das klappen.

Ich fahre ganz entspannt zurück und schieße noch ein paar Fotos. Eines mit einer wahnsinnigen Aussicht auf unser Camp. Kommt aber mit dem Handy nicht besonders.
Zurück am Camp hole ich die Flasche Aberlour heraus und setzte mich draußen in die Sonne. Ich hoffe, heute zum ersten mal wirklich um Mitternacht die Sonne um Norden stehen zu sehen. Ich bin zwar schon länger im Polartag unterwegs, aber bisher war es immer bewölkt.
Es gesellen sich Andy und Helmut zu mir. Zwei Schwaben aus Calw die über Schweden hierher gefahren sind und das gleiche vorhaben wie ich. Echt nette Typen. Ich lade sie auf einen Scotch ein. Was sie gerne annehmen. Als Retoure gibt es ein Portionsfläschchen „Jim Beam“. Wir schwätzen die Zeit bis Mitternacht weg. Und da steht sie am Nordhimmel: Die Mitternachtssonne. Ein schönes Bild. Wir machen unsere Fotos und gehen dann ins Bett.

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Mitternachtssonne in Honnigsvag

 

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1 Kommentar

  1. Miriam

    Yeah, Hammerfest samt Mitgliedsausweis erledigt… *grins* wie war das mit dem Ritterschlag???
    Glückwunsch Martin 🙂 🙂 🙂

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