Alles was mich interessiert

Elfter Tag – Endlich wieder unterwegs

Donnerstag, 9. Juni

Nach dem aufstehen muss ich erstmal aus dem Fenster schauen: Ja. Der Wind hat sich gelegt. Es ist bewölkt, aber regnen tut es nicht. Heute geht es weiter. Endlich! Ich packe die Klammotten und ab zum Frühstück. Das ist wie gestern wieder sehr gut. Die Ramberg Gjaestegard war super, aber ich bin froh das ich wegkomme.

Noch sieht alles gut aus

Noch sieht alles gut aus

 

Zunächst läuft alles prima. Ich habe die ersten zehn Kilometer brauchbares Wetter. Dann kommt es knüppeldick: Wind und Regen. Heftiger Regen. Kalter Regen. Es ist nicht witzig. Aber das Wetter auf den Lofoten ist ja bekanntermassen wechselhaft. Und so lerne ich es jetzt auch kennen: Mal stürmt und regnet es, mal ist es andersrum. Der Regen und der Wind wechselt öfter mal die Seiten. Mal kommt der Regen von oben und der Wind von der Seite, mal kommt der Wind von hinten und der Regen von rechts vorne. Und Hagel gibt es hier auch. Nur kurz, aber übel. Und wenn der Wettergott der Lofoten besonders gut drauf ist, lässt er alle seine Hunde gleichzeitig von der Leine: Regen, Wind, Hagel und Sonne. Genau das habe ich für ein paar Kilometer. Ich fahre in vermeintlichem Sonnenschein während ein anderer Teil des Himmels seine Schleusen öffnet. Nur geschneit hat es nicht. Ich frage mich woran das liegt. Vermutlich wird ein Lofoten-Fan sagen: „Du hast doch Super Wetter gehabt! Es hat überhaupt nicht geschneit! Und es waren satte fünf Grad. Manchmal sogar sieben. Bestes Lofotenwetter also!“. Ich habe da eher gemischte Gefühle. Eigentlich wollte ich vor dem Sloeverfjord-Tunnel die E10 verlassen und nach Melbu zur Insel Hadseloeya übersetzen um dann bis zur Nordspitze der Insel Langoeya zu fahren. Aber nicht bei dem Mistwetter. Ich beschließe, den Lofoten den Rücken zu kehren. Zwei Tage Dreckswetter habe ich ausgesessen, den dritten Tag bei ähnlichem Mistwetter im Mopedsattel verbracht. Ich werde direkt nach Harstad fahren. Ich werde morgen von Harstad aus nicht nach Andenes fahren. Sondern ich werde morgen früh die erste Fähre nehmen die mich von den „most beautiful islands in the world“ evakuiert. Und wenn die zum Nordpol fährt ist mir das auch egal. Nur weg hier. Dabei erahne ich an vielen Stellen durchaus die Schönheit der Inseln. Immer wieder staune ich über die Panoramen die sich hier bieten. Aber es ist leider alles Grau in Grau. Und vor allem sehr nass und sehr windig.

Vågan-Kirche, etwas großspurig als "Lofotenkathedrale" auf den Schildern angekündigt.

Vågan-Kirche, etwas großspurig als „Lofotenkathedrale“ auf den Schildern angekündigt.

 

Ich verlasse die E10 um zur Fähre Flesnes-Revsnes zu fahren. Auf den letzten paar Kilometern versuchen die Lofoten doch noch sich bei mir einzuschmeicheln. Der Regen hört auf und der Himmel reisst auf. Die Sonne scheint und im schönstem dunkelblau liegt der Gullesfjord rechts neben mir. Fantastisch. Vor mir hohe schneebedeckte Berge, und auf der anderen Seite des Fjordes ebenfalls. Ich fahre einen Parkplatz an um ein paar Fotos zu schiessen und ein paar Sonnenstrahlen zu geniessen. Was für eine Wohltat nach den letzten Stunden. Oder eigentlich Tagen. Auf der Fähre nehme ich erstmal einen Kaffee. Der tut auch sehr gut. Ich habe heute morgen meine Thermoskanne nicht gefüllt. Ich war wohl zu sehr auf das Frühstücksbuffet fixiert. Ich fahre im Sonnenschein von der Fähre. Noch ca. 40 Km bis Harstad. Nach drei Kilometern hat mich das Dreckswetter wieder.

Gullesfjord. In einer der paar schönen Minuten die ich heute hatte.

Gullesfjord. In einer der paar schönen Minuten die ich heute hatte.

 

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Es gibt Romantiker in Norwegen. Ich schwöre: ich war’s nicht.

 

Wie ich in einem anderen Beitrag schon einmal schrieb, empfinde ich die meisten norwegischen Städtchen als nicht gerade anziehend. Aber Harstad ist wirklich von ausgesuchter Häßlichkeit. Baustellen und Plattenbauten sind das erste was ich sehe. Ich tanke noch und fahre dan zum „Harstad Camping“. Die Rezeption ist nicht besetzt. Soweit nichts neues. Was aber neu ist: Hier gibt es einen Knopf den man drücken soll. Darüber ist ein Lautsprecher. Ich drücke also drauf, es kommt eine Ansage auf norwegisch und es wird deutlich hörbar eine Telefonverbindung aufgebaut. Es meldet sich Karl. Er gibt mir weitere Instruktionen. Er bewohnt ein Haus oberhalb des Platzes und bittet mich dorthin zu kommen. Das mache ich. Als ich dort ankomme steht er schon in der Tür. Ich buche eine einfache Hütte für eine Nacht und bezahle sofort (460 NOK). Er erklärt mir wo die Hütte liegt und sagt der Schlüssel würde stecken. Den solle ich wenn ich abreise in die grüne Box an der Rezeption einwerfen. Dann wünscht er mir noch einen schönen Aufenthalt.

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Campingplatz und Hütte in Harstad

 

Ich bin schnell an der Hütte. Sie ist vorgeheizt. Ich richte mich ein und fühle mich sofort wohl. Dann schaue mir die Umgebung an. Der Platz liegt direkt an der Küste. Sehr schön. Die sanitären Anlagen sind super. Und regnen tut es auch nicht mehr. Der Wettergott merkt wohl das er sein Ziel erreicht hat und legt seine Hunde wieder an die Kette. Und ich habe kapiert: Ich geh‘ ja schon. Morgen früh um acht geht die Fähre nach Soerollnes.

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2 Kommentare

  1. Georg Klein-Hitpass

    Hallo Martin.
    Gelesen hatte ich in den letzten Tagen immer mal wieder deine Zeilen. Toller Reisebericht.
    Ich bin gespannt auf die nächsten Tage.
    Weiterhin gute Reise. Ich wünsche dir allerdings besseres Wetter. Schöne Grüße aus dem textilen Sektor.
    Georg KH

  2. Dieter Brinks

    Hallo Martin! Super Bilder die du einstellst. Sieht so aus, als würde sich dein Traum erfüllen! Das du nicht nur super Wetter haben würdest war ja klar, lasse dich davon nicht ärgern.
    Es ist interessant deinen Blog zu verfolgen! Mach bitte weiter so….
    Grüße Dieter

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