Kilometerstand 79763

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Norwegenkai in Kiel

Ohne Probleme bin ich bis Kiel gekommen. Von Münster Süd bis irgendwo hinter Bramsche habe ich ziemlich mieses Wetter. Danach geht es. Die Autobahn habe ich fast für mich allein. Auf einem Rastplatz kurz vor Hamburg leere ich dann den Rest Kaffee aus meiner Thermoskanne. Eine Ecke des Platzes sieht aus wie ein Flüchtlingscamp. Mehrere vergammelte Zelte und ein paar heruntergekommene Transits und T3s stehen da herum der Zaun ist eine 50m lange Wäscheleine auf der die Sachen aber sicher nicht trocknen. Nicht bei diesem Wetter. Dann geht es weiter nach Kiel. Das Terminal finde ich sofort: Danke, Navi. Ich bin der erste Motorradfahrer und bekomme einen Laufzettel mit einer großen „1“ und werde angewiesen mich in die Linie 5 einzureihen. Da steht vor mir ein vollgepackter Golf mit einem Ehepaar aus Sachsen. Kurz nach mir trifft ein weiteres Motorrad ein. Ilona und Franz mit einer schwarzen BMW 800GT. Die haben die Nummer „2“. Aber wie sich herausstellt, hat die Zahl nichts mit irgendeiner Reihenfolge zu tun. Die beiden sind über Nacht mit dem Zug von München nach Hamburg gefahren und wollen in den Südwesten von Norwegen. Sie haben alles im voraus gebucht und fahren von einem Hotel zum nächsten. Allmählich füllen sich die Warteschlangen.

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Die Herde. Eine Augenweide für den BMW Vorstand.

Unsere, in der die Mopeds stehen sieht jetzt aus wie eine große GS Versammlung. Ich schwöre: Egal wie gut das Teil auch sein mag: Ich werde mir niemals eine zulegen. Es ist wirklich wie zu DDR Zeiten: Es gibt ein Einheitsmotorrad.
Natürlich gibt es auch ein paar andere Mopeds. Ich sichte eine Versys, zwei Transen, einen Crosstourer und eine FJR. Und dann kommt noch ein Poser: Ein Typ mit einer Harley rollt an, mit der Geräuschkulisse eines mobilen Feuerwerkes. Unmöglich. Der Kerl ist von Kopf bis Fuß in Harleyklammotten gewandet, trägt ein Braincap und als er dass abnimmt zaubert er eine schwarze Harleycap herbei. Gibt es eigentlich Harley Unterwäsche? Und Harley Socken? Wenn ja: Ich weiß was der Typ untendrunter trägt. Ich bin nicht der einzige der grinsen muss.
Die Verladung zieht sich. Endlich geht es los. Und es wird hektisch.

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Am Schiff befestigt.

Rauf auf das Deck und rein in die GS Herde. Durch die verschiedenen Wartestationen bin ich mit den Bayern mittlerweile am Ende der Mopedschlange und wir fahren ziemlich zum Schluss auf unsere Plätze. Ich bekomme von einem Einweiser in gelber Weste einen Gurt in die Hand gedrückt. Zeit für Fragen bleibt nicht. Rechts und links von mir stehen Holländer. Links GS, rechts Crosstourer. Die haben das mit dem Verzurren anscheinend schon öfter gemacht. Ich schaue mir an wie die ihre Mopeds sichern und binde dann auch meine Pan am Schiff fest. Eigentlich einfach. Einer der Holländer schaut sich grinsend mein Werk an, hält den Daumen hoch und ruft „Ok, gut“. Er hatte wohl Angst, dass im Falle einer schlechten Befestigung meine Pan auf seiner GS landet…. jetzt merke ich mir noch Deck und Gate: Deck A2 Gate 4 und verlasse das Autodeck. Meine Kabinennummer habe ich auswendig drauf. Deck 5, Nr. 503. Das ist nur eine Treppe vom Autodeck und dann im Mittelgang. Ich finde sie sofort. Die Bordkarte ist auch der Schlüssel. Rein in die gute Stube und raus aus den Mopedklamotten. Die Kabine ist nicht riesig, aber ausreichend. Das Klappbett sieht bequem aus und wie sich später zeigt ist es das auch. Jetzt erkunde ich noch etwas das Schiff und gehe dann zum Buffet. Das ist teuer, aber dafür auch nicht so gut. Hier schmeckt alles nach Kantine. Aber ich habe Hunger. Und der hat’s dann auch ‚reingetrieben. Nach dem Buffet decke ich mich

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Der Schlafplatz

am Geldautomaten mit NOKs ein und kaufe mir im Taxfree eine Flasche 12 Jahre alten Aberlour Single Malt. Einen Preisvorteil bietet der Taxfree nicht. Die Flasche kostet mehr als im Saftladen in Bocholt. Allerdings ist es eine Literflasche. Meine Beute bringe ich in die Kabine und gehe nachher dann zum Aussendeck um meinem Laster zu frönen. Etwas rauchen und etwas lesen. Die Luft ist lau. Um 8 Uhr bin ich in der Kabine im Bett. Ich lasse den Fernseher laufen. Auf Programm 17 wird das Livebild der Bugkamera sowie die aktuelle Position und Geschwindigkeit des Schiffes übertragen. Ich schlafe schnell ein. Und keine Sorgen: Die nächsten Beiträge werden kürzer.