Alles was mich interessiert

Schlagwort: Camping

Mein(e) Zelt(e)

Einleitende Gedanken
Zelte sind ein weites Feld. Und jeder hat so seine Prioritäten. Ich möchte das Zelt für Motorradurlaube benutzen. Und da es mich in den Norden zieht, sind meine Ansprüche andere als für einen Italienurlaub im Sommer. Das Zelt wird täglich auf- und abgebaut. Daher muss es mehr können als ein Festivalzelt dass man einmal im Jahr aufbaut oder nur ein einziges Mal. Ich bin als Solist unterwegs und daher darf es kompakt sein. Das Gewicht spielt für mich nur eine untergeordnete Rolle, das Packmaß nicht. Daher ist „Ultralight“ (= Ultrateuer) anders als für Fußwanderer kein Thema für mich. Was für mich ganz besonders wichtig ist: Outer first. Das heißt, das Aussenzelt wird zuerst aufgebaut bzw. zusammen mit dem Innenzelt da dieses schon eingehängt ist. Wer schon mal im Regen eines der preiswerten (oder billigen?) Zelte aufgebaut hat weiss, dass es totaler Mist ist wenn zuerst das Innenzelt aufgebaut und dann das Flysheet (oder „Outer“) drübergeworfen wird. Das sorgt dafür, dass man in ein nasses Innenzelt einziehen darf. Nicht schön. Alle namenhaften Hersteller von Zelten, die auch für schwierige Wettersituationen geeignet sind, konstruieren ihre Zelte nach dieser Anforderung.
Natürlich soll das Zelt auch Wind und Wetter trotzen. Etwas Sommerregen verträgt auch ein 39,99€ Aldi Zelt. Aber auch wenn es etwas heftiger zur Sache geht, möchte ich mich auf mein Zelt verlassen können. Und da es nach Norwegen geht, fällt ein Billigzelt für mich raus.
Weiterhin wünsche ich mir, dass der Zelteingang über Doppeltüren verfügt. Also eine Schicht reines Mesh um die Insekten abzuhalten aber den Luftzug aufrecht zu erhalten, eine separate Schicht aus geschlossenem Gewebe, um es etwas wärmer zu haben. Billigzelte haben dieses Feature normalerweise nicht. Dort besteht die Tür zur Hälfte aus Mesh und zur anderen Hälfte aus Gewebe. Das ist nicht flexibel.
Was die Personenzahl bei Zelten angeht dürfte sich herumgesprochen haben, dass diese sehr großzügig angegeben wird. Oder für schwer verliebte. Wenn in einem 2 Personen Trekkingzelt auch wirklich zwei Personen übernachten wollen, müssen die sich schon ziemlich gern haben. Und ihre Klamotten draussen lassen. Also: Als Solist wählt man die 2er oder 3er Variante, zu zweit die 3er oder gar die 4er (so es eine gibt). Solozelte und Ultraleichte sind nur was für Wanderer und Fahradfahrer, denen es auf jedes Gramm und jeden Kubikzentimeter ankommt.
Zum Schluß möchte ich noch sagen, dass kein Mensch ein 1.300€ Hilleberg-Zelt braucht. Auch so ein Reinsfjell wie ich es jetzt habe, bewegt sich mit Footprint auf die 800€ zu. Ich denke, sowas muss man nicht haben. Es geht mit Sicherheit deutlich günstiger und immer noch gut. Aber andererseits habe ich Freude an guter Ausrüstung. Und ich würde mich schwarz ärgern, wenn mich ein Zelt bei schwierigem Wetter mitten in der Nacht im Stich ließe. Also greife ich auch bei Zelten eher oben ins Regal.

Hier also meine Anforderungenan ein Motorradzelt:

  • „Outer first“ bzw. Innenzelt bereits eingehängt
  • vernünftiges Packmaß
  • 2P oder 3P Variante
  • Eingang mit separater Mesh und Gewebetür
  • hochwertige Qualität von Reißverschlüssen, Nähten, Gewebe und Abspannpunkten
  • Gewicht spielt nur eine Nebenrolle.

Lone Rider Mototent
Für die Motorradtour 2016 hatte ich mir ein Zelt gekauft dann aber doch nicht benutzt. Das Lone Rider Mototent. Das wird unter anderem damit beworben, dass man sein Motorrad da reinstellen kann. Das geht auch. Aber warum sollte man das tun? Wie dem auch sei: Ich hatte mich für dieses Zelt entschieden, weil es vergleichsweise groß ist, hoch genug ist um aufrecht darin zu stehen und sehr schnell aufzubauen ist. Und es stimmt. Alle diese Dinge treffen zu. Mit ca. 500€ ist es nicht unbedingt billig, aber man kriegt ja auch eine Menge Zelt.

Das Mototent in Italien
Und eben dass ist auch das Problem. Das Packmaß ist gewaltig, und auch das Gewicht recht hoch. Nachdem das Zelt ein jahrelang unbeachtetes Dasein in meinem Keller gefristet hatte, habe ich es 2022 mit auf unsere Italientour mitgenommen. Ich war damit in der Lombardei, Oberbayern und an der Lahn unterwegs. Vorher habe ich es schon in der Eifel und nachher noch in Belgien und Luxemburg dabei gehabt. Ca. 14 Nächte habe ich in dem Zelt verbracht und ich muss sagen: Es ist wirklich ein gutes Zelt. Sehr komfortabel und geräumig und der Auf- und Abbau geht schnell vonstatten. Auch bei Regen. Dass musste ich mehrfach machen. Aber das Packmaß ist wirklich abschreckend. Das Zelt ist für Camping geeignet. Wenn man also ein Ziel ansteuert, das Zelt aufbaut und ein paar Tage stehen lässt. Wenn man Motorradwandern betreibt, ist es schon lästig. Da ist ein Trekkingzelt wesentlich geeigneter. Was die Qualität des Zeltes angeht: Die ist OK, aber nicht der Hit. Für den Preis hätte ich mehr erwartet. Bereits nach einigen malen Auf- und Abbauen zeigte sich ein Riss am Innenzelt. Die Reißverschlüsse sind ebenfalls nicht die besten, die ich gesehen habe. Wie dem auch sei: Wen das Packmaß nicht stört und wer großen Wert auf Komfort legt, ist mit dem Zelt gut bedient.


Nordisk Halland 2PU
Nach den Erfahrungen mit dem Mototent habe ich mich dann nach einem Trekkingzelt umgesehen. Gelandet bin ich beim Nordisk Halland 2 PU. Wie das Mototent ist es ein Tunnelzelt. Also nicht freistehend. Allerdings wesentlich kleiner. Und ein Motorrad passt auch nicht rein. Muss aber auch nicht. Anders als das Mototent hat das Halland nur zwei Zeltstangen (das Mototent hat drei). Nicht zuletzt deshalb es ist super schnell aufgebaut. Ich war mit dem Zelt ungefähr 10 Tage unterwegs. Im Spätsommer. Aber auch bei teilweise schlechtem Wetter. Das Zelt ist von guter Qualität und mir reichte der Platz (fast). Es gibt aber leider ein Problem mit diesem Zelt, dass fast alle Tunnelzelte dieser Kategorie teilen: Es ist zu kurz. Am Fußende steigt das Innenzelt vergleichsweise flach an. Und so berührt man mit dem Schlafsack oft die Zeltwand. Bei gutem Wetter kein Thema, aber unter feuchten Bedingungen echt lästig. Dann ist der Fußbereich des Schlafsackes morgens nass. Und da das Zelt nicht besonders groß ist und nur einen Eingang hat, ist Kondensation ein größeres Thema als beim Mototent. Unter dem Strich hat mir das Zelt aber sehr gut gefallen. Das mit dem Innenzelt am Fußende ist für mich allerdings schon etwas störend. Ich bin 180cm und hatte in dem 215cm Zelt eben dieses Längenproblem. Eine Freundin von mir, die das Zelt für zwei Nächte benutzt hat, konnte nicht darüber klagen. Aber sie ist auch deutlich kleiner als ich. Für mich ging die Suche aber weiter.

Das Halland mit einem Tarp. So habe ich einen verregneten Tag ausgesessen

Helsport Reinsfjell 2 Pro
Ein Zelt aus der Oberliga. Eigentlich war ich ja drauf und dran, mir ein Hilleberg zuzulegen. Ein Allak 2 oder 3, oder ein Niak. Ich Wahnsinniger. Klar, mit einem Hilleberg Zelt ist man der König auf der Zeltwiese. Eingeweihte wissen, Hilleberg baut die besten Zelte der Welt. Aber kauft man eines, ist man hinterher ein armer König. Denn die Dinger kosten ein Vermögen. Helsport spielt nicht ganz in dieser Preisliga, ist aber auch hochpreisig. Ich hatte Glück, dass ich bei meiner Suche auf eine Anzeige im Netz gestoßen bin. Da wurde ein nagelneues Reinsfjell 2 angeboten. Mit Footprint. Für deutlich unter 500€. Da habe ich zugeschlagen. Es ist kein Tunnel, sondern ein freistehendes „Dome Tent“. Allerdings benötigt es drei Stangen. Also dauert das Aufbauen etwas länger als bei dem Halland Tunnel. Aber es geht immer noch schnell. Und das wichtigste: Es hat ein Innenmaß von 230cm, von denen auch wirklich mehr als 200cm nutzbar sind ohne die Zeltwand zu berühren. Ausserdem ist es symetrisch geschnitten. Es hat zwei identische Eingänge (=gut zu lüften) und zwei kleine Apsiden. Genial. Und teuer. Aber ich bin nun mal nach Equipment verrückt. Bisher habe ich es nur in zwei Nächten getestet. Aber die waren gut. Dieses Zelt wird mich nach Norwegen begleiten und ich hoffe, dass es mir gute Dienste leisten wird. Thomas vom Kanal tshansen verwendet ebenfalls das Reinsfjell. Allerdings als 3er Version. Er hat seine Erfahrungen vor kurzem hier geteilt.

Mein Helsport Reinsfjell 2 Pro

Zelten. Ein (nicht?) ganz einfaches Thema.

Seit dem letzten Jahr bin ich zum ersten mal seit Jahrzehnten mal wieder mit einem Zelt unterwegs gewesen. Dabei habe ich knapp 20 Tage im Zelt auf der Isomatte geschlafen.
Warum? So richtig kann ich die Frage nicht beantworten. Zelten ist nicht wirklich komfortabel, und die Atmosphäre auf Campingplätzen habe ich nie wirklich gemocht. Jedenfalls zu einem gewissen Teil nicht. Der Horror, den Jägerzäune und Gartenzwerge vor mustergültig gepflegten „Wohnwagen“ von „Dauercampern“ ausstrahlen ist real. „Wohnwagen“ und „Camper“ habe ich hier bewusst in Anführungsszeichen gesetzt. Den mit Wohnwagen und Camping würde man eigentlich sowas wie Reisen und Wanderschaft in Verbindung bringen. Genau dieses ist aber bei den Bewohnern der Dauercamperkolonien auf so manchem „Campingplatz“ nicht möglich. Da wird einfach nur eine Wohnung (=Immobilie) am Wochenende und im Urlaub mit einer anderen ausgetauscht. Man ist nicht unterwegs, sieht und erlebt nichts neues sondern umgibt sich mit all‘ dem Zeug dass auch Zuhause so rumsteht. Dazu noch ein Grill von der Größe (und dem Preis) eines Kleinwagens, Gartenmöbel die so riesig sind, dass sie auf dem heimischen Balkon keinen Platz finden würden und mindestens zwei Kühlschränke. Kurz: Wenn man alle Klischees von urlaubenden Spießbürgern auf einem Stapel sehen will, begebe man sich auf einen Campingplatz am Baggersee… So. Genug gelästert.

Denn es gibt sie, die andere Seite der Campingplätze (oft wörtlich zu nehmen). Meistens jedenfalls. Und diese andere Seite ist die Zeltwiese. Hier trifft man ein völlig anderes Publikum. Nämlich die Wandernden und Reisenden. Backpacker die schon seit Wochen zu Fuß unterwegs sind. Radfahrer die sich ein paar Tage Auszeit gönnen und Mopedfahrer wie mich, die keine Lust haben die Tour nach vorgebuchten Etappen auszurichten. Man trifft relativ spät ein, baut seine Sachen auf und in innerhalb von 15 Minuten steht die Unterkunft für die Nacht. Hier geht es minimalistisch zu, die Ausrüstung ist spartanisch aber durchdacht. Es wird kein unnötiger Krempel mitgeschleppt, Ansonsten braucht man nur noch nur einen Gaskocher, ein paar Nudeln und eine Flasche lauwarmes Mineralwasser. Na gut: Ab und zu auch mal eine Flasche lauwarmen Wein. Klar: Ich bin im allgemeinen der Alterspräsident auf der Zeltwiese. Aber keineswegs immer. Man trifft dort Menschen jeglichen Alters und aus allen Gesellschaftsschichten. Aber junge Menschen deutlich unter 30 stellen schon die überwiegende Mehrheit der Übernachtungsgäste. Man kommt ins Gespräch und erfährt viel interessantes über die Menschen und oft auch über die Gegend in der man eben unterwegs ist. Werde ich auf meinen Touren jetzt immer Zelten? Eher nicht. Auch ich weiss ein weiches Bett am Abend zu schätzen. Und 100 Meter bis zur Toilette durch den Regen zu watscheln müsste ich auch nicht ständig haben. Zumal das in der Nacht wesentlich häufiger als früher notwendig ist, wenn ihr versteht was ich meine. Aber ich werde sicher das Zelt noch oft benutzen wenn es meine Gesundheit zulässt. Der Minimalismus und das „Sich treiben lassen“ ohne etwas buchen zu müssen sind wirklich unschlagbare Vorteile dieser Art des Reisens. Ich denke, es ist wie mit fast allen Dingen im Leben: Es gibt kein entweder/oder. Man kann das Eine tun ohne das Andere zu lassen.

Der Termin rückt näher

So. Zwei Wochen noch. Es wird langsam ernst. Im April haben wir zu dritt sowas wie ein Bootcamp abgehalten. Wir sind bei teilweise ziemlich miesem Wetter vier Tage unterwegs gewesen. Zwei Mal haben wir im Zelt übernachtet, eine Nacht im Hotel geschlafen. Beim Peter in Liesenich. Der Laden ist immer eine gute Anlaufstelle. Ich bin dort schon seit ein paar Jahren ziemlich regelmäßig zu Gast. Von dort aus sind Mosel, Eifel, Hunsrück und Saarland gut zu erkunden. Das Hotel ist auf Mopedfahrer eingestellt und Preis/Leistung ist wirklich OK.

Unser Camp in Trendelburg

Die Tour führte uns am ersten Tag nach Trendelburg, am zweiten Tag nach Ennepetal, am dritten Tag nach Liesenich und am vierten Tag ging es wieder heimwärts. Die zweite Nacht war schon etwas ungemütlich. Wir hatten Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und die Zelte waren morgens weiß. Das war schon frisch.

Unser Camp in Ennepetal. Man sieht den Rauhreif auf den Zelten und der Wiese

Insgesamt war es eine schwierige Tour. Viel Regen, niedrige Temperaturen und das ein oder andere kleine technische Problem. Aber wir haben es natürlich überlebt. Jetzt blicken wir gespannt nach vorn und hoffen, dass die norwegischen Wettergötter uns gewogen sind. Ich habe kurzen Kontakt zu Thomas (tshansen) aus Norwegen gehabt, dessen großartigem Youtube-Kanal ich schon längere Zeit begeistert verfolge. Er schrieb mir zum Thema Norwegen und das Wetter Anfang Juni: „June in Norway can be taking or giving. Be prepared.
Ich denke, wir werden gut vorbereitet sein. Technisch und mental.
Zum Schluß noch eine etwas traurige Nachricht: Eva hat sich aus persönlichen Gründen entschieden, nicht an der Tour teilzunehmen. Das ist sehr schade. Wir hätten Eva gerne dabei gehabt. Aber natürlich respektieren und verstehen wir Ihre Entscheidung. So wird es jetzt eine zwei Mann Tour. Martin & Martin werden das „Steel Butt 2023“ Event bestreiten.

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