Seit dem letzten Jahr bin ich zum ersten mal seit Jahrzehnten mal wieder mit einem Zelt unterwegs gewesen. Dabei habe ich knapp 20 Tage im Zelt auf der Isomatte geschlafen.
Warum? So richtig kann ich die Frage nicht beantworten. Zelten ist nicht wirklich komfortabel, und die Atmosphäre auf Campingplätzen habe ich nie wirklich gemocht. Jedenfalls zu einem gewissen Teil nicht. Der Horror, den Jägerzäune und Gartenzwerge vor mustergültig gepflegten „Wohnwagen“ von „Dauercampern“ ausstrahlen ist real. „Wohnwagen“ und „Camper“ habe ich hier bewusst in Anführungsszeichen gesetzt. Den mit Wohnwagen und Camping würde man eigentlich sowas wie Reisen und Wanderschaft in Verbindung bringen. Genau dieses ist aber bei den Bewohnern der Dauercamperkolonien auf so manchem „Campingplatz“ nicht möglich. Da wird einfach nur eine Wohnung (=Immobilie) am Wochenende und im Urlaub mit einer anderen ausgetauscht. Man ist nicht unterwegs, sieht und erlebt nichts neues sondern umgibt sich mit all‘ dem Zeug dass auch Zuhause so rumsteht. Dazu noch ein Grill von der Größe (und dem Preis) eines Kleinwagens, Gartenmöbel die so riesig sind, dass sie auf dem heimischen Balkon keinen Platz finden würden und mindestens zwei Kühlschränke. Kurz: Wenn man alle Klischees von urlaubenden Spießbürgern auf einem Stapel sehen will, begebe man sich auf einen Campingplatz am Baggersee… So. Genug gelästert.
Denn es gibt sie, die andere Seite der Campingplätze (oft wörtlich zu nehmen). Meistens jedenfalls. Und diese andere Seite ist die Zeltwiese. Hier trifft man ein völlig anderes Publikum. Nämlich die Wandernden und Reisenden. Backpacker die schon seit Wochen zu Fuß unterwegs sind. Radfahrer die sich ein paar Tage Auszeit gönnen und Mopedfahrer wie mich, die keine Lust haben die Tour nach vorgebuchten Etappen auszurichten. Man trifft relativ spät ein, baut seine Sachen auf und in innerhalb von 15 Minuten steht die Unterkunft für die Nacht. Hier geht es minimalistisch zu, die Ausrüstung ist spartanisch aber durchdacht. Es wird kein unnötiger Krempel mitgeschleppt, Ansonsten braucht man nur noch nur einen Gaskocher, ein paar Nudeln und eine Flasche lauwarmes Mineralwasser. Na gut: Ab und zu auch mal eine Flasche lauwarmen Wein. Klar: Ich bin im allgemeinen der Alterspräsident auf der Zeltwiese. Aber keineswegs immer. Man trifft dort Menschen jeglichen Alters und aus allen Gesellschaftsschichten. Aber junge Menschen deutlich unter 30 stellen schon die überwiegende Mehrheit der Übernachtungsgäste. Man kommt ins Gespräch und erfährt viel interessantes über die Menschen und oft auch über die Gegend in der man eben unterwegs ist. Werde ich auf meinen Touren jetzt immer Zelten? Eher nicht. Auch ich weiss ein weiches Bett am Abend zu schätzen. Und 100 Meter bis zur Toilette durch den Regen zu watscheln müsste ich auch nicht ständig haben. Zumal das in der Nacht wesentlich häufiger als früher notwendig ist, wenn ihr versteht was ich meine. Aber ich werde sicher das Zelt noch oft benutzen wenn es meine Gesundheit zulässt. Der Minimalismus und das „Sich treiben lassen“ ohne etwas buchen zu müssen sind wirklich unschlagbare Vorteile dieser Art des Reisens. Ich denke, es ist wie mit fast allen Dingen im Leben: Es gibt kein entweder/oder. Man kann das Eine tun ohne das Andere zu lassen.
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