Freitag, 10. Juni
Um 6:30 weckt mich das Handy. Ich habe nicht besonders geschlafen. Die Hütte fand‘ ich eigentlich ganz angenehm, aber das Bett war mehr was für einen Fakir. Zwar keine Nägel, aber ein Brett. Knallhart. Die Matratze zu dünn und ich zu schwer für das Ensemble. Nun denn: Der Blick aus dem Fenster verheißt Gutes: Fast blauer Himmel. Zwei Achtel Bewölkung. Ich koche Kaffee und dann das zelebriere das übliche morgendliche Ritual: Klamotten packen, Moped beladen, Hütte klarmachen. Um 7:30 mache ich mich auf zur Fähre nach Soerollnes. Der Anleger ist höchstens fünf Minuten von hier entfernt. Ich bin schnell dort und reihe mich in die Schlange ein. Dann plötzlich denke ich mir, dass ich nicht die geringste Lust habe, über die Dörfer und mit Fähren bis Tromsö zu fahren. Heute will ich Kilometer machen. Im Kopf lege ich mir die Karte zurecht. Schwierig ist es ja nicht. Ich schere aus der Reihe vor dem Anleger aus und starte eine alternative Route. E10 bis Narvik, dann E6, abbiegen auf die E8 nach Tromsö und dann mit zwei Fähren wieder auf die E6 stoßen. Die hätte ich ab da sowieso nehmen müssen. Und daran kann der geneigte Leser jetzt erkennen dass die Entscheidung zum Kap zu fahren getroffen ist. Das war D-Day 2. Also auf zum Nordkap!
Die E10 bis Narvik ist sehr schön zu fahren, aber nicht anspruchsvoll. Ich lasse es einfach laufen und genieße die tollen Panoramen die sich mir bieten. Kurz vor Narvik halte ich an um mir ein „Battle of Narvik 1940“ Memorial anzuschauen. Davon stehen hier einige an den Ausfallstraßen rund um Narvik. Bei Bjerkvik geht es weiter auf der berüchtigten E6, die hier oben aber absolut reizvoll ist. Der E6 folge ich dann bis Nordkjosbotn und biege ab auf die E8 nach Tromsö. Die Schilder an der Straße weisen den Weg als die „Nordlichtroute“ aus. Die Nordlichter sehe ich zwar nicht, aber es ist ebenfalls eine leicht zu fahrende Strecke mit wundervollen Aussichten. Gegen 13 Uhr treffe ich bei tropischen 12 Grad und Sonnenschein in Tromsö ein. Hier gibt es eine Menge Verkehr der sich vor der Brücke über den Tromsösund staut. Egal. Das Foto von der Eismeerkathedrale lasse ich aus. Tromsö ist eine relativ hübsche Stadt. Aber auch sehr quirlig und jede Menge Touristen frequentieren die Innenstadt. Am Kai liegen zwei große Kreuzfahrer. Ich fahre bis ins Zentrum und stelle die Pan vor der Bibliothek ab. Dann laufe ich ein paar Meter in die Grünanlagen und lasse mir dort die Sonne ins Gesicht scheinen. Dabei trinke ich den Rest Kaffee aus der Thermoskanne und denke darüber nach wie gut ich es habe.
Lange hält es mich hier nicht. Ich will Kilometer machen. Also weiter, auf in Richtung Alta. Dazu muss ich erst ein Stück des gleichen Weges auf der E8 zurückfahren den ich gekommen bin. Aber nach ein paar Kilometern biege ich dann auf die FV91 ab. Dieser bringt mich mittels zweier Fähren wieder auf die E6 bei Olderdalen. Bei der ersten Fähre habe ich Glück. Die Verladung ist schon fast abgeschlossen und ich husche noch knapp als letzter auf die Fähre. Ich bin noch nicht vom Moped abgestiegen schon legt der Kahn ab. Vor der zweiten Fähre fällt eine Wartezeit von knapp einer Stunde an. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem Umweg den man hätte fahren müssen würde es diese Verbindungen nicht geben. Am Anleger gibt es eine Tankstelle und ich mache den Tank bis zum Stehkragen voll.
In Olderdalen rolle ich von der Fähre und biege links ab auf die E6. Richtung Norden. Die einzige Himmelsrichtung die jetzt noch zählt. Auch hier bekomme ich eine interessante Ansage vom Navi: Ich soll im nächsten Kreisverkehr links abbiegen. In 212 Kilometern! Herrlich. Das Wetter ist recht angenehm, jedenfalls meistens trocken und so um die acht Grad. Der Wind hält sich in Grenzen. Die Fahrt verläuft bis auf ein paar nervige Baustellen ereignislos. Es geht immer am Wasser entlang: Kafjord, Reisafjord,Staumfjord und wie sie alle heißen.

Das sind die Lachsbäume auf denen die leckeren geräucherten und gebeizten norwegischen Lachse wachsen. Wenn die Lachse reif sind werden Sie gepflückt.
Nach mehr als 500 Km suche ich mir gegen 19 Uhr eine Hütte. Ich lande beim „Arctic Fjord Camp“ am Burfjord. Ich bekomme eine Hütte für 800 NOK mit der ich sehr zufrieden bin. Sehr angenehm. Ich nehme eine Dusche und dann kriege ich keinen Finger mehr krumm. Ich lege mich in eines der sehr bequemen Betten und bin sofort weg.






