Km 80419, kurz vor Hemsedal.
Meine Tageskilometerzähler funktionieren nicht mehr und die Borduhr zeigt die Ortszeit von Timbuktu an. Oder die von Ulan Bator. Ich bin mir nicht sicher. Egal. Der „richtige“ Kilometerzähler funktioniert jedenfalls. Der Bordcomputer hat wohl eine Macke. Die Abfertigung heute morgen in Oslo war unproblematisch. Kein Zoll zu sehen. Also raus aus der Stadt
und auf die E16 nach Hoenefoss. Der Himmel ist bedeckt und es ist nebelig. Es hat 15 Grad. So lässt sich fahren. Die Straßen sind allerdings feucht und schmierig, aber es gibt nur wenig Verkehr und ich komme gut voran. An das Schleichtempo gewöhne ich mich schon noch. In Gol biege ich auf die Straße zum
Hemsefjell ab. Es geht schon seit geraumer Zeit immer aufwärts und mit jedem Kilometer wird es kälter. Ich stehe hier kurz vor Hemsedal und es sind noch neun Grad. Aber bis Laerdal am Songnefjord sind es nur noch 120 km und dort suche ich mir eine Unterkunft. Die Strecke war bisher sehr schön: Dichte Wälder, reissende Flüsse und stille Bergseen ziehen vorbei. Herrlich.
Kurze Zeit später: Rechts und links ziehen große weiße Felder an mir vorbei. Vermutlich Schnee. Was sonst. Die Bergspitzen liegen in den Wolken und ich sehe einen Wasserfall der wirklich direkt aus den Wolken zu kommen scheint. Und es fängt an zu regnen. Und es wird noch kälter. Oh Sch….. ist das kalt. Vier Grad noch. Eis und Schnee bis an den Straßenrand. Rechts von mir ein großer zugefrorener See. Und alles im eisekalten Nieselregen. Ich halte nicht mehr an. Nur raus aus der Kälte. Dann endlich geht es abwärts. In steilen Serpentinen geht es hinunter nach Borgund. Hier mache ich einen kurzen Abstecher zur Stabkirche. Eine der ältesten und am besten erhaltenen in Norwegen. Sie ist ziemlich klein. Die Wikinger müssen wahre Zwerge gewesen sein. Weiter geht es über Laerdal am Sognefjord und dann mit der Fähre rüber Richtung Sogndal. Es regnet immer heftiger.
Kilometerstand 80516, Campingplatz
Ich komme an einen Campingplatz mit Hütten. Die Rezeption ist nicht besetzt, aber es ist eine Telefonnummer angegeben. Ich rufe da an, und die nette Dame am anderen Ende erklärt mir, dass nur noch „High Standard“ Hütten für 900 NOK frei seien. Mir egal. Jedenfalls heute. Ich bin durchgefroren und will nur noch eine trockene Unterkunft. Die Dame sagt mir dann noch, ich solle Hütte „B“ nehmen und der Schlüssel würde stecken. Von 20-21 Uhr sei die Rezeption dann besetzt und ich solle mich dort melden. Soweit, so unkompliziert.
Die Hütte ist wirklich gut. Ich hänge meine Motorradsachen auf eine Wäschespinne im Badezimmer auf und werfe dort die Heizung an. Die werden morgen trocken sein. Dann dusche ich heiß und koche Kaffee. Gegessen wird heute nicht. Ich bin noch satt von der Fähre. Um 20 Uhr bin ich an der Rezeption und zahle. Um 20:30 Uhr sitze ich am Küchentisch und schreibe diesen Beitrag. Dabei habe ich einen traumhaften Blick auf den Sognefjord. Wenn doch nur der Regen aufhören würde. Die Wettervorhersage verspricht für morgen besseres Wetter. Aber die hat mich heute auch belogen…






Anonymous
Danke Timo!
Heute war ein Hammer Tag. Ohne Regen! Grüße in die Heimat.
Timo
Hallo Martin,
Tolle Bilder! Wenn man sich allerdings die Schneelandschaften anschaut, möchte man zu einer Hundestaffel raten, die Dich im Notfall ans Ziel ziehen könnten. Von Ponys ist abzuraten, aber das wussten die Norweger (im Gegensatz zu den Briten) ja schon immer.
Spaß beiseite: Hoffentlich wird das Wetter bald besser!
Freue mich auf neue Reiseberichte!
LG
Timo