Alles was mich interessiert

Autor: Martin (M) Seite 3 von 7

Donnerstag, 8. Juni – Déjà-vu

Ich bin zeitig wach und habe nicht schlecht geschlafen. Aber ich mache mir Sorgen. Werde ich problemlos fahren können? Wird es schwierig werden? Komme ich aufs Moped und wieder ‚runter? Ich werde es sehen. Und ich habe keine Wahl. Ich habe Abends schon das meiste gepackt. Ich packe den restlichen Kram aufs Moped und mache die Hütte klar. Diesmal gehe ich sogar kurz mit einem nassen Feudel durch die Bude. Ich hatte doch etwas Dreck reingetragen seit ich vorgestern hier ankam. Den Schlüssel werfe ich in die Box an der Rezeption und dann starte ich. Der gleiche Weg zurück den Martin und ich auch auf der Hinfahrt genommen haben. Mit einer leichten Änderung. Kurz nach dem Start bin ich in Hopperstad, wo die alte Stabkirche steht. Und schon beginnt der Aufstieg auf das erste Fjell. Das Vikafjell. Nach ein paar Kilometern habe ich einen Aussichtspunkt erreicht, von dem man eine fantastische Aussicht über Hopperstad und eine Bucht am Sognefjord hat. Das ist mein Abschied von diesem gigantischen Fjord. Ich hoffe, ich komme nochmal hierher. Und es geht weiter hinauf. Auf dem Pass stehe ich vor einem Tunnel auf dem Parkplatz und trinke einen Kaffe.

Weites Land


Ein junges Paar so Anfang 20 hält mit einem Kleinwagen an, um die Aussicht zu geniessen. Dachte ich. Die wollen aber wohl eher Fotos für Instagram machen. Die Dame ist leicht bekleidet. Damit meine ich nicht etwa halbnackt, sondern extrem sommerlich. So wie man es an einem sonnigen Nachmittag in einer mediterranen Stadt erwarten würde. Und sie posiert für ihren Freund in den Schneefeldern die an den Parkplatz heranreichen. Sie muss fürchterlich frieren. Es hat nur vier Grad und ich bin froh, dass ich meine Mopedklamotten anhabe und einen heissen Kaffee trinken kann. Aber vielleicht bin ich ja auch einfach nur alt… Zwischen den Fotos können die beiden die Finger nicht voneinander lassen und benehmen sich so, als ob sie mich nicht gesehen hätten. Möglicherweise haben sie das auch nicht. Ich fahre weiter. und bald geht es wieder abwärts. Wie schon gesagt, ist es die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg. Aber die alte Mopedfahrerweisheit trifft zu: Fährst Du eine Strecke anders herum, ist es eine andere Strecke. So ist es jetzt auch. Und natürlich ist das Wetter anders. Klar, oben auf dem Fjell ist es beissend kalt. Aber bei dem Licht sieht das hier schon toll aus. Ich kann weit entfernte Bergketten erkennen. Die Sicht ist frei von Horizont zu Horizont und die Luft ist kristallklar. Der Abstieg erfolgt wieder über die Serpentinenstrecke die ich von der Anfahrt kannte. Martin war die noch etwas ängstlich aber dann doch problemlos raufgefahren. Ich halte kurz an einem spektakulären Wasserfall an und mache ein paar Fotos und ein kurzes Video.

Wasserfall an der Südflanke des Vikafjelles.


War es oben noch kalt, sind es wieder unten angekommen schon 18 Grad. Und gefühlt 25. Ich fahre durch das wunderschöne Myrkdal, einem Skiresort. Dann vorbei am Myrksdalvatnet und runter bis nach Vinje. Was für eine schöne Gegend. Im See spiegeln sich die Berge und Wälder. Mir kommt der alte Film „Und ewig singen die Wälder“ aus den 50ern in den Sinn. Der hätte hier gedreht werden können. Wurde er aber nicht. Sondern in der Gegend um Lillehammer. Wie dem auch sei: Die Landschaft ist das, was man als „wildromantisch“ bezeichnen würde. Zu schön um echt zu sein. Aber hier sieht es überall so aus.

Ein See, bei Myrkdalen

Und es ist erstaunlich, wieviel Unterschied hier zehn Tage warmes Wetter machen. Das Leben hier ist förmlich explodiert. Die Wälder und Wiesen stehen in so sattem Grün da, als seien die kalten Wochen schon lange vorbei. An einer Tanke mache ich halt. Ein Frühstück hatte ich ja nicht, also gibt es eine Pölser. Meine Leibspeise könnten die nicht werden. Ein mit Salami belegtes Brötchen zum Kaffee wäre mir lieber gewesen. Ich widerstehe der Versuchung mir noch eine Zimtschnecke mitzunehmen. Die sind wirklich lecker hier. Aber ich habe hier schon zuviel Schokolade und Kuchen gegessen.Ich trinke Kaffee, esse die Pölser und Eva ruft an. Sie bietet mir an, für mich einkaufen zu gehen . Das ist nett. Aber nicht notwendig. Sonntag Abend werde ich was essen gehen, und Montag kann ich ja selber einkaufen. Aber trotzden: Danke Eva! Das war wirklich nett.
Nach dem Telefonat mache ich mich wieder auf den Weg und bin bald am Hardangerfjord. Hier gibt es eine Abweichung von der Strecke die wir auf dem Hinweg genommen haben. ich will die Ostseite fahren. Nicht die westliche wie auf der Hinfahrt. Da muss ich keine Fähre nehmen sondern nutze die „Hardangerbrua“, die große Brücke über den Hardangerfjord. Diese führt in beide Richtungen direkt in Tunnels. In denen sind die bekannten, in blauem Licht ausgeleuchteten unterirdischen Kreisverkehre. Sehr ungewöhnlich.

Kreisverkehr im Tunnel. Stylisch ausgeleuchtet (Foto: Wikipedia, Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Nach ein paar Kilometern weiss ich, warum auf der Hinfahrt Martins Navi uns über die andere Route geschickt hat. Die Straße auf dieser Seite ist schmal. Sehr schmal. Jedenfalls größtenteils. Und es gibt Baustellen. Und „Fölg Megs“. Die wollen die Straße dort wohl verbreitern. Das wird ein Projekt für viele Jahre sein. Dauernd stehe ich in Autoschlangen. Zu guter letzt hänge ich dann noch für viele Kilometer hinter einem Tieflader mit einer Raupe drauf. Der ist an vielen Stellen so breit wie die Straße. An Überholen ist nicht zu denken. Der Gegenverkehr muss sehr oft zurücksetzen, sich haarschaf an die Felswände neben der Straße schmiegen und der Fahrer des Tiefladers muss all‘ seine Fahrkünste aufwenden um hier durchzukommen ohne anderen Verkehrsteilnehmern Schaden zuzufügen. Wer das hier beruflich macht, muss schon echt abgebrüht sein und Nerven wie Stahlseile haben. Und fahren können. Und Zeit haben. Den das Tempo hat was von Krötenwanderung. Es geht nur elendig langsam voran. Endlich, nach quälend langer Zeit ergibt sich eine kleine Lücke an einer Baustelle die ich nutzen kann. Schwupps. Und ich bin vorbei. Für Autos gibt es hier keine Chance, das Teil zu überholen. Auf dem weiteren Weg kommen mir einige dieser Pensionärsruhesitze mit teilweise absurden Ausmaßen entgegen. Die ahnen nicht, was sie erwartet… Am Ende des Hardanges mache ich Pause. Auf dem Parkplatz steht doch tatsächlich eine v85tt. So eine wie meine. Aber anders lackiert. Die trifft man nicht oft. Für Fahrer(Innen) von BMW GSen ist es völlig normal, dass sie auf einem Parkplatz mit dutzenden anderen GSen stehen. Die GS ist halt das Einheitsmoped und ungefähr so originell wie ein VW Passat. Aber für mich ist es das erste zusammentreffen mit dem gleichen Modell das ich fahre auf dieser Reise.

v85tt vor Rentnerfestung

Hier nehme ich auch Abschied vom Hardangerfjord. Was war das für eine schöne, aber auch nervige Strecke. Ab jetzt läuft der Verkehr besser.

Abschied vom Hardangerfjord

Bald darauf geht es auf das Røldalsfjellet. Vor dem Tunnel kommt der Abzweig der über die alte Straße durch die berge führt. Ich biege dort ab. Allein kann ich das ja machen. Doch nach ein paar Metern stehe ich vor einer Schranke. Wintersperre. Ich muß umdrehen und doch den Røldalstunnel nehmen. Schade.
bald liegt der Ort Røldal hinter mir, und das nächste Fjell naht. Das Haukelifjell. Was haben wir auf der Hinfahrt da gefroren. Zugefrorene und halb aufgetaute Seen und Schneefelder soweit das Auge reichte. Aber auch hier hat das warme Wetter seine Spuren hinterlassen. Vom Eis ist wenig übriggeblieben, die Schneefelder sind stark auf dem Rückzug und auf einem Parkplatz hat sogar ein Souvenierhändler seinen Stand aufgebaut. Der Tunnel, den wir auf der Hinfahrt noch über die alte Paßstraße umfahren mussten, ist jetzt passsierbar. Aber mit „Fölg Meg“. Ich stehe als erster in der Schlange. Eine Dame stoppt die weiteren Fahrzeuge mit Ihrer Kelle. Sie sagt mir, dass es ca. 10 Minuten dauern würde bis es weitergeht. Wir kommen ins Gespräch. Wie üblich beim Smalltalk reden wir über das Wetter. Sie sagt, der Winter hier sei sehr kalt gewesen und habe ungewöhnlich lange gedauert. Und auch der Frühling sei bisher eindeutig zu kalt. Das Wetter jetzt sei eine wahre Erholung. Ich kann das verstehen. So schön ich es an vielen Stellen hier finde: Leben möchte ich hier nicht. Es ist alles schon sehr abgelegen und die Sommer hier sind kurz. Das Haukelifjell ist eine Winterportgegend. Aber Haukeli selbst ist ein kleiner Ort mit wenigen Einwohnern. Ein kleiner Coop, eine Tanke und das wars. Hier treffen die E9 und die E134 (die ich seit geraumer Zeit fahre) aufeinander. Daher ist das Dorf wohl auf jeder Karte verzeichnet. Bald kommt der „Fölg Meg“ und es geht weiter. Die weitere Fahrt ist ereignislos aber schön. Kurz nach 18 Uhr bin ich auf dem Campingplatz Flateland bei Valle den ich schon von der Hinfahrt kenne. Hier will ich morgen einen Ruhetag einlegen und am Samstag dann nach Kristiansand weiterfahren wo die Fähre hoffentlich auf mich wartet. Anders als beim ersten Besuch sind fast alle Hütten belegt. Auf der Wiese stehen Zelte und ein paar Rentnerburgen. Ich bekomme die Hütte Nr. 6. Für zwei Nächte. Meine Nachbarn sind Niederländer. Nette Leute. Die machen hier eine Rundreise mit dem PKW. Wir quatschen etwas und dann fahre ich noch kurz zum Supermarkt. Laut Google Maps ist der nur vier Kilometer entfernt und in wenigen Minuten zu erreichen. Wenn es keine „Fölg Megs“ gäbe würde das auch wohl stimmen. Aber ich komme um die erste Kurve und sehe die rote Kelle. Eine Baustelle. Ich stehe da allein. Der Streckenposten interessiert sich für meine Guzzi und wir reden kurz. Er sagt mir, dass die Unterbrechung hier jetzt länger als normal dauern würde. An der anderen Seite der Baustelle würde schweres Gerät abgeladen. Und bevor das nicht erledigt sei, käme auch kein Fölg Meg. Er hatte recht. 20 Minuten lungere ich da rum. Dann endlich geht es weiter und ich bin zwei Minuten später am Supermarkt. Ich besorge was zum Frühstück und fahre zurück. Diesmal habe ich Glück an der Baustelle. Mt lediglich zwei PKWs im Schelpptau startet eben der Fölg Meg und ich kann mich noch dranhängen. Schnell bin ich zurück am Campingplatz. Ich sitze abends noch vor der Hütte, lausche einem Hörbuch und liege um 22 Uhr im warmen Schlafsack. War eine schöne Tour heute und alles hat besser funktioniert als ich dachte. Aber mein Bein schmerzt immer noch bei Belastung und ich kann kaum von einem Stuhl aufstehen ohne mich abzustützen. Hoffentlich ist das bald besser. Aber morgen mache ich ja Pause. Mal sehen ob das was nützt.

Freitag, 9. Juni – Pause in Flateland

Es gibt schlimmere Orte, einen Ruhetag zu verbringen. Der Platz liegt zwischen der E9 und dem Fluß Otra. Von der Straße hört man wenig, und vom Fluss nur ein entferntes, leises rauschen. Ich liege bis um 9 Uhr in der Falle. Einen Grund früh aufzustehen habe ich heute nicht. Ich mache mir ein wirklich gutes und ausgiebiges Frühstück mit dem Lachs und den Brötchen die ich gestern Abend noch geholt hatte. Mit dem Trangia habe ich sogar die Brötchen etwas aufbacken können. Die schmecken fast wie frisch.
Das wird meine letzte Mahlzeit vor dem Buffet auf der Fähre sein.
Mein Bein behindert mich immer noch. Wenn ich es belaste. Ansonsten habe ich keine Schmerzen. Laufen ist aber kein Problem. Nach dem Frühstück mache ich einen ausgiebigen Spaziergang entlang der Otra.

Spaziergang an der Otra


Hier führt ein Wanderweg entlang und mir begegnen und mich überholen so einige Wanderer. Es stehen einige Angler im Fluss. Zwei junge Friesen aus der Gegend von Leuwaarden angeln auch. Ich quatsche etwas mit denen. Wirklich nette und witzige Typen. Vom Alter her sind die so Mitte 20 und sind zusammen auf einer Honda Varadero hierher gefahren. Zum Forellenangeln. Sie berichten von einigen schönen Forellen die sie schon gefangen haben. Aber sie mögen beide keinen Fisch. Was für eine Verschwendung. Wir stellen fest, dass wir morgen die gleiche Fähre in Kristiansand nehmen und verabreden uns, morgen Vormittag zusammen die letzte Tour in Norwegen zu fahren. Nachmittags sitze ich in der Sonne und lausche einem Hörbuch. Dem dritten Teil einer Reihe die mir bisher gut gefiel. Auch dieser Band ist sehr unterhaltsam.
Ich packe alles zusammen, optimiere die Beladung des Mopeds so dass ich morgen möglichst wenig Gepäck mit in die Kabine nehmen muss.
Das Wetter ist heute wieder fantastisch. Zwischendurch beobachte ich ein junges Paar, die hier offensichtlich „besondere“ Fotos machen wollen. So wie gestern das Paar im Gebirge. Der junge Mann stapelt zwei Stühle aufeinander, klettert darauf und die Dame legt sich ins Gras. Dann wird hin- und her fotografiert. Ich gebe zu, dass ich nur darauf gewartet habe, dass er mit den Stühlen umkippt. Aber es passiert nichts. Schade. Ich bin schon ein missgünstiger Greis…

Was tut man nicht alles…
…für ein Insta-Foto

Später kommen die beiden Friesen noch vorbei. Rex und Ilke. Wir quatschen noch etwas, dann verabreden wir uns für den nächsten Morgen. So gegen 10:30 wollen wir starten. Es sind nur knapp 180 km bis zur Fähre in Kristiansand.
Etwas sitze ich noch draussen, dann wird es irgendwann frisch und ich gehe ins Bett. Mein letzter Abend hier in Norwegen ist vorbei. Wie schade. Ich hoffe, dass ich bald wiederkomme.

Samstag, 10. Juni – Abschied von Norwegen und Fähre

Es gibt kein Frühstück. Nur zwei Tassen Kaffee. Ich packe die restlichen Sachen und mache die Hütte sauber. Noch den Müll weg bringen und den Schlüssel abgeben. Dann warte ich auf die Jungs. Pünktlich sind sie da und wir starten unsere Fahrt nach Kristiansand.

Start in Richtung Kristiansand.

Das Wetter ist toll und nach ein paar kurzen Pausen sind wir in Kristiansand angekommen. Wir lassen uns Zeit und nehmen an einer Tankstelle noch zwei Kaffee. Die Fähgre geht um 17 Uhr und wir wollen nicht vor 15 Uhr beim Check-In sein. Wir möchten nicht so lange in der Linie vor der Fähre herumstehen. Kurz nach 15 Uhr stehen wir an am Counter, bekommen unsere Bordkarten und rollen in die Linie 14 vor die Fähre. Als letzte Motorradfahrer.

Warten…

Um 15:30 beginnt das Boarding, aber wir fahren erst gegen 16:45 als letzte auf die Fähre. Wir sind noch nicht ganz an Bord, da sind die Mopeds schon verzurrt und der Kahn legt ab. Ich begebe mich zu meiner Kabine und ziehe mich um. Dann gehe ich noch kurz auf das Raucherdeck, nehme danach einen Kaffee und eine Zimtschnecke an der Coffe Lounge und setze mich damit in die Sonne. Wir fahren vorbei am Leuchtturm von Kristiansand und bald verschwindet die Küste hinter uns. Es sind angenehme 18 Grad und der Himmel ist blau. Es verspricht, eine ruhige Überfahrt zu werden. Ich werde etwas wehmütig. Ich bin eine Woche zu früh auf der Fähre. Eigentlich auch auf der falschen Fähre. Und vor allem bin ich nicht mit Martin auf der Fähre. Auf dieser Tour ist so manches anders gelaufen, als ich mir das vorgestellt habe. Natürlich war es trotzdem schön. Aber es bleibt ein etwas bitterer Nachgeschmack. Ich nehme mir fest vor, bald wieder zu kommen. Die Jahre vergehen schnell und ich weiss nicht, wie oft ich solche Touren noch machen kann. Wie fragil mit dem Alter alles wird, habe ich jetzt an der Geschichte mit dem Bein gemerkt. In jüngeren Jahren wäre das ganze Ereignis wohl keiner Erwähnung wert gewesen. Aber ich bin ein oberflächlicher Mensch. Daher vertreibt der Gedanke an das Abendessen schnell die trübe Stimmung.
Gegen 19 Uhr gehe ich zum Buffet. Ist das gleiche wie auf der Hinfahrt. Natürlich nicht das selbe… Hoffe ich…
Die beiden Jungs haben auch das Buffet gebucht. Aber nicht wegen des Essens. Sie mögen wie gesagt keinen Fisch. Und davon gibt es dort reichlich. Sie haben es auf den Alkohol abgesehen, der hier im Bufftepreis mit drin ist. Wein und Bier so viel man will. Mir steht danach nicht der Sinn. Ich trinke zwei kleine Gläschen Weißwein dubioser Qualität während die beiden Jungs sich ein Bier nach dem anderen zapfen.
Leicht angeduselt wollen sie dann ins Casino und spielen. Ich dagegen will früh ins Bett. Etwas sitze ich nach dem Essen noch draussen, dann geht es in die Kabine. Die Nacht ist ruhig und es schaukelt nichts. Ich schlafe sehr gut.

Meine Kabine. Diesmal ganz für mich allein.

Sonntag, 11. Juni – Game over.

Ich bin wach bevor der Alarm vom Handy geht. Ich will früh beim Frühstück sein. Kurz nach sieben bin ich am Buffet. Das Frühstückbuffet ist sehr OK. Erstmal Kaffee, ein paar Brötchen, etwas Salami und etwas Fisch. Ich finde einen wunderbaren Platz mit direkt an den Fenstern im Bug. Am Horizont taucht Borkum auf.
Ich lasse mir Zeit und trinke noch zwei weitere Tassen Kaffee. Es ist angenehm hier am Fenster zu sitzen. Und nur wenige Gäste sind sind anwesend. Das wird sich bald ändern. Ich gehe zurück zur Kabine, ziehe mich um und schnappe mir meine Klamotten. Dann begebe ich mich auf Deck 6 ins freie, setze mich in die Morgensonne und genieße den Rest der Fahrt. Ich schließe noch Bekanntschaft mit einem Motorradfahrer aus Wales. Der war auch zwei Wochen in Norwegen und wollte weiter in den Norden. Der hat aber schon deutlich südlicher als wir wegen des schlechten Wetters seine Fahrt abgebrochen. Er will jetzt noch zwei Wochen in Frankreich Touren, in der Normandie und der Bretagne bevor er nach Hause fährt.
Kurz bevor wir anlegen tauchen meine beiden Begleiter von gestern auf. Etwas verkater aber bester Stimmung. Meine Güte. Ich erinnere mich kaum daran dass ich sowas auch mal konnte.
Pünktlich legt das Schiff an, wir gehen aufs Fahrzeugdeck und übernehmen unsere Motorräder. Ich verabschiede mich von meinen Reisebekanntschaften und dann geht es auf die Fahrt in die Heimat.

Abschied von den beiden Jungs. Hat Spass genmacht.


Darüber gibt es nicht viel zu berichten. Ausser, dass auf der A31 wirklich sehr viel Verkehr war. Ich hatte den Feiertag vergessen.
Kurz nach der Mittagszeit bin ich zuhause. Eigentlich leider. Aber es ist auch immer irgendwie schön, nach Hause zu kommen und zu wissen, dass man die nächste Nacht wieder im eigenen Bett schläft.
Abends treffe ich mich mit Martin und Eva zum essen und berichte von meinen Abenteuern. Und ich lasse mir erzählen, wie es Martin seit der Trennung ergangen ist. Nach einem schönen Abend mit den beiden liege ich um kurz nach Mitternacht im eigenen Bett.
Es ist vorbei.

Hoffentlich darf ich dort bald wieder hin

Wie alles anfing

Klar, nachdem ich schon oft in Norwegen war und es 2016 endlich geschafft hatte mit dem Motorrad eine große Tour durch Norwegen und Finnland zu fahren, lag der Gedanke nicht fern mich nochmal auf den Weg in den Norden zu machen. Irgendwie hat der Norden mich gepackt.

Nachdem aber 2016 mein Primärziel – Lofoten – leider wortwörtlich ins Wasser gefallen war, dachte ich mir, dass ich da wirklich nochmal hinfahren sollte. Vielleicht würde ich ja im zweiten Anlauf Glück mit dem Wetter haben. Also machte ich mich daran, einen Plan zu schmieden.

Ich hatte gelesen, dass der Vildmarksvägen ins Nordschweden eine sehr reizvolle Strecke sein soll. Also dachte ich mir, ich fahre dahin, erkunde die schwedische Wildnis und fahre weiter zu den Lofoten. Warum auch nicht.

Diesen „Plan“ – ein echter Plan war es noch nicht, eher eine Absichtserklärung – habe ich dann irgendwann im September 2022 in die WhatsApp Gruppe meiner Motorradfreunde und Freundinnen gepostet mit der Frage, ob jemand Zeit und Lust hätte mitzukommen. Natürlich in der sicheren Annahme, das niemand so eine Reise in Betracht ziehen würde. Schließlich bin ich irgendwann in den letzten zwei Jahren mal furchtbar gegen die Wand gelaufen oder habe von etwas falschem etwas zu viel geraucht oder getrunken und will das ganze nicht nur mit dem Moped, sondern auch mit Zelt und Isomatte machen.

Es war also nicht wirklich zu erwarten, dass irgend jemand der übrigen äußerst seriösen Herrschaften in dieser Gruppe sich auch nur ansatzweise würde vorstellen können, sich so etwas anzutun. Schließlich gibt es ja die Eifel, den bayerischen Wald und auch Italien. Vor allem Italien. Da gibt es gutes Wetter, gutes Essen und guten Wein. Und auch alle möglichen anderen angenehmen Dinge nach denen man am nördlichen Polarkreis vergeblich Ausschau hält.

The truth about camping in Norway


Aber wie das mit Plänen so ist: „Kein Operationsplan reicht mit einiger Sicherheit über das erste Zusammentreffen mit der feindlichen Hauptmacht hinaus.“ (Helmuth von Moltke)
Kurz nach dem Posting meldete sich eine mir bis dahin völlig unbekannte Dame die offensichlich dass gleiche schlechte Zeug geraucht oder getrunken hatte wie ich und bekundete ihr ernsthaftes Interesse an der Tour teilzunehmen. Und noch ein paar Tage später gab es einen weiteren ernsthaften Interessenten der sich von meiner Leidenschaft für den Norden anstecken ließ.

Viel Geschreibsel und wenig Inhalt auf den Punkt gebracht: Es ist nicht mehr meine Tour. Es ist unsere Tour. Eva, Martin und Martin sind die drei Wahnsinnigen, die sich auf den langen Weg von Kristiansand im Süden Norwegens bis nach Helsinki in Finnland machen wollen. Im Frühsommer 2023. So wurde sie also geboren, unsere Tour in den Norden.

The Grand Tour
„Steel Butt 2023“
Cape To Cape

Schweden und die Wildnisstraße sind raus, dafür versuchen wir möglichst viel von Norwegen zu sehen. Auch wenn wir wissen, dass Norwegen für einen Urlaub vieeeel zu groß ist. Oder das eben der Urlaub viel zu kurz ist.

Routenplanung und Navigation

Ich gebe zu, ich bin ein Kartenfetischist. Nach dem Mopedfahren steht die Tourenplanung ganz oben auf der Liste meiner Lieblingsbeschäftigungen. Auch wenn ich es unterwegs liebe zu improvisieren so mag ich es doch, mich vorher mit der Gegend in der ich unterwegs sein will zu beschäftigen. Denn das hilft beim improvisieren. Ich gehe alle möglichen Kombinationen von Routen am Rechner durch, versuche mich schlau zu machen welche schönen Punkte nicht verpasst werden sollten und festzustellen, was in der gegebenen Zeit möglich sein könnte.
Wichtig ist es für mich, ein Gefühl für die Entfernungen zu bekommen und die Gebiete zumindest grob in meinem Kopf abzuspeichern.


Ich setze dabei auf das Tool kurviger.de. Viele schwören auf calimoto.com,
andere auf die Software der beiden Navi Rivalen Garmin (Basecamp) und TomTom (früher Trye, jetzt MyRoute).
Alle haben ihre stärken, alle sind gut zu gebrauchen und letztendlich entscheidet der persönliche Geschmack wofür man sich entscheidet. Eine gute Planung ist mit allen dieser Tools machbar. Google Maps scheidet für die Tourenplanung allerdings aus. Es ist gut zu gebrauchen, wenn ich von A nach B will, Verkehrsinfos brauche und unterwegs den Weg zur nächsten Tanke suche. Aber nicht für eine ausführliche Routenplanung. Schließlich gibt es dann auch noch die Fraktion, die solchen neumodischen Kram überhaupt nicht mag und ausschließlich mit der guten alten Landkarte arbeitet. Letzteres halte ich allerdings eher für ignorant. Es ist natürlich nie eine dumme Idee, eine Übersichtskarte der Gegend dabei zu haben, in der man sich bewegt. Vor allem, wenn man nicht allein unterwegs ist und man gemeinsam überlegt wohin es gehen soll.

Ich habe mich für kurviger.de entschieden, weil es meiner Arbeitsweise am nächsten kommt. Ich bin da puristisch. Calimoto ist eher was für die Apple User und den Social Media affinen unter den Mopedfahrern. Also für die Zeitgenossen die sich am liebsten die Route komplett vom Rechner erstellen lassen, in Rudeln unterwegs sind, die Routen anderer nachfahren wollen und die ihre Navigation mit dem Smartphone erledigen. Und nicht ganz unwichtig: Calimoto ist relativ teuer. Kurviger.de ist deutlich günstiger, sollte aber vielleicht etwas mehr nehmen, damit es sie auch weiterhin gibt.

Ich navigiere nicht mit dem Smartphone. Oder besser: Im Augenblick noch nicht. Seit sich TomTom im letzten Jahr entschieden hat, dass die TomTom Rider 4er Serie keine Updates mehr bekommt, steht die Entscheidung an, wass ich zukünftig machen werde. Dabei stehen folgende Optionen zur Auswahl:

– Garmin Zümo XT, die Hochpreisvariante,
– TomTom Rider 550, ebenfalls hochpreisig aber günstiger als Garmin
– Navigation mit dem Smartphone und passenden Apps.

Letzteres wäre die günstigste Variante für mich da ich immerhin noch ein paar ältere Smartphones bei mir rumliegen habe, die ich dafür nutzen könnte.
Für unsere jetzt anstehende Tour nach Norwegen werde ich noch auf mein bewährtes TomTom setzen. Allerdings bestelle ich mir auch noch einen Smartphone-Halter …

Wer sich für die Routenplanung mit Kurviger.de interessiert, dem lege ich das ziemlich aktuelle (Stand März 2023) Tutorial vom „Rhönschrat“ ans Herz.

Mein(e) Zelt(e)

Einleitende Gedanken
Zelte sind ein weites Feld. Und jeder hat so seine Prioritäten. Ich möchte das Zelt für Motorradurlaube benutzen. Und da es mich in den Norden zieht, sind meine Ansprüche andere als für einen Italienurlaub im Sommer. Das Zelt wird täglich auf- und abgebaut. Daher muss es mehr können als ein Festivalzelt dass man einmal im Jahr aufbaut oder nur ein einziges Mal. Ich bin als Solist unterwegs und daher darf es kompakt sein. Das Gewicht spielt für mich nur eine untergeordnete Rolle, das Packmaß nicht. Daher ist „Ultralight“ (= Ultrateuer) anders als für Fußwanderer kein Thema für mich. Was für mich ganz besonders wichtig ist: Outer first. Das heißt, das Aussenzelt wird zuerst aufgebaut bzw. zusammen mit dem Innenzelt da dieses schon eingehängt ist. Wer schon mal im Regen eines der preiswerten (oder billigen?) Zelte aufgebaut hat weiss, dass es totaler Mist ist wenn zuerst das Innenzelt aufgebaut und dann das Flysheet (oder „Outer“) drübergeworfen wird. Das sorgt dafür, dass man in ein nasses Innenzelt einziehen darf. Nicht schön. Alle namenhaften Hersteller von Zelten, die auch für schwierige Wettersituationen geeignet sind, konstruieren ihre Zelte nach dieser Anforderung.
Natürlich soll das Zelt auch Wind und Wetter trotzen. Etwas Sommerregen verträgt auch ein 39,99€ Aldi Zelt. Aber auch wenn es etwas heftiger zur Sache geht, möchte ich mich auf mein Zelt verlassen können. Und da es nach Norwegen geht, fällt ein Billigzelt für mich raus.
Weiterhin wünsche ich mir, dass der Zelteingang über Doppeltüren verfügt. Also eine Schicht reines Mesh um die Insekten abzuhalten aber den Luftzug aufrecht zu erhalten, eine separate Schicht aus geschlossenem Gewebe, um es etwas wärmer zu haben. Billigzelte haben dieses Feature normalerweise nicht. Dort besteht die Tür zur Hälfte aus Mesh und zur anderen Hälfte aus Gewebe. Das ist nicht flexibel.
Was die Personenzahl bei Zelten angeht dürfte sich herumgesprochen haben, dass diese sehr großzügig angegeben wird. Oder für schwer verliebte. Wenn in einem 2 Personen Trekkingzelt auch wirklich zwei Personen übernachten wollen, müssen die sich schon ziemlich gern haben. Und ihre Klamotten draussen lassen. Also: Als Solist wählt man die 2er oder 3er Variante, zu zweit die 3er oder gar die 4er (so es eine gibt). Solozelte und Ultraleichte sind nur was für Wanderer und Fahradfahrer, denen es auf jedes Gramm und jeden Kubikzentimeter ankommt.
Zum Schluß möchte ich noch sagen, dass kein Mensch ein 1.300€ Hilleberg-Zelt braucht. Auch so ein Reinsfjell wie ich es jetzt habe, bewegt sich mit Footprint auf die 800€ zu. Ich denke, sowas muss man nicht haben. Es geht mit Sicherheit deutlich günstiger und immer noch gut. Aber andererseits habe ich Freude an guter Ausrüstung. Und ich würde mich schwarz ärgern, wenn mich ein Zelt bei schwierigem Wetter mitten in der Nacht im Stich ließe. Also greife ich auch bei Zelten eher oben ins Regal.

Hier also meine Anforderungenan ein Motorradzelt:

  • „Outer first“ bzw. Innenzelt bereits eingehängt
  • vernünftiges Packmaß
  • 2P oder 3P Variante
  • Eingang mit separater Mesh und Gewebetür
  • hochwertige Qualität von Reißverschlüssen, Nähten, Gewebe und Abspannpunkten
  • Gewicht spielt nur eine Nebenrolle.

Lone Rider Mototent
Für die Motorradtour 2016 hatte ich mir ein Zelt gekauft dann aber doch nicht benutzt. Das Lone Rider Mototent. Das wird unter anderem damit beworben, dass man sein Motorrad da reinstellen kann. Das geht auch. Aber warum sollte man das tun? Wie dem auch sei: Ich hatte mich für dieses Zelt entschieden, weil es vergleichsweise groß ist, hoch genug ist um aufrecht darin zu stehen und sehr schnell aufzubauen ist. Und es stimmt. Alle diese Dinge treffen zu. Mit ca. 500€ ist es nicht unbedingt billig, aber man kriegt ja auch eine Menge Zelt.

Das Mototent in Italien
Und eben dass ist auch das Problem. Das Packmaß ist gewaltig, und auch das Gewicht recht hoch. Nachdem das Zelt ein jahrelang unbeachtetes Dasein in meinem Keller gefristet hatte, habe ich es 2022 mit auf unsere Italientour mitgenommen. Ich war damit in der Lombardei, Oberbayern und an der Lahn unterwegs. Vorher habe ich es schon in der Eifel und nachher noch in Belgien und Luxemburg dabei gehabt. Ca. 14 Nächte habe ich in dem Zelt verbracht und ich muss sagen: Es ist wirklich ein gutes Zelt. Sehr komfortabel und geräumig und der Auf- und Abbau geht schnell vonstatten. Auch bei Regen. Dass musste ich mehrfach machen. Aber das Packmaß ist wirklich abschreckend. Das Zelt ist für Camping geeignet. Wenn man also ein Ziel ansteuert, das Zelt aufbaut und ein paar Tage stehen lässt. Wenn man Motorradwandern betreibt, ist es schon lästig. Da ist ein Trekkingzelt wesentlich geeigneter. Was die Qualität des Zeltes angeht: Die ist OK, aber nicht der Hit. Für den Preis hätte ich mehr erwartet. Bereits nach einigen malen Auf- und Abbauen zeigte sich ein Riss am Innenzelt. Die Reißverschlüsse sind ebenfalls nicht die besten, die ich gesehen habe. Wie dem auch sei: Wen das Packmaß nicht stört und wer großen Wert auf Komfort legt, ist mit dem Zelt gut bedient.


Nordisk Halland 2PU
Nach den Erfahrungen mit dem Mototent habe ich mich dann nach einem Trekkingzelt umgesehen. Gelandet bin ich beim Nordisk Halland 2 PU. Wie das Mototent ist es ein Tunnelzelt. Also nicht freistehend. Allerdings wesentlich kleiner. Und ein Motorrad passt auch nicht rein. Muss aber auch nicht. Anders als das Mototent hat das Halland nur zwei Zeltstangen (das Mototent hat drei). Nicht zuletzt deshalb es ist super schnell aufgebaut. Ich war mit dem Zelt ungefähr 10 Tage unterwegs. Im Spätsommer. Aber auch bei teilweise schlechtem Wetter. Das Zelt ist von guter Qualität und mir reichte der Platz (fast). Es gibt aber leider ein Problem mit diesem Zelt, dass fast alle Tunnelzelte dieser Kategorie teilen: Es ist zu kurz. Am Fußende steigt das Innenzelt vergleichsweise flach an. Und so berührt man mit dem Schlafsack oft die Zeltwand. Bei gutem Wetter kein Thema, aber unter feuchten Bedingungen echt lästig. Dann ist der Fußbereich des Schlafsackes morgens nass. Und da das Zelt nicht besonders groß ist und nur einen Eingang hat, ist Kondensation ein größeres Thema als beim Mototent. Unter dem Strich hat mir das Zelt aber sehr gut gefallen. Das mit dem Innenzelt am Fußende ist für mich allerdings schon etwas störend. Ich bin 180cm und hatte in dem 215cm Zelt eben dieses Längenproblem. Eine Freundin von mir, die das Zelt für zwei Nächte benutzt hat, konnte nicht darüber klagen. Aber sie ist auch deutlich kleiner als ich. Für mich ging die Suche aber weiter.

Das Halland mit einem Tarp. So habe ich einen verregneten Tag ausgesessen

Helsport Reinsfjell 2 Pro
Ein Zelt aus der Oberliga. Eigentlich war ich ja drauf und dran, mir ein Hilleberg zuzulegen. Ein Allak 2 oder 3, oder ein Niak. Ich Wahnsinniger. Klar, mit einem Hilleberg Zelt ist man der König auf der Zeltwiese. Eingeweihte wissen, Hilleberg baut die besten Zelte der Welt. Aber kauft man eines, ist man hinterher ein armer König. Denn die Dinger kosten ein Vermögen. Helsport spielt nicht ganz in dieser Preisliga, ist aber auch hochpreisig. Ich hatte Glück, dass ich bei meiner Suche auf eine Anzeige im Netz gestoßen bin. Da wurde ein nagelneues Reinsfjell 2 angeboten. Mit Footprint. Für deutlich unter 500€. Da habe ich zugeschlagen. Es ist kein Tunnel, sondern ein freistehendes „Dome Tent“. Allerdings benötigt es drei Stangen. Also dauert das Aufbauen etwas länger als bei dem Halland Tunnel. Aber es geht immer noch schnell. Und das wichtigste: Es hat ein Innenmaß von 230cm, von denen auch wirklich mehr als 200cm nutzbar sind ohne die Zeltwand zu berühren. Ausserdem ist es symetrisch geschnitten. Es hat zwei identische Eingänge (=gut zu lüften) und zwei kleine Apsiden. Genial. Und teuer. Aber ich bin nun mal nach Equipment verrückt. Bisher habe ich es nur in zwei Nächten getestet. Aber die waren gut. Dieses Zelt wird mich nach Norwegen begleiten und ich hoffe, dass es mir gute Dienste leisten wird. Thomas vom Kanal tshansen verwendet ebenfalls das Reinsfjell. Allerdings als 3er Version. Er hat seine Erfahrungen vor kurzem hier geteilt.

Mein Helsport Reinsfjell 2 Pro

Zelten. Ein (nicht?) ganz einfaches Thema.

Seit dem letzten Jahr bin ich zum ersten mal seit Jahrzehnten mal wieder mit einem Zelt unterwegs gewesen. Dabei habe ich knapp 20 Tage im Zelt auf der Isomatte geschlafen.
Warum? So richtig kann ich die Frage nicht beantworten. Zelten ist nicht wirklich komfortabel, und die Atmosphäre auf Campingplätzen habe ich nie wirklich gemocht. Jedenfalls zu einem gewissen Teil nicht. Der Horror, den Jägerzäune und Gartenzwerge vor mustergültig gepflegten „Wohnwagen“ von „Dauercampern“ ausstrahlen ist real. „Wohnwagen“ und „Camper“ habe ich hier bewusst in Anführungsszeichen gesetzt. Den mit Wohnwagen und Camping würde man eigentlich sowas wie Reisen und Wanderschaft in Verbindung bringen. Genau dieses ist aber bei den Bewohnern der Dauercamperkolonien auf so manchem „Campingplatz“ nicht möglich. Da wird einfach nur eine Wohnung (=Immobilie) am Wochenende und im Urlaub mit einer anderen ausgetauscht. Man ist nicht unterwegs, sieht und erlebt nichts neues sondern umgibt sich mit all‘ dem Zeug dass auch Zuhause so rumsteht. Dazu noch ein Grill von der Größe (und dem Preis) eines Kleinwagens, Gartenmöbel die so riesig sind, dass sie auf dem heimischen Balkon keinen Platz finden würden und mindestens zwei Kühlschränke. Kurz: Wenn man alle Klischees von urlaubenden Spießbürgern auf einem Stapel sehen will, begebe man sich auf einen Campingplatz am Baggersee… So. Genug gelästert.

Denn es gibt sie, die andere Seite der Campingplätze (oft wörtlich zu nehmen). Meistens jedenfalls. Und diese andere Seite ist die Zeltwiese. Hier trifft man ein völlig anderes Publikum. Nämlich die Wandernden und Reisenden. Backpacker die schon seit Wochen zu Fuß unterwegs sind. Radfahrer die sich ein paar Tage Auszeit gönnen und Mopedfahrer wie mich, die keine Lust haben die Tour nach vorgebuchten Etappen auszurichten. Man trifft relativ spät ein, baut seine Sachen auf und in innerhalb von 15 Minuten steht die Unterkunft für die Nacht. Hier geht es minimalistisch zu, die Ausrüstung ist spartanisch aber durchdacht. Es wird kein unnötiger Krempel mitgeschleppt, Ansonsten braucht man nur noch nur einen Gaskocher, ein paar Nudeln und eine Flasche lauwarmes Mineralwasser. Na gut: Ab und zu auch mal eine Flasche lauwarmen Wein. Klar: Ich bin im allgemeinen der Alterspräsident auf der Zeltwiese. Aber keineswegs immer. Man trifft dort Menschen jeglichen Alters und aus allen Gesellschaftsschichten. Aber junge Menschen deutlich unter 30 stellen schon die überwiegende Mehrheit der Übernachtungsgäste. Man kommt ins Gespräch und erfährt viel interessantes über die Menschen und oft auch über die Gegend in der man eben unterwegs ist. Werde ich auf meinen Touren jetzt immer Zelten? Eher nicht. Auch ich weiss ein weiches Bett am Abend zu schätzen. Und 100 Meter bis zur Toilette durch den Regen zu watscheln müsste ich auch nicht ständig haben. Zumal das in der Nacht wesentlich häufiger als früher notwendig ist, wenn ihr versteht was ich meine. Aber ich werde sicher das Zelt noch oft benutzen wenn es meine Gesundheit zulässt. Der Minimalismus und das „Sich treiben lassen“ ohne etwas buchen zu müssen sind wirklich unschlagbare Vorteile dieser Art des Reisens. Ich denke, es ist wie mit fast allen Dingen im Leben: Es gibt kein entweder/oder. Man kann das Eine tun ohne das Andere zu lassen.

Der Termin rückt näher

So. Zwei Wochen noch. Es wird langsam ernst. Im April haben wir zu dritt sowas wie ein Bootcamp abgehalten. Wir sind bei teilweise ziemlich miesem Wetter vier Tage unterwegs gewesen. Zwei Mal haben wir im Zelt übernachtet, eine Nacht im Hotel geschlafen. Beim Peter in Liesenich. Der Laden ist immer eine gute Anlaufstelle. Ich bin dort schon seit ein paar Jahren ziemlich regelmäßig zu Gast. Von dort aus sind Mosel, Eifel, Hunsrück und Saarland gut zu erkunden. Das Hotel ist auf Mopedfahrer eingestellt und Preis/Leistung ist wirklich OK.

Unser Camp in Trendelburg

Die Tour führte uns am ersten Tag nach Trendelburg, am zweiten Tag nach Ennepetal, am dritten Tag nach Liesenich und am vierten Tag ging es wieder heimwärts. Die zweite Nacht war schon etwas ungemütlich. Wir hatten Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und die Zelte waren morgens weiß. Das war schon frisch.

Unser Camp in Ennepetal. Man sieht den Rauhreif auf den Zelten und der Wiese

Insgesamt war es eine schwierige Tour. Viel Regen, niedrige Temperaturen und das ein oder andere kleine technische Problem. Aber wir haben es natürlich überlebt. Jetzt blicken wir gespannt nach vorn und hoffen, dass die norwegischen Wettergötter uns gewogen sind. Ich habe kurzen Kontakt zu Thomas (tshansen) aus Norwegen gehabt, dessen großartigem Youtube-Kanal ich schon längere Zeit begeistert verfolge. Er schrieb mir zum Thema Norwegen und das Wetter Anfang Juni: „June in Norway can be taking or giving. Be prepared.
Ich denke, wir werden gut vorbereitet sein. Technisch und mental.
Zum Schluß noch eine etwas traurige Nachricht: Eva hat sich aus persönlichen Gründen entschieden, nicht an der Tour teilzunehmen. Das ist sehr schade. Wir hätten Eva gerne dabei gehabt. Aber natürlich respektieren und verstehen wir Ihre Entscheidung. So wird es jetzt eine zwei Mann Tour. Martin & Martin werden das „Steel Butt 2023“ Event bestreiten.

Die Ziele

Eine Karte mit den angepeilten Zielen

From Cape to Cape. Eine Reise in das schönste Land der Welt. Die Marker auf der Karte möchten wir anfahren. Unter anderem. Ob uns das gelingt? Wir werden sehen. Norwegen ist echt groß. Das sind wirklich viele Kilometer und wir müssen sehen, was das Wetter uns erlaubt.
Natürlich ist auch auch entscheidend, was unser Wille , unsere Kondition und unsere Mopeds zulassen.















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