Alles was mich interessiert

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Bisherige und zukünftige Heldentaten

Samstag, 10. Juni – Abschied von Norwegen und Fähre

Es gibt kein Frühstück. Nur zwei Tassen Kaffee. Ich packe die restlichen Sachen und mache die Hütte sauber. Noch den Müll weg bringen und den Schlüssel abgeben. Dann warte ich auf die Jungs. Pünktlich sind sie da und wir starten unsere Fahrt nach Kristiansand.

Start in Richtung Kristiansand.

Das Wetter ist toll und nach ein paar kurzen Pausen sind wir in Kristiansand angekommen. Wir lassen uns Zeit und nehmen an einer Tankstelle noch zwei Kaffee. Die Fähgre geht um 17 Uhr und wir wollen nicht vor 15 Uhr beim Check-In sein. Wir möchten nicht so lange in der Linie vor der Fähre herumstehen. Kurz nach 15 Uhr stehen wir an am Counter, bekommen unsere Bordkarten und rollen in die Linie 14 vor die Fähre. Als letzte Motorradfahrer.

Warten…

Um 15:30 beginnt das Boarding, aber wir fahren erst gegen 16:45 als letzte auf die Fähre. Wir sind noch nicht ganz an Bord, da sind die Mopeds schon verzurrt und der Kahn legt ab. Ich begebe mich zu meiner Kabine und ziehe mich um. Dann gehe ich noch kurz auf das Raucherdeck, nehme danach einen Kaffee und eine Zimtschnecke an der Coffe Lounge und setze mich damit in die Sonne. Wir fahren vorbei am Leuchtturm von Kristiansand und bald verschwindet die Küste hinter uns. Es sind angenehme 18 Grad und der Himmel ist blau. Es verspricht, eine ruhige Überfahrt zu werden. Ich werde etwas wehmütig. Ich bin eine Woche zu früh auf der Fähre. Eigentlich auch auf der falschen Fähre. Und vor allem bin ich nicht mit Martin auf der Fähre. Auf dieser Tour ist so manches anders gelaufen, als ich mir das vorgestellt habe. Natürlich war es trotzdem schön. Aber es bleibt ein etwas bitterer Nachgeschmack. Ich nehme mir fest vor, bald wieder zu kommen. Die Jahre vergehen schnell und ich weiss nicht, wie oft ich solche Touren noch machen kann. Wie fragil mit dem Alter alles wird, habe ich jetzt an der Geschichte mit dem Bein gemerkt. In jüngeren Jahren wäre das ganze Ereignis wohl keiner Erwähnung wert gewesen. Aber ich bin ein oberflächlicher Mensch. Daher vertreibt der Gedanke an das Abendessen schnell die trübe Stimmung.
Gegen 19 Uhr gehe ich zum Buffet. Ist das gleiche wie auf der Hinfahrt. Natürlich nicht das selbe… Hoffe ich…
Die beiden Jungs haben auch das Buffet gebucht. Aber nicht wegen des Essens. Sie mögen wie gesagt keinen Fisch. Und davon gibt es dort reichlich. Sie haben es auf den Alkohol abgesehen, der hier im Bufftepreis mit drin ist. Wein und Bier so viel man will. Mir steht danach nicht der Sinn. Ich trinke zwei kleine Gläschen Weißwein dubioser Qualität während die beiden Jungs sich ein Bier nach dem anderen zapfen.
Leicht angeduselt wollen sie dann ins Casino und spielen. Ich dagegen will früh ins Bett. Etwas sitze ich nach dem Essen noch draussen, dann geht es in die Kabine. Die Nacht ist ruhig und es schaukelt nichts. Ich schlafe sehr gut.

Meine Kabine. Diesmal ganz für mich allein.

Sonntag, 11. Juni – Game over.

Ich bin wach bevor der Alarm vom Handy geht. Ich will früh beim Frühstück sein. Kurz nach sieben bin ich am Buffet. Das Frühstückbuffet ist sehr OK. Erstmal Kaffee, ein paar Brötchen, etwas Salami und etwas Fisch. Ich finde einen wunderbaren Platz mit direkt an den Fenstern im Bug. Am Horizont taucht Borkum auf.
Ich lasse mir Zeit und trinke noch zwei weitere Tassen Kaffee. Es ist angenehm hier am Fenster zu sitzen. Und nur wenige Gäste sind sind anwesend. Das wird sich bald ändern. Ich gehe zurück zur Kabine, ziehe mich um und schnappe mir meine Klamotten. Dann begebe ich mich auf Deck 6 ins freie, setze mich in die Morgensonne und genieße den Rest der Fahrt. Ich schließe noch Bekanntschaft mit einem Motorradfahrer aus Wales. Der war auch zwei Wochen in Norwegen und wollte weiter in den Norden. Der hat aber schon deutlich südlicher als wir wegen des schlechten Wetters seine Fahrt abgebrochen. Er will jetzt noch zwei Wochen in Frankreich Touren, in der Normandie und der Bretagne bevor er nach Hause fährt.
Kurz bevor wir anlegen tauchen meine beiden Begleiter von gestern auf. Etwas verkater aber bester Stimmung. Meine Güte. Ich erinnere mich kaum daran dass ich sowas auch mal konnte.
Pünktlich legt das Schiff an, wir gehen aufs Fahrzeugdeck und übernehmen unsere Motorräder. Ich verabschiede mich von meinen Reisebekanntschaften und dann geht es auf die Fahrt in die Heimat.

Abschied von den beiden Jungs. Hat Spass genmacht.


Darüber gibt es nicht viel zu berichten. Ausser, dass auf der A31 wirklich sehr viel Verkehr war. Ich hatte den Feiertag vergessen.
Kurz nach der Mittagszeit bin ich zuhause. Eigentlich leider. Aber es ist auch immer irgendwie schön, nach Hause zu kommen und zu wissen, dass man die nächste Nacht wieder im eigenen Bett schläft.
Abends treffe ich mich mit Martin und Eva zum essen und berichte von meinen Abenteuern. Und ich lasse mir erzählen, wie es Martin seit der Trennung ergangen ist. Nach einem schönen Abend mit den beiden liege ich um kurz nach Mitternacht im eigenen Bett.
Es ist vorbei.

Hoffentlich darf ich dort bald wieder hin

Wie alles anfing

Klar, nachdem ich schon oft in Norwegen war und es 2016 endlich geschafft hatte mit dem Motorrad eine große Tour durch Norwegen und Finnland zu fahren, lag der Gedanke nicht fern mich nochmal auf den Weg in den Norden zu machen. Irgendwie hat der Norden mich gepackt.

Nachdem aber 2016 mein Primärziel – Lofoten – leider wortwörtlich ins Wasser gefallen war, dachte ich mir, dass ich da wirklich nochmal hinfahren sollte. Vielleicht würde ich ja im zweiten Anlauf Glück mit dem Wetter haben. Also machte ich mich daran, einen Plan zu schmieden.

Ich hatte gelesen, dass der Vildmarksvägen ins Nordschweden eine sehr reizvolle Strecke sein soll. Also dachte ich mir, ich fahre dahin, erkunde die schwedische Wildnis und fahre weiter zu den Lofoten. Warum auch nicht.

Diesen „Plan“ – ein echter Plan war es noch nicht, eher eine Absichtserklärung – habe ich dann irgendwann im September 2022 in die WhatsApp Gruppe meiner Motorradfreunde und Freundinnen gepostet mit der Frage, ob jemand Zeit und Lust hätte mitzukommen. Natürlich in der sicheren Annahme, das niemand so eine Reise in Betracht ziehen würde. Schließlich bin ich irgendwann in den letzten zwei Jahren mal furchtbar gegen die Wand gelaufen oder habe von etwas falschem etwas zu viel geraucht oder getrunken und will das ganze nicht nur mit dem Moped, sondern auch mit Zelt und Isomatte machen.

Es war also nicht wirklich zu erwarten, dass irgend jemand der übrigen äußerst seriösen Herrschaften in dieser Gruppe sich auch nur ansatzweise würde vorstellen können, sich so etwas anzutun. Schließlich gibt es ja die Eifel, den bayerischen Wald und auch Italien. Vor allem Italien. Da gibt es gutes Wetter, gutes Essen und guten Wein. Und auch alle möglichen anderen angenehmen Dinge nach denen man am nördlichen Polarkreis vergeblich Ausschau hält.

The truth about camping in Norway


Aber wie das mit Plänen so ist: „Kein Operationsplan reicht mit einiger Sicherheit über das erste Zusammentreffen mit der feindlichen Hauptmacht hinaus.“ (Helmuth von Moltke)
Kurz nach dem Posting meldete sich eine mir bis dahin völlig unbekannte Dame die offensichlich dass gleiche schlechte Zeug geraucht oder getrunken hatte wie ich und bekundete ihr ernsthaftes Interesse an der Tour teilzunehmen. Und noch ein paar Tage später gab es einen weiteren ernsthaften Interessenten der sich von meiner Leidenschaft für den Norden anstecken ließ.

Viel Geschreibsel und wenig Inhalt auf den Punkt gebracht: Es ist nicht mehr meine Tour. Es ist unsere Tour. Eva, Martin und Martin sind die drei Wahnsinnigen, die sich auf den langen Weg von Kristiansand im Süden Norwegens bis nach Helsinki in Finnland machen wollen. Im Frühsommer 2023. So wurde sie also geboren, unsere Tour in den Norden.

The Grand Tour
„Steel Butt 2023“
Cape To Cape

Schweden und die Wildnisstraße sind raus, dafür versuchen wir möglichst viel von Norwegen zu sehen. Auch wenn wir wissen, dass Norwegen für einen Urlaub vieeeel zu groß ist. Oder das eben der Urlaub viel zu kurz ist.

Routenplanung und Navigation

Ich gebe zu, ich bin ein Kartenfetischist. Nach dem Mopedfahren steht die Tourenplanung ganz oben auf der Liste meiner Lieblingsbeschäftigungen. Auch wenn ich es unterwegs liebe zu improvisieren so mag ich es doch, mich vorher mit der Gegend in der ich unterwegs sein will zu beschäftigen. Denn das hilft beim improvisieren. Ich gehe alle möglichen Kombinationen von Routen am Rechner durch, versuche mich schlau zu machen welche schönen Punkte nicht verpasst werden sollten und festzustellen, was in der gegebenen Zeit möglich sein könnte.
Wichtig ist es für mich, ein Gefühl für die Entfernungen zu bekommen und die Gebiete zumindest grob in meinem Kopf abzuspeichern.


Ich setze dabei auf das Tool kurviger.de. Viele schwören auf calimoto.com,
andere auf die Software der beiden Navi Rivalen Garmin (Basecamp) und TomTom (früher Trye, jetzt MyRoute).
Alle haben ihre stärken, alle sind gut zu gebrauchen und letztendlich entscheidet der persönliche Geschmack wofür man sich entscheidet. Eine gute Planung ist mit allen dieser Tools machbar. Google Maps scheidet für die Tourenplanung allerdings aus. Es ist gut zu gebrauchen, wenn ich von A nach B will, Verkehrsinfos brauche und unterwegs den Weg zur nächsten Tanke suche. Aber nicht für eine ausführliche Routenplanung. Schließlich gibt es dann auch noch die Fraktion, die solchen neumodischen Kram überhaupt nicht mag und ausschließlich mit der guten alten Landkarte arbeitet. Letzteres halte ich allerdings eher für ignorant. Es ist natürlich nie eine dumme Idee, eine Übersichtskarte der Gegend dabei zu haben, in der man sich bewegt. Vor allem, wenn man nicht allein unterwegs ist und man gemeinsam überlegt wohin es gehen soll.

Ich habe mich für kurviger.de entschieden, weil es meiner Arbeitsweise am nächsten kommt. Ich bin da puristisch. Calimoto ist eher was für die Apple User und den Social Media affinen unter den Mopedfahrern. Also für die Zeitgenossen die sich am liebsten die Route komplett vom Rechner erstellen lassen, in Rudeln unterwegs sind, die Routen anderer nachfahren wollen und die ihre Navigation mit dem Smartphone erledigen. Und nicht ganz unwichtig: Calimoto ist relativ teuer. Kurviger.de ist deutlich günstiger, sollte aber vielleicht etwas mehr nehmen, damit es sie auch weiterhin gibt.

Ich navigiere nicht mit dem Smartphone. Oder besser: Im Augenblick noch nicht. Seit sich TomTom im letzten Jahr entschieden hat, dass die TomTom Rider 4er Serie keine Updates mehr bekommt, steht die Entscheidung an, wass ich zukünftig machen werde. Dabei stehen folgende Optionen zur Auswahl:

– Garmin Zümo XT, die Hochpreisvariante,
– TomTom Rider 550, ebenfalls hochpreisig aber günstiger als Garmin
– Navigation mit dem Smartphone und passenden Apps.

Letzteres wäre die günstigste Variante für mich da ich immerhin noch ein paar ältere Smartphones bei mir rumliegen habe, die ich dafür nutzen könnte.
Für unsere jetzt anstehende Tour nach Norwegen werde ich noch auf mein bewährtes TomTom setzen. Allerdings bestelle ich mir auch noch einen Smartphone-Halter …

Wer sich für die Routenplanung mit Kurviger.de interessiert, dem lege ich das ziemlich aktuelle (Stand März 2023) Tutorial vom „Rhönschrat“ ans Herz.

Der Termin rückt näher

So. Zwei Wochen noch. Es wird langsam ernst. Im April haben wir zu dritt sowas wie ein Bootcamp abgehalten. Wir sind bei teilweise ziemlich miesem Wetter vier Tage unterwegs gewesen. Zwei Mal haben wir im Zelt übernachtet, eine Nacht im Hotel geschlafen. Beim Peter in Liesenich. Der Laden ist immer eine gute Anlaufstelle. Ich bin dort schon seit ein paar Jahren ziemlich regelmäßig zu Gast. Von dort aus sind Mosel, Eifel, Hunsrück und Saarland gut zu erkunden. Das Hotel ist auf Mopedfahrer eingestellt und Preis/Leistung ist wirklich OK.

Unser Camp in Trendelburg

Die Tour führte uns am ersten Tag nach Trendelburg, am zweiten Tag nach Ennepetal, am dritten Tag nach Liesenich und am vierten Tag ging es wieder heimwärts. Die zweite Nacht war schon etwas ungemütlich. Wir hatten Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und die Zelte waren morgens weiß. Das war schon frisch.

Unser Camp in Ennepetal. Man sieht den Rauhreif auf den Zelten und der Wiese

Insgesamt war es eine schwierige Tour. Viel Regen, niedrige Temperaturen und das ein oder andere kleine technische Problem. Aber wir haben es natürlich überlebt. Jetzt blicken wir gespannt nach vorn und hoffen, dass die norwegischen Wettergötter uns gewogen sind. Ich habe kurzen Kontakt zu Thomas (tshansen) aus Norwegen gehabt, dessen großartigem Youtube-Kanal ich schon längere Zeit begeistert verfolge. Er schrieb mir zum Thema Norwegen und das Wetter Anfang Juni: „June in Norway can be taking or giving. Be prepared.
Ich denke, wir werden gut vorbereitet sein. Technisch und mental.
Zum Schluß noch eine etwas traurige Nachricht: Eva hat sich aus persönlichen Gründen entschieden, nicht an der Tour teilzunehmen. Das ist sehr schade. Wir hätten Eva gerne dabei gehabt. Aber natürlich respektieren und verstehen wir Ihre Entscheidung. So wird es jetzt eine zwei Mann Tour. Martin & Martin werden das „Steel Butt 2023“ Event bestreiten.

Die Ziele

Eine Karte mit den angepeilten Zielen

From Cape to Cape. Eine Reise in das schönste Land der Welt. Die Marker auf der Karte möchten wir anfahren. Unter anderem. Ob uns das gelingt? Wir werden sehen. Norwegen ist echt groß. Das sind wirklich viele Kilometer und wir müssen sehen, was das Wetter uns erlaubt.
Natürlich ist auch auch entscheidend, was unser Wille , unsere Kondition und unsere Mopeds zulassen.















Fähre

Als wir die Norwegen-Tour geplant haben, stellte sich natürlich die Frage wie wir dahin kommen. So wahnsinnig kompliziert ist das nicht, aber beim Reisen mit dem Motorrad sind die verschiedenen Möglichkeiten genau abzuwägen. Es gab für mich eigentlich immer nur vier Möglichkeiten:

  • Hirtshals-Kristiansand
  • Vogelfluglinie Puttgarden/Rodby, Helsginör/Helsingborg
  • Travemünde-Helsinki
  • Kiel – Oslo

Die erste Möglichkeit bin ich des öfteren gefahren. Allerdings ist es bis Hirtshals echt weit. Der Vorteil sind die relativ geringen Fährkosten. Die Vogelfluglinie ist wirklich ein langer Weg. Auch die bin ich schon öfter gefahren. Wenn ich mit meheren Personen einen PKW zu fahren habe und man kann sich des öfteren abwechseln, ist das OK. Aber mit dem Moped fährt man jeden Kilometer selbst. Also sind die beiden Möglichkeiten raus.

Travemünde-Helsinki ist eine gute Möglichkeit, wenn das unbedingte Ziel der Norden von Norwegen – an erster Stelle natürlich das Nordkap – ein wichtiges Ziel der Reise ist und man gegen den Uhrzeigersinn fahren möchte. Das Nordkap ist relativ schnell erreicht und die Fahrt durch Finnland ist unkompliziert. Allerdings gibt es einen gravierenden Nachteil: Wenn Norwegen das Ziel ist, so gibt es – einmal in Helsinki angekommen – wenig bis keine Optionen die Tour zu variieren. Ein großer Nachteil. Also wäre Kiel-Oslo die Fährroute der Wahl. Aber dann bin ich durch einen Zufall darauf gestoßen, dass es seit dem Frühsommer 2022 eine weitere Möglichkeit gibt.

Die Überfahrt

Eemshaven-Kristiansand.

Für uns eigentlich eine gute Möglichkeit. Die Anfahrt nur halb so weit als wenn wir von Kiel aus starten würden. Klar, wir beginnen mit unserer Tour dann deutlich weiter südlich, aber der Süden Norwegens ist schön. Und es bieten sich viele Optionen wie wir von dort aus in den Norden fahren können.

MS Romatika

Also haben wir gebucht. Am Pfingstsonntag, den 28. Mai starten wir ab Eemshaven. Mit der MS Romantika über Nacht nach Kristiansand. Dachten wir.
In der letzten Woche habe ich eine Nachricht er Fährgesellschaft erhalten: Eemshaven ist nicht mehr der Abfahrtshafen. Sondern in Zukunft wird die Strecke von Emden aus bedient. Aber erst ab dem 1. Juli. Bis dahin findet die Abfahrt in Cuxhaven statt. Das ist nicht schön. Da hätten wir gleich Kiel-Oslo buchen können. Aber wie dem auch sei. Jetzt ist es so und wir starten in Cuxhaven.

Eigentlich sind es ja Sweatshirts oder Pullis. Eine kleine Teambuildingmaßnahme.

Der Name „Steel Butt“ ist eine Anpielung auf die „Iron Butt Assosiacion“, eine Organisation von Verrückten, die das Fahren von Langstrecken mit Motorrädern auf die Spitze treiben.

Die Ziele, etwas konkreter

Norwegen ist groß. Und wir wollen es in seiner vollen Länge durchfahren. Daher der Untertitel „From Cape to Cape“. Vom Südkap bei „Lindesnes Fyr“ bis zum Norkap an der Barentssee sind es fast 2.900 KM. Das ist eine Menge Strecke für einen Urlaub.

Zumal wir ja auch wieder zurück nach Hause müssen. Den Rückweg werden wir vorraussichtlich über Finnland bestreiten und dann von Helsinki mit der Fähre nach Travemünde fahren.

Natürlich möchten wir nicht nur einfach auf dem schnellsten Weg in den Norden kommen, sondern unterwegs möglichst viel von den einzigartigen Landschaften in Norwegen erfahren. Da Eva und Martin beschlossen haben, dass ich mich in die Rolle des „Leithammels“ fügen soll, habe ich mir so einige Gedanken gemacht. Ich hoffe nicht zu viele.

Wir fahren früh im Jahr (für norwegische Verhältnisse) und müssen daher mit schwierigen Temperatur- und Straßenverhältnissen rechnen. Besonders im Süden und Südwesten, wo der Winter auf den Fjells zu der Zeit eben erst vorbei ist. Und wir werden so manchen zugefrorenen See und so manches große Schneefeld zu Gesicht bekommen.

Gedanklich habe ich die Tour in vier Abschnitte eingeteilt.

  • Kristiansand bis Steinkjer, dem Start des Fv17
  • Den kompletten Fv17 bis kurz vor Bodö
  • Vom Ende des Fv17 bis zum Nordkap
  • Vom Nordkap nach Helsinki

Im nächsten Beitrag gehe ich auf den ersten Abschnitt ein. Das ist der mit Abstand komplizierteste. Die restlichen drei Abschnitte sind vergleichsweise einfach da es kaum Optionen gibt. Dort muss nur entschieden werden, ob das Wetter die Weiterreise überhaupt sinnvollerweise erlaubt.

Abschnitt 1: Bis zum dem Start des Fv17

Wie ich im vorherigen Beitrag schrieb: Dies ist der komplizierteste Abschnitt. Es gibt einige Möglichkeiten. Manche kenne ich etwas, andere überhaupt nicht. Welche wir genau fahren, entscheiden wir vor Ort, abhängig vom aktuellen Wetter und von der Wettervorhersage. Warme Klamotten haben wir eh‘ dabei und mit sommerlichen Temperaturen rechnen wir nicht wirklich. Also mal sehen.

Die östliche Route.

Länge: 932 Km

Zwischenziele: keine

Mischung aus autobahnähnlicher Straße und guter Landstraße
Strecke kenne ich. Bin ich mehrfach gefahren. Schneller Weg nach Trondheim und weiter. Im wesentlichen schrubben wir die E3 und die E6 hoch bis nördlich von Trondheim.

Pro: Schnell, relativ wenig Gebirge, top Infrastruktur, technisch anspruchslos.

Contra: Viel Verkehr, langweilig, teilweise häßlich, relativ wenig Gebirge, technisch anspruchslos.

Warum ist diese Route hier aufgeführt: Die Route könnte der Notnagel sein, wenn das Wetter im Süden totaler Mist ist und wir
wirklich schnell Richtung Norden kommen wollen. Wie man um Profil unten sieht, gibt es nur relativ wenige und weniger hohe Passagen.

Das Höhenprofil der Östlichen Route. Gut zu erkennen das Dovrefjell, das auch immer hin bis an 700m heranreicht.

Die Mitte-Ost Route

Östliche Umfahrung der Hardangervidda. Dann Schwenk zur Westküste.

Länge: 1315 Km

Zwischenziele: Syrtveitfossane (Stromschnellen Otra), Immingfjell Passstraße, Stabkirche Borgund, Sognefjord, Gletscher Boybreen, Geiranger, Trollstigen

Mischung aus guter Landstraße und kleinen Nebenstrecken. Alles befestigt.
Bis Gol kenne ich die Strecke nicht. Danach entspricht sie der 2016er Tour die ich gefahren bin.

Pro: Bis auf Ausnahmen wohl recht schnell zu fahren, tolle Landschaften und die touristischen Hotspots sind drin.

Contra: Deulich länger als die Ostroute, viel Gebirge daher problematisch wenn das Wetter nicht passt. Die Nächte könnten noch Frost bringen.

Das Profil der Mitte-Ost Route. Da geht es immer wieder rauf und runter. Bis fast 1.200 m. Da wird noch jede Menge Schnee liegen und die Straße sind teilweise schmal und die Auf- und Abstiege eng.

Die Mitte-West Route

Westliche Umfahrung der Hardangervidda. In Haukeli Richtung Westen. Später weiterer Schwenk zur Westküste.

Länge: 1247 Km

Zwischenziele: Syrtveitfossane (Stromschnellen Otra), Diverse Fjells, Latefossen, Hardangerfjord, Stabkirche Hopperstad,
Sognefjord, Gletscher Boyabreen, Geiranger, Trollstigen

Zunächst immer der Otra entlang, fast ausschließlich gute Landstraße, kleinste Nebenstrecken nur wenn gewünscht. Alles befestigt.
Die Strecke ist mir bis Sogndal völlig unbekannt. Danach entspricht sie meiner 2016er Route.

Pro: Bis auf Ausnahmen wohl recht schnell zu fahren, tolle Landschaften und die touristischen Hotspots sind drin.

Contra: Ebenfalls meistens recht hoch. Daher vom Wetter und der Temperatur her eventuell problematisch.

Profil der Mitte-West Route. Es geht schnell bis auf fast 1.150m Das wird kalt. Wie beim Profil der vorigen Route sind deutlich die beiden rechten orange markierten Peaks zu erkennen. Der erste Peak ist die Anfahrt zum Geiranger-Fjord, der Zweite die Passstraße zum Trollstigen. Die orangefarbige Markierung weist auf die potentiell noch vorhandene Wintersperre hin.

Die West Route

Diese Route steht exemplarisch für eine größere Anzahl an Optionen die sich alle mehr oder weniger ähneln. Von unserem Ankunftshafen erfolgt ein direkter Schwenk nach Südwesten zum Südkap, dann nach Nordwesten Richtung Stavanger. Gebirgsstrecken werden fast vollständig vermieden, die Strecken führen ab Stavanger überwiegend den Fjorden entlang.
Ab dem Sognefjord wieder dem Verlauf meiner 2016er Route entsprechend.

Länge: 1400 KM

Zwischenziele: Lindesnes Fyr (Südkap), Fv44 Flekkefjord/Egersund, Ryfylketunnel, Ryfylkevegen, Indre Ryfylkevegen, Akrafjord, Langvossen, Latefossen, Hardangerfjord, Stabkirche Hopperstad, Sognefjord, Gletscher Boyabreen, Geiranger, Trollstigen

Fast ausschließlich gute Landstraße, im Süden teils städtischer Verkehr, kleinste Nebenstrecken kaum vorhanden und nur wenn gewünscht. Alles befestigt. Einige Streckenteile kenne ich von meinen Angeltouren aus den 80er und 90er Jahren.

Pro: Bis auf Ausnahmen wohl recht schnell zu fahren, ebenfalls tolle Landschaften und die touristischen Hotspots sind drin.

Contra: Die Küstenroute ist lang und anfälliger für Regen und Wind. Insgesamt ist es die „touristischere“ Route. Mehr Verkehr, Mehr Städte und dichtere Besiedlung.

Dass West Profil. Auch hier wieder die beiden orangenen Peaks. Der eine Peak vorher bei ca. 600 Km lässt sich einfach umfahren wenn wir wollen. So hätten wir auf den ersten 900 Km nicht mit Schneewänden und Temeraturen um 0 Grad zu kämpfen.

Alle Kartenausschnitte und Höhenprofile auf dieser Seite:
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