Nach einem schnellen Frühstück starten wir. Nach wenigen Kilometern stehen wir an der ersten Fähre des Tages. Nach kurzer Wartezeit geht es über den Sognefjord und dann weiter ins Gebirge. Nach einer tollen fahrt erreichen wir den Gletscher Boyabreen. Die Strecke vom Fjord bis hierher bin ich vor sieben Jahren auch gefahren. Wir machen einen Fotostop und weiter geht es.
Am Gletscher. Dort ist es so kalt wie es aussieht
Das Wetter ist durchwachsen und dann und wann bekommen wir etwas Regen ab. An einem Geldautomaten unterwegs besorge ich mir erstmal ein paar NOKs. Ich hatte kein norwegisches Bargeld dabei. Etwas Später biegen wir nach Westen ab. Wir fahren nicht zum Geiranger sondern zum Westkap. Wie ich schon schrieb, war ich dort bei meiner ersten Norwegenreise 1983 schon einmal. Aber zugegebenermaßen sind meine Erinnerungen daran schon sehr verblasst. Auf dem Weg zur Fähre über den Storfjord bei Stranda überlegen wir, ob wir den Trollstigen fahren sollen, denn der Umweg wäre nicht besonders groß. Aber die Wetterapp sagt uns Temperaturen um den Gefrierpunkt dort an. Also verwerfen wir diese Idee. Wir setzen über (mit den gleichen Ferrypay Problemen) und biegen nach der Fähre links ab. Wir fahren nach Nordfjordereid und wollen dann weiter auf die Halbinsel Selje. Dort liegen der gleichnamige Ort und auch das Westkap. Wir sind beide knapp mit dem benzin und fahren zunächst über die Berge zum Ort Selje. Halbinselüberquerung, die Erste. Im Ort tanken wir und gehen in den Supermarkt. Martin kauft ein Frühstücksbrettchen für sein Moped. Als Unterlage für den Seitenständer auf weichem Boden. Die Unterlage die er dabei hatte erwies sich als völlig untauglich (hallo Matthes?!). Ausserdem kaufen wir noch ein Brot, ein Paket Tee und Schokolade. Ich muss vorsichtig werden. Ich will nicht anfangen, jeden Tag eine Schokolade zu essen… Aber die schmeckte schon gut. Nachdem wir auf dem Parkplatz noch eine kurze Pause gemacht haben, machen wir uns auf den Weg zum Westkap. Wieder auf die andere Seite der Halbinsel. Halbinselüberquerung, die Zweite. Bald sind wir am Kap.
Am Westkap. Spektakulär!
Eine sehr schmale Straße schlängelt sich in atemberaubender Höhe weg von der Hauptstraße hin zum Kap. Das Wetter ist gut und wir blicken aus großer Höhe auf die wilde Küstenlandschaft. Rechts und links der Straße weiden Schafe mit ihren Lämmern. Manche schauen uns nur desinteressiert an, andere müssen wir mit der Hupe von der Straße verscheuchen und wieder andere fliehen in panisch vor unseren Motorrädern. Dann sind wir auf dem Gipfel. Dort gibr es ein Restaurant das aber geschlossen ist, eine Radarstation die geschlossen ist und Toilettenhäuschen die ebenfalls geschlossen sind. Und einen Parkplatz der nicht geschlossen ist. Und natürlich gibt es eine spektakuläre Szenerie. Wirklich der Hammer. Und der Wind bläst uns um die Ohren. Martin ruft bei Andreas an um ihm mitzuteilen, dass er jetzt vor der Webcam des Kaps posieren will. Und mit einer Verzögerung von einer Minute ist er dann auch auf der Cam zu sehen. Wir leben in spannenden Zeiten. Bald machen wir uns auf die Rückfahrt. Der erste Abschnitt geht natülich komplett ohne Motorleistung und wir lassen uns einfach den Berg hinunter rollen. Wir wollen wieder nach Selje. Dazu müssen wir wieder über die Berge auf die ander Seite. Halbinselüberquerung, die Dritte. Mittlerweile kennen wir den Weg. In Selje gibt es einen Campingplatz. Diesmal ohne Hütten. Also wird heute Nacht im Zelt geschlafen. Wir kommen an, der Betreiber ist zufällig da und wir checken ein. Auf der Zeltwiese finden wir ein halbwegs trockenes Stückchen Gras um die Zelte aufzubauen. Ausser uns haben noch ein paar einheimische Mopedfharer ihre Popup-Zelte (Regenschirm-System, 4Bikers outdoors) aufgestellt. Nach dem wir unser Lager aufgebaut haben kochen wir uns ein paar Nudeln, quatschen noch ein Stündchen und liegen um 22 Uhr im warmen Schlafsack. Ich setze meine mitgebrachte Schlafmaske auf. Denn hier wird es auch schon nicht mehr wirklich dunkel und mein Zelt hat keine Vorhänge. Das mit der Maske funktioniert super. Schnell bin ich eingeschlafen. Ob das bei Martin auch so war, weiss ich nicht. Aber ich nehme es an. Am nächsten morgen wollen wir weiter. Richtung Nordwesten, zur E39 und dann weitersehen. Ohne Frühstück. Das wollen wir unterwegs erledigen. Mal schauen…
Wir sind um sechs Uhr früh auf. Es wird Kaffee gekocht was ewig dauert. Das packen dauer auch ewig und ich brauche besonders lange. Dauernd habe ich irgendwelchen Kleinkram verlegt, alles nehme ich dreimal in die Hand, kurz: Es läuft nicht. Was aber läuft ist der Abbau meines Zeltes. ich fange zeitgleich mit unseren Nachbarn an. Die bauen zu zweit ein sogenanntes Sekunden- oder Popupzelt ab. Und ohne mich sonderlich zu sputen bin ich mit meinem Helsport fertig als die noch dabei sind, ihr ach so praktisches Teil in den riesigen Packsack zu murksen. Mein Zelt hat bei gleicher Größe – na gut, es ist niedriger – maximal ein Drittel des Packmaßes. Ich gebe ja zu, dass ich etwas in mich reingegrinst habe. Aber ich gebe auch zu, das die mit ihrem Ungetüm beim Aufbauen wohl um einiges schneller sind als ich. Wie dem auch sei: Martin wartet schon lange auf mich und um 9:30 geht es endlich los. Die Fahrt führt uns zunächst um die 60Km auf dem Weg zurück den wir gekommen sind. Dann biegen wir ab nach Norden Richtung Molde. Die E39 entlang. Das Tagesziel ist ja, dem beginn des FV17 so nahe wie möglich zu kommen. Und das ohne die berüchtigte E6 zu fahren. Die Strecke ist toll, so wie alle Strecken im Süden und Westen von Norwegen toll sind. Hier kann man abbiegen wo man will: Man landet immer auf einer Traumstraße. Da wir nicht gefrühstückt hatten, gönnen wir uns an bei einem Tankstop unsere erste norwegische Pölser. So ähnlich wie ein Hotdog. Mit verschiedenen Saucen die man auswählen kann. Dazu hole ich mir noch ein Rosinenbrlötchen und eine Zimtschnecke während Martin sich für irgendwas mit Vanillepudding entscheidet. Weiter geht es bis zur Fähre. Das sind aber noch zwei Stunden. Diese Fähstrecke bin ich Anfang der 90er schonmal gefahren. Damals hatten ich mit einer größeren Truppe in der Nähe ein Anglerhaus bei Fiksdal für eine Angeltour gemietet. Auf der Fähre dann (die gleichen Ferrypay Probleme wie vorher) nehmen wir ein Getränk, das von der Farbe her an Kaffee erinnert und uns als solcher vekauft wird. Schmecken tut das Gebräu aber nach etwas, was ich noch nie vorher geschmeckt habe. Und es schmeckt nicht gut. Wir entsorgen beide die Hälfte von dem Gebräu. In Molde angekommen, wollen wir was essen. Wir entscheiden uns für einen Laden namens „Big Bite“. Das ist so ein SubWay Verschnitt. Wir nehmen beide ein großes Roastbeef Sandwich da das Pastrami dass ich eigentlich haben wollte ausgegangen war. Dazu eine Cola. Hat alles gut geschmeckt und satt und aufgewärmt geht es weiter. Die E39 entlang.
Pause an der E39
Die Atlantikstraße und Kristiansund lassen wir aus. Wir fahren Richtung Trondheim. Mein N-COM macht Probleme. Drecksteil. Gestern hat Martin mich teilweise nur sehr leise gehört, jetzt hört er mich überhaupt nicht mehr. Und ich habe oft nur auf dem rechten Lautsprecher einen Ton. Mein erstes N-COM hat sieben Jahre gehalten, mein Zweites noch zweieinhalb, das Dritte jetzt nichtmal eineinhalb Jahre. Zum kot**en. Wir können uns nicht mehr unterhalten. Auf so einer langen Tour ist das Mist. Aber im Augenblick können wir nichts tun. Das Wetter wir immer schlechter. Und nach einiger Zeit ist es schlechter als schlecht.Vier Grad und Regen. Und noch mehr Regen. Kalt. Nass. Schei***. Wir leiden. Auf diesem Streckenabschnitt gibt es kaum Campingplätze. Genaugenommen keine. Oder ganz genau gesagt: Einen. Ein übler Flecken. Ein Hotel/Motel/Restaurant mit Campingwiese. Wir sind nass, durchgefroren und fix und fertig. Wir haben keine Wahl. Wir müssen da übernachten. Denn danach kommt die nächsten ein bis eieinhalb Stunden nichts mehr. Also stiefeln wir in die Rezeption. Ein freundlicher junger Mann bietet uns ein unverschämt teures Motelzimmer an. Wir fragen, ob wir eine Übenachtungsmöglichkeit buchen können ohne den Laden zu kaufen und er findet was. Wäre „small and one bed only“ Und wir nehmen das Ding. Auch teuer, aber noch erschwinglich. Er erklärt uns, wo das Hüttchen zu finden ist und wir machen uns auf den Weg. Schnell haben wir das Ding gefunden, stellen die Mopeds ab und dann erstmal rein in die gute Stube. Aber das ist keine gute Stube. Das ist eine Hundehütte mit Doppelbett drin. In der Ecke ist ein Fernseher angeschraubt an dem man sich dauernd den Kopf stösst und es stehen ein Tischchen und zwei Stühlchen vor dem Bett. Die wurden vermutlich im nächstgelegenen Kindergarten aus einem Puppenhaus entwendet. Sie sind winzig. Aber die Hundehütte ist geheizt und trocken. Die Heizung steht auf 18 Grad. Die setzen wir erstmal auf das Maximum von 25 Grad. So wird mit der Zeit eine Temperatur in dem Bauwerk erreicht, die auch Nicht-Polarbären das Überleben ermöglicht. Jetzt halten wir Kriegsrat. Die letzten Stunden haben uns an unsere Grenzen gebracht. Natürlich nicht an echte physische Grenzen, aber an die Grenze dessen, was wir bereit sind im Urlaub auszuhalten. Denn das ganze Unternehmen soll ja auch noch Freude machen. Aber so kommt keine Freude auf. Wer sich an meinen Blog von der 2016er Tour erinnern kann, weiss sicher noch wie ich damals über die Kälte geneckert habe. Diese Tour ist kälter. Es ist immer kalt. Richtig kalt. Und jetzt ist es auch noch nass. Richtig nass. Wir checken die Wetterkarten. Mehrere Dienste melden für die nächsten tage Dreckswetter am Fv17, unserer Wunschroute. Wir beschließen, hier abzubrechen und wieder in den Süden zu fahren. Dort gibt es etwas angenehmere Temeraturen und die Sonne scheint dort. Das wäre also geklärt. Das „Cape To Cape“ im Tour-Motto haben wir ja strenggenommen schon geschafft. Vom Südkap zum Westkap. Niemand hat behauptet wir hätten eigentlich das Nordkap damit gemeint. Haben wir auch ganz sicher nicht. Nordkap, pah! Fv17? Pah. Morgen geht es in den sonnigen Süden. Latürnich!!!! Mit diesem Wissen legen wir uns ins gemeinsame Bett, versprechen uns gegenseitig uns anständig zu benehmen, drehen uns den Rücken zu und schlafen bald ein. Wir tragen beide Ohrenstölpsel. Dabei bin ich doch ein schnarchfreier Single und nur Martin schnarcht. Da bin ich mir ganz sicher.
Ist damit der Norden für uns erledigt? Wir werden sehen.
Nach einer verblüffend guten Nacht die wir in einem Bett verbracht haben, stehen wir früh auf und die Sonne lacht vom Himmel. Zwar nur 3 Grad, aber Sonnenschein. Da kannd der Tag ja nur besser werden. Wir beschließen, die Reise in den Norden doch noch nicht aufzugeben und starten in den Tag. Soviel zu unserer Konsequenz. Weiter die R39 Richtung Trondheim. Wir wwollen heute den Start des Fv17 erreichen. Wir fahren bei ganz ordentlichem Wetter. Aber es ist kalt. Immer kalt. Sehr kalt. In Orkanger haben wir etwas Sonnenschein und Essen. Martin meint, wir sollten mat versuchen nachzusehen was mit meinem N-COM ist. Na gut. Ich glaube nicht daran, dass wir was finden aber egal. Ich bin ziemlich sauer und genervt, dass dieses N-COM auch schon wieder kaputt ist. Ich rupfe den Helm auseinander und finde einen“halben“ Kabelbruch, der vermutlich dafür verantwortlich ist dass der linke Lautsprecher im Helm öfter mal nicht funktioniert. Am Mikro finden wir keinen Schaden. Scheint alles gut zu sein. Martin googelt und findet einen Händler in Trondheim der N-COMs anbietet. Er ruft da an. Martin ist hartnäckig. Die Dame am telefon sagt ihm aber, dass sie wohl kein passendes Mikro da hätten. Damit sollte die Sache erstmal erledigt sein. Mir lässt das keine Ruhe. Nach der Phase des „Kackteil, ist bestimmt nicht das Mikro, das ganze Ding ist Mist“-Phase beginne ich auch, problemorientiert zu denken und schaue nach, wo der Händler in Trondheim zu finden ist. Wir beschließen, da vorbei zu fahren. Dort angekommen, landen wir zunächst im falschen Mopedladen. Der ist an der praktisch gleichen Adresse. Aber der freundliche Herr dort schickt uns zum richtigen Laden. Der Chef dort schaut sich die Sache an. Er holt ein N-COM 601 Set raus und siehe da: Gleiches Mikro. Wir testen es und es funktioniert. Super! Mit dem nun wieder funktionierenden Kommunikationssystem reisen wir weiter. Tja Martin: Ob das klug war? Jetzt darfst Du wieder die ganze Fahrt über meinem Blödsinn lauschen…. Das Wetter wird wieder schlechter. Ab und zu ein Schauer und schweinekalt. Wir beschließen, zur Oldernesgard zu fahren. Die liegt am Snosa See und die Webseite von denen ist sympathisch. Irgendwie so als würde der Platz von und für Alt-Hippies betrieben. Wir kommen dort an.
Auf der Zeltwiese. Kalt und nass.
Ein paar Minuten später steht das ZeltMein Helsport. Was für ein Zelt. Zehn Stunden Dauerregen und kalt und neblig draussen. Kein Tropfen Wasser drin. Alles absolut trocken. Weder von aussen was eingedrungen noch Kondenswasser.
Durchgefrohren und wirklich kaputt. 282 Km sind wir heute gefahren. Wir wollen eine Hütte. Der Betreiber dort sagt, er habe keine frei. Die seien alle reserviert. Komisch. Wir sind die einzigen Gäste. Aber wir können auf der Zeltwiese campen. Na gut. In der Kälte schlagen wir unsere Zelt auf. Aber es gibt eine Feuerstelle. Und Brennholz. Und nasses Papier zum anzünden von nassem Holz. Das klappt nicht. Kurz nachgedacht und mir fällt ein, dass ich einen kleinen Vorrat Motoröl dabei habe. Mit einem Stück Holz, etwas von dem nassen Papier und einem Schuss 10w60 baue ich eine Fackel. Das klappt. Bald haben wir ein wärmendes Lagerfeuer.
Lagerfeuer. Das tut gut.
Als das runtergebrannt ist, gehen wir ins Bett. Um sechs Uhr wollen wir aufstehen. Martin wird mich wecken. Dann fahren wir den Fv17. Das könnte noch was werden…
Kaum lagen wir gestern auf der Matte, fing es richtig an zu regnen. Es regnete die ganze Nacht. Und es war kalt. Mehrmals wurde ich wach (trotz meiner Schlafmaske) und es regnete… Bei diesem Wetter raus zum pi****, das ist kein Spass. Ich werde vor sechs Uhr wieder wach. Es regnet immer noch. Auch um Punkt sechs regnet es. Dahre wundert es mich nicht, dass ich nichts von Martin höre. Gegen halb acht hört der Regen auf. ich warte noch etwas ab und um acht stehe ich an Martins Zelt. Martin ist wach. Aber es geht ihm nicht gut. Er kann nicht fahren. Wir müssen einen Tag verlängern. Ich gehe zur Rezeption. Diesmal ist eine nicht mehr ganz junge Dame da. Das verlängern geht problemlos. Aber es ist kalt und nass. Eine Hütte wäre Gold wert. Nun denn. Ich koche Tee für Martin und lasse ihn in Ruhe. Er bleibt bis Mittags im Zelt. Dann geht es ihm etwas besser. In einem Schuppen der wenigstens trocken ist – aber trotzdem schweinekalt – kochen wir uns ein einfaches Essen. Nudeln mit einer Gulaschkonserve die ich noch hatte.
Der Schuppen. Wenigstens trocken und winddicht. Aber schweinekalt. Ich koche Tee für Martin auf dem Trangia.
Der Regen, die Kälte und Martins Gesundheitszustand drücken auf die Stimmung. Die Wettervorhersage macht uns keine Hoffnung auf Änderung in den nächsten Tagen. Im Norden wird es tendenziell noch schlechter sagt WetterOnline. Wir beschließen, abzubrechen. Diesmal wirklich. Im Süden und Südwesten soll tolles Wetter sein und wir wollen raus aus der Kälte. Wir möchten unseren Urlaub zumindest noch ein bischen geniessen. Also steht der Entschluss. Morgen schrubbeln wir die berüchtigte E6 Richtung Süden runter so weit wir kommen. Hauptsache raus aus der nassen Kälte. Wir vertrödeln den Rest des Tages und sind früh im Bett. Martin schon am Nachmittag. Der Entschluss, in den Süden zu fahren und in den nächsten Tagen etwas akzeptablere Bedingungen zu bekommen hat unserer Stimmung Auftrieb gegeben. Irgendwie freuen wir uns auf Morgen.
Früh sind wir auf. Ich koche Kaffee und danach bauen wir ab. Martin ist wie immer schneller als ich. Deutlich schneller. Gegen 10 Uhr starten wir. Zurück nach Steinkjer, auf die E6. Dann Trondheim. Wir wollen bis Dombas und dann auf die E136 abbiegen. Nach Andalsnes. Wir haben beschlossen, dass wir ein oder zwei Tage in Bergen sightseeing machen wollen. Bergen, eigentlich die Regenhauptstadt Europas, wird für die ganze nächste Woche gutes Wetter haben. Mir graut es vor der Fahrt. E6! Das ist für erfahrene Norwegenfahrer sowas wie die Vorhölle. Ich bin diese „Road to Hell“ von Orkanger bzw. Oslo aus schon mehrfach gefahren. Allerdings das letzte Mal 2002. Zunächst wird diese Miststrecke auch heute ihrem Ruf gerecht. Nicht schön und viel Verkehr. Vor allem Wohnmobile. Aus Sicht des Mopedfahrers ist so ein WoMo eine Immobilie die auf der Straße rumsteht und eine Seniorenherberge ist. Und wenn diese „Fahrzeuge“ in Scharen auftreten – und das tun sie hier in Norwegen mittlerweile – wirkt das wie eine in Reihe geschaltete Rentnerkolonie. Oder nein: Pensionärskolonie. Die meisten dieser Teile können sich nur fürstlich alimentierte Ex-Beamte leisten. Vermutlich alles pensionierte Lehrer-Ehepaare. Es ist schlimm… Die beige Pest. Dauernd fährt man irgendwelchen schleichenden Schrankwänden hinterher. Und es sind so viele. Aber halt. So schlimm ist es heute überhaupt nicht. Irgendwann kündigt ein Schild den Aufstieg auf das Dovrefell an – im übrigen fahren wir schon lange im Sonnenschein – und die Fahrt wird zum Erlebnis. Bei so einem wahnsinns Wetter habe ich das Dovrefjell noch nie gequert. Die Aussicht ist atemberaubend. Das wir hin und wieder von pensionierten Lehrern und holländischen Wohnwagengespannen ausgebremst werden stört uns nicht mehr. Zu gut das Wetter, zu schön das Panorama.
Pause an der E6. Hier stellen wir fest, das Martins Moped unter akutem Ölmangel leidet.
Was stört ist folgendes: An einem Rastplatz checken wir den Ölstand von Martins Maschine. Es ist kein Ölstand messbar. Wir fragen uns, was wir falsch machen. Aber wir googlen und finden keinen Fehler. Martin hat Motoröl dabei. Er giesst nach. Immer noch nichts messbar. Er giesst wieder nach. Wieder nichts. Das geht so, bis ein ganzer Liter in seinem Motor verschwunden ist. Guter Rat ist teuer. Als technischer Laie und Klugscheisser ohne Verantwortungsbereitschaft überlasse ich die Entscheidung was zu tun ist Martin. Er beschließt. bis Andalsnes weiterzufahren und dann mal schauen…. Na denn. so machen wir es. Irgendwann kommst der Abstieg vom Fjell ind wir sind in Dombas. Hier sieht alles so aus, wie ich es in Erinnerung hatte. Am – für norwegische Verhältnisse – großen Autohof und Einkaufszentrum setzen wir uns auf die Sonnenterasse. Mit Kaffee und Kuchen lassen wir es uns gut gehen. War das eine Fahrt. Und die E6 hat jetzt wirklich was gut bei mir… Nach dem Kaffe biegen wir in Richtung Westen von der E6 ab. Wir wollen nach Andalsnes. Was wir nun erleben ist der Hammer. Bei allerbestem Wetter fahren wir entlang einer Traumstraße. Wir erleben auf den nächsten hundetr Kilometern eine Mischung aus Auenland – so taufen wir den ersten Abschnitt -, Mittelerde, Allgäu und Zugspizenmassiv. Grüne Wiesen wechseln sich mit schroffen Felswänden und Wasserfällen ab. Und das bei 17 Grad am Abend.
Slettafossen an der E136
Wir sind bester Laune. Was für eine Fahrt. Wir sind fast traurig als wir unser Ziel erreichen. Und das, obwohl wir uns heute den „Steel Butt“ Titel echt verdient haben. 461 Km lang haben wir uns den Popo platt gesessen. Wir kommen am ausgewählten Campingplatz an. Der ist schön. Die Hütte ist super und der Chef verrät uns, an welcher Tanke im Ort es die besten Burger gibt. Wir packen unseren Kram in die Hütte und ab geht es zur Esso-Station in Andalsnes. Dort futtern wir einen wirklich leckeren Burger mit Pommes. Natürlich schauem wir in der Tanke auch nach Motoröl. Martins Karre braucht 10w40. Eine Allerweltssorte. Das haben die da, aber nur als „semi-synthetic“. Ich habe keine Ahnung ob Martins Triumph vollsyntetisches braucht oder ob das egal ist. Martin weiss das auch nicht. Martin entscheidet, dass wir uns morgen darum kümmern.
Mjelva Camping bei Andalsnes. Wunderbar.
Zurück am Platz beschließen wir, einen Kinoabend zu machen. Auf einem Tablet schauen wir William Whylers grandiosen Western „Weites Land“. Mit Gregory Peck und Charlton Heston. Die letzten 10 Minuten kriege ich nicht mehr mit. Ich bin eingeschlafen. Macht nix, Ich kenne den Film. Morgen wollen wir nicht vor acht Uhr aufstehen.
Kinoabend auf der Hütte
Mit dem Rauschen der Wasserfälle die uns umgeben im Ohr schlafen wir ein. Ich muss nachts noch raus und sehe die Lichter von Andalsnes. Ein schönes Bild. Ansonsten schlafen wir beide sehr gut und die Stimmung ist jetzt nach dem Tief der letzten Tage auf bestem Niveau.
Die Lichter von Andalsnes. Nachts um drei.
Ich kann nicht genug betonen, was für ein angenehmer Reisebegleiter Martin ist. Immer humorvoll, immer mit einer guten Idee dabei und wie ich voller Begeisterung für das wundeschöne Land das wir durchfahren.
Wir schlafen bis um acht. Ich gehe noch duschen, dann packen wir. Martin ist vor mir fertig. Soll mich das wundern? Wir wollen nach Andalsnes zur Esso-Tanke. Frühstücken. Als wir starten, fällt mir auf, dass Martins Karre eine ordentliche Abgasfahne hinter sich herzieht. Eine ganze Weile lang. In den letzten Tagen war mir bereits aufgefallen, dass sein Moped beim herunterschalten unter Last einen ordentlichen dunklen Schwall ausstößt. Beim Frühstück entscheiden wir, sowas wie eine Werkstatt zu suchen. Wir hatten gestern schon geschaut: Die nächsten Triumph Vertragshändler sind in Bergen oder Oslo. Beides gleich weit entfernt. Also wollen wir mal sehen, ob es hier eine Schrauberbude gibt wo die Locals ihre Mopeds warten lassen. Nach dem Frühstück fangen wir damit an. Ich schlage Martin vor, den ADAC zu kontaktieren. Schließlich hat er wie ich auch einen Schutzbrief von dem Laden. Und sowas sollte damit abgedeckt sein. Ich fahre derweil eine Runde durch den Ort um nach einer Werkstatt Ausschau zu haten. Ich frage mich durch, erhalte aber nur untaugliche Hinweise. Dann, als ich eben aus einer Ford-Autowerkstatt komme, sehe ich gegenüber vor einem Supermarkt ein Motorrad. Daneben zwei Typen. Ich denke, das sind Locals. Die wissen wo man hier mit ’nem Moped hingehen kann. Ich fahre rüber. Das Moped ist eine alte Guzzi. Sehr alt. Eine Le Mans I. In einem beklagenswerten Zustand. Wirklich abgeranzt, das Teil. Die beiden Typen die eben Ihre Einkäufe in einem Sack auf dem Gepäckträger verstauen sehen nicht besser aus. Nun ja. irgendwie stimmt mich der Anblick der beiden aber auch optimistisch. Die scheinen weit in weit ihren siebzigern zu sein und fahren mit ’ner Guzzi rum. Das lässt hoffen… Aussehen tun sie aber wie eine Mischung aus Trolls und Orks.
Gerade stehen können sie anscheinend nicht. Egal. ich Quatsche sie an. Auf englisch. Sie sagen: „Du kannst ruhig deutsch mit uns reden“. Au wei. Ich schaue auf das Nummernschild der Guzzi. Deutsch, TS, Traunstein. Das sind Bayern. Die machen seit zwei Wochen Urlaub hier und sind tatsächlich zu zweit auf diesem Moped hierher gefahren. Unglaublich. Wie dem auch sei, wir haben nett geschwatzt, aber helfen konnten die auch nicht. Ich fahre zurück zu Martin. Der hat den mittlereweile den ADAC kontaktiert und dieser den Vertragspartner vom norwegischen Autoclub . Deren nächster Werkstattpartner residiert in der Tanke an der wir stehen. Schräg.
Der Mann vom norwegischen Automobilclub ist da.
Der Mann von der Werkstatt wirkt kompetent und hilfsbereit. Aber auch er kann zunächst nichts anderes machen, als Öl nachzugiessen. Und zu messen. Nachdem Martin gestern einen ganzen Liter in der Triumph versenkt hat, macht unser Helfer das gleiche: Giessen, messen, giessen, messen. Ein weiterer Liter verschwindet in den unermesslichen Weiten des Triumph’schen Motors. Dann überprüft der Mann noch Martins Auspuff: Eine fette Ölschicht. Das nix gut. Er sagt uns, mehr könne er nicht tun. Und er rät Martin, mit der Karre die Tour nicht fortzusetzen. Er vermutet einen gravierenden Motorschaden. Wat nu.
Und ein weiteres Fass Öl verschwindet in Martins Triumph
Martin und ich halten Kriegsrat. Verantwortungsscheu wie ich bin, helfe ich ihm nicht. Ich wiederhole den Rat des Technikers: Mach was Du für richtig hälst, aber ich würde mit der Karre nicht weiter auf Tour gehen. Martin sieht das genauso. Wir überlegen hin und her. Dann entschließt sich Martin, die Tour abzubrechen. Er will irgendiwe bis Oslo und dann nach Deutschland zu kommen und dann mal weitersehen. Das ist bitter. Denn das heisst, das unsere gemeinsame Tour nach einer Woche zu Ende ist. Was für eine Schei***. Mein erster Impuls ist, ebenfalls abzubrechen. Aber was würde es Martin helfen? Kann ich Ihm bei technischen Problemen zur Seite stehen? Kann ich mehr als „moralische Unterstützung“ leisten? Nein. Martin ist genervt und fertig. Ich bin es auch. Wir trinken unseren Kaffee, überlegen und reden und kommen zu folgendem Entschluss: Ich begleite Martin heute Nachmittag noch in Richtung Oslo. Wir fahren die E136 zurück nach Dombas, dann nach Süden Richtung Oslo. Bis Otta will ich bei ihm bleiben. So machen wir es. Wir fahren wieder die E136 Diesmal in die andere Richtung. Sie ist immer noch wunderschön, aber wir haben heute keinen Blick dafür. In Dombas nehmen wir auf der gleichen Terasse wie gestern einen Kaffee. Dann fahren wir bis Otta.
An der E6 in Otta. Abschied von Martin. Was für ein Mist.
Hier werde ich nach Westen abbiegen und Martin seinem Schicksal überlassen. Ich Monster. An einer Tanke verabschieden wir uns. Martin will heute noch so weit es geht in Richtug Oslo kommen. Ich will, dass das alles nicht wahr ist. Wie dem auch sei. Nach einer Umarmung und den besten Wünschen trenne ich mich von Martin. Er fährt jetzt seine Tour. Ich die meine. Ich könnte kot***. Ich habe keinen Bock, jetzt zu erzählen wie toll der Weg nach Lom war, was für einen hübschen Campingplaatz ich gefunden habe und blablabla. Ich muss die Sache verarbeiten. Und überschlafen.
Ich habe gestern einen netten Platz gefunden. Westlich von Lom. Schnell ist dort mein Zelt aufgebaut und früh liege ich im Bett. Meine Gedanken kreisen um Martin, seinen Weg zur Fähre und warum das alles so sein muss. Heute morgen um 10 bin ich abfahrbereit. Noch einen Kaffee, noch eine Zigarette, noch einen kurzen Schwatz mit dem Landlord und um 10;30 geht es los. Es ist großartig. Ich fahre heute das Sognefjell. Eine Strecke die ich mit Rücksicht auf Eva und Nartin aus meinen Planungen rausgelassen hatte. Jetzt bin ich allein. Jetzt fahre ich wohin ich will. Aber bevor hier falsche Gedanken aufkommen: Martin fehlt. Und ich würde diese Dreckstrecke sofort im Austausch für seine Gegenwart sausen lassen. Nun ist es, wie es ist. Ich versuche aus der Situation das Beste zu machen. Ich fahre auf das Sognefjell. Skandinaviens höchsten befahrbaren Pass. Über 1.400m hoch. In Lom ist der Abzweig auf den Fv55. Oder auch „Schneestraße“ wie dieser Teil der Straße auch genannt wird. Erst seit einer Woche ist die Wintersperre für den westlichen Teil der Passtraße aufgehoben. Der östliche Teil ist ganzjährig befahrbar. Da oben ist ein Skigebiet. Da gibt es Skihütten und ein paar Hotels. Bei angenehmen Temperaturen steige ich auf die Fjellstraße ein.
Aufstieg zum Sognefjell. Vom Osten her
Ich habe etwas Angst. Oder besser ich habe die Befürchtung, dass es kalt wird. Ziemlich kalt. Und schneereich. Noch fahre ich zwiscchen grünen Wäldern und Wiesen, aber in der Ferne sehe ich die majestätischen Berge des Fjells. Groß und leuchtend weiß. Was mich etwas beruhigt sind die Mopedfahrer die mir entgegen kommen. Die haben das Fjell hinter sich. Also bin ich nicht der einzige bekloppte der mit dem Moped so früh im Jahr da rüberfährt. Die Straße zieht sich immer weiter in die Höhe. Bald habe ich die Baumgrenze hinter mir und die ersten Schneefelder tauchen auf meiner Höhe auf. 8 Grad noch. Bei 17 Grad bin ich in Lom gestartet. Ich habe mich warm angezogen. Und ich weiss, dass die gesamte Straße mit Auf- und Abstieg nur gut 70 Kilometer hat. Also wird es auszuhalten sein. Und das ist es. Die Schneefelder werden zu Schneewänden rechts und links der Straße. Aber wesentlich niedriger als ich vermutet hätte. Und die Sonne scheint. Nach einer großartigen fahrt stehe ich an der Passhöhe. 1.408m. Hört sich wenig an. Und verglichen mit der Höhe der Passtraßen in den Alpen ist das wenig. Da bin ich deutlich höhere gefahren. Allerdings darf man nicht vergessen, dass hier die Startpunkte der Passtraßen nahe bei normal null liegen. In den Alpen startet man schon deutlich höher. So sind die zu überwindenden Höhenmeter nicht weniger als die von so manchen Pass in den Dolomiten. Kurz nach der Passhöhe mache ich Kaffepause. Bei 2 Grad.
Ganz oben auf dem Sognefjell.
Und stahlendem Sonnenschein. Hier stehen ein paar Schneeraupen rum und ein Motorschlitten. Der Schnee leuchtet weiss, aber es taut. Nach einer Tasse Kaffee aus der Thermoskanne geht es weiter. Noch eine ganze Zeit lang auf dem Fjell, dann beginnt der Abstieg.
Noch herrscht hier der Winter…
Die Straße ist mit Steilkurven und Serpentinen gespickt. Was für ein Spass. Und dann das: Mir kommt eine Horde Harleys entgegen. Nun gut, jeder Jeck ist anders. Und es gibt eben auch Mopedfahrer die sich als „Biker“ bezeichnen und Ihre Mopeds „Bikes“ nennen. Und die Fahrer von amerikanischem Schwermetall gehören dazu. Zwei aus der Gruppe erfüllen jedes Klischee: Zuerst sehe ich nur einen Vorderreifen und Füsse. Die haben Fussrastenanlagen die extrem weit nach vorn und nach oben gelegt sind. Und ihren Führerschein haben die beiden wohl an der gleichen Schießbude geschossen, von der sie auch die Deko für ihre gepimpten Kirmeskarren her haben. Sie fahen auf meiner Straßenseite! Und sie und kriegen einen Schrecken als sie mich wahrnehmen. Penner. Ich muss eine Vollbremsung hinlegen und auf den fast nicht vorhandenen Seitenstreifen ausweichen. Beinahe hätte ich mich hingelegt. Und ich war nicht schnell. Der hintere der beiden Idioten hupt auch noch. Deppenpack. Kauft euch ein Dreirad, ihr Dilettanten. Vom Schreck erholt, geht es weiter und dann so richtig abwärts. Bald bin ich in einem wunderschönen grünen Tal und erreiche Skolden am Lustafjord, einem Ausläufer des Sognefjordes.
Westseite des Sognefjells, der Abstieg.
Noch ein paar Kilometer und ich will tanken. An einer Tanke halte ich an. Und was soll ich sagen: meine Visa Karte ist weg. Unauffindbar. Schei***. Wie konnte das passieren? Ich bin damit immer sehr vorsichtig. Ich habe sie zuketzt gestern abend auf dem Campingplatz benutzt. jetzt ist sie weg. ich durchsuche meine Sachen. Und nochmal durchsuche ich meine Sachen. Sie bleibt verschwunden. Und jetzt die immerhin etwas gute Nachricht: Der tankautomat akzeptiert meine EC Karte. Bei meiner Tout vor sieben Jahren ging das nirgendwo. Immerhin. ich hole mir einen Kaffee an der Tanke. Dann nehme ich mein Smartphone zur Hand und versuche rauszukriegen, was ich tun muss um die Karte zu sperren. Es gibt von Visa ein Verzeichnis mit Nummern für fast alle Länder der Welt in denen Visas akzeptiert werden. Ich rufe die die Nummer für Norwegen an. nach der üblichen durchtipperei durch ein Sprachmenü lande ich in einem Callcanter und habe eine nette Dame am Ohr. Die ist nett, spricht aber einen mir unbekannten englischen Dialekt. Ich verstehe fast nichts. Immerhin: Visa hat für soclhe Fälle einen Dolmetscheservice. Nach ein paar Minuten klinkt sich ein Dolmetscher in unsere Leitung ein und übersetzt simultan. Jetzt läuft es. Nach ein paar Minuten ist alles erledigt. Die Karte ist gesperrt. Aber trotzdem: Allmählich reicht es mir mit den Problemen auf dieser Tour. Es geht weiter. An einem schönen Aussichtspunkt am Lustafjord halte ich an. Ich mache ein paar Fotos, gehe zum Moped zurück und rutsche auf dem Schotterweg aus. Ungefähr eineinhalb Meter tiefer finde ich mich auf dem Bauch liegend in einem Busch. Es wird immer besser. Irgendwie hat sich beim Sturz mein Unterschenkel verdreht Und mein Knie schmerzt. Was für ein Mist. Das fehlte noch. Aber noch denke ich mir nicht viel dabei. In Hella nehme ich die Fähre. Es ist ein wundervoller Abend und die Sonne lässt den Sognefjord leuchten.
Diese Fähre bringt mich nach VangsnesAbends auf der FähreSonne über dem Sognefjord. Unbeschreiblich.
Auf der Fähre nach Vangsnes treffe ich einen Wanderer der mir erzählt, dass es auf einem Hügel un der Nähe des Fähranlegers eine Statue gibt, die Kaiser Wilhelm II den Norwegern geschenkt hat. Die wurde 1913 hier im Nirgendwo aufgestellt. Von der Fähre aus kann man die tatsächlich erkennen. Runter von der Fähre fahre ich hin und schaue mit das Ding an. Es handelt sich um die Dasrstellung einer norwegischen Sagengestalt namens „Fritjolv“. Das Ding ist riesig und hässlich. Ganz im Stil der wilhelminischen Zeit. Aber der Ausblick von hier oben über den Fjord macht das wieder wett. Gegen diese Landschaft hat dieses hässliche Monstrum zum Glück keine Chance.
Der „Fridjolv“ in Vangesnes. Der Sockel ist 10m hoch, die Statue 12m. Eine Monströsität.
Seit einiger Zeit macht sich mein Knie schmerzhaft bemerkbar. Der Sturz war war wohl nicht so folgenlos, wie ich dachte. Schaun‘ mer mal. Ich fahre bis zum gewählten Campingplatz (den Martin und ich von der Hinreise kennen) und nehme eine Hütte für heute Nacht. Dann buche ich für morgen eine Hütte in der Nähe von Bergen. Denn da will ich morgen hin um mir die Stadt nach so vielen Jahren nochmal anzuschauen. Pustekuchen. Im Laufe des Abend schwillt mein Oberschenkel an und in meiner Kniekehle schmerzt es. So ein Mist. Am späten Abend und in der Nacht wird es schlimmer. Ich werde morgen nicht fahren können. Ich kann kaum laufen. Was kommt als nächstes? Ich storniere die Buchung für morgen. Ich beschließe, hier einen Tage zu bleiben. Ist wunderschön hier und ich hoffe dass es dann wieder geht. Wenn bis morgen Abend keine Besserung eingetreten ist oder gar eine Verschlechterung vorliegt, muss ich meine Krankenversicherung anrufen und die wird sich um einen Arzt hier kümmern müssen. Ich denke, das Bein kann man schmerzfrei Spritzen, zumindest so weit, dass ich nach Hause fahren kann. Jetzt ist erstmal Bettruhe angesagt. mehr zu alledem morgen. In dieser Tour steck der Wurm drin….
Ich habe meinen Aufenthalt hier für einen Tag verlängert. Die Hütte konnte ich problemlos für die weitere nacht mieten. Mein Bein schmerzt. Zum Glück habe ich IBUs dabei. Die wirken wirklich. Relativ schmerzfrei kann ich den Tag vor und in der Hütte verbringen. Zum Frühstück habe ich noch zwei Scheiben Körnerbrot und etwas Salami und Marmelade. Und natürlich Kaffee. Ich koche eine große Kanne voll. Dann schreibe ich etwas und Nachmittags schaue ich einen Film auf Netflix. Die meiste Zeit verbringe ich jedoch bei Traumwetter auf der kleinen Terasse der Hütte und schaue auf dem Fjord den Schiffen nach.
Kreuzfahrer auf dem Sognefjord. Von meiner Hütte aus gesehen
Angesichts der Probleme mit dem Bein beschließe ich, die Tour ebenfalls abzubrechen. Ich bin wirklich genervt. Das ist alles so bitter. Ich bin hier im schönsten Teil Norwegens und das bei einer Wetterlage, die ich hier bisher noch nicht erlebt habe. Am ansonsten stahlblauen Himmel lassen sich nur ein paar kleine Schäfchenwolken sehen. Und das Hoch, dass sich seit mehr als einer Woche hier festgekrallt hat soll noch halten. Das sind beste Voraussetzungen um noch die ein oder andere der vielen Traumstrecken hier zu fahren. Aber das geht nicht. Ich hoffe, überhaupt aufs Motorrad steigen zu können und bis Kristiansand zu kommen. Das wird aber schon irgendwie gehen. Ich buche die nächste für mich erreichbare Passage von Kristiansand nach Emden. Am Samstag um 17 Uhr wird die MS Romantika, mit der wir auch schon auf der Hinreise gefahren sind, in Kristiansand ablegen. Am Sonntag morgen um 10 Uhr wird das Schiff in Emden sein. Von da ist es nicht mehr weit nach Hause. Ich bekomme noch eine der letzten beiden Kabinen und buche wie auf der Hinfahrt Abendbuffet und Frühstück dazu. So ist es also beschlossen. Morgen fahre ich Richtung Süden. Samstag will ich gegen Mittag in Kristiansand sein um einzuchecken. Nachmittags zieht in der Hütte nebenan ein Mann mitteren Alters ein. Ein Däne aus Velje. Er ist unterwegs zu den Lofoten um dort seine Tochter abzuholen, die im Rahmen ihrers Studiums ein Auslandssemester in Tromsö verbracht hat und nun ein paar Wochen Urlaub auf den Lofoten macht. Der Mann ist zum ersten Mal in Norwegen und von der Landschaft begeistert. Nach einem längeren Schwatz ist es schon fast Abend und ich habe Hunger. Ich habe noch ein Päckchen Instantnudeln – Geschmaschmacksrichtung „Curry“ – im Gepäck und mache mir ein kleines Essen. Jetzt habe ich ausser einer kleinen Tüte Paranüsse und einen Rest Kaffee keine weiteren Vorräte mehr. Morgen werde ich unterwegs frühstücken. Ordentlichen Kaffee gibt es hier an jeder Tanke, aber sowas wie eine „Brötchenkultur“ haben die hier nicht. Es gibt nur Pölser, Hamburger und riesige, eingeschweisste Baguettes mit pizza-ähnlichen Belägen. Aber das wird schon gehen. Im Laufe des Tages ist es mit meinem Bein besser geworden. Ich habe keine weiteren IBUs geschluckt und bin weitgehend schmerzfrei. Belasten kann ich es aber nicht. Aber es ist gut, dass das rechte Bein betroffen ist und nicht das linke. So kann ich recht problemlos auf das Motorrad steigen. Alles andere wäre wirklich übel gewesen. Von der „falschen“ Seite auf ein Motorrad zu steigen ist nicht witzig. Glaube ich jedenfalls. Probiert habe ich das noch nie. Abends packe ich meine Sachen so weit wie möglich zusammen, damit ich morgen früh schnell alles klar für die Abreise habe. Früh liege ich im Bett und schlafe gut.
Update: Vermutlich war der Abbruch der Tour ein Fehler. Ich hätte einen weiteren Tag hier verbringen und dann die Tour fortsetzen sollen. Der Abbruch war im Nachhinein gesehen wohl er dem Frust geschuldet als dass er tatsächlich notwendig war. Zur Erklärung aber hier mal eine Liste der Probleme und Ärgernisse:
Martin ist bei der Ankunft in Kristiansand krank. Zum Glück gibt sich das schnell.
Kälte und Nässe im Norden. Daher alle Pläne für den Norden verworfen und wieder in den Süden gefahren.
N-COM defekt. Linker Lautsprecher funktioniert meistens nicht, zwischen Halsa und Trondheim geht dann noch das Mikro kaputt.
Am Snåsavatnet bekommen wir trotz des Mistwetters keine Hütte. Wir Zelten im Dauerregen. Am nächsten Tag fällt Martin wegen Krankheit einen Tag aus. Wir müssen in der Kälte einen weiteren Tag an diesem ungastlichen Ort verbringen
Mein Smartphone für die Navigation hat den Geist aufgegeben. Der Touchscreen funktioniert nicht mehr. Wir fahren jetzt nach Martins Navi.
Rückfahrt nach Süden. Mir fällt auf, dass Martins Motorrad zwei mal eine Ölwolke ausstößt. Bei einer Ölkontrolle stellen wir fest, das kein messbarer Ölpegel vorhanden ist
In Andalsnes fällt Martin nach dem Rat des Technikers den Entschluss, die Tour hier abzubrechen. Ich begleite ihn noch ein Stück Richtung Süden. Ich bin jetzt allein unterwegs.
Zwei Tage später lege ich beim Fotografieren auf die Nase und verstauche oder zerre mir was im Knie/Oberschenkel des rechten Beines. Ich habe Schmerzen und kann nicht richtig fahren.
Am gleichen Tag stelle ich fest, das meine VISA Karte verschwunden ist. (Ist wieder aufgetaucht).
Diese kleinen und großen Probleme haben wohl dafür gesorgt, dass meine Frustrationsakzeptanzgrenze überschritte wurde. Ich sollte besonnener werden und mich nicht so schnell nerven lassen. Das nehme ich mir für die Zukunft vor.
Ich bin zeitig wach und habe nicht schlecht geschlafen. Aber ich mache mir Sorgen. Werde ich problemlos fahren können? Wird es schwierig werden? Komme ich aufs Moped und wieder ‚runter? Ich werde es sehen. Und ich habe keine Wahl. Ich habe Abends schon das meiste gepackt. Ich packe den restlichen Kram aufs Moped und mache die Hütte klar. Diesmal gehe ich sogar kurz mit einem nassen Feudel durch die Bude. Ich hatte doch etwas Dreck reingetragen seit ich vorgestern hier ankam. Den Schlüssel werfe ich in die Box an der Rezeption und dann starte ich. Der gleiche Weg zurück den Martin und ich auch auf der Hinfahrt genommen haben. Mit einer leichten Änderung. Kurz nach dem Start bin ich in Hopperstad, wo die alte Stabkirche steht. Und schon beginnt der Aufstieg auf das erste Fjell. Das Vikafjell. Nach ein paar Kilometern habe ich einen Aussichtspunkt erreicht, von dem man eine fantastische Aussicht über Hopperstad und eine Bucht am Sognefjord hat. Das ist mein Abschied von diesem gigantischen Fjord. Ich hoffe, ich komme nochmal hierher. Und es geht weiter hinauf. Auf dem Pass stehe ich vor einem Tunnel auf dem Parkplatz und trinke einen Kaffe.
Weites Land
Ein junges Paar so Anfang 20 hält mit einem Kleinwagen an, um die Aussicht zu geniessen. Dachte ich. Die wollen aber wohl eher Fotos für Instagram machen. Die Dame ist leicht bekleidet. Damit meine ich nicht etwa halbnackt, sondern extrem sommerlich. So wie man es an einem sonnigen Nachmittag in einer mediterranen Stadt erwarten würde. Und sie posiert für ihren Freund in den Schneefeldern die an den Parkplatz heranreichen. Sie muss fürchterlich frieren. Es hat nur vier Grad und ich bin froh, dass ich meine Mopedklamotten anhabe und einen heissen Kaffee trinken kann. Aber vielleicht bin ich ja auch einfach nur alt… Zwischen den Fotos können die beiden die Finger nicht voneinander lassen und benehmen sich so, als ob sie mich nicht gesehen hätten. Möglicherweise haben sie das auch nicht. Ich fahre weiter. und bald geht es wieder abwärts. Wie schon gesagt, ist es die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg. Aber die alte Mopedfahrerweisheit trifft zu: Fährst Du eine Strecke anders herum, ist es eine andere Strecke. So ist es jetzt auch. Und natürlich ist das Wetter anders. Klar, oben auf dem Fjell ist es beissend kalt. Aber bei dem Licht sieht das hier schon toll aus. Ich kann weit entfernte Bergketten erkennen. Die Sicht ist frei von Horizont zu Horizont und die Luft ist kristallklar. Der Abstieg erfolgt wieder über die Serpentinenstrecke die ich von der Anfahrt kannte. Martin war die noch etwas ängstlich aber dann doch problemlos raufgefahren. Ich halte kurz an einem spektakulären Wasserfall an und mache ein paar Fotos und ein kurzes Video.
Wasserfall an der Südflanke des Vikafjelles.
War es oben noch kalt, sind es wieder unten angekommen schon 18 Grad. Und gefühlt 25. Ich fahre durch das wunderschöne Myrkdal, einem Skiresort. Dann vorbei am Myrksdalvatnet und runter bis nach Vinje. Was für eine schöne Gegend. Im See spiegeln sich die Berge und Wälder. Mir kommt der alte Film „Und ewig singen die Wälder“ aus den 50ern in den Sinn. Der hätte hier gedreht werden können. Wurde er aber nicht. Sondern in der Gegend um Lillehammer. Wie dem auch sei: Die Landschaft ist das, was man als „wildromantisch“ bezeichnen würde. Zu schön um echt zu sein. Aber hier sieht es überall so aus.
Ein See, bei Myrkdalen
Und es ist erstaunlich, wieviel Unterschied hier zehn Tage warmes Wetter machen. Das Leben hier ist förmlich explodiert. Die Wälder und Wiesen stehen in so sattem Grün da, als seien die kalten Wochen schon lange vorbei. An einer Tanke mache ich halt. Ein Frühstück hatte ich ja nicht, also gibt es eine Pölser. Meine Leibspeise könnten die nicht werden. Ein mit Salami belegtes Brötchen zum Kaffee wäre mir lieber gewesen. Ich widerstehe der Versuchung mir noch eine Zimtschnecke mitzunehmen. Die sind wirklich lecker hier. Aber ich habe hier schon zuviel Schokolade und Kuchen gegessen.Ich trinke Kaffee, esse die Pölser und Eva ruft an. Sie bietet mir an, für mich einkaufen zu gehen . Das ist nett. Aber nicht notwendig. Sonntag Abend werde ich was essen gehen, und Montag kann ich ja selber einkaufen. Aber trotzden: Danke Eva! Das war wirklich nett. Nach dem Telefonat mache ich mich wieder auf den Weg und bin bald am Hardangerfjord. Hier gibt es eine Abweichung von der Strecke die wir auf dem Hinweg genommen haben. ich will die Ostseite fahren. Nicht die westliche wie auf der Hinfahrt. Da muss ich keine Fähre nehmen sondern nutze die „Hardangerbrua“, die große Brücke über den Hardangerfjord. Diese führt in beide Richtungen direkt in Tunnels. In denen sind die bekannten, in blauem Licht ausgeleuchteten unterirdischen Kreisverkehre. Sehr ungewöhnlich.
Nach ein paar Kilometern weiss ich, warum auf der Hinfahrt Martins Navi uns über die andere Route geschickt hat. Die Straße auf dieser Seite ist schmal. Sehr schmal. Jedenfalls größtenteils. Und es gibt Baustellen. Und „Fölg Megs“. Die wollen die Straße dort wohl verbreitern. Das wird ein Projekt für viele Jahre sein. Dauernd stehe ich in Autoschlangen. Zu guter letzt hänge ich dann noch für viele Kilometer hinter einem Tieflader mit einer Raupe drauf. Der ist an vielen Stellen so breit wie die Straße. An Überholen ist nicht zu denken. Der Gegenverkehr muss sehr oft zurücksetzen, sich haarschaf an die Felswände neben der Straße schmiegen und der Fahrer des Tiefladers muss all‘ seine Fahrkünste aufwenden um hier durchzukommen ohne anderen Verkehrsteilnehmern Schaden zuzufügen. Wer das hier beruflich macht, muss schon echt abgebrüht sein und Nerven wie Stahlseile haben. Und fahren können. Und Zeit haben. Den das Tempo hat was von Krötenwanderung. Es geht nur elendig langsam voran. Endlich, nach quälend langer Zeit ergibt sich eine kleine Lücke an einer Baustelle die ich nutzen kann. Schwupps. Und ich bin vorbei. Für Autos gibt es hier keine Chance, das Teil zu überholen. Auf dem weiteren Weg kommen mir einige dieser Pensionärsruhesitze mit teilweise absurden Ausmaßen entgegen. Die ahnen nicht, was sie erwartet… Am Ende des Hardanges mache ich Pause. Auf dem Parkplatz steht doch tatsächlich eine v85tt. So eine wie meine. Aber anders lackiert. Die trifft man nicht oft. Für Fahrer(Innen) von BMW GSen ist es völlig normal, dass sie auf einem Parkplatz mit dutzenden anderen GSen stehen. Die GS ist halt das Einheitsmoped und ungefähr so originell wie ein VW Passat. Aber für mich ist es das erste zusammentreffen mit dem gleichen Modell das ich fahre auf dieser Reise.
v85tt vor Rentnerfestung
Hier nehme ich auch Abschied vom Hardangerfjord. Was war das für eine schöne, aber auch nervige Strecke. Ab jetzt läuft der Verkehr besser.
Abschied vom Hardangerfjord
Bald darauf geht es auf das Røldalsfjellet. Vor dem Tunnel kommt der Abzweig der über die alte Straße durch die berge führt. Ich biege dort ab. Allein kann ich das ja machen. Doch nach ein paar Metern stehe ich vor einer Schranke. Wintersperre. Ich muß umdrehen und doch den Røldalstunnel nehmen. Schade. bald liegt der Ort Røldal hinter mir, und das nächste Fjell naht. Das Haukelifjell. Was haben wir auf der Hinfahrt da gefroren. Zugefrorene und halb aufgetaute Seen und Schneefelder soweit das Auge reichte. Aber auch hier hat das warme Wetter seine Spuren hinterlassen. Vom Eis ist wenig übriggeblieben, die Schneefelder sind stark auf dem Rückzug und auf einem Parkplatz hat sogar ein Souvenierhändler seinen Stand aufgebaut. Der Tunnel, den wir auf der Hinfahrt noch über die alte Paßstraße umfahren mussten, ist jetzt passsierbar. Aber mit „Fölg Meg“. Ich stehe als erster in der Schlange. Eine Dame stoppt die weiteren Fahrzeuge mit Ihrer Kelle. Sie sagt mir, dass es ca. 10 Minuten dauern würde bis es weitergeht. Wir kommen ins Gespräch. Wie üblich beim Smalltalk reden wir über das Wetter. Sie sagt, der Winter hier sei sehr kalt gewesen und habe ungewöhnlich lange gedauert. Und auch der Frühling sei bisher eindeutig zu kalt. Das Wetter jetzt sei eine wahre Erholung. Ich kann das verstehen. So schön ich es an vielen Stellen hier finde: Leben möchte ich hier nicht. Es ist alles schon sehr abgelegen und die Sommer hier sind kurz. Das Haukelifjell ist eine Winterportgegend. Aber Haukeli selbst ist ein kleiner Ort mit wenigen Einwohnern. Ein kleiner Coop, eine Tanke und das wars. Hier treffen die E9 und die E134 (die ich seit geraumer Zeit fahre) aufeinander. Daher ist das Dorf wohl auf jeder Karte verzeichnet. Bald kommt der „Fölg Meg“ und es geht weiter. Die weitere Fahrt ist ereignislos aber schön. Kurz nach 18 Uhr bin ich auf dem Campingplatz Flateland bei Valle den ich schon von der Hinfahrt kenne. Hier will ich morgen einen Ruhetag einlegen und am Samstag dann nach Kristiansand weiterfahren wo die Fähre hoffentlich auf mich wartet. Anders als beim ersten Besuch sind fast alle Hütten belegt. Auf der Wiese stehen Zelte und ein paar Rentnerburgen. Ich bekomme die Hütte Nr. 6. Für zwei Nächte. Meine Nachbarn sind Niederländer. Nette Leute. Die machen hier eine Rundreise mit dem PKW. Wir quatschen etwas und dann fahre ich noch kurz zum Supermarkt. Laut Google Maps ist der nur vier Kilometer entfernt und in wenigen Minuten zu erreichen. Wenn es keine „Fölg Megs“ gäbe würde das auch wohl stimmen. Aber ich komme um die erste Kurve und sehe die rote Kelle. Eine Baustelle. Ich stehe da allein. Der Streckenposten interessiert sich für meine Guzzi und wir reden kurz. Er sagt mir, dass die Unterbrechung hier jetzt länger als normal dauern würde. An der anderen Seite der Baustelle würde schweres Gerät abgeladen. Und bevor das nicht erledigt sei, käme auch kein Fölg Meg. Er hatte recht. 20 Minuten lungere ich da rum. Dann endlich geht es weiter und ich bin zwei Minuten später am Supermarkt. Ich besorge was zum Frühstück und fahre zurück. Diesmal habe ich Glück an der Baustelle. Mt lediglich zwei PKWs im Schelpptau startet eben der Fölg Meg und ich kann mich noch dranhängen. Schnell bin ich zurück am Campingplatz. Ich sitze abends noch vor der Hütte, lausche einem Hörbuch und liege um 22 Uhr im warmen Schlafsack. War eine schöne Tour heute und alles hat besser funktioniert als ich dachte. Aber mein Bein schmerzt immer noch bei Belastung und ich kann kaum von einem Stuhl aufstehen ohne mich abzustützen. Hoffentlich ist das bald besser. Aber morgen mache ich ja Pause. Mal sehen ob das was nützt.
Es gibt schlimmere Orte, einen Ruhetag zu verbringen. Der Platz liegt zwischen der E9 und dem Fluß Otra. Von der Straße hört man wenig, und vom Fluss nur ein entferntes, leises rauschen. Ich liege bis um 9 Uhr in der Falle. Einen Grund früh aufzustehen habe ich heute nicht. Ich mache mir ein wirklich gutes und ausgiebiges Frühstück mit dem Lachs und den Brötchen die ich gestern Abend noch geholt hatte. Mit dem Trangia habe ich sogar die Brötchen etwas aufbacken können. Die schmecken fast wie frisch. Das wird meine letzte Mahlzeit vor dem Buffet auf der Fähre sein. Mein Bein behindert mich immer noch. Wenn ich es belaste. Ansonsten habe ich keine Schmerzen. Laufen ist aber kein Problem. Nach dem Frühstück mache ich einen ausgiebigen Spaziergang entlang der Otra.
Spaziergang an der Otra
Hier führt ein Wanderweg entlang und mir begegnen und mich überholen so einige Wanderer. Es stehen einige Angler im Fluss. Zwei junge Friesen aus der Gegend von Leuwaarden angeln auch. Ich quatsche etwas mit denen. Wirklich nette und witzige Typen. Vom Alter her sind die so Mitte 20 und sind zusammen auf einer Honda Varadero hierher gefahren. Zum Forellenangeln. Sie berichten von einigen schönen Forellen die sie schon gefangen haben. Aber sie mögen beide keinen Fisch. Was für eine Verschwendung. Wir stellen fest, dass wir morgen die gleiche Fähre in Kristiansand nehmen und verabreden uns, morgen Vormittag zusammen die letzte Tour in Norwegen zu fahren. Nachmittags sitze ich in der Sonne und lausche einem Hörbuch. Dem dritten Teil einer Reihe die mir bisher gut gefiel. Auch dieser Band ist sehr unterhaltsam. Ich packe alles zusammen, optimiere die Beladung des Mopeds so dass ich morgen möglichst wenig Gepäck mit in die Kabine nehmen muss. Das Wetter ist heute wieder fantastisch. Zwischendurch beobachte ich ein junges Paar, die hier offensichtlich „besondere“ Fotos machen wollen. So wie gestern das Paar im Gebirge. Der junge Mann stapelt zwei Stühle aufeinander, klettert darauf und die Dame legt sich ins Gras. Dann wird hin- und her fotografiert. Ich gebe zu, dass ich nur darauf gewartet habe, dass er mit den Stühlen umkippt. Aber es passiert nichts. Schade. Ich bin schon ein missgünstiger Greis…
Was tut man nicht alles……für ein Insta-Foto
Später kommen die beiden Friesen noch vorbei. Rex und Ilke. Wir quatschen noch etwas, dann verabreden wir uns für den nächsten Morgen. So gegen 10:30 wollen wir starten. Es sind nur knapp 180 km bis zur Fähre in Kristiansand. Etwas sitze ich noch draussen, dann wird es irgendwann frisch und ich gehe ins Bett. Mein letzter Abend hier in Norwegen ist vorbei. Wie schade. Ich hoffe, dass ich bald wiederkomme.