Alles was mich interessiert

Kategorie: Touren Seite 5 von 6

Bisherige und zukünftige Heldentaten

Golden Route und kalte Fjells. Tag Zwei.

Ich habe gut geschlafen. Um 6:30 geht der Wecker. Ich bin sofort auf und schaue was das Wetter macht. Es regnet nicht, aber trocken ist anders. Dichte Nebelschwaden hängen über dem Fjord und der Campingwiese. Alles tropft, alles ist klamm. Meine Klamotten zum Glück nicht. Die sind alle warm und trocken. Nach der Dusche koche ich Kaffee und mache auch die Thermoskanne voll. Ich belade das Motorrad und räume kurz die Bude auf. Es war eine gute Unterkunft zu einem fürstlichen Preis. Aber ich habe mich hier gut von dem gestrigen Mistwetter erholt. Kurz vor 8 starte ich die Pan und bin wieder auf Tour. Heute soll es über mehrere Fjells bis Utvik, Stryn und Geiranger gehen. Von dort aus nach Eidsdalen und mit der Fähre nach Linge. Zirka 25 Km vor dem Trollstigen gibt es einen Campingplatz mit Hütten. Im Gudbrandsdal. Da soll es hingehen. Nachdem ich die Ortsausfahrt von Sogndal hinter mir gelassen habe, sagt das Navi, dass ich im nächsten Kreisverkehr links abbiegen soll. In 61,7 Kilometern. So mag ich das. Eine Zeitlang zieht sich die Strecke am Fjord entlang, dann geht es ins Gebirge. Ich sehe die wolkenverhangenen Gipfel und die Schneefelder in großer Höhe über mir. Aber die kommen schnell näher. Und richtig: Es wird kalt kalt kalt. Schnee bis an der Straße, zugefrorene Seen und Flüsse. Zum Glück kein Regen, aber ständiger Nebel bzw. Wolken. Die Kälte kriecht durch die Klamotten. Und dann die Tunnels: Lang, dunkel und kalt wie eine Kühltruhe. Davon habe ich jede Menge auf meinem Weg. Aber ich genieße auch grandiose Panoramen. Der Fahrspaß kommt wie schon gestern etwas zu kurz. Die Straßen sind nass, schmierig und in durchwachsenem Zustand. Unvermittelt tauchen Längsrillen von der Breite eines Ölfasses auf und der Frost hat in der Decke seine Spuren hinterlassen. Ich muss aufpassen wie ein Luchs. Das Fahren ist anstrengend. Verkehr gibt es nur wenig. Überwiegend LKWs, die mich jedes mal mit einer breiten Gischtfahne einhüllen wenn sie mir entgegen kommen. Super. Aber immerhin: Es regnet auch weiterhin nicht. Ich brauche Sprit. Die Anzeige sagt mir ich kann noch 75 Kilometer fahren, aber ich nehme den ersten Tankautomaten der kommt. Automaten gibt es hier einige. Die stehen mitten in der Pampa und man kann mit Kreditkarte da tanken. Eine gute Sache.

 

Gletscher Boyabreen

Gletscher Boyabreen

Am Gletscher Boyabreen mache ich Pause und schlürfe Kaffee aus der Thermoskanne. Ich bin so froh dass ich die doch mitgenommen habe. So behalte ich trotz der nassen Kälte meine gute Laune. Vom Gletscher sehe ich nur ein paar Ausläufer bläulich schimmernden Eises. Aber was auch sonst: Man spürt seine Nähe durch die Kälte. Sagte ich schon, dass es hier echt kalt ist? Und mein Magen meldet sich. Ich habe Hunger. Seit dem Frühstück auf der Fähre gestern morgen habe nichts mehr

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Ziegenherde auf der Straße

gegessen. Ich werde mir bald was zu Essen besorgen. Kurz vor Skei: Eine Ziegenherde ohne Hüter auf der Straße. Sachen gibt’s. Keine zwei Kilometer weiter wird es noch besser: Im Nebel taucht links ein Parkplatz auf, auf dem steht Klaus. Und sein Deutz, Baujahr 1969. Klaus ist Rentner und seit vier Wochen mit Trecker und selbstgebautem Wohnanhänger unterwegs zum Nordkap. Bis September will er wieder zuhause sein.

Klaus und Trecker

Klaus und Trecker

Er war in jüngeren Jahren auch viel mit dem Motorrad unterwegs erzählt er mir. Nach einem netten Plausch mache ich noch ein Foto und er erlaubt mir es ins Internet zu stellen. Ein netter Typ.Vielleicht etwas verrückt, aber nicht verschroben. Wir geben uns kurz die Hand und wünschen uns gegenseitig eine gute Fahrt. Kurz nach dieser Begegnung passiert es: Ein Sonnenstrahl bricht durch die Wolken. Wahnsinn. Das es sowas hier gibt. Aber es hält nicht lange: Schon seit geraumer Zeit fahre ich wieder bergauf und lasse bald die Baumgrenze hinter mir. Die Aussichten sind gigantisch. Es ist atemberaubend. Und – was sonst – es ist kalt. Und noch kälter. Aber ich glaube ich erwähnte das schonmal…. Es ist hier echt kalt. Dann die Abfahrt. Es wird wärmer. Und die Sonne kommt raus. Ist das eine Wohltat. Unten am Fjord sind die Straßen trocken und ich kann sogar die Heizgriffe abschalten. Das Fahren wird zum echten Spaß. Im Fjord bei Stryn liegt die „Emerald Princess“ und gefühlte 10.000 Touristen rennen durch das kleine Dorf. Aber das ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf Geiranger. Die Strecke nach Geiranger ist spektakulär. Wieder rauf aufs Fjell, aber diesmal mit Sonnenschein und immerhin 12 Grad. Sonne ist toll.

Schnee

Schnee

 

Auch hier Schnee und Eis bis an die Fahrban. Aber die Strasse ist trocken und die Fahrt ein wahres Vergnügen. Die Abfahrt vom Fjell hinunter nach Geiranger ist kaum zu toppen. Gefühlt hunderte von Serpentinen und eine gute Straße. Was für eine Fahrt. Nach dem Hochgenuss folgt jetzt der etwas unschönere Part: Reisebusse. Dutzende. Die bringen die Kreuzfahrer von Geiranger zum Dalsnibba oder auch nur bis zum ersten Aussichtspunkt über dem Dorf. Ich will nicht meckern. Schließlich bin ich auch Touri und auch hier in Geiranger. Aber zuviel ist zuviel. Ich halte unten nur kurz an. Die Hektik und die vielen Busse und Menschen stören mich. Ich fahre weiter. Die Adlerstraße hinauf. Am berühmten Aussichtspunkt dort mache ich auch meine Fotos. Zusammen mit hunderten von Franzosen und Chinesen

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Geiranger, Ort

Geiranger: Du bist schön. Aber man muss dich mit zu vielen anderen teilen. Nichts für mich. Achja: Ich habe noch mehr Hunger.

Geirangerfjord, Nordrichtung

Geirangerfjord, Nordrichtung

Ich fahre bis Eidsdal. Dort will ich die Fähre nach Linge nehmen. Nahe beim Anleger gibt es einen Coop Supermarkt. Endlich: Das hungern hat ein Ende. Erstaunlich wie anspruchslos man wird wenn man Hunger hat: Ein Päckchen Salami, zwei Baguettebrötchen, eine Flasche Mineralwasser und zwei Bananen. Dann noch ein „Coffe to go“ aus dem Automaten der erstaunlich gut schmeckt und ich mache es mir am Fähranleger bequem. Ich speise nicht eben wie ein Fürst, aber bei dieser Aussicht würde ich mit niemandem tauschen wollen.

Picknick am Anleger

Picknick am Anleger

Dann ab auf die Fähre. Mein Tagesziel ist nur noch 15km entfernt. Schließlich will ich morgen früh die Trollstigen hinunter fahren. Eines der Highlights der Tour und einer der Gründe warum ich mit dem Motorrad hier bin. Ich will zum Gjaerde Camping und mir eine Hütte für die Nacht nehmen.

Fähre nach Linge

Fähre nach Linge

Aber es kommt anders. Gjarde Camping ist geschlossen. Schei***. Was nun? Ich kann zurückfahren. Ich bin an mindestens zwei anderen Plätzen mit Hütten vorbeigekommen. Nix da. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Das heisst, ich werde heute noch den Trollstigen fahren. Lieber Himmel. Aber was solls: Dem Moped die Sporen gegeben und rauf aufs Fjell. Sagte ich schon, das auf den Fjells auch Ende Mai Schnee und Eis en Masse vorhanden sind? Und das es da ziemlich kalt ist? Wenn nicht hole ich das nach: Jede Menge Eis und Schnee. Und Kälte. Und Wind. Und vor allem kalter Wind. Ich bin im Reinheimen Nationalpark. Und bald an der Trollstigen. An einem Aussichtspunkt mache ich Pause. Und ich baue einen Troll. Das soll Glück bringen. Mein Troll ist kein großer Troll. Aber es ist mein Troll. Und es ist der einzige Troll hier. An den anderen Parkplätzen standen schon viele davon rum. An diesem Platz ist meiner der einzige.

Mein Troll

Mein Troll

Dann mache ich die Kamera klar, atme durch und halte auf die Trollstigen zu. Den Touristenquatsch am Trollstigencenter lasse ich aus. Ich fahre direkt drauf los. Und erstmal in die Wolken. Ich befürchte schon,dass ich den ganzen Weg nach unten nur Nebel habe, aber die Angst ist unbegründet: Nach ein paar Metern ist es klar. So ein Mist. Ich glaube der Nebel wäre besser für mein Nervenkostüm gewesen. Dann hätte ich nicht sehen müssen was ich hier tue. Die Trollstigen ist gewaltig. Und gewaltig steil. Meine Höhenangst, im normalen Alltag nicht spürbar, schlägt zu. Ich habe einen Kloß im Hals und sitze total verkrampft auf dem Moped. Ich habe die Troll-Leiter für mich allein. Zum Glück. Ich bemühe mich auf die Straße zu sehen. Der Blick in den Abgrund tut mir nicht wirklich gut. Meine lieber Herr Gesangsverein: Hier geht es echt abwärts. Langsam, unendlich langsam, aber sicher meistere ich Kehre um Kehre. Ich schwöre mir mehrfach, sowas nie nie nie mehr zu machen. Der Wasserfall verpasst mir eine eisige Dusche. Und dann komme ich unten an. Heil. Und irgendwie euphorisch. Ich vergesse meine Schwüre und überlege ernsthaft umzudrehen und nochmal rauf zu fahren. Ich Depp. Zum Glück fällt mir rechtzeitig ein dass ich dann ja auch nochmal runter müsste und ich verwerfe diesen Gedanken sofort. Ich fahre durch ein grünes Tal in wärmenden Sonnenstrahlen auf Andalsnes zu. Und ich finde meine Hütte für heute Nacht.

Meine heutige Unterkunft

Meine heutige Unterkunft

Dritter Tag: Ganz anders als die ersten Zwei.

Kilometerstand 80855.

Um sechs Uhr Früh bin ich auf. Ich mache mir ein kleines Frühstück. Etwas von der Salami von gestern mit einem halben Baguettebrötchen und eine Banane. Und Kaffee. Mein Gaskocher ist super. Und auch die Anschaffung des faltbaren Silikon-Kaffeefilters rechtfertigt sich nun: Wirklich ein feines Teil. Ich fülle natürlich auch die Thermoskanne.

 

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Kocher und Silikonfilter im Einsatz

 

Danach mache die Hütte klar und halte noch einen kurzen Plausch mit meinen Hüttennachbarn. Zwei Schweden aus Göteborg. Die fahren beide eine neue 1000er Versys. Schöne Motorräder. Die habe hier den nördlichsten Punkt ihrer Reise erreicht. Gestern sind sie wie ich von Geiranger zur Trollstigen gefahren und machen sich nun auf, den gleichen Weg zurückzufahren.
Ich will heute bis Trondheim. Ich möchte aber einen Umweg über die berühmte Atlantikstraße, den „Altlanterhavsveien“ nach Kristiansund machen. Den Hüttenschlüssel werfe ich in den Briefkasten da die Rezeption noch nicht besetzt ist. Das wird hier überall so gehalten wie ich mittlerweile festgestellt habe. In Andalsnes tanke ich noch und los geht es in Richtung Molde. Dazu fahre ich zunächst bis zum Anleger der Fähre Afarnes-Soelsnes und warte auf die Fähre. Nach kurzer Überfahrt geht es weiter Richtung Molde. Ich überquere die elegant geschwungene Brücke zum Inselchen Bolsoya und fahre dann in den Tunnel der die Insel mit Molde verbindet.

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Brücke nach Bolsoya

 

Kurz vor der Brücke halte ich an um ein Foto zu machen. Aus der Gegenrichtung kommen zwei Motorradfahrer die das gleiche vorhaben. Wir halten einen kurzen Schwatz. Sie kommen aus Bremen und haben in Molde übernachtet. Jetzt fahren sie zurück. Sie hätten bisher nur Regen gehabt auf ihrer Fahrt und das sei ihr erster trockener Tag. Der Ältere der beiden war schon 15 mal mit dem Motorrad in Norwegen wie er mir erzählt. Wir trennen uns und bald bin ich in Molde: „The Town of Jazz and Roses“ wie sich Molde selbst nennt. „Jazz“ wegen des traditionsreichen jährlichen Jazzfestivals, „Roses“ wegen des vergleichsweise milden Klimas das hier noch Rosen gedeihen lässt. Ich habe aber keine gesehen. Ich war 1992 schon mal hier. Damals mit Christian und Petra. Die hatte hier einen sündhaft teuren echten Norwegerpullover gekauft. Die werden hier auch produziert. Die Stadt durchquere ich aber nicht sondern fahre direkt weiter zur Atlantikstraße. Hier war ich schon zweimal. Dass ich diese Strecke gewählt habe ist so eine Art Nostalgietrip. Die Atlantikstraße selbst ist nicht halb so spektakulär wie oft beschrieben.
Das Wetter ist hier durchwachsen: Dicht bewölkt, windig und kühl. Aber trocken. Und das ist das wichtigste. Schon ab Eide macht mich mein Navi kirre. Wo das überall hin will. Ich kenne die Strecke und habe die Karte grob im Kopf. Zunächst ignoriere ich die Anweisungen des TomToms, dann irgendwann schalte ich es ab. Hier kann ich ich nicht verfahren. Obendrein ist alles gut ausgeschildert. Auf der Atlantikstraße ist es wie zu erwarten war sehr windig. Ich fahre in Schräglage geradeaus. Allerdings in wechselnden Schräglagen. Der Wind scheint aus allen Richtungen zu kommen und ist sehr böhig. Das ist äußerst unangenehm. Zum ersten mal hier in Norwegen sehe ich jetzt das offene Meer. Kein Fjord sondern die äußere Küste. Hier kommt bis Island nichts mehr. Die Wellen schlagen schwer an die steinigen Ufer und ich rieche und spüre die Gischt. Das ist schön, wenn auch kühl. Das eigentlich obligatorische Standardfoto von der Storseisundbrücke habe ich mir geschenkt.

Gegen Mittag bin ich auf Ekkilsoya. Hier war ich vor vielen Jahren – das genaue Jahr habe ich nicht im Kopf – mal zwei Wochen angeln. Das liegt kurz vor Kristiansund. Ich erinnere mich, dass wir damals die Fähre nehmen mussten um nach Kristiansand zu gelangen. Jetzt gibt es einen Tunnel. Der ist Mautpflichtig und es kostet 61 NOK ihn zu benutzen. Ich unterquere also den Fjord und bin in Kristiansund. Mein Magen meldet sich. Ich habe zwar ein kleines Frühstück gehabt, und gestern Nachmittag noch das Picknick Fjord. Aber mein letztes warmes Essen habe ich am Sonntag Mittag auf der „Color Magic“ gehabt. Also beschließe ich es mal richtig krachen zu lassen und steuere den „Burger King“ von Kristiansund an. Ein Doppelwhopper wird bestellt. Nebst Pommes und als Softdrink eine Cola Zero. Dazu noch Mayo. Der Spaß kostet knapp 130 NOK. Und die Pommesportion ist erschreckend klein. Es schmeckt wie so ein Whopper eben schmeckt. Ich nutze das WLAN des Burgerladens und schaue mal den Wetterbericht und die neuesten Nachrichten. Das Wetter Zuhause ist ja katastrophal! Wenn man also gutes Wetter haben will: Knapp 1.500 Kilometer nördlich kann man es haben: Hier scheint jetzt die Sonne. Die Wolken lösen sich mehr und mehr auf. Wunderbar.

 

 

 

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In Kristiansund

 

Ich will heute noch bis Flakk fahren, das ist kurz vor Trondheim. Von dort geht die Fähre zur Halbinsel Fosen. Dort gibt es auch das „Flakk Camping“. Mein Tagesziel.
Doch zunächst geht es erst mal raus aus der Stadt. Ich fahre nach Kanestraum um die Fähre nach Halsa zu nehmen. Das Fahren mit der Fähre wird mitterweile zur Routine. Diese Überfahrt ist jedoch besonders schön: Die Sonne scheint und der Halsafjord schimmert tiefblau und ist spiegelglatt. Eine Postkartenaussicht. Nur viel schöner. Diese Fähre ist relativ groß und hat ein Aussichtsdeck. Dahin gehe ich jetzt und geniesse diese kleine Schiffsreise.

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Fähre über den Halsafjord

 

Noch vor zwei Tagen wagte ich nicht, von so einem Wetter zu träumen. Und jetzt ist es da. Und es bleibt. Zumindest für heute: Ich verlasse die Fähre und fahre die E39 Richtung Trondheim. Die Fahrt ist mit Worten ebenfalls kaum zu beschreiben. An dieser Strecke fehlen die spektakulären Auf- und Abfahrten, keine verrückten Brücken und dramatischen Aussichten. Die äußerst gute Straße schlängelt sich entlang des Vinefjordes. Nie lange geradeaus, sondern immer in leichten Kurven, mit sanften Steigungen und Gefällen. Und das bei strahlendem Wetter. Herrlich. Ich gerate in den Flow. Das Fahren geht von allein und ich kann die Landschaft und die Ausblicke über den Fjord geniessen. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich beim norwegischen Verkehrsministerium bedanken, dass mir diese Straße zur exklusiven Nutzung an diesem traumhaften Nachmittag zur Verfügung gestellt hat. Was für ein Unterschied zu den letzten beiden Tagen. Aber alles hat seinen Reiz. Vor allem die Kontraste.

 

 

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Pause an der E39

 

bekloppt

Und dann noch dieser Verrückte. Natürlich legt er einen heftigen Kavalierstart hin.

 

Kurz vor Orkanger mache ich eine Pause. Ich überlege, ob es eine gute Idee ist bis Flakk zu fahren. Denn wenn der Platz geschlossen ist muss ich fast 30Km zurück. Ich beschließe, es zunächst am Campingplatz von Oysand zu versuchen. Das ist kurz vor Trondheim. Sollte ich da nichts kriegen oder sollte der geschlossen sein dann fahre ich weiter nach Flakk. So der Plan.

Vor erreichen des Zieles tanke ich noch. Aus einiger Entfernung sehe ich in einer Ecke der großen Tankstelle ein paar Sitzgruppen an denen einige Motorräder stehen und ihre Fahrer wohl Pause machen. Beim näheren hinsehen erkenne ich ein schönes Motorrad: Scheint eine nagelneue Triumph T120 zu sein. Naja: Wohl etwas gepimpt. Mit Kickstarter und auffälligem Luftfiltergehäuse rechts. Ich gehe näher ran: Sie glänzt in der Sonne als ob sie eben vom Band gelaufen wäre. Moment: Die hat eine Trommelbremse vorne. Ich schaue noch genauer hin: Es ist keine neue T120 sondern eine originale T90 aus den 60er Jahren. Hammer. Und dann schaue ich mir die anderen Motorräder an: Eine 600er BSA, ebenfalls 60er Jahre, eine Norton Commando aus den 70ern, und eine Triumph Trophy. Daneben eine Honda Seven Fifty ebenfalls über 40 Jahre alt.

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Triumph

 

Manches Museum wäre froh diese Teile in diesem Zustand zu besitzen. Ich frage die Besitzer ob ich Fotos machen darf was sie mir mit einem gewissen Besitzerstolz in der Stimme erlauben. Es ist eine Versammlung von älteren Herren die sich hier wohl verabredet hat um ihre Schätze auszuführen. Ich sage noch: „These vintage machines are really beautiful“ und zurück kommt ein lachendes „And so are their drivers!“ Dann kommt noch eine „Ariel“ in original Weltkriegsoutfit angefahren. Unglaublich. Aber ich muss weiter. Es wird spät.

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BSA

 

Oysand ist geöffnet. Der freundliche Herr an der Rezeption händigt mir den Schlüssel für meine Hütte aus und zeigt mir auf dem Lageplan wo die ist. Ich hätte mich auf mein Bauchgefühl verlassen sollen: Schon als ich zum Campingplatz abgebogen war wirkte das ganze Areal total unsympathisch auf mich: Die Lage: Mitten in einem Industriegebiet. Unterhalb der E6. Der Platz: Überwiegend staubiger Schotter mit ein paar Grasinseln darin. Die Hütten hinter einer Biegung konnte ich noch nicht erkennen. Sonst hätte ich sofort das Weite gesucht. Nun denn: Ich fahre zur Hütte Nr. 11. Ich habe aus Protest kein Foto davon gemacht. Ein schäbiger Holzschuppen der nicht mal über sowas wie einen kleinen Freisitz verfügt. Ein Unding in Norwegen. Bis zum Waschhaus/WCs sind es gefühlte fünf Kilometer (nein: in Wirklichkeit etwa 150m). Ich schließe die Tür auf und es kommt mir ein stechender Geruch entgegen: So eine Mischung aus Essig, Desinfektionsmittel und Plastikweichmacher. Also geputzt wird hier. Aber eine derart schäbige Ausstattung habe ich noch nie in einer Hütte gesehen: Die Stühle sind ein Sammelsurium von Schulstühlchen verschiedener Größe, der Tisch eine Sperrholzplatte mit aufgeklebtem Papier. Die Betten OK. Decken und Kissen sind aus einem merkwürdigen Material: So eine Mischung aus Kunstfaserwatte und Filz. Federleicht. Aber ich habe ja mein eigenes Zeug. Die Tür kann man nicht schließen. Denn sofort steht man dann in diesem unglaublich scharfen Geruch.

Und etwas Verrücktes: Auf dem Tisch liegt abgepackte Einweg-Bettwäsche aus 100% Polyester. Benutzbar für bis zu fünf mal so die Aufschrift. Wie ich schon sagte: Alles sehr schäbig hier, aber sauber. Und echt ätzend. Ich ärgere mich dass ich nicht bis Flakk gefahren bin und beschließe, mich hier nur so kurz wie möglich aufzuhalten. Ich gehe früh zu Bett und schlafe schnell ein.

Vierter Tag: D-Day

Donnerstag, 2. Juni

Heute ist D-Day (Decision Day), genauer D1-Day. Denn es wird noch einen D2-Day geben. Ich habe mir vor Beginn meiner Tour vorgenommen, in Trondheim zu entscheiden ob ich in den Norden fahre. Also den FV17 bis zu den Lofoten. Die Entscheidung wollte ich vom Wetter abhängig machen und das sieht gut aus. Also ist das geklärt. Bis zu den Lofoten geht es auf jeden Fall weiter. Dort wird es dann den D2-Day geben: Die Entscheidung, ob es weiter bis zum Nordkap geht werde ich dort treffen.

Um 6 Uhr bin ich auf den Beinen. Ich packe die Klamotten und will nur weg hier. Der Platz ist total unsympathisch und die Hütte ein Loch. Ich koche nicht mal Kaffee. Ich bin versucht, den Hüttenschlüssel in den Fjord zu werfen, mache das aber nicht sondern liefere ihn brav im Briefkasten der Rezeption ab. Nichts wie weg hier.

 

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Anleger in Flakk

 

Ich werde statt zur Fähre nach Flakk die E6 bis hinter Trondheim fahren. Ich denke in Trondheim habe ich die Chance, irgendwo ein Frühstück zu kriegen. So der Plan. Aber wie das mit Plänen so ist: Kaum auf der E6 stehe ich im Stau. Heftiger Berufsverkehr quält sich entlang einer Baustelle auf Trondheim zu. Kurz entschlossen aktiviere ich den alten Plan, fahre dreist an der langen Autoschlange vorbei und biege im Kreisverkehr auf Richtung Fähre Flakk ab. Wie sich zeigen sollte genau die richtige Entscheidung. Schlagartig bin ich wieder allein auf der Straße. Die Strecke zur Fähre ist gut zu fahren und kurze Zeit später stehe ich am Anleger. Es geht rüber auf die Halbinsel Fosen, nach Roervik. Auf der Fähre gibt es Kaffee. Die Fahrt dauert eine halbe Stunde.

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Kaffeesalon auf der Fähre

 

Das Wetter ist durchwachsen, aber trocken. Ich folge nun dem FV755, immer entlang des Trondheimfjordes der auf die nächsten Kilometer ein ständiger Begleiter zu meiner Rechten ist. Das Spiel von Wolken und Sonne über dem Wasser erzeugt magische Bilder. Es gibt kaum Verkehr und schließlich biegt die Straße ins Landesinnere ab. Und es geht aufwärts. Nein: Nicht wie auf die Fjells im Süden. Aber aufwärts. In die Wolken. Es wird feuchter und kälter, aber alles kein Problem.

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Trondheimfjord

 

Es gibt immer weniger Verkehr. Aber dafür Schafe. Die liegen mit ihren Lämmern, die alle noch ganz klein, niedlich und ziemlich lecker aussehen, auf der Straße. Die scheint wärmer zu sein als das nasse Gras. Man muss sehr aufpassen. Die Tiere kennen keine Angst. Oder sie sind blöd. Jedenfalls machen sie keinerlei Anstalten sich vom Acker zu machen wenn ein Fahrzeug kommt. Man kann ja drumherum fahren. Und genau das erwarten Sie auch.

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Schafe

 

Irgend wann geht es wieder bergab. Aber nicht in Serpentinen sondern auf langen Geraden mit ordentlich Gefälle. Ich bin dauernd zu schnell. An der Brücke über den Skarnsund mache ich eine kurze Pause und ein Foto.

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Brücke über den Skarnsund

 

Dann geht es weiter bis Straumen. Hier biege ich nach links auf den FV761 ab der bald auf die E6 trifft. Der folge ich nur ein paar Kilometer. Denn kurz hinter Steinkjer beginnt der FV17.

Wenn die „Route 66“ der Traum des Harley Fahrers ist, dann ist der „FV17“ der Traum des echten Mopedfahrers. Diese Straße schlängelt sich entlang der Küste hinauf bis kurz vor Bodö und wird durch ettliche Fähren unterbrochen. Ich freue mich darauf. Zunächst geht es nach Namsos. Eine kleine Stadt an der Mündung des bekannten Lachsflusses Namsen. Namsos erlangte traurige Berühmtheit durch seine totale Zerstörung durch die deutsche Luftwaffe 1940. Die Fahrt von Steinkjer nach Namsos ist nett. Aber auch nicht mehr. Kurz vor Namsos dann: In einer Kurve kommt mir ein LKW Fahrer entgegen der mehrmals seine Lichthupe betätigt. Ich rechne mit einer Verkehrskontrolle hinter der Kurve und checke meine Geschwindigkeit. Alles OK. Dann hinter der Kurve der wahre Grund des Blinkens: Keine Verkehrskontrolle sondern ein leibhaftiger Elch. Es gibt sie also wirklich. Die Elchschilder sind doch kein Gag für die Touristen. Das Viech ist riesig. Es trottet über die Straße und als ich langsam näher komme legt es einen Zahn zu und trabt erstaunlich leichtfüßig über eine Wiese davon in den Wald. Für solche Fälle sollte man eine Kamera um den Hals hängen haben. Wie dem auch sei: Eine Kollision mit so einem Trumm wünscht sich wohl niemand. Das Tier wiegt bestimmt soviel wie meine Pan. Und mit Sicherheit mehr als ich. Und sowas treffe ich selten in freier Wildbahn.

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Der Autor in Namsos

 

Namsos ist nicht besonders reizvoll. Wie im übrigen die meisten norwegischen Städtchen und Dörfer die ich bisher gesehen habe. Ich habe Hunger und besorge mir einen Automatenkaffee und meine erste echte Pølser. Eine gegrilltes Hotdog-Würstchen in Brot. Es gibt verschiedene Brotsorten und Saucen zur Auswahl. Das Teil schmeckt wie es aussieht. Wegen den Dingern muss man nicht nach Norwegen kommen. Aber richtig übel sind sie auch nicht.

 

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Kaffee & Pølse

 

Ich schaue mir auf der Karte an wie ich jetzt weiter vorgehe. Ich entscheide mich, den FV17 für‘s erste zu verlassen und dem FV769 bis nach Lund zu folgen, wo ich dann die Fähre nach Hofles nehmen will. Dort sind laut meiner Karte und laut Internet Campingplätze. Ist der FV17 eine Nebenstrecke der E6 so ist der FV769 die Nebenstrecke der Nebenstrecke. Aber wunderbar zu fahren. In Lund stehe ich am Anleger als Nr. 2 in der Schlange direkt hinter einem Wohnwagen mit holländischem Kennzeichen. Das Wetter ist mittlerweile traumhaft: Die Wolken fast ganz verschwunden und es weht nur ein leichter Wind. Ich hole mir einen Kaffee und setze mich auf die Terasse des kleinen Ladens am Anleger. Die Aussicht ist schön. Der Fjord wechselt ständig seine Farbe von fast türkis zu hellblau und wieder zurück. Aber es dauert fast eine Stunde bis ich die Fähre kommen sehe. Diesmal möchte ich die Auffahrt auf die Fähre filmen. Ich mache die Kamera klar und schon geht die Verladung los. Die Mopeds werden meistens ganz links oder ganz rechts neben die regulären Autospuren eingewunken. Auf diese Weise nehmen sie keinem Auto den Platz weg. So ist es auch hier. Freundlich lächelnd zeigt die Einweiserin nach links. Und ich halte mich links. Sie zeigt weiter nach links. Und ich halte mich weiter links. Und noch weiter. Und KrachBummPäng: Ich treffe mit dem linken Aussenspiegel das Geländer des Aufganges zum Aussichtsdeck. Super! Und super peinlich. Die Filmaufnahmen von dem Treffer sind hoffentlich was geworden. Die Aussenspiegel der Pan lassen sich zum Glück recht einfach abnehmen und ebenso einfach wieder aufstecken. Also ist das Malheur innerhalb von ein paar Minuten beseitigt und ich begebe mich auf das Aussichtsdeck. Knapp 40 Minuten später legt die Fähre in Hofles an.

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Landschaften an der Küste. Es ist wunderschön hier.

 

Das dortige „Fjord Camping“ ist eine Niete für mich. N ur wenige Hütten auf einer entfernten Wiese. Nichts für die Pan. Dazu später mehr. Kurz hinter Hofles biege ich auf die RV530 und kurz danach auf die RV770 auf Kolvereid ab. Und dann auf die RV771. Bei Lysfjord will ich wieder auf die FV17 treffen.

Dann sehe ich bei Nausbukta das Schild zum Campingplatz Sildvika. Ich fahre dahin und finde die Lage super. Ich entschließe mich, morgen einen Ruhetag einzulegen und den hier zu verbringen. Die Aussicht hier ist toll und es ist ruhig. Die Hütten sehen gut aus. Eine Rezeption gibt es nicht. Am Waschhaus hängt wie gehabt eine Telefonnummer. Es meldet sich Paul. Er spricht englisch und sagt mir er könne mir nur „High Standard“ für 900NOK die Nacht anbieten. Egal. Ich miete für zwei Nächte. Er weist mir die Hütte Nr. 2 zu. Der Schlüssel liege unter der Fussmatte. Er würde irgendwann vorbeikommen wegen des Kassierens. Ich parke die Pan unterhalb der Hütte. Die Hütte ist toll.

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Bilder der Hütte und Ausblick von der Terasse

 

Hier werde ich es bis übermorgen gut haben. Ich hole meine Sachen und richte mich schnell ein. Jetzt noch schnell einkaufen: Heute brauche ich nichts mehr, aber morgen möchte ich frühstücken und am Abend was ordentliches kochen. Ich habe kurz vor der Abbiegung zum Campingplatz einen kleinen Coop gesehen. Ich schwinge mich aufs Moped und fahre dahin. Die Öffnungszeiten des Ladens sind der wüste Traum jeder deutschen Verkäuferin: Montags bis Donnerstags von 10-17 Uhr, Freitags von 10-18 Uhr. Samstags und Sonntags geschlossen. Heute ist Donnerstag. Und es ist 17:39. Mist. Ich hole mein Handy raus. Google Maps sagt der nächste Laden ist in Kolvereid. 15 Km. Na gut. Bin ich wirklich nur 15 Km seit Kolvereid gefahren? Egal. Ich fahre los. Nach 27,4 Km bin ich in Kolvereid und mir wird klar, das Google Maps die Entfernung in Luftlinie angibt. Sowas wie Luftlinie gibt es hier aber nicht. Allenfalls für Möwen. Und ich bin keine Möwe. Also fahre ich für ein paar Brötchen, zwei kleine Nackenkottlets, drei Äpfel und zwei Beutel Kochreis, eine Tube Senf und eine kleine Tube Tomatenmark fast 60km. Ich bin ein Held. Andererseits: Das Fahren macht auf dieser Strecke riesigen Spaß. Und deshalb bin ich ja schließlich auch hier. Erst jetzt bemerke ich so richtig, wie sehr sich die Fahreigenschaften der Pan mit dem Gepäck zum schlechten verändert haben. So ganz ohne zusätzlichen Ballast läuft sie erheblich stabiler und handlicher. Ich beschließe, die Beladung der Pan nochmal zu überdenken. Das Topcase und die Gepäckrolle sind zu schwer beladen, die Koffertaschen zu leicht. Ich werde das ändern.

 

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Ihr müsst hier ganz stark sein: Die Bierpreise im Supermarkt.

 

Kilometerstand 81580:

Zurück an der Hütte begebe ich mich mit einem Calvados aus dem Flachmann auf die Terasse und lese. Die Sonne scheint noch um 22 Uhr. Aber es wird empfindlich kalt und ich gehe rein. Mitternacht liege ich in einem Bett mit richtiger Bettwäsche und schlafe wie ein Stein.

Fünfter Tag: Pause

 

Freitag, 3. Juni

Es gibt nichts zu berichten. Heute ist Ruhetag. Die Pan steht untätig vor der Tür und ich verbringe den Tag mit lesen und schreiben.
Paul kommt vorbei und kassiert seine 1.800NOK und abends koche ich mir ein leckeres Essen. Morgen früh geht es weiter.

Kurzer Zwischenbericht

So, da bin ich wieder. In den letzten zwei Tagen hatte ich keine Zeit bzw. Energie hier was ‚reinzustellen. Die Tage waren lang und schön, aber auch anstrengend. Und  ereignisreich. Keine Sorge, die Berichte liefere ich morgen nach. Ich mache immer fleissig Notizen unterwegs. Und es gibt einiges zu erzählen und schöne Fotos. Morgen lege ich einen fahrfreien Tag ein.Dann werde ich die  Zeit finden was zu schreiben. Damit Ihr wissst wo ich bin: Ich habe eine wunderbare Hütte (High Standard)

Meine Hütte in Nausbukta

Meine Hütte in Nausbukta

 

am  Sildvika Camping in Naustbukta bezogen. „High Standard“ heisst: Ich habe meine eigene Dusche/Toilette und eine separates Schlafzimmer. Und eine voll eingerichtete Küche.Also Quasi ein kleines Ferienhaus.

Aussicht von der Terasse

Aussicht von der Terasse

 

Und ganz wichtig: An dieser Stelle möchte ich mich für die lieben Kommentare und EMails bedanken. Und die netten Ermunterungen weiter zu schreiben. Das motiviert sehr. Mache ich auch ganz sicher. Allerdings mit etwas Zeitversatz..
Wer Verbesserungsvorschläge oder Fragen hat: Nur raus damit. Eine Frage beantworte ich hier schon mal: Ja, Bier ist wirklich sehr teuer: Ich war heute Abend im Supermarkt (das ist noch eine eigene Geschichte)  und habe von der Dosenbierabteilung Fotos gemacht: Der Liter Carlsberg kostet knapp 60 NOK.Das sind ungefähr 6,60 Euro. Wein oder gar Spirituosen kann man da überhaupt nicht kaufen. Und an einen Abend wie diesem würde ich echt was drum geben einen leckeren Riesling im Glas zu haben. Einen Vinnemonopolet Laden habe ich hier in der Gegend nicht entdecken können. Allerdings habe ich auch nicht wirkich gesucht.

Es ist jetzt 20:30 hier, und die Sonne steht noch recht hoch am Himmel. Der Norden naht. Und ich setze mich jetzt mit meinem Aberlour auf die Terasse.

 

Sechster Tag: Mehr Fähre als Moped

Samstag, 4. Juni

Bin gestern spät bzw. früh heute morgen in’s Bett gegangen. Und ich schlafe unruhig. Ich werde mehrmals wach und habe wirre Träume über die ich hier nichts berichten möchte. Den Wecker hatte ich mir auf 7:30 gestellt, bin aber um 6:30 schon munter. Ich koche mir einen Kaffee. Frühstück mache ich mir keins. Obwohl ich alle notwendigen Zutaten da habe. Ich habe einfach keinen Appeteit. Meine Abfahrt habe ich gestern schon weitgehend vorbereitet. Ich habe fast alles gepackt und auch die Gewichtsoptimierung vorgenommen. Jetzt noch ein paar Kleingkeiten verstaut, die Hütte rein gemacht und es geht los.Schnell bin ich am FV17. Auf dem bleibe ich jetzt bis Bodö. Das sind von hier noch gut 450 Kilometer. Immer die Küste entlang. Ich muß mir vorläufig keine Strassennummern mehr merken. Das Wetter ist durchwachsen. Mal nieselt es, mal kommen ein paar Sonnenstrahlen durch. Aber es ist recht kühl: Nur 7 Grad. Nach ein paar Kilometern stehe ich am ersten Fähranleger für heute.

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Mit den Namen der einzelnen Abfahrts- und Ankunftsorte verschone ich euch. Wer das genauer wissen will kriegt das mit „Google Maps“ problemlos raus. Nur soviel: Ich werde heute vier Fähren benutzen (müssen). Das kostet Zeit. Es ist Vorsaison und der Fahrplan ist noch recht ausgedünnt. Hier an der ersten Fähre stehe ich nun und es regnet. Zum Glück nicht heftig und es hört auch bald auf. Ich warte eine halbe Stunde. Dann geht es los. Derweil ist die Sonne herausgekommen und macht die Passage zu einem tollen Erlebnis. Dann runter vom Schiff und es folgen einige wunderbare Straßenkilometer. Leider zu wenige: Schnell stehe am Anleger Nr. 2 für heute. Dort warte ich in schönstem Sonnenschein wieder ca. eine halbe Stunde und es geht wieder aufs Schiff. An Bord komme ich mit einem Ehepaar aus Hamburg ins Gespräch. Rentner, gute 70 und mit dem WoMo unterwegs. Sie sind seit Februar unterwegs: Erst Neuseeland, dann Island Hopping auf den Cook Inseln und einen Abstecher nach Singapur. Letzte Woche haben sie in HH das WoMo abgeholt sind nun unterwegs zum Polarkreis. Dort wollen sie nach Finnland abbiegen. Nicht schlecht…

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Weiter geht es bei wechselhaftem Wetter entlang des großartigen FV17. Was für eine Steckenführung. Diese Straße wurde für Motorradfahrer gebaut. Und die umgebene Natur haut einen förmlich um. Dann Fähre drei. Die läuft über eine Stunde und hat verschiedene Anlegestellen. Da die Fähren hier alle RoRo (Roll on Roll off) sind kann durch geschickte Verteilung der Fahrzeuge jeder an seinem Bestimmungshafen runter fahren. Vorher genehmige ich mir in Sandnessjoen an einer Tankstelle einen Hamburger. Ich brauche was warmes im Bauch. Mir ist kalt und ich bin heute schon einige Male nass geworden. Der Burger schmeckt richtig gut. Er hätte noch besser geschmeckt wenn ich ihn ungestört hätte essen können.

Von der Seite quatscht mich ein Mann an. Ich hatte nur mit einem Ohr zugehört und antworte: „Sorry, I am not norwegian. Do you speak english?“.

„Se kennet aber scho deitsch mid uns schwätze. Sie sinn doch de Fahrer von denne Modorad mit dem deitsche kennzeiche?“ kommt es zurück. Au wei. Ich blicke auf und da steht ein Paar mitteren Alters. Der Mann spricht. Als der mich zuerst angeredet hatte habe ich seine Ansprache nicht als deutschsprachig identifiziert. Naja, irgendwie ist schwäbisch ja auch kein deutsch. Jedenfalls nicht wirklich. Wie dem auch sei: Die beiden haben Gesprächsbedarf. Fragt der Mann mich doch allen Ernstes ob ich wüsste wo man hier eine gute Landkarte kaufen kann. Ihm fehle ein Teil von Helgeland in kleinem Maßstab. Ich verneine, biete aber meine Hilfe an: Ich habe einen kompletten Satz Bernd & Freytag Norwegenkarten dabei. 200000er. Darin ist jedes Bauerndorf und jede Nebenstraße verzeichnet. Davon will der gute nichts wissen. Er will seine eigene.

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Während des Gespräches bemühe ich mich, meinen Burger weiter zu essen damit der nicht kalt wird. Die Frau erzählt mir, es sei in Ihrer Firma so schwer gewesen Urlaub für diese Reise zu kriegen, dass die Lofoten ganz wunderbar seien und sie dort aufgrund der Vorsaison jeder 50 Kronen Eintritt ins Museumsdorf gespart hätten weil das im Moment frei zugänglich sei. Ich mampfe derweil weiter, nicke öfter mal mit dem Kopf und sage dabei „mmmhhmm“. Das verstehen die beiden als Ermutigung mich weiter mit Informationen zu versorgen die ich nicht brauche. Der Mann hat derweil seine Lofotenkarte geholt, breitet die über meinem Essen aus und fängt an, mir zu erklären wo sie die letzten Wochen mit ihrem WoMo verbracht haben während ich versuche die letzten warmen Reste meines Burgers unter der Karte her zu klauben ohne diese zu versauen. Unter anderen Umständen wäre diese Begegnung vielleicht ganz angenehm gewesen. Aber ich sitze hier im Trubel einer Tanke, versuche einen Burger zu essen solange er noch warm ist und meinen Kaffee dabei zu trinken. Und ich bin nass und kalt. Und im Augenblick will ich meine Ruhe. Die beiden sind durchaus freundlich. Aber für meinen Geschmack und die aktuelle Situation etwas zu aufdringlich. Aber sie lassen von mir ab. Ich winke ihnen noch freundlich hinterher und kann meinen Kaffee in Ruhe trinken.

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Weiter geht es von Sandnesjoen über die große Helgelandbrücke – ich bin seit geraumer Zeit in der Provinz Helgeland – zur Fähre Nr. 4. Die Helgelandbrücke ist ziemlich hoch. Eine geschwungene Auffahrt führt die Fahrbahn auf die Brücke die auch von sehr großen Schiffen unterquert werden kann. Es ist super windig und ich fahre in Schräglage die große Rampe zur Brücke hinauf. In Ihrem Windschatten ist es dann schlagartig ruhig. Aber ich weiss: Wenn ich den Scheitelpunkt der Brücke erreiche wird es mich wieder treffen. Und so ist es auch. Wie eine große Faust trifft mich der Wind genau von vorn als ich am höchsten Punkt der Brücke ankomme. Das ist heftig. Direkt hinter der Brücke geht es rauf in die Berge. Die Schneefelder fangen hier allerdings schon fast auf Meehreshöhe an. Nicht erst weiter oben wie im Süden. Als ich die Schilder „Kjettingsplass“ sehe, schwant mir böses. Ein „Kjettingplass“ ist eine große befestigte Haltebucht vor Passüberfahrten oder Hochebenen auf denen mit viel Schnee und Eis gerechnet werden muss. Hier hat man noch die Gelegenheit von der Straße runterzufahren und Schneeketten aufzuziehen. Bisher ware das „Kjettingplass“ Schild immer ein untrüglicher Hinweis darauf, dass es bald ungemütlich wird. Heute ist das nicht so. Ich fahre zwar immer höher, aber die Straßen sind gut und ich habe einmalige Ausblicke über Berge und Küstenlandschaft.

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Es es ist der Hammer. Hier sieht es überall so aus als ob gleich Gandalf um die Ecke geritten kommt. Dann die letzte Fähre des Tages, und die einzige auf der ich aufgefordert werde mein Motorrad zu verzurren. Der freundliche Einweiser hilft mir dabei. Notwendig wäre das nicht gewesen. Die Überfahrt ist ruhig und sonnig. Das war es mit den Fähren für heute. Und mir reicht es auch. Zu den Kosten: Die Überfahrten kosten zwischen 52 und 81 NOK. Da mir das Bargeld hier zwischen den Fingern verrinnt, habe ich vorgestern schon beschlossen wann immer es geht die Kreditkarte einzusetzen. Das ist hier total normal. Die Norweger setzen auch bei kleineren Beträgen konsequent Plastikgeld ein. Und tanken geht fast nicht anders. Also sollte man unbedingt eine VISA oder Master mit PIN dabei haben. Ich habe beides. Die EC Karte ist an den Tank-Automaten nutzlos. Ich war bisher immer einer der wenigen die an den Fähren oder im Supermarkt bar bezahlt haben. Nun denn, jetzt zahle ich auch überall mit Karte.

Bis zur nächsten Fähre sind es gut 100 Kilometer. Die nehme ich aber heute nicht mehr. Ich schaue ab jetzt nach einer Unterkunft. Die letzte Möglichkeit vor der Fähre wäre das „Polar Camp“ in Kilboghavn. Aber mir ist kalt und ich bin müde und ich werde die erste Gelegenheit nutzen die sich bietet. Doch jetzt zählt das alles nicht: Dieser Abschnitt ist der schönste den ich bisher gefahren bin. Mir fehlen die Worte zu beschreiben wie es hier aussieht. Auch die Handyfotos werden nicht mal den Hauch eines Eindruckes vermitteln können. Ich bin wirklich ein Glückspilz: Ich bin zwar schon ein paarmal nass geworden heute, und kalt ist es auch. Aber insgesamt fahre ich den FV17 bei grandiosem Wetter. Kein Dauerregen und kein Sturm sondern sehr oft Sonne. Und über große Strecken habe ich die Straße für mich allein.

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Etwa 15 Km vor Kilboghavn sehe ich ein Schild „Aldersund Motell & Camping“. Ich biege da ab und finde einen sympathischen Laden vor. Eine Hütte habe sie für heute Nacht. Nicht ganz „High Standard“, aber fast. Dafür etwas preiswerter. Der Landlord bietet mir noch an, morgen früh zum Frühstücksbuffet zu kommen. Natürlich für einen extra Obulus. Ich melde mich an. Dann beziehe die Hütte von der aus ich einen atemberaubenden Ausblick auf die Küste habe. Ich koche mir noch einen Kaffee und schreibe etwas. Dann liege ich früh im Bett. Ich bin total KO. Mein Schlafsack hüllt mich schnell in eine angenehme Wärme und ich schlafe sofort ein. Es ist nicht mal 21 Uhr.

Siebter Tag – In der Arktis

Sonntag, 5. Juni

„If the weather is good, a motorbike ride from here to Bodoe will be an experience“. Das sagt mir Helger beim Abschied vom Aldersund Motell & Camping. Er sollte recht behalten.
Heute bin ich um vier Uhr wach. Zu früh ins Bett gegangen. Die Sonne lacht schon vom blauen Himmel und es scheint ein wunderbarer Tag zu werden. Zu früh für‘s Frühstück. Und ein früher Aufbruch wäre sinnlos. Die erste Fähre ist nur ein paar Kilometer entfernt und sie geht erst um 10:30 Uhr. Also nochmal umgedreht. Um sechs bin ich wieder wach. Und nicht mehr müde. Die Sonne strahlt immer noch und es sind nur ein paar kleine Wölkchen zu sehen. Ich mache mir einen Kaffee und belade das Motorrad. Kurz vor sieben kommt der Landlord vorbei. Und das ist Helger. Er macht seine Morgenrunde und will gleich das Frühstück vorbereiten. Wir quatschen etwas. Er betreibt Genealogie und er erzählt mir, das ein Teil seiner Familie aus Hindelang in Bayern stammt und im späten 17. Jahrhundert erst nach Dänemark und dann nach Norwegen ausgewandert ist. Er ist 61 und hat im letzten jahr einen Tumor im Kopf überlebt. Er sagt, die Arbeit hier und seine Frau Ann-Christine seien sein Lebenselexier. Und er hätte sich angewöhnt nur noch nach vorne zu schauen. Ein netter und interessanter Mann. Halb acht bin ich beim Frühstück. Zunächst bin ich allein, dann kommen noch ein paar wenige andere Gäste. Helger und ich unterhalten noch ein wenig. Aber dann hält es mich nicht mehr. Das Wetter ist super und ich will fahren. Ich verabschiede mich von den beiden und starte. Nach ein paar Kilometern kommt ein Tankautomat. Ich mache das Spritfass voll und weiter geht es. Es ist toll.

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Die Stille

An einer besonders schönen Stelle halte ich an und blicke auf einen kleinen See. Und da ist sie. Sie war vorher auch schon da. Sie begleitet mich vermutlich schon seit ein paar Tagen ohne dass ich sie besonders beachtet hätte. Aber jetzt spüre ich ihre Anwesenheit ganz bewusst: Die Stille. Damit meine ich nicht die absolute Stille sondern die Abwesenheit jedes von Menschen gemachten Geräusches. Ich höre den Wind in im Wald, das Wasser und viele verschiedene Vogelstimmen. Identifizieren kann ich aber nur einen Kuckuck. Von Vogelstimmen habe ich keine Ahnung. Ich liebe das. Irgendwie stört mich sogar der Klick der Handykamera als ich ein Foto schieße. Und als ich nach ein paar Minuten aufbreche habe ich fast ein schlechtes Gewissen etwas so seltenes wie diese Stille zu verscheuchen als ich den Anlasserknopf drücke. Schon gut. Ich werde sentimental. Aber achtet mal drauf: Eine solche Stille wird sich bei euch zuhause selbst in der einsamsten Nacht nicht einstellen: Man hört immer das entfernte Rauschen eines Autos, das Gluckern in der Heizung, das Surren des Kühlschrankes und das Atmen des Hauses oder das Schnarchen des – ach lassen wir das. Viel zu früh bin ich an der Fähre.

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Anleger in Kilbogavn

Das Warten ist nicht schlimm. Ich sitze am Anleger in der Sonne und träume vor mich hin. Dann geht es endlich los.
Diese Fährpassage ist etwas besonderes für mich. Ein paar Minuten nach dem Ablegen erreicht das Schiff 66° 33′ 55″ nördlicher Breite. Den Polarkreis. Dann bin ich zum ersten Mal in meinem Leben in der Arktis.

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Polarkreis

Ja, ich weiss das „Arktis“ nach neuerer Definition nicht mehr an den Polarkreis gebunden ist, sondern an Vegetationszonen. Und demnach fängt die Arktis in Norwegen deutlich weiter nördlich an. Mir egal: Ich bin Traditionalist. Ich bin gleich in der Arktis. Punkt. Und tatsächlich: Bald ertönt die Lautsprecherdurchsage. Zunächst auf norwegisch, und dann „Ladies and gentlemen. In a few minutes we are crossing the arctic circle“.

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So sieht er aus, der Polarkreis

Natürlich stehe ich vorne auf dem Deck mit gezücktem Handy um ein Foto zu davon zu machen. Ja von was denn eigentlich? Die imaginäre Linie wird wohl kaum aus dem Wasser auftauchen und posieren. Klar: Ich weiss dass eine Landmarke am Ufer sichtbar werden wird. Und das tut sie auch. Ein Globus auf einem Sockel. Kaum zu erkennen aus der Entfernung. Fast alle Fährengäste stehen an der Reling und machen wie ich ihre Fotos.

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Die Landmarke

Dann wird es plötzlich leise: Das vibrieren der Motoren hat ausgesetzt und die Fähre rauscht still durchs Wasser. Nach ein paar Minuten kommt die Durchsage: Wieder erst norwegisch. Dann auf Englisch: „We have some technical problems and had to stop the engines“. Das wars. Sonst nichts. Wir treiben. Die Leute von der Mannschaft rennen hektisch herum. Sonst geschieht nichts. Ausser das der Kahn sich dreht. Ich gehe in den Salon. Kaffee gibt es auch nicht mehr. Kein Strom. Sorgen mache ich mir keine. Das Wetter ist super und nur wenige Fahrgäste an Bord. Das Meer liegt spiegelglatt und freundlich da. Ausserdem vertraue ich den Fachleuten. Nach einer viertel Stunde gelingt es offensichtlich, einen Teil der Maschinenleistung wieder zu aktivieren und es soll jetzt zurück gehen. Da würde eine Ersatzfähre warten. So das Gerücht. Gesteckt haben es mir zwei Motorradfahrer. Einheimische die zu einer Sonntagsrunde aufgebrochen sind. Es wird gratis Kaffee verteilt. Dann aber dreht der Kahn wieder und läuft mit normaler Gewschwindigkeit unser Ziel an. Das hat ungefähr eine dreiviertel Stunde gekostet. Kein Problem. Die Fähre legt an und ich fahre die ersten Kilometer durch die Arktis.

Die Fähre

Die Fähre

Auch nicht anders als vorher. Aber es ist immer noch unbeschreiblich schön. Leider ist die nächste Fähre nur ein paar Kilometer entfernt. Und hier rächt sich die Verspätung. Die Besatzung macht Mittag. Ich warte eineinhalb Stunden. Zum Glück in strahlendem Sonnenschein. Aber frisch ist es trotzdem. Dann geht es endlich los. Diese letzte Passage für heute ist kurz: Vielleicht zehn Minuten. Und was dann kommt ist eine nochmalige Steigerung von allen tollen Eindrücken der letzten Tage. Nehmt es einfach so hin. Beschreiben kann ich die Ausssichten nicht die ich hier habe. Tip an alle die mal nach Norwegen fahren: Den FV17 müsst ihr gefahren sein. Mitunter wird ja behauptet es sei die spektakulärste Küstenstraße der Welt. Das kann ich nicht beurteilen. Aber es ist mit großem Abstand die spektakulärste die ich gefahren bin.

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  • Brücke über den Saltstraumen

Am Saltstraumen halte ich kurz an. Das ist ein sehr heftiger Gezeitenstrom. Auf den Fotos der Handykamera lässt sich das nicht erkennen. Da müsste man eine vernünftige Kamera dabeihaben und diese auch bedienen können. Weiter geht es nach Bodö.

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Yachthafen von Bodö

Hier will ich übernachten und morgen die Fähre zu den Lofoten nehmen. Die Hütte ist „Lowest Standard“. Aber was die Sache sympathisch macht ist, dass der Herr an der Rezeption das auch sofort so sagt. Dafür ist sie günstig. Und WLAN gibt es hier auch.

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Hütte in Bodö

Ich checke den Wetterbericht. Mir kommen Zweifel. Auf den Lofoten herrscht Mistwetter. Kalt und regnerisch. Ich überlege, die Fahrt in Richtung Norden hier abzubrechen und mich wieder in den Süden zu begeben. Dort ist für die nächsten Tage überall Sommerwetter angesagt. Und der Süden und Südwesten von Norwegen ist wunderschön. Ich könnte dort noch sehr viele Ecken entdecken an denen ich noch nicht war. Und das bei schönstem Wetter. Dann denke ich mir, dass ich so schnell nicht wieder hier oben bin und ich mich schwer ärgern würde hätte ich so kurz vor dem Primärziel Nr. 2, den Lofoten, aufgegeben.
Also mache ich einen neuen Plan. Ab Mittwoch soll der Dauerregen auf den Lofoten nachlassen und das Wetter sich in Richtung „durchwachsen“ ändern. Also denke ich mir, dass ich morgen übersetze und Dienstag das schlechte Wetter in einer Hütte aussitze. Mittwoch soll es dann weiter gehen. Wohin ist noch nicht ganz klar. Das Wetter macht die Planung schwierig. Erstmal drüber schlafen.

Achter Tag – Lofoten

Montag, 6. Juni

Um sieben Uhr bin ich auf. Ich habe mich gestern abend entschlossen, auf jeden Fall zu den Lofoten überzusetzen. Ob das klug ist muss sich zeigen. Eigentlich ist es ja nicht besonders clever sehenden Auges von gutem Wetter in Dreckswetter hineinzufahren. Ich buche mein Ticket online. Die „Torghattan Nord“ Reederei unterhält dazu ein Buchungsportal. Danach schaue ich, wo auf den Lofoten ich unterkommen werde. Die Unterkunft darf nicht zu weit von Moskenes, dem Ziel der Fähre entfernt sein, denn die legt erst nach 20 Uhr dort an. Der Plan ist, morgen einen Pausentag einzulegen um das schlimmste Wetter auszusitzen. Ich entscheide mich für Ramberg. Ich rufe da an und die nette Dame kann mir nur „High Standard“ zu sagenhaften 1050 NOK die Nacht anbieten. Da ich zwei Nächte bleibe und das Wetter saumäßig wird buche ich trotzdem. Wenn schon festsitzen dann komfortabel. In dem Preis ist allerdings Bettwäsche und Frühstück inklusive. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Jetzt muss ich noch in die Stadt. Seit gestern Nachmittag habe ich kein mobiles Internet mehr. Jeder Versuch eines Internetzugriffes wird mit der Umleitung auf eine Webseite quittiert die mir mitteilt, mein Volumen sei erschöpft. Das kann nicht sein. Ich habe ca. 400Mb verbraucht bisher. Die Karte beinhaltet 12 Gb. Nützt aber nichts. Ich teile meiner Firma das kurz mit und die wollen sich beim Anbieter beschweren. Da ich unbedingt unterwegs die Möglichkeit des Zugriffs auf unser Firmennetz benötige frage ich mich heute in Bodö durch, wo eine Pepaid-SIM zu kaufen ist. Ich lande in einem Laden von Telenor. Dort kaufe ich eine Karte mit 500NOK Guthabenvund 100NOK für die SIM. Mist. Draussen probiere ich die Karte aus. Sie funktioniert problemlos. Dieses Problem wäre also gelöst.

Das nächste Problem ist die Gammelei. Die Fähre heute geht erst um 16:30. Eine dreiviertel Stunde vorher muss man da sein. Bis dahin sind es noch ettliche Stunden. Und das Wetter verschlechtert sich zunehmend. Ich fahre zu einer Tanke und hole mir einen Kaffee und ein Hühnchensandwich. Das ist mir Salat und gegrillter Hühnchenbrust belegt. Schmeckt nicht so gut wie es sich anhört. Der Kaffee ist OK.

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Warten…Warten…Warten

Zum „Fergekai“ ist es nur ein kurzer Weg. Da stehen bereits ein paar Fahrzeuge. Zwei davon kenne ich. Die habe ich auch immer mal wieder auf dem FV17an den Fähren getroffen. Ich nehme die „reserved lane“ ganz rechts. Die ist für die Wartenden gedacht, die schon ein Ticket haben. Ich kann bis vorne durchfahren. Von der Straße aus hatte ich schon gesehen, dass es hier einen Warteraum mit Catering und WC gibt. Dorthin begebe ich mich. Es sitzen einige Backpacker und Radfahrer da rum. Ich bin der einzige Motorradfahrer. Etwas hektisch wird es in dem Raum als die „Finnmarken“ – ein Schif der berühmten Hurtigrouten – anlegt. Da wird die kleine Theke im Warteraum plötzlich gestürmt. Doch der Sturm geht schnell vorüber. Die meisten Passagiere der „Finmarken“ die das Schiff verlassen zieht es wohl in die Stadt. Dann kommt ein Pärchen herein. Er Norweger, so Ende 40, sie Deutsche, so Anfang 30. Sie kommen mit einer Menge Tolleys und einer riesigen Unterwasserkamera mit Scheinwerfern dran. Auch auf einem Trolley. Ich vermute mal ein Filmteam. Aber ich liege falsch. Es sind Meeresbiologen. In den nächsten Stunden erfahre ich viel über die weltweite Verbreitung einer bestimmten Seeigel-Spezies welcher der Mann schon seit Jahren auf der Spur ist. Weltweit. Ich erfahre das, weil er seiner hübschen blonden Begleiterin die ganze Wartezeit über darüber einen Vortarg hält. Sie scheint sich auch wirklich dafür zu interessieren. Sie fragt dauernd nach und will weitere Details die der Gute dann auch zum Besten gibt. Es gibt eben für alles Spezialisten.

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Kurz nach vier beginnt das Boarding. Es sind mittlerweile doch noch einige Motorradfahrer eingetroffen. Darunter eine Abteilung der „Gospel Riders“. So eine Art evangelikaler Mopedclub mit Missionsauftrag aus Finland. Mit merkwürdigen Kreuzsymbolen auf Kutte und Moped. Jeder wie er‘s mag.Ich fahre als erter auf die Fähre und muss mein Motorrad rückwärts auf den ersten der ausgezeichneten Mopedstellplätze rangieren und dann verzurren. Das geht problemslos.

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Jetzt hoch in die „Passengers Lounge“. Ich suche mir einen bequemen Platz und die Gammelei geht weiter. Für die nächsten vier Stunden. Ich komme mit einem Norweger ins Gespräch. Der wohnt auf den Lofoten und war mit seiner Frau – die so wie er auch Motorrad fährt – auf dem Festland für die Inspektion und einen neuen Satz Reifen für seine BMW 1200 (nein, nicht GS sondern endlich mal RT). Seine Frau hat auch eine. Er erzählt mir von den schönheiten der Lofoten und meint mit dem Wetter käme er schon klar. Er kenne es nicht anders. In den vergangenen zwei Wochen haben sie hier wohl Traumwetter gehabt. Ich bin zu spät. Nach dem Auslaufen eröffnet die Futtertheke.

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Passengers Lounge

 

Ich stelle mich an und ordere einen Hamburger mit Pommes und nehme noch einen Kaffee und ein Glas Wasser mit. Das Wasser ist kostenlos. Das habe ich hier schon an mehreren Stellen erlebt. Statt des Essens bekomme ich ein rundes schwarzes Ding. „What is this for?“ frgae ich, und die nette Serviererin antwortet „Oh, it blinks and makes noise when your meal is ready. Then you can come and get it“. Sowas habe ich noch nie gesehen. Aber es funktioniert. Irgendwann blinkt und piept das Teil, ich gehe zur Theke und tausche Piepser gegen Teller.

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Der Piepser

 

Die restliche Zeit verbringe ich mit lesen. Irgendwann tauchen im Nebel verschwommen die ersten Berge der Lofoten auf. Ich mache ein paar Fotos. Aber man sieht nur Grau. Bald kommt die Durchsage und es geht ab aufs Autodeck. Ich bin der letzte der seine Kiste los bindet und auch der letzte der von Bord fährt. Mir egal. Runter von der Fähre geht es in den leichten Nieselregen. Die Berge der Lofoten hängen in dichten Wolken. Ich muss ungefähr 30Km bis zu meiner Unterkundt fahren. Eigentlich eine schöne Strecke. Aber das Wetter…

Um 21:15 bei Kilometerstand 82225 stehe ich an der Rezeption der Ramberg Gjaestegard und checke ein. Ich bekomme die Hütte Nr. 8. Eine Niummer zu groß aber eine andere gibt es nicht mehr. Sie überlässt mir die Hütte aber zum vereinabarten Preis. Von dem zusätzlichen Schlafzimmer profitiere ich auch in keinster Weise. Die Hütte ist gut. Sie hat leider keinen großen Esstisch sondern nur eine Sitzgruppe mit Couch und Sessel und einen relativ niedrigen Wohnzimmertisch. Das Schlafzimmer ist sehr gut und Dusche/WC ebenfalls. Aus dem Fenster schaue ich auf den weissen Sandstrand der Ramberg Bucht. Es ist sehr schön hier. Ich packe aus was ich brauche. Dann schaue ich aus der Mediathek noch einen Tatort. Gelesen habe ich heute genug. Und schreiben will ich morgen.

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Hütte in Ramberg. Sehr OK

 

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Der Ausblick aus dem Fenster.

 

Kurz nach Mitternacht liege ich in dem sehr bequemen und angenehm duftenden Bett. Und schlafe schnell ein. Allerdings habe ich die Vorhänge zugezogen. Es war immer noch taghell. Hier ist seit Ende Mai Tag. Die Sonne geht nicht mehr unter. Aber sehen kann man sie heute auch nicht…

 

Neunter Tag – Grounded in Ramberg

Dienstag, 7. Juni

Es gibt eigentlich nichts zu berichten. Ich hänge fest. Bei diesem Wetter kann man nicht Motorrad fahren. Ausser man hat mit allem abgeschlossen. Es giesst in Strömen und es stürmt. Ich habe verschlafen. Nachdem ich ein paar mal viel zu früh wach war und mich immer wieder umgedreht habe weil es Frühstück erst ab acht Uhr gibt schlafe ich wieder so fest ein, dass ich erst um 9:50 wieder wach bin. Das ist zu spät. Frühstück ist von Acht bis Zehn. Egal. Für heute habe ich noch Vorräte dabei. Und Kaffee sowieso.

Nach dem Frühstück widme ich meine Zeit diversen Wetterdiensten. Übereinstimmend wird für morgen eine leichte Besserung gemeldet. Hoffentlich reicht das. Viel kann man auf so einer Hütte nicht machen. Also lese ich und schaue mir ein paar Folgen einer Serie an. Der Fernseher hier ist unnütz. Es gibt nur terristrischen Empfang: Zwei norwegische Programme. Und mein norwegisch hat Lücken. Aber es gibt ja WLAN und damit Internet Streaming. Auf Netflix und Amazon Prime kann ich hier zwar zugreifen, sie verweigern aber bei den meisten Serien und Filmen wegen der Rechtesituation das Streamen. Blöd. Aber ich weiss wo ich ansonsten was kriege. Ihr sicher auch….

Alle weiteren Entscheidungen vertage ich auf morgen.

Update:

Um Mitternacht wird der Sturm heftig. Ich schaue draussen ob das Motorrad noch steht. Das tut es. Es steht fest und sicher. Mein lieber Schwan, was ist das ungesellig draussen. Schnell wieder rein. Hier ist es warm und trocken. Ich gehe wieder ins Bett. Vielleicht erzähle ich morgen wann ich eingeschlafen bin.

Zehnter Tag – Grounded in Ramberg II

Mittwoch, 8. Juni

Ich verschlafe heute nicht. Obwohl es eine unruhige Nacht war. Ich war noch mehrmals auf. Der Wind tobt über die Bucht und um die Hütten. Es ist laut.

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Heute nacht, ca. 2:15 Uhr

 

Um 7:30 Uhr bin ich auf. Ich benutze die Dusche und überlege was ich mache. Draussen bläst es unvermindert. Der Dauerregen hat aufgehört und ab und zu zeigen sich blaue Löcher in der Wolkendecke und ein paar Sonnenstrahlen schaffen es durch mein Fenster. Aber trotzdem: Das Fahren bei dem Lüftchen kann man vergessen. 7-8 Bft gelten zwar noch nicht als Sturm, aber es ist kurz davor. Ich konsultiere diverse Wetterseiten und schweren Herzens entschließe ich mich, noch einen weiteren Tag abzuwarten. Die Zeit verrint unaufhaltsam. Meine Pläne die ich für die Lofoten hatte sind im Eimer. Aber ich kann es nicht ändern, also gelassen bleiben.

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Am Morgen ist es auch mal freundlich. Aber der Wind bleibt.

 

Ich gehe frühstücken. Das Buffet ist OK. Die haben sehr leckeren Lachs und der Kaffee tut gut. Ich gehe zur Rezeption und frage die freundliche Dame am Counter ob ich um einen Tag verlängern kann. Zu meinem Erschrecken sagt sie, dass es bedauerlicherweise nicht möglich sei. Ich bedanke mich trotzdem freundlich und spiele im Kopf schon diverse Möglichkeiten durch während ich mich umdrehe und gehe. Die Dame kommt hinter mir hergelaufen. Sie habe eine andere Lösung gefunden: Die Hütte die ich im Augenblick bewohne ist ab heute Nachmittag gebucht. Da ist nichts zu machen. Aber die Firma hat noch ein Rorbur am Hafen. Das ist frei und wenn ich will kann ich es bis morgen haben. Zum gleichen Preis. Allerdings gebe es da kein Internet. Puh. Das mit dem Internet ist mir reichlich egal, ich habe ja meinen mobilen Accesspoint dabei. Nur mit dem Streaming wird es da nichts. Darauf kann ich aber locker verzichten. Ich sage natürlich zu und sie gibt mir schon den Schlüssel und erklärt mir anhand einer Postkarte wo ich das Rorbur finde. Es ist am Hafen, am Ende einer Mole. Ein Rorbur ist ein kleines traditionelles Fischerhäuschen. Die findet man oft in Norwegen. Sie werden gerne von Anglern gemietet. Ich gehe zur Hütte, packe meine Klamotten und liefere den Hüttenschlüssel ab. Dann mache ich mich auf den langen Weg von ca. einem Kilometer und stehe vor dem Rorbur.

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Die Fahrt über die Mole war schon wüst. Der Wind ist wirklich heftig. Das Rorbur ist OK. Viel zu groß für mich, natürlich. Im Erdgeschoss ist Dusche/WC, im ersten Stock Wohnküche und zwei Schlafzimmer. Ich lade vom Moped nur ab was ich heute noch brauche und richte mich ein. Dann fahre ich noch schnell zum „Bunnpris“ – einer Supermarktkette – und versorge mich mit ein paar Kleinigkeiten. Heute gibt es Hühnchen mit Reis. Ich muss nicht mehr darauf achten, ob das was ich kaufe ohne Kühlschrank haltbar ist: Die Temperaturen die hier herrschen und die mich die nächsten Tage erwarten sind so gelagert, dass ich mich in einem Kühlschrank werde aufwärmen können.  Mein Topcase ist bereits jetzt schon ein mobiler Kühlschrank.

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Verhungern kann ich hier nicht: Jede Menge Stockfisch

 

Zurück im Rorbur koche ich Kaffee und dann wird gelesen. Am späten Nachmittag checke ich nochmal die Wetterseiten und schmiede Pläne für die nächsten Tage. Das warten hier macht mich nicht eben glücklich. Ich will fahren. Ich will in den Norden. Heute ist der dritte Tag an dem ich nicht weiter komme. Na gut: Vorgestern bin ich wenigstens mit der Fähre von Bodö bis hierher gekommen. Aber gefahren bin ich in den letzten drei Tagen weniger als 40 Km.

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Der Blick aus dem Rorbur

 

Aber morgen geht es über die Lofoten. Richtung Norden bis Harstad. Dort suche ich eine Unterkunft. Wie es von dort weitergeht entscheide ich morgen abend. Das wird der nächste D-Day. Von Harstad bis zum Kap sind es noch gut 800 Km. Ob ich mich auf den Weg dahin mache wird morgen Abend dort entschieden.

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